23.07.2020
 6 Minuten

Chrono24 Buyer‘s Guide für die Zenith El Primero

Von René Herold
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Chrono24 Buyer‘s Guide für die Zenith El Primero

Am 10. Januar 1969 sicherte sich die Schweizer Traditionsmanufaktur Zenith ihren Platz in den Geschichtsbüchern. An jenem Tag stellten die Verantwortlichen des Uhrenherstellers stolz das erste automatisch betriebene Chronographenkaliber der Welt vor: das El Primero. Zenith hatte das Rennen um den ersten Chronographen mit Automatik knapp vor Seiko und der Chronomatic-Gruppe um Breitling, Heuer, Hamilton und Büren gewonnen.

Das Werk mit der Nummer 3019 PHC gilt als technisches Meisterwerk und bildet bis heute die Grundlage der El-Primero-Kaliberfamilie. Die Teile für die Chronographenfunktion sind direkt in das Werk integriert und nicht, wie bei der Konkurrenz aus der Chronomatic-Gruppe, als Modul aufgesetzt. Dadurch fällt das Zenith-Werk sogar flacher aus, als die meisten Chronographenkaliber mit Handaufzug der damaligen Zeit. Das El Primero besaß zudem schon damals eine Säulenradschaltung sowie eine Datumsanzeige. Was das Kaliber aber besonders beeindruckend machte, war die hohe Frequenz von 36.000 Halbschwingungen pro Stunde (A/h), mit der es arbeitete. Der hohe Takt versetzte das El Primero in die Lage, Zeiten auf die 1/10-Sekunde genau zu messen.

Zenith hat das Werk seither ständig weiterentwickelt. Unter anderem entstanden Varianten mit Ewigem Kalender, Mondphasenanzeige oder Großdatum. Außerdem nutzt Zenith für das Schwing- und Hemmsystem seit einigen Jahren Bauteile aus Silizium, was die Uhren unempfindlich für Magnetfelder und Temperaturschwankungen macht. Zu finden ist das El Primero in quasi jedem Chronographen, den Zenith seit 1969 gebaut hat. Am bekanntesten ist hierbei sicher die Chronomaster-Reihe. Aber auch in den Uhren der Kollektionen Defy 21 und Pilot Type 20 arbeiten Varianten des El Primero.

Doch nicht nur Zenith wusste die Vorzüge des Kalibers zu schätzen. Es kam auch in Chronographen von Ebel, TAG Heuer oder Dunhill zum Einsatz. Selbst die berühmte Daytona von Rolex wurde von 1988 bis ca. 2000 von einen umgebauten El Primero angetrieben.

Besonders beliebt: Chronomaster El Primero

Die Chronomaster El Primero Ref. 03.2150.400/69.C713 im Überblick
Die Chronomaster El Primero Ref. 03.2150.400/69.C713 im Überblick

Die beliebtesten El-Primero-Uhren stammen aus der Chronomaster-Serie. Als Beispiel sei hier die Chronomaster El Primero Referenz 03.2150.400/69.C713 erwähnt. Diese Uhr erinnert in ihrem Design stark an Modelle der frühen 1970er-Jahre. Ihr Edelstahlgehäuse misst schlanke 38 mm im Durchmesser, das silberfarbene Zifferblatt weist einen leichten Sonnenschliff auf und ist mit aufgesetzten Indizes, einer in Schwarz gehaltenen Minuterie und einer Tachymeterskala auf dem Rehaut ausgestattet.

Besonders charakteristisch sind jedoch die Hilfszifferblätter. Sie sind in Tricompax-Formation bei 3, 6 und 9 Uhr angeordnet und überlappen sich leicht. Zudem sind sie unterschiedlich eingefärbt: Minuten- und Stundenzähler sind blau bzw. schwarz, während die kleine Sekunde in einem Silbergrau erstrahlt. Das Datumsfenster sitzt wie bei den historischen Vorbildern bei 4:30 Uhr.

Sind Ihnen 38 mm zu klein, können Sie zur Chronomaster El Primero mit der Referenz 03.2040.400/69.C494greifen. Sie entspricht optisch fast ihrem Schwestermodell, hat jedoch einen Durchmesser von 42 mm. Das schafft etwas mehr Platz auf dem Zifferblatt, wodurch das Datum unter den Stundenzähler bei der 6 wandern konnte.

Chronomaster El Primero mit Großdatum und offenem Herzen

In der Chronomaster-Serie finden Sie auch Uhren mit skelettiertem oder teilskelettiertem Zifferblatt. Eine davon ist die Chronomaster El Primero Open mit der Referenz 03.2040.4061/69.R576. Größe und Zifferblatt-Design entsprechen weitgehend der schon beschriebenen Ref. 03.2040.400/69.C494. Doch wo eigentlich der Totalisator für die kleine Sekunde sein müsste, hat das Open-Modell einen Ausschnitt im Zifferblatt. Dieser erstreckt sich von der 9 bis zur 11 und gibt den Blick auf die Unruh und das Hemmsystem frei.

Chronomaster El Primero Grande Date Full Open
Chronomaster El Primero Grande Date Full Open

Einen noch größeren Einblick in das Werk erhalten Sie bei der Chronomaster El Primero Grande Date Full Open (Ref. 03.2530.4047/78.C813). Hier verzichtet Zenith komplett auf ein Zifferblatt. Das Werk wird lediglich von einer Minuterie mit aufgesetzten Indizes umrahmt. Wie es der Name bereits andeutet, stattet Zenith die Uhr mit einem Großdatum aus. Sie finden es zwischen 1 und 2 Uhr. Der Stundenzähler bei der 6 musste zudem einer Mondphasenanzeige weichen. Der 30-Minuten-Zähler und die kleine Sekunde befinden sich nach wie vor auf der 3- bzw. 9-Uhr-Position.

El Primero mit Vollkalender und Flyback-Funktion

Die Chronomaster-Modelle der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre sind bei El-Primero-Fans sehr beliebt. Sofort ins Auge fällt bei diesen Modellen die abgestufte Lünette, die den Uhren einen sehr edlen Look verleiht. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Zifferblätter, die mit aufgesetzten römischen Ziffern versehen sind. Im Inneren der Uhren arbeitet meist ein Chronometer-zertifiziertes El Primero der Baureihe 410, was den Uhren einen Vollkalender sowie eine Mondphasenanzeige beschert.

Chronomaster El Primero Full Calendar
Chronomaster El Primero Full Calendar

Ein gutes Beispiel für eine solche Uhr ist die Chronomaster El Primero Full Calendar Referenz 01.0240.410. Auf ihrem silberweißen Zifferblatt finden Sie den 30-Minuten-Zähler und die kleine Sekunde bei 3 und 9 Uhr, der 12-Stunden-Zähler teilt sich mit der Mondphase den Platz bei der 6. Das Datumsfenster sitzt zwischen der 4 und der 5, wohingegen die Fenster für den Wochentag und den Monat bei 2 und 10 Uhr untergebracht sind.

Die Chronomaster El Primero Flyback mit der Referenz 03.1240.4001 sieht der Full Calendar zum Verwechseln ähnlich. Das Zifferblatt ist allerdings mit einer feinen Guillochierung versehen. Außerdem verfügt der Chronograph über eine Flyback-Funktion – Sie können mit dieser Uhr also Intervalle stoppen, ohne den Chronographen erst anhalten, zurücksetzen und wieder neu starten zu müssen.

Defy – die El Primero für das 21. Jahrhundert

Knapp 50 Jahre nach der Premiere des ersten El-Primero-Kalibers stellte Zenith im Jahr 2017 unter der Bezeichnung Kaliber C 9004 ein völlig neu entwickeltes El Primero vor. Mit diesem auch als El Primero 21 bekannten Werk legt Zenith die Messlatte für mechanische Chronographen erneut auf ein neues Rekordhoch Dank eines separaten Schwing- und Hemmsystems für den Chronographen, das mit sage und schreibe 360.000 A/h (50 hz) arbeitet, kann dieses Werk Zeiten auf die Hundertstelsekunde genau stoppen.

Zenith Defy El Primero 21
Zenith Defy El Primero 21

Zum Einsatz kommt dieses Werk in der Reihe Defy El Primero 21. Die Uhren besitzen ein modern gestaltetes, 44 mm großes Gehäuse, das Sie in Varianten aus Gold, Titan, Keramik oder Carbon bekommen können. Skelettierte Zifferblätter und ein Sichtboden aus Saphirglas machen aber das Werk zum Star. Starten Sie den Chronographen, beginnt die Chronographenhemmung regelrecht zu summen und der zentrale Stoppsekundenzeiger flitzt einmal pro Sekunde um das Zifferblatt. Er dient zum Messen der Hundertstelsekunden. Die Stoppsekunden stellen die Uhren auf einem Hilfszifferblatt bei 6 Uhr dar. Stoppminute und kleine Sekunde finden Sie nach wie vor bei 3 und 9 Uhr. Neu ist eine Gangreserveanzeige für den Chronographen bei der 12.

Vintage-Klassiker A386 und A384

Vintage-Uhren mit El-Primero-Werk gibt es einige. Gerade in den 1970er-Jahren bestückte Zenith eine ganze Reihe von Uhrenlinien mit dem High-Beat-Kaliber. Zu den bekannteren zählen sicher die Espada, die TV oder die C-Case. Besonders begehrt sind jedoch die ersten El-Primero-Modelle aus dem Jahr 1969. Bei den Referenzen A384 und A386 bekommen Sammler leuchtende Augen. Erstgenannte fällt vor allem durch ihr kantiges Tonneau-Design ins Auge. Die A386 – die allererste Uhr mit El Primero – bietet alles, was die El Primero bis heute auszeichnet: mehrfarbige Totalisatoren, das Datum bei 4:30 Uhr und natürlich die Präzision eines Schnellschwingers.

Zenith El Primero A384 Revival
Zenith El Primero A384 Revival

Zenith hat beide Uhren im Jahr 2019 in der Reihe Chronomaster Revival originalgetreu wieder aufgelegt, inklusive des von Gay Frères gestalteten „Leiter-Armbandes“.

Preise und Wertentwicklung

Die Zenith El Primero ist eine Uhr für Kenner und Enthusiasten. Wer eine solche Uhr trägt, weiß um deren Geschichte und die herausragende Technik. Die Auswahl an Modellen ist riesig und bietet für fast jeden Geschmack etwas.

Was die Preise betrifft, bewegen sich die El Primeros im Vergleich zu anderen Kult-Chronographen im Mittelfeld. Entscheiden Sie sich für einen Kauf auf Chrono24, können Sie einiges sparen. Aktuelle Modelle werden hier im Schnitt zwischen 20 % und 30 % günstiger angeboten, als die UVP des Herstellers. So kostet eine Defy El Primero 21 Ref. 49.9000.9004/78.R582 aus Keramik statt 13.100 EUR auf Chrono24 nur ca. 9.100 EUR. Eine Chronomaster El Primero Ref. 03.2040.400/69.C494 bekommen Sie schon für etwa 5.400 EUR. Die UVP liegt bei 7.800 EUR.

Wertentwicklung Chronomaster El Primero Ref. 03.2040.400/69.C494, Vintage
Wertentwicklung Chronomaster El Primero Ref. 03.2040.400/69.C494, Vintage

Im Vintage-Bereich sind die Preise recht weit gefächert. Sie reichen von ca. 4.200 EUR für eine 90er-Jahre-Chronomaster wie der Referenz 01.0240.410 bis hin zu knapp 12.000 EUR für eine gut erhaltene El Primero A386. Sind Sie auf der Suche nach einer originalen Referenz A384, sollten Sie etwa 9.700 EUR einplanen.

Uhren von Zenith gelten allgemein als sehr wertstabil und eignen sich deshalb durchaus als Wertanlage. Exorbitante Wertsteigerungen sind bei diesen Uhren allerdings nicht zu erwarten. Wenn Sie auf der Suche nach einem solchen Investment sind, sollten Sie sich die Rolex Daytona Referenz 16520 mit El-Primero-Kaliber anschauen. Der Wert dieses Chronographen stieg in den letzten fünf Jahren um mehr als 100 %.

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Über den Autor

René Herold

Mein Name ist René Herold und durch eine Stellenausschreibung auf Chrono24 aufmerksam geworden. Ich muss ehrlich zugeben, dass Uhren vor meinem Engagement bei …

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