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Besser als Perfekt – Overengineering in der Uhrmacherei

Jonathan Arnold
01.12.2017
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Neue Rolex Sea-Dweller 2017, Foto: Bert Buijsrogge Die neue Rolex Sea-Dweller 2017, Foto: Bert Buijsrogge
Jonathan Arnold
01.12.2017

 

Es war einmal zu einer Zeit, als die bescheidene, kleine Armbanduhr die Menschheit beim Entdecken der Welt unterstützte – zu Lande, zu Wasser, in der Luft und sogar im Weltraum. Als unerlässliches Werkzeug halfen Uhren Forschern bei zahlreichen Entdeckungen, begleiteten Abenteurer auf die höchsten Gipfel, tauchten in tiefste Gewässer und navigierten Kapitäne sowie Piloten durch die ganze Welt. So entstand eine Nachfrage nach nützlicher Weiterentwicklung der Zeitmesser. Funktionalität, Präzision und Zuverlässigkeit waren dabei besonders wichtig.

Die technische Weiterentwicklung ließ nicht lange auf sich warten: Höhere Wasserdichtigkeit, lautere mechanische Alarmfunktionen und vor allem präzisere Zeitmessung. Doch als die modernen Technologien Einzug hielten, verdrängten sie die klassische Armbanduhr mit speziellerem Equipment, das günstiger, genauer und reicher an Funktionen war. Davon unbeirrt demonstrierten die besten Luxusuhrenhersteller der Welt ihr Können mit Blick auf technische Neuerungen, indem sie ihre Ingenieurskunst bis zur Perfektion trieben, nur um zu beweisen, dass sie es können.

 

Mehr als man braucht

 

Das beste Beispiel dafür ist die Taucheruhr Rolex Sea-Dweller und die größere Rolex DeepSea. Die Sea-Dweller hat eine erfolgreiche maritime Vergangenheit, wird aber mittlerweile eher als Statussymbol und weniger als wirkliche Taucheruhr genutzt. Das 43 mm große Gehäuse ist aus 904L-Edelstahl gefertigt und bis zu 1.220 m (122 bar) wasserdicht. Die Funktion des am Gehäuse angebrachten Heliumventils besteht darin, beim Auftauchen eingeschlossenes Gas abzulassen.

Die DeepSea dagegen ist wasserdicht bis zu unglaublichen 3.900 m. Es sei angemerkt, dass der Rekord für freies Tauchen ohne Flaschen bei 250 m liegt. Es erübrigt sich wohl zu sagen, dass man mit ziemlich viel High-Tech ausgerüstet sein muss, wenn man tiefer tauchen möchte.

 

Patek Philippe Grand Complication 5208

Patek Philippe Grand Complication 5208, Foto: Patek Philippe

 

Gleichwohl geht die mechanische Uhrmacherei über das reine Testen von Grenzen hinaus. Genauso wichtig ist, relativ betrachtet, praktische Funktionalität. Die Patek Philipp Ref. 5208 verfügt zum Beispiel über eine Minutenrepetition, einen Monopusher-Chronographen und einen Ewigen Kalender mit augenblicklicher Schaltung, rundherum in feinstes Platin gehüllt. Schon einzeln betrachtet sind das einige der anspruchsvollsten Komplikationen in der Haute Horlogerie.

Es schaffen nur die weltbesten Uhrmacher diese Komplikationen erfolgreich in einer Uhr zu vereinen und davon gibt es nicht viele. Dass man mit einem Smartphone alle diese Informationen schnell und einfach abrufen kann, spielt dabei keine Rolle. Die Ref. 5208 übertrifft die einfache Zeitanzeige bei weitem und wird so zum mechanischen Kunstwerk.

 

 

Natürlich muss eine Uhr nicht kompliziert aussehen, um komplex zu sein. Niemand weiß das besser als die Uhrmacher des deutschen Luxusuhrenherstellers A. Lange & Söhne, die mit der Drei-Zeiger-Uhr Richard Lange Pour Le Merite ein Meisterwerk an subtiler Komplexität schufen. So bescheiden und einfach diese Uhr wirken mag – das aus 915 individuell gefertigten Komponenten bestehende Werk ist hochkomplex und verfügt sogar über einen Antrieb mittels Kette und Schnecke. Diese technische Meisterleistung ist bei Armbanduhren extrem selten zu finden.

Damit soll eine extrem gleichmäßige Energieabgabe der Hauptfeder gewährleistet werden. Wie eine Gangschaltung sorgt der Antrieb über Kette und Schnecke dafür, dass auch bei nachlassender Federspannung die Energie für das Werk konstant ist, sodass die Uhr exakt im Takt bleibt und eine noch höhere Ganggenauigkeit erreicht.

 

Weniger ist schwer

Bulgari Octo Finissimo Automatic

Bulgari Octo Finissimo Automatic, Bild: Bulgari

 

Overengineering heißt nicht bloß, Uhren herzustellen die widerstandsfähiger oder komplexer aufgebaut sind. Manchmal liegt die Kunst darin, eine Uhr auf ein Minimum zu reduzieren. Die Octo Finissimo Automatic von Bulgari demonstriert das auf bewundernswerte Art und Weise. Vorgestellt auf der Baselworld 2017, war sie sofort ein Anwärter auf den Titel „flachstes Automatik-Uhrwerk der Welt”. Mit einer Höhe von nur 2,23 mm schlug es den bisherigen Rekordhalter Caliber 1120 von Vacheron Constantin doch deutlich.

Für Menschen, die nicht zu Hardcore-Kaliber-Enthusiasten gehören, mag das nun nicht viel bedeuten, aber ein ultraflaches Werk macht eben erst ein ultraflaches Gehäuse möglich – in diesem Fall 5,15 mm. Präsentiert in einem 40 mm sandgestrahlten Titan-Gehäuse ist die Octo Finissimo Automatic ein beeindruckendes Beispiel für die Rund-in-Eckig-Kombination, für die die Modellreihe Octo so berühmt ist.

Durch die Omnipräsenz von Smartphones und Smartwatches hat die mechanische Uhr als Ausdruck von Status, Geschmack und Wohlstand an Bedeutung gewonnen. Natürlich ist eine billige Quarzuhr im Zweifel genauer, aber können Sie damit 1.000 m tief tauchen? Verdreht Ihnen die Schönheit der Verzierungen oder die Komplexität einer solchen Uhr den Kopf? Natürlich nicht, deswegen werden wir unsere hochkomplexen mechanischen Meisterwerke lieben und pflegen. Sie erinnern uns permanent an die Kreativität und Genialität der Menschheit – und sehen dazu noch verdammt cool aus.

 

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