19.06.2018
 4 Minuten

Audemars Piguet Royal Oak Offshore gegen Hublot Big Bang

Von Robert-Jan Broer
Audemars Piguet Royal Oak Offshore vs Hublot Big Bang

Auch wenn die Audemars Piguet Royal Oak bereits 1972 erstmals vorgestellt wurde, erblickte die deutlich kräftigere Royal Oak Offshore erst 21 Jahre später, im Jahre 1993, das Licht der Welt. Gestaltet wurde die 42 mm große Offshore von Emmanuel Gueit. Den Auftrag soll er von Stephen Urquhart, einem damaligen Manager von Audemars Piguet und späteren CEO von Omega, erhalten haben. Demnach soll sich Urquhart etwas Besonders zum 20-jährigen Jubiläum der Royal Oak gewünscht haben.

Das gewagte und große Design der Royal Oak Offshore war zwar nicht jedermanns Sache, trotzdem wurde die Uhr 1993 der Öffentlichkeit vorgestellt. Viele Fans der Royal Oak waren von dem extremen Design regelrecht entsetzt, doch öffnete die Offshore ganz neue Märkte für AP. Von der Uhr fühlten sich Menschen angesprochen, die lieber einen extravaganten Zeitmesser ihr Eigen nennen und nicht die eher zurückhaltende Royal Oak mit ihrem 70er-Jahre Charme.

 

Gleich und doch anders

Im Jahre 2004 sprang Hublot sozusagen auf den Royal-Oak-Zug auf. Mit der wachsenden Bekanntheit und dem Ruf der großen Sportuhr wurde es für die Manufaktur aus Le Brassus immer schwieriger, die große Nachfrage zu befriedigen. Hublot erkannte die Gelegenheit und entschied, dass es an der Zeit wäre, ihre eigene Kollektion etwas aufzupeppen und stellte 11 Jahre nach der Offshore von AP die Big Bang vor. Und der Name war gut gewählt. Offensichtlich von Gentas Royal Oak und Gueits Offshore inspiriert, verursachte die Big Bang einigen Aufruhr.

Hublot hob das Design auf die nächste Stufe und nutzte knallige Farben und ungewöhnliche Materialien. Zudem erschien jedes Modell ausschließlich in limitierter Auflage. Die Strategie zahlte sich aus und die Hublot Big Bang entwickelte sich zu einem Favoriten einer wohlhabenden Kundschaft, wie Fußball-Stars, Rappern oder dem Immobilienmakler aus der Nachbarschaft, der gerade ein kleines Vermögen gemacht hat.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore Safari
Audemars Piguet Royal Oak Offshore Safari, Foto: Bert Buijsrogge

Wie dem auch sei, sowohl die Kollektion von Hublot als auch die von Audemars Piguet erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Modelle sind quasi zum Kerngeschäft beider Firmen geworden. Interessanterweise ist die Royal Oak Offshore seit der Einführung der Big Bang noch ein Stück größer und bunter geworden. In gewisser Weise treiben sich beide Uhren gegenseitig an. Während Hublot-Fans die Offshore immer eine Spur zu langweilig finden werden, sehen Fans von Audemars Piguet in der Big Bang lediglich eine Mode-Uhr.

Einfach ausgedrückt sind die Royal Oak Offshore und die Big Bang Konkurrenten wie BMW und Audi oder Apple und Windows — entweder man liebt den einen und hasst den anderen, oder kann beide nicht ausstehen.

Hublot Big Bang Unico Red Magic
Hublot Big Bang Unico Red Magic, Foto: Bert Buijsrogge

Ungeachtet dessen hat Audemars Piguet mit der Offshore in den letzten Jahren sehr viel Mut bewiesen. Gleichzeitig konnte Hublot mit dem Manufaktur-Kaliber Unico und dem außergewöhnlichen Materialmix ihre uhrmacherischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Beide Marken bieten eine Vielzahl von Modellen mit einer breiten Auswahl an Komplikationen, darunter Chronographen, Ewige Kalender und Tourbillons. Der größte Bedarf besteht auf jeden Fall nach Chronographen. Interessanterweise erscheinen viele der 42 mm großen Offshore-Chronographen noch gewagter, als die 44 mm große Big Bang mit Chronographen-Funktion.

Schauen wir uns beide Modelle einmal etwas genauer an.

 

Royal Oak Offshore Chronograph 42

Die Royal Oak Offshore gibt es in Versionen aus Edelstahl und Gold, mit und ohne Diamantbesatz. Die für einen Chronographen typischen Hilfszifferblätter befinden sich bei 6, 9 und 12 Uhr. Das Datum wurde bei der 3 untergebracht, ist Teil des Basiswerks und wird von einer innen liegenden Zykloplupe vergrößert. Die Chronographen-Funktionen stellt ein Modul bereit, das auf das Basiswerk montiert ist.

Sehr zur Verwunderung vieler Sammler und Fans, bietet Audemars Piguet die Royal Oak Offshore bisher nicht mit einem Chronographen-Werk aus eigener Manufaktur an. Für eine Firma wie Audemars Piguet sollte es eigentlich ein Leichtes sein ein eigenes Chronographen-Kaliber für diese Uhr zu entwickeln. Um die Nachfrage dennoch hoch zu halten, limitiert AP die Gesamtproduktion (ja, Sie haben richtig gelesen) auf 40.000 Stück im Jahr.

 

Big Bang Chronograph 44

Hublot Big Bang
Hublot Big Bang

Die Big Bang Chronograph 44 gibt es ebenfalls in einer ganzen Reihe verschiedener Materialien und Farben, die Uhr ist insgesamt aber das etwas zurückhaltendere Modell unserer beiden Kandidaten. Sie wird mit Zifferblättern in dunklem Blau oder Schwarz angeboten, die farblich passenden Armbänder bestehen aus Kautschuk oder Alligator-Leder. Ebenfalls erhältlich sind Modelle aus Gold und mit Diamantbesatz. Das Zifferblatt ist mit seinen Hilfszifferblättern bei der 3, 6 und 9 eher klassisch gestaltet.

In dieser Uhr kommt das Manufaktur-Werk Unico leider nicht zum Einsatz. Stattdessen nutzt Hublot das Kaliber HUB4100, dessen Basis das ETA 2892-A2 bildet und das mit einem Chronographen-Modul erweitert wurde. Während Audemars Piguet die 42 mm große Offshore Chronograph vereinzelt auch mit einer Lünette aus Keramik anbietet, kann Hublot mit einem Modell aufwarten, bei dem das gesamte Gehäuse aus Keramik besteht. Kombiniert wird das Ganze mit einem Zifferblatt aus Carbonfaser und einem Kautschuk-Band.

Schlussendlich liegt man sicherlich nicht falsch wenn man sagt, dass die Modelle von Audemars Piguet und Hublot sehr große Ähnlichkeiten aufweisen. Sollten Uhren dieser Art Ihren Geschmack treffen, können Sie sich glücklich schätzen, denn beide Marken bieten eine breite Auswahl an Modellen an. Ein Richtig oder Falsch gibt es hier nicht. Es zählt einzig, welche Marke und welche Uhr Sie am meisten anspricht. Audemars Piguet ist in erster Linie für ihre „Haute Horlogerie” und ihre Technik bekannt. Bei Hublot können Sie andererseits sicher sein, dass Ihre Uhr auf jeden Fall wahrgenommen wird. Die Frage „Wer war zuerst da?” ist dagegen nur für Uhren-Nerds von Bedeutung.

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Über den Autor

Robert-Jan Broer

Robert-Jan ist Gründer des Fratello Magazine und schreibt dort seit 2004 über Uhren. Seine Leidenschaft für Uhren entdeckte er allerdings schon viel früher. Für …

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