13.07.2020
 5 Minuten

Der Dresscode für die Armbanduhr: Diese Regeln sollte jeder Uhrenliebhaber kennen

Von Tom Mulraney
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Der Dresscode für die Armbanduhr: Diese Regeln sollte jeder Uhrenliebhaber kennen

Sie haben gerade Ihre erste echte Armbanduhr gekauft und können es gar nicht erwarten, Ihren Freunden und Familienmitgliedern das kostbare Stück zu präsentieren? Dann dürfen Sie sich nun offiziell zum Kreis der Uhrenliebhaber zählen. Doch bevor Sie sich Hals über Kopf in die verrückte Welt der Sammler und Aficionados stürzen, sollten Sie sich mit einigen Grundregeln vertraut machen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Stilregeln, die Sie als angehender Uhrenspezialist kennen sollten. 

 

Links oder rechts? 

Omega Speedmaster Group Wristshot  

Zunächst möchten wir mit dem Mythos aufräumen, dass man eine Uhr immer am linken Handgelenk tragen sollte. Aus traditioneller Sicht wird eine Armbanduhr auch tatsächlich links getragen, was sich im Design der meisten Modelle widerspiegelt. Das heißt die Krone und die Chronographendrücker befinden sich zwecks leichteren Zugangs und besserer Bedienbarkeit auf der rechten Seite des Gehäuses. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass etwa 90 % der Bevölkerung Rechtshänder sind, die mit der rechten Hand schreiben (wobei man heutzutage wohl eher tippt), die Tür öffnen usw. Eine Uhr könnte bei diesen Tätigkeiten störend und unpraktisch sein. 

Abgesehen davon gibt es allerdings keinerlei Regel, die besagt, dass eine Uhr am linken Arm getragen werden sollte. Zum einen sind die übrigen 10 % der Bevölkerung linkshändig. Zum anderen möchten manche Leute ihre Uhr vielleicht einfach lieber am rechten Handgelenk tragen – und das ist vollkommen in Ordnung. Es ist Ihre Uhr und Sie allein entscheiden, auf welcher Seite Sie diese tragen wollen. An welcher Stelle des Handgelenks Sie die Uhr positionieren, ist eine andere Sache. 

 

Die richtige Position 

An der Handgelenksoberseite können Sie außen einen leicht hervorstehenden Knochen sehen oder fühlen. Das ist der sogenannte Ellenkopf. Dieser kann als Anhaltspunkt für die richtige Position der Uhr am Handgelenk dienen. Ein beliebter, aber geschmackloser Trend heutzutage – besonders beim Tragen von Uhren mit Edelstahlarmband – ist es, die Uhr lose baumelnd am Handgelenk zu tragen, sodass diese über den Ellenkopf nach vorne bis zum Handansatz und sogar über den Handrücken rutscht. Dies widerspricht dem guten Stil und ist zudem unbequem. Letzten Endes ist es auch unpraktisch, da Sie zum Ablesen der Zeit erst den Unterarm heben müssen, damit die Uhr wieder nach hinten rutscht. 

 

Richard Mille wristshot
Richard Mille Wristshot, Foto: Bexsonn

Die Uhr sollte vielmehr am Handgelenk anliegen und knapp hinter dem Ellenkopf sitzen – nicht auf dem Knöchel, denn dies könnte Schmerzen verursachen. Wenn Sie Ihre Uhr auf diese Weise tragen, haben Sie mit der Hand stets die volle Bewegungsfreiheit, Krone und Drücker können nicht ins Handgelenk stechen und die Zeit lässt sich ganz leicht durch ein einfaches Drehen des Handgelenks ablesen. Vor allem aber sieht das Ganze viel besser aus. Der Schlüssel zu diesem perfekten Look liegt in erster Linie in der Wahl der richtigen Uhrengröße. 

 

Auf die Größe kommt es an 

Es gab eine Zeit, in der das Tragen übergroßer Uhren als Krönung des guten Geschmacks galt. Glücklicherweise war dieser Trend nur von kurzer Dauer und nicht allzu viele Handgelenke haben dadurch bleibenden Schaden genommen. Es kommt tatsächlich auf die Größe an – aber nicht so, wie Sie jetzt vielleicht denken. Bei Uhren ist größer nicht gleich besser. Wenn Sie schmale Handgelenke haben, ist eine riesige Panerai oder Breitling mit 45 mm und mehr wahrscheinlich nicht das Richtige für Sie. Es würde nicht nur albern aussehen, sondern auch den Tragekomfort erheblich beeinträchtigen. 

Vintage Rolex Explorer, Image: Watchvice 
Vintage Rolex Explorer, Foto: Watchvice

 

Eine gute Faustregel ist, dass eine Uhr dann die richtige Größe hat, wenn sie etwa zwei Drittel der Breite des Handgelenks bedeckt. Das heißt, wenn Sie die Uhr am Handgelenk tragen und von oben darauf blicken, sollte jeweils oben und unten ein Stück des Armbands zu sehen sein. Wenn das Gehäuse zu beiden Seiten über Ihr Handgelenk hinausragt, entsteht zwischen dem Band und dem Handgelenk ein Hohlraum, den auch die geschwungensten Bandanstöße nicht ausgleichen können. Dies gilt es zu vermeiden – Sie wollen schließlich nicht den Eindruck vermitteln, dass Sie einen Dessertteller auf Ihrem Handgelenk balancieren. Bei einer am Lederband getragenen Uhr macht es normalerweise nichts aus, wenn das Gehäuse etwas größer ist, da Sie hier das Band enger am Handgelenk befestigen können. Aber auch Lederarmbänder haben ihre Tücken. 

 

Leder und Sommerhitze passen nicht zusammen 

Für das Tragen eines Lederarmbands gibt es eine einfache Regel: Tun Sie es nicht, wenn es draußen heiß ist. Bei heißem Wetter schwitzen wir und das vertragen teure Lederarmbänder gar nicht gut. Auch zum Schwimmen, Wandern und für andere sportliche oder schweißtreibende Aktivitäten sind Lederarmbänder ungeeignet. Wenn Sie zu stark schwitzen, verfärbt sich die Innenseite des Lederbands mit der Zeit, d. h. der Verschleiß wird beschleunigt und Sie müssen das Band früher ersetzen. 

 

Das soll keinesfalls heißen, dass Sie sich keine Uhr mit Lederarmband kaufen sollten – im Gegenteil. Sie machen damit ein sehr elegantes Fashion-Statement. Es ist jedoch wichtig, die richtige Uhr zum richtigen Anlass zu tragen. Und wenn wir schon beim Thema Lederarmbänder sind: Bei formellen Anlässen sollten Sie darauf achten, dass das Lederarmband farblich zu Gürtel und Schuhen passt. 

 

Immer gepflegt 

Unsere letzte Regel mag selbstverständlich erscheinen, und doch schenken viele Uhrenliebhaber ihr nicht genügend Beachtung. Reinigen Sie Ihre Uhr regelmäßig – ganz einfach. Sie wissen nicht, wie? Keine Sorge, Sie brauchen nur kurz zu googeln und finden zahlreiche Online-Tutorials zum Thema. Das Reinigen der Uhr nimmt nicht viel Zeit in Anspruch und die nötigen Utensilien haben Sie wahrscheinlich bereits zu Hause. Wenn Sie Ihrer Uhr einen besonderen Luxus gönnen möchten – und das sollten Sie! – dann lassen Sie sie ein- bis zweimal pro Jahr professionell reinigen. Ihre Uhr sieht danach wieder aus wie neu und Sie werden die gleiche Faszination verspüren wie am ersten Tag. 

Beachten Sie dabei bitte, dass eine Reinigung nicht mit einer Politur gleichzusetzen ist. Letztere kann im Laufe der Zeit zu einer erheblichen Wertminderung Ihrer Uhr führen und sollte nur selten vorgenommen werden. Informieren Sie sich in diesem Bereich gut, bevor Sie entsprechende Schritte unternehmen. 

Letzen Endes gilt auch bei der Uhren-Etikette, dass manche Regeln dazu da sind, gebrochen zu werden. Welche Regeln das sind, entscheiden Sie. Doch seien Sie gewarnt: Wer allzu wagemutig ist, riskiert bei der Uhren-Community in Ungnade zu fallen. Nehmen Sie die spitzen Bemerkungen aber nicht allzu ernst, sie gehören zum Spiel mit dazu und sind einer der Gründe, warum unser wunderbares Hobby so viel Spaß macht. 

Wenn Sie noch weitere Do’s & Don’ts oder nützliche Tipps für die Uhren-Community haben, dann schauen Sie doch auf der Facebook-Seite von Chrono24 vorbei und teilen Sie Ihre Tipps mit anderen Uhrenliebhabern! 

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Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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