24.02.2021
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Alarm am Handgelenk: Mechanische Uhren mit Weckfunktion – von Eterna bis Patek Philippe

Von Theodossios Theodoridis
Alarm am Handgelenk: Mechanische Uhren mit Weckfunktion – von Eterna bis Patek Philippe

Alarm am Handgelenk:
Mechanische Uhren mit Weckfunktion – von Eterna bis Patek Philippe

Sie ist eine der charmantesten und nützlichsten Komplikationen überhaupt. Und dennoch haben sie nur wenige Uhrenfans auf dem Radar – oder gar am Arm: eine mechanische Uhr mit Alarmfunktion.

Dasselbe gilt für Uhrenhersteller. Es sind nicht mehr viele, die aktuell einen Armbandwecker im Sortiment haben. Was schade ist. Schließlich dürfte diese Funktion weitaus häufiger im Alltagsleben von Nutzen sein als die beliebte GMT-Funktion, die derzeit nahezu jeder Uhrenhersteller zu führen scheint.

Das war mal anders: Ab Ende der 1940er-Jahre soll es einen regelrechten Armbandwecker-Boom gegeben haben. Mehrere US-Präsidenten sollen auf die nützlichen Helfer gesetzt haben. Der „Alarm am Arm“ erinnerte sie an ihren nächsten Termin. Als die Quarzuhren aufkamen, musste sich das mechanische Surren dem digitalen Piepen geschlagen geben. Es war einfach nicht mehr zeitgemäß.

Aber vielleicht ist es ja nun an der Zeit für ein Revival dieser Komplikation. In Sachen Nützlichkeit im Alltag dürfte sie für manchen direkt nach der Tag-/Datumsfunktion und dem Chronographen kommen. Werfen wir also einen Blick auf die Historie dieser interessanten und nach wie vor unterschätzten Komplikation.

Die Geschichte des Armbandweckers – die wichtigsten Meilensteine

Den Grundstein legte Eterna mit dem Patent No. 42203 im Jahr 1908. Es ermöglichte dem Schweizer Uhrenhersteller 1914 erstmals, eine mechanische Armbanduhr mit Alarmfunktion zu präsentieren. Leider waren diese Uhren kein sonderlich großer Erfolg. Zum einen sollen sie recht fehleranfällig gewesen sein, zum anderen bevorzugte man zu dieser Zeit eher Taschenuhren. Es mussten noch einige Jahrzehnte vergehen, bis Vulcain 1947 die erste populäre mechanische Armbanduhr mit Handaufzug und zwei Federhäusern präsentierte – die Cricket.

A Vulcain Cricket from the 1940s
Vulcain Cricket 1940er-Jahre

Ihren Namen erhielt die Cricket aufgrund des rasselnden bzw. zirpenden Geräuschs, den der mechanische Alarm macht (Cricket – engl. Grille). Zur Popularität der Uhr dürften vor allem die US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower, Harry S. Truman, Richard Nixon und Lyndon B. Johnson beigetragen haben. Sie alle besaßen dieses Modell und trugen es regelmäßig. Werbeträchtig erhielt sie den Beinamen „The Presidents’ Watch“. Bis heute soll nahezu jeder US-Präsident seit Truman eine Vulcain Cricket erhalten haben.

Doch zurück in die 1940er-Jahre. Nur zwei Jahre nach Vulcain brachte Jaeger-LeCoultre 1949 ebenfalls einen bis heute legendären Armbandwecker auf den Markt.

Jaeger-LeCoultre Memovox – erstmals automatisch und tiefseetauglich

Vintage Jaeger-LeCoultre Memovox
Vintage Jaeger-LeCoultre Memovox

Damit nicht genug: Jaeger-LeCoultre trieb das Thema Alarmfunktion mit eigenem Know-how und Innovationen weiter voran. 1956 entwickelten die Schweizer die erste Automatikuhr mit Weckfunktion, 1959 folgte die bis 200 Meter wasserdichte Taucheruhr Memovox Deep Sea. Ihr Alarm funktionierte sogar unter Wasser und erinnerte Taucher daran, wann es Zeit war, wiederaufzutauchen. Heute ist sie ein äußerst seltenes und entsprechend gesuchtes Sammlerstück.

Vulcain antwortete hierauf 1961 mit einer eigenen Taucheruhr namens Cricket Nautical – wasserdicht bis 300 Meter.

Vintage Vulcain Cricket Nautical
Vintage Vulcain Cricket Nautical

Mit ihr tauchte Hannes Keller im selben Jahr in die damalige Rekordtiefe von 222 Metern.

Ebenfalls ein Sammlerstück – vor allem aber ein Hingucker – ist die bunte 70er-Jahre Variante mit Dekompressionstabelle.

1970s Vulcain Cricket Nautical
1970s Vulcain Cricket Nautical

Omega Seamaster Memomatic – minutengenaue Alarmzeit

Ein weiterer Meilenstein ist die ab 1969 produzierte Omega Seamaster Memomatic mit rotvergoldetem Lemania Uhrwerk.

Omega Memomatic alarm watch, Image: Zeigr
Omega Memomatic Armbandwecker, Bild: Zeigr

Ihre Besonderheit: Die Alarmzeit lässt sich über einen cleveren Drehscheibenmechanismus minutengenau einstellen. Der Aufzug des Weckers erfolgte erstmals automatisch. Davor geschah dies per Handaufzug über die Hauptkrone oder eine eigene zweite Krone.

Soweit also in aller Kürze die Meilensteine. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es natürlich viele weitere Hersteller gab, die sich des Themas Armbandwecker angenommen haben.

Da wäre zum Beispiel die Rolex-Tochter Tudor, die ab 1957 auf die von mehreren Herstellern verwendeten AS-Werke (Adolph Schild) in der Modellreihe Advisor setzte. Als Vintage-Modelle sind diese Uhren ab rund 2.000 EUR zu bekommen und definitiv einen Blick wert.

Wenn Sie einen etwas günstigeren Einstieg in die Welt der Vintage-Armbandwecker suchen, sollten Sie einen Blick auf die Seiko Bell-Matic werfen.

Seiko Bell-Matic with an alarm function
Seiko Bell-Matic Armbandwecker

Diese Modelle stammen in der Regel aus den 1960er- und 70er-Jahren, haben sogar Inhouse-Werke und sind vergleichsweise günstig. Preislich liegen die Uhren im dreistelligen Bereich.

Die Neuzeit – Re-Editions und aktuelle Modelle

Für alle, die nicht viel mit Vintage-Uhren anfangen können: Es gibt noch einige Hersteller, die nach wie vor bzw. wieder Armbandwecker produzieren. Zum Teil sind es sogar moderne Neuauflagen der oben gezeigten Klassiker – wie diese Vulcain Nautical Trophy.

Vulcain Nautical Trophy
Vulcain Nautical Trophy

Und auch Jaeger-LeCoultre hat einige bemerkenswerte neue Modelle im Portfolio – zum Beispiel die Master Memovox.

Jaeger-LeCoultre Master Memovox
Jaeger-LeCoultre Master Memovox

Und auch Tudor hat seine Advisor neu aufgelegt. Die aktuellen Modelle tragen zwar die Bezeichnung „Heritage“, haben aber mit ihren Vorgängern in Sachen Design nur noch wenig gemeinsam.

Tudor Advisor ref. 79620TN-0001
Tudor Advisor ref. 79620TN-0001

Kommen wir nun zum Nonplusultra, wenn es um mechanische Uhren und Komplikationen geht. Denn selbstverständlich hat es sich Patek Philippe nicht nehmen lassen, ebenfalls etwas zum Thema Armbandwecker beizutragen.

Patek Philippe – Grandes Complications Alarm Travel Time (Ref. 5520P)

Eine Patek Philippe für Vielreisende. Sie bietet zusätzlich zur Alarm-Funktion (24 Stunden) noch zwei Zeitzonen. Das Ganze auf besonders hohem Niveau. Während andere Armbandwecker ein im besten Fall charmant-schnarrendes Weckergeräusch von sich geben, klingt es bei dieser Patek Philippe wie ein edles Glockenspiel. Das Alarmgeräusch erinnert eher an eine Minuten-Repetition – weniger an einen schrillen Wecker. Nichts anderes erwartet man aber auch von diesem Hersteller.

Grandes Complications Alarm Travel Time (ref. 5520)
Grandes Complications Alarm Travel Time (ref. 5520)

Die Grandes Complications Alarm Travel Time beherbergt ein edles Schlagwerk aus eigener Manufaktur in einem ebenso edlen Platingehäuse. Beide bringen einen entsprechend hohen Preis mit sich. Um die 200.000 EUR aufwärts sollte man hierfür bereithalten.

Soweit also dieser Einblick in die Welt der Armbandwecker – von den Anfängen bis heute.

Mein persönlicher Tipp: Suchen Sie auf Chrono24 einmal nach Ihren Lieblingsmarken und ergänzen Sie diese um den Begriff „Alarm“. Sie werden erstaunt sein, auf welche seltenen und wenig bekannten Uhrenmodelle Sie dabei stoßen werden. Sowohl neu als auch Vintage.

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Über den Autor

Theodossios Theodoridis

Seit den 80er und 90er Jahren ist Theo von Uhren begeistert und besitzt heute ca. 40 Stück – darunter Zeitmesser von Omega, Sinn oder Heuer. Über die neuesten Fundstücke …

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