22.04.2020
 6 Minuten

Design-Entwicklung der Omega Seamaster

Von Tom Mulraney
Design-Entwicklung der Omega Seamaster

Design-Entwicklung der Omega Seamaster

Die Omega Seamaster bietet wahrscheinlich eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse für mechanische Taucheruhren auf dem Markt. Ihre bemerkenswerte Geschichte, ihr überzeugendes Design und ihre verlässliche Performance in allen Lebenslagen lassen andere Taucheruhren erblassen. Sogar James Bond schwört auf die Seamaster. Kein Wunder, dass die Uhr zu den beliebtesten Modellen auf Chrono24 gehört. Doch wie wurde die Seamaster zur weltweit gefeierten Ikone? War sie immer schon als Taucheruhr konzipiert? Dies und vieles mehr erfahren Sie in diesem Artikel, während wir in die Design-Entwicklung der Omega Seamaster eintauchen.

Die Omega Seamaster

Die Seamaster feierte 1948 ihr Debut, anlässlich des 100. Geburtstags von Omega. Während des Zweiten Weltkriegs hatte Omega das britische Verteidigungsministerium mit militärischen Uhren beliefert und aufgrund der überwältigenden Nachfrage nach einer zivilen Variante erschuf Omega die Seamaster als erste Uhrenfamilie des Unternehmens. Sie war jedoch ursprünglich nicht als Taucheruhr konzipiert, sondern als robuste Dresswatch für einen aktiven Lebensstil. Dies erscheint logisch, bedenkt man, dass Tauchen als Freizeitsport erst in den frühen 1950er-Jahren populär wurde. Das Design ging angeblich auf einen früheren Modellentwurf von Omega zurück, der es jedoch nie in die Produktion geschafft hatte. Die Seamaster konnte sich schon bald eine große Fangemeinde erobern und wurde zu einem Verkaufsschlager der Marke.

Omega Seamaster 1948 Re-Edition
Omega Seamaster 1948 Limited Edition zum 70. Jahrestag der Kollektion

Die frühen Seamaster-Modelle besaßen einen Durchmesser von 34 bis 35 mm und waren bis 60 m (6 bar) wasserdicht – ein beachtlicher Wert für die damalige Zeit. Angesichts ihres militärischen Erbes lag der Fokus bei der Seamaster auf Funktionalität und Praxistauglichkeit. Sie war als Uhr für jeden Anlass gedacht. Dass sie dabei auch noch gut aussah, konnte sicherlich nicht schaden:

Ihre mit Leuchtmasse gefüllten Dauphine-Zeiger wiesen auf dreiecksförmige, aufgesetzte Stundenmarkierungen am Rand des Zifferblatts. Diese waren an der Basis ebenfalls mit Leuchtmasse versehen, was das Ablesen der Zeit auch bei schlechten Lichtverhältnissen ermöglichte. Die Minutenmarkierungen verliefen in einem nach innen versetzten Ring auf dem leicht gewölbten, zu den Rändern hin abfallenden Zifferblatt. Über der Sechs befand sich der kursiv gedruckte Modellname „Seamaster“.

Ein klassisches, zeitloses Design, wie es besser kaum sein kann.

Ein knappes Jahrzehnt später hatte Omega auf dem wachsenden Markt für Taucheruhren bereits den Anschluss verloren. Schon 1953 hatte Blancpain die Fifty Fathoms vorgestellt. Kurz darauf folgte Rolex mit der Submariner. Auch eine Reihe anderer Modelle kamen um diese Zeit auf den Markt. Und so präsentierte Omega im Jahr 1957 die Seamaster 300 als Teil der „Master“-Trilogie, zu der auch die Speedmaster und die Railmaster gehörten.

 

Die Omega Seamaster 300

Vintage Omega Seamaster 300, 1957
Vintage Omega Seamaster 300, 1957

Die Seamaster 300 war mit der Dresswatch von einst kaum noch zu vergleichen. Das ursprüngliche 34-mm-Gehäuse wurde auf 39 mm vergrößert, um die Ablesbarkeit unter Wasser zu verbessern. Ebenso wurde das silbrig weiße Zifferblatt zwecks besseren Kontrasts gegen ein schwarzes Zifferblatt ausgetauscht. Der Stundenzeiger erhielt eine breite Pfeilform. Außerdem verwendete Omega Radium-Leuchtmasse, um die vergrößerten Indizes zu definieren, die Zeiger auszufüllen und die Nullposition der beidseitig drehbaren Lünette mit einem Leuchtpunkt zu markieren.

Um die verbesserten Tauch-Qualitäten der Uhr zu unterstreichen, kreierte Omega das berühmte Hippokampos-Emblem. Inspiriert wurde dieses von den mythischen „Seepferden“, die der Meeresgott Neptun vor seinen Wagen gespannt haben soll. Das geprägte Symbol auf dem Gehäuseboden ist heute ein weltweites Markenzeichen von Omega.

Die erste Seamaster 300 war bis 200 m (20 bar) wasserdicht, genau wie die heutige Rolex Submariner. Der Legende nach hatte dieser Wert mit technischen Einschränkungen bei den Messungen zu tun. Omega verfügte zwar über die besten Prüfgeräte der damaligen Zeit, doch diese konnten lediglich einen Druck bis 20 bar testen. Omega war jedoch davon überzeugt, dass die Taucheruhr auch größeren Drücken und Wassertiefen standhalten würde, und taufte sie deshalb auf den Namen Seamaster „300“.

Die Omega Seamaster 300 der zweiten Generation

Vintage Omega Seamaster 300, 1964
Vintage Omega Seamaster 300, 1964

Nach dem Erfolg der ersten Seamaster 300 lancierte Omega 1964 eine zweite Generation dieses Zeitmessers. Die Uhr erhielt erneut ein größeres Gehäuse mit 42 mm Durchmesser und besaß geschwungene Bandansätze mit polierten und gebürsteten Bereichen. Sie hatte ein asymmetrisches Design und war mit dem gleichen Kronenschutz ausgestattet, den Omega ein Jahr zuvor für die Speedmaster Professional – später die offizielle Uhr der NASA-Astronauten – entwickelt hatte. Die Lünette wurde breiter und in Fünf-Minuten-Abständen mit Leuchtmarkierungen versehen. Dies verbesserte die Ablesbarkeit unter Wasser und näherte die Uhr vom Stil her an die Fifty Fathoms und die Submariner an.

Im Jahr 1967 orderte die Royal Navy die Seamaster 300 als offizielle Taucheruhr für den militärischen Einsatz. Dafür bedurfte es einiger Änderungen an der Uhr. Die Bandanstöße mussten angeschweißt werden, um die Uhr sicher an ihrem aus einem Stück bestehenden Band zu halten und damit das Risiko zu verringern, dass sie beim Tauchen verloren ging. Außerdem musste ein Hinweis auf das im Zifferblatt verarbeitete Tritium vorhanden sein, da es sich hierbei um ein radioaktives Material handelte und die Uhr in der Nähe empfindlicher Geräte zum Einsatz kam. Deshalb brachte Omega ein eingekreistes „T“ über dem „Seamaster 300“-Schriftzug an. Als letzte Maßnahme wurde die Stundenziffer 12 durch einen extragroßen, dreieckigen Leucht-Index ersetzt. Auf diese Weise trat die 12-Uhr-Position deutlich auf dem Zifferblatt hervor, wodurch sich die Lesbarkeit im Dunkeln verbesserte. 1969 stellte Omega die Produktion der Seamaster 300 ein.

Die moderne Omega Seamaster Diver 300M

Omega Seamaster Diver 300M, 1993
Omega Seamaster Diver 300M, 1993

Die Omega Seamaster, die die meisten von uns heute kennen, ist die Diver 300M. Sie wurde 1993 vorgestellt. Zu den wichtigsten Designmerkmalen der Uhr gehören das charakteristische Wellenmuster auf dem Zifferblatt, die Skelettzeiger sowie die farblich auf das Zifferblatt abgestimmte, einseitig drehbare Lünette mit ihren 12 griffigen Aussparungen. Ein robustes Gehäuse mit geschwungenen Bandanstößen, geschützter Krone und einem Heliumventil bei 10 Uhr macht die Uhr zum idealen Begleiter beim Tauchen. Dank des fünfreihigen Stahlarmbands ist die Uhr aber auch für Aktivitäten an Land bestens geeignet. In den Folgejahren kamen noch einige Variationen dieses Modells auf den Markt, manche davon beliebter als andere.

2018 erhielt die Kollektion im Rahmen des 70-jährigen Jubiläums der Seamaster ein willkommenes Update. Mit 42 mm im Durchmesser und 13,5 mm in der Höhe ist die aktuelle Diver 300M größer als ihre jüngste Vorgängerin. Für eine Taucheruhr verfügt sie über gute Proportionen. Das Zifferblatt ist aus Keramik und in poliertem Blau oder Schwarz sowie in gebürstetem PVD-Chrom erhältlich, mit erhabenen und mit Superluminova gefüllten Indizes. Das Datumsfenster wurde nach 6 Uhr verschoben, was der Symmetrie der Uhr zugutekommt. Skelettzeiger und Minuteneinteilung in neuem Design machen das Zifferblatt-Layout komplett. Das Beste ist jedoch die Rückkehr des beliebten Wellenmusters früherer Modelle, das eine Zeit lang aus der Kollektion verschwunden war.

Omega Seamaster Diver 300M, 2020
Omega Seamaster Diver 300M, 2020

Umrahmt wird das Keramikzifferblatt von einer neuen, polierten Keramiklünette. Deren 60-Minuten-Graduierung ist – je nach Modell – mit weißer Emaille oder Ceragold aufgefüllt. Dies sorgt für eine ultraglatte, langlebige Oberfläche und ein beständiges Weiß. Auch das Design des Heliumventils bei 10 Uhr wurde noch ein wenig verbessert. Das Heliumventil ermöglicht das Entweichen von Gas beim Sättigungstauchen in großer Tiefe. Ohne eine solche Vorrichtung würde beim Tauchen höchstwahrscheinlich das Uhrglas herausspringen. Für das Jubiläumsmodell gab Omega dem Ventil eine neue konische Form und ließ sich die dafür verwendete Technologie patentieren.

In der Seamaster Diver 300M tickt das METAS-zertifiziertes Master-Chronometer-Kaliber 8800. Dieses automatische Manufakturkaliber ist mit der berühmten Co-Axial-Hemmung von Omega ausgestattet. Es ist resistent gegen Magnetfelder bis 15.000 Gauß und verfügt über eine frei federnde Unruh mit einer Unruhspirale aus Silizium. Die Gangreserve beträgt 55 Stunden. Zum ersten Mal überhaupt bei der Seamaster Diver 300M lässt sich das Uhrwerk durch einen Saphirglasboden bewundern. Normalerweise hat die Uhr einen geschlossenen Gehäuseboden, der mit dem Hippokamp-Logo verziert ist. Bei diesem Modell allerdings gibt der Sichtboden mit wellenförmigem Rand den Blick auf das Uhrwerk frei.

Der Bond-Effekt

Kein Artikel über die Omega Seamaster wäre komplett, ohne einen ihrer berühmtesten Träger zu erwähnen: James Bond. Am Handgelenk von Pierce Brosnan wurde die Luxus-Toolwatch zur Ikone. Er trug die Variante mit blauem Zifferblatt während seiner vier Auftritte als britischer Geheimagent 007. Dabei begann er 1995 in GoldenEye mit der Quarz-Version und wechselte dann für die nächsten drei Filme zum Automatik-Chronometer. Seither war die Omega Seamaster am Handgelenk von Daniel Craig in jedem James-Bond-Film zu sehen – weshalb man sie auch gerne als „Bond-Uhr“ bezeichnet. Zu jedem neuen Bond-Film gibt Omega spezielle 007-Editionen heraus, die bei Fans und Sammlern gleichermaßen gut ankommen. Doch das ist ein Thema für einen anderen Artikel.

Bei der aktuellen Version handelt es sich wahrscheinlich um die bisher beste Neuauflage der Omega Seamaster Diver 300M. Dies könnte einer der Gründe sein, warum die über 70 Jahre alte Omega Seamaster sich bis heute so großer Beliebtheit erfreut. Ästhetisch, robust und vielfältig wird diese Uhr mit ihrem einzigartigen Design immer eine gute Figur machen.

Mehr lesen

Die nagelneue Omega Seamaster Diver 300M 007 Edition aus „Keine Zeit zu sterben“

Die Geschichte einer Legende: Die Omega Speedmaster

Vintage-Tipp: Omega Speedmaster aus der zweiten Reihe – die Mark II


Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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