05.04.2018
 5 Minuten

Die besten Uhren werden nicht mehr hergestellt

Von Tom Mulraney
24

Die besten Uhren werden nicht mehr hergestellt

Wenn Ihre Lieblingsuhr nicht mehr hergestellt wird, muss das nicht bedeuten, dass diese nun für Sie nicht mehr zu haben ist. Ganz im Gegenteil, Sie müssen sich nur etwas anstrengen.

Der Song „Got ‚til It’s Gone” von Janet Jackson mit Joni Mitchell und Q-Tip aus dem Jahre 1997 manifestiert musikalisch, dass wir schätzen sollten was wir haben, während wir es haben. Trotzdem scheinen wir genau das nicht zu können, denn oft realisieren wir den Wert einer Sache erst, wenn wir sie nicht mehr haben.

Uhrenliebhaber kennen dieses Gefühl allzu gut: Ein neues Modell kommt heraus und wir mögen es, aber wir wissen noch nicht, ob wir es auch lieben werden. Manchmal dauert es einfach, bis man mit einer Uhr warm wird oder man sich mit ihr und den Veränderungen am Design wohlfühlt. Erst wenn die Limited Edition ausverkauft ist, das Modell nicht mehr hergestellt wird oder durch ein neueres Modell ersetzt wurde, wird der Wunsch immer größer, das Original zu besitzen.

Diese Erfahrung kann frustrierend und spannend zugleich sein – jedenfalls markiert sie den Beginn der Suche nach der perfekten Uhr auf dem Zweitmarkt. Natürlich gibt es keine Garantie, dass man sie finden wird, zumindest nicht jene spezifische Uhr, die man unbedingt besitzen möchte. Doch genau das macht die Sache ja so spannend. Es stellt sich ein erwartungsvolles Gefühl ein; ein Gefühl, das wir selten in unserem alltäglichen Leben empfinden. Die Jagd nach einem Modell das nicht länger hergestellt wird, kann viel befriedigender sein als es sich ein Nicht-Uhrenliebhaber je vorstellen könnte. Falls Sie noch kein spezifisches Modell im Kopf haben, erlauben Sie uns Ihnen drei sehr unterschiedliche Zeitmesser als Inspiration vorschlagen zu dürfen.

Jaeger-LeCoultre Grande Reverso Ultra Thin Tribute to 1931

Die Jaeger-LeCoultre Reverso ist ohne Zweifel eine der wenn nicht sogar die bekannteste rechteckige Uhr der Welt. Bereits 1931 eingeführt, gehört sie zu den weltweit ersten echten „Sportuhren”. Der Legende nach wurde sie für Polo-Spieler entwickelt, die ihre Armbanduhr gern während des Matches anbehalten wollten. Das drehbare Gehäuse mit massivem Stahlboden ermöglichte es, die Uhr einfach umzudrehen, sodass das Uhrglas vor Schlägen und Beschädigungen geschützt war.

Dieses anfängliche Design war so erfolgreich, dass seine Grundzüge über die Jahre unverändert blieben. Nichtsdestotrotz gab es seit ihrer Einführung zahlreiche Varianten von der Reverso. Heute trägt man die Armbanduhr eher als Dresswatch denn als Sportuhr, obwohl JLC noch immer in der Polo-Welt aktiv ist.

Im Jahr 2011 feierte die Manufaktur das 80-jährige Jubiläum der Reverso und entwarf für diesen Anlass die Ultra Thin Tribute to 1931 (Ref. 2788570) als Hommage an das erste Modell. Die Uhr hat ein 46,8 mm x 27,4 mm großes, rechteckiges Gehäuse, das nur 7,2 mm hoch ist. Der wahre Reiz der Ultra Thin liegt in ihrer Schlichtheit. Anstatt etwas kompliziertes oder schrilles zu entwickeln, hat sich Jaeger-LeCoultre dazu entschieden, dem original Art-déco-Stil von damals treu zu bleiben.

Jaeger-LeCoultre Reverso 1931
Jaeger-LeCoultre Grande Reverso Ultra-Thin Tribute to 1931

Stabförmige Zeiger und Indizes zeigen die Uhrzeit auf einem minimalistischen schwarzen Zifferblatt an. Auch dass der Markenname nicht auf dem Zifferblatt erscheint, unterstreicht den Vintage-Charakter. Es steht lediglich „REVERSO” in der oberen Hälfte des Zifferblattes. Wenn Sie das Gehäuse herumdrehen, offenbart sich ein massiver Gehäuseboden, ganz wie beim Urmodell. Im Innern finden Sie das außergewöhnliche Manufakturkaliber JLC 822 mit Handaufzug. Es ist ein COSC-zertifiziertes Chronometer und es musste zusätzlich Jaeger-LeCoultres berühmten 1.000-Stunden-Test durchlaufen.

Von vielen für ihr flaches Gehäuse und ihren Vintage-Look geliebt, wird die Jaeger-LeCoultre Grande Reverso Ultra Thin Tribute to 1931 leider nicht mehr hergestellt. Allerdings finden Sie mit etwas Glück noch einzelne Exemplare auf dem Zweitmarkt.

Rolex SEA-DWELLER 4000 REF. 116600

Rolex Sea-Dweller, Image: Bert Buijsrogge
Rolex Sea-Dweller, Foto: Bert Buijsrogge – Zu den Angeboten auf Chrono24

Die Schweizer Luxusuhrenindustrie ist dafür bekannt, Veränderungen nur langsam einzuführen. Deshalb präsentieren einige Hersteller über Jahre hinweg immer und immer wieder das gleiche Modell, bei dem sich lediglich die Zifferblattfarbe leicht verändert. Gänzlich neue Uhren sind eher selten. Rolex vollzieht Veränderungen nur im Zeitlupentempo. Der Hersteller ist eine der bekanntesten Luxusuhrenmarken der Welt und vor allem für Beständigkeit berühmt. Das ist auch der Grund, warum Uhrensammler aufhorchen, wenn etwas Unerwartetes passiert.

Das war zum Beispiel 2008 der Fall, als Rolex die Original-Sea-Dweller Ref. 16600 aus dem Katalog nahm und sie durch die deutlich größere 44-mm-DeepSea-Sea-Dweller (DSSD) Ref. 116660 ersetzte. Es war das erste Mal in der Geschichte dieses Modells, dass keine traditionelle Sea-Dweller mehr erhältlich war. Die Fans waren alles andere als erfreut darüber. Zur Freude der Liebhaber stellte Rolex auf der Baselworld 2014 die Sea-Dweller 4000 Referenz 116600 vor und brachte damit sechs Jahre später einen Uhren-Klassiker zurück.

Rolex Sea-Dweller, Foto: Bert Buijsrogge
Rolex Sea-Dweller, Foto: Bert Buijsrogge

Wie ihr Vorgänger hatte sie einen Gehäusedurchmesser von 40 mm und war somit wesentlich kleiner und auch dünner als die DSSD. Trotzdem brachte sie eine Menge Updates mit: so zum Beispiel eine neue Cerachrom-Keramik-Lünette, ein „Maxi Dial” mit größeren Stundenmarkierungen und Zeigern für einen moderneren Look und die von Rolex patentierte, blaue Chromalight-Leuchtmasse für beste Ablesbarkeit in Umgebungen mit wenig Licht. Im Innern tickte das Automatikkaliber 3135 von Rolex mit Datumsanzeige bei 3 Uhr, selbstverständlich ohne Zykloplupe.

Nur drei Jahre später ließ Rolex die Sea-Dweller Ref. 116600 aus den Katalogen verschwinden und ersetzte sie durch die Sea-Dweller Ref. 126600, die auf der Baselworld 2017 vorgestellt wurde. Dieses Modell ist mit 43 mm Durchmesser nicht nur größer, es besitzt nun auch eine Zykloplupe über dem Datumsfenster auf der 3-Uhr-Position; das hat es nie zuvor bei einer Sea-Dweller gegeben.

Einige Fans lieben diese neue Richtung, die Rolex bei der Sea-Dweller eingeschlagen hat. Andere, nun ja, sind nicht so begeistert. Zum Glück findet man noch einige Exemplare der Sea-Dweller 4000 Ref. 116600 auf dem Sekundärmarkt, obwohl sie nur drei Jahre lang produziert wurde. Es ist durchaus möglich, dass die Preise in Zukunft steigen werden, also schlagen Sie lieber rechtzeitig zu, wenn Sie dieses Modell in Ihrer Sammlung haben möchten.

Patek Philippe Perpetual Calendar Chronograph Ref. 5970

Patek Philippe Perpetual Calendar Chronograph 5970
Patek Philippe Perpetual Calendar Chronograph 5970 – Zu den Angeboten auf Chrono24

Für viele Sammler ist die Patek Philippe Ref. 5970 Perpetual Calender Chronograph der ultimative heilige Gral der Uhrenwelt. Mit einem Produktionszeitraum von nur sieben Jahren (von 2004 bis 2011) ist sie der Chronograph mit Ewigem Kalender von Patek Philippe, der am kürzesten hergestellt wurde. Es gibt nur eine Zifferblatt- und eine Gehäuse-Serie bei dieser Uhr. Der Gehäusedurchmesser beträgt 40 mm und beim Material haben Sie die Wahl zwischen Platin, Gelb-, Weiß- oder Roségold. Da sie bemerkbar größer ist als ihre Vorgängerin, die Ref. 3970, hat sie die richtigen Maße für eine moderne Dresswatch.

Ausgestattet mit einem perfekt ausbalancierten, modernen Zifferblatt mit Tachymeter-Skala ist es nicht schwer zu erkennen, warum einige Hardcore-Fans die Ref. 5970 als die großartigste Patek Philippe aller Zeiten bezeichnen.

Patek Philippe Perpetual Calendar Chronograph 5970
Patek Philippe Perpetual Calendar Chronograph 5970

Aber nicht nur ihre Ästhetik macht diese Uhr so attraktiv. Die Manufaktur ist für ihre Chronographen mit Ewigem Kalender berühmt und die Ref. 5970 war das letzte Modell mit einem Uhrwerk auf Lemania-Basis. Als ihre Nachfolgerin, die Ref. 5270, auf den Markt kam, stattete Patek Philippe die Uhr mit dem eigenen Manufakturwerk aus. Das hochgradig von Patek Philippe modifizierte und perfekt finissierte Kaliber CH 27-70 lässt sich durch einen Gehäuseboden aus Saphirglas bestaunen. Das gleiche Uhrwerk kam in der Ref. 3970 zum Einsatz. Das Basiskaliber Lemania 2310 wird heute als eines der besten mechanischen Uhrwerke aller Zeiten betrachtet.

Uhren von Patek Philippe gelten gemeinhin als sicheres Investment und der Reiz der Ref. 5970 ist unbestreitbar. Die Ausführungen aus Platin sind allgemein am gefragtesten – aus offensichtlichen Gründen. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Versionen aus Gelbgold am seltensten sind. Eines ist sicher, der Preis für eine Ref. 5970 kennt nur eine Richtung: nach oben.

Lesen Sie mehr über diese Marken und Uhren

Legendäre Uhrenmarken: Jaeger-LeCoultre

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Rolex und Patek Philippe – die zwei Könige der Uhrenbranche


Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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