14.01.2019
 4 Minuten

Die Geschichte der SIHH

Von Tom Mulraney
SIHH

SIHH

Sehr wahrscheinlich waren Sie noch nie auf der SIHH. Falls doch, gehören Sie einem exklusiven Club an. Die SIHH findet jedes Jahr im Januar in Genf statt. Damit ist sie die erste große Messen des Uhrenjahres – viele der wichtigsten Luxusuhren-Marken zeigen hier ihre neuesten Modelle. Bis 2017 war es aber nur einer sehr kleinen und ausgewählten Gruppe von Personen möglich, die Messe zu besuchen. Nur Händler und Pressevertreter erhielten Einlass. Mittlerweile ist sie zumindest am letzten Messetag für die breite Öffentlichkeit geöffnet. Aus diesem Grund zählt die SIHH auch nur um die 15.000 Besucher, ein Bruchteil des Publikums der Baselworld. So war es aber auch immer schon gedacht – die SIHH sollte etwas Exklusives sein.

Obwohl die Baselworld und die SIHH beides große Händlermessen für Luxusuhren sind, könnten die Shows kaum unterschiedlicher sein. Die Baselworld ist eine gigantische Veranstaltung mit einigen Tausend Ausstellern aus mehr als 40 Ländern und über 100.000 Besuchern. Die SIHH wartet mit gerade mal 35 sorgfältig ausgewählten und kuratierten Marken auf: 18 historisch bedeutsame Hersteller, von denen die meisten zur Richemont Gruppe gehören (z.B. IWC und A. Lange und Söhne) und 17 Marken der Carré des Horlogers. Zu ihr gehören unabhängige High-End-Hersteller wie F.P. Journe und Greubel Forsey. Der große Unterschied beider Messen hat eine Geschichte, die bis zu den Anfängen der SIHH zurückreicht.

SIHH
Foto: SIHH

Wie alles begann

Gegründet im Jahr 1991, war die SIHH der Versuch von Cartier, gemeinsam mit Baume & Mercier, Piaget, Gérald Genta und Daniel Roth eine exklusive Händlermesse zu etablieren, bei der sich alles um feine Uhrmacherkunst dreht. Kein einfaches Unterfangen, gab es die Baselworld doch bereits seit 1917. Sie war die Messe für Uhren und ihre Fans. Wie sollte es gelingen, dass die wichtigsten Vertreter des Handels eine weitere große Messe besuchen? Der Versuch glückte und die SIHH wuchs über die Jahre und wurde immer beliebter.

Das Konzept der fünftägigen SIHH unterscheidet sich deutlich von dem der Baselworld. Es geht vor allem darum, Herstellern die Möglichkeit zu geben, ihre neuesten Entwicklungen in einem luxuriösen Umfeld zu präsentieren. Die Stände sind entsprechend ausgestattet, der Champagner fließt in Strömen und Auftritte von Prominenten sind an der Tagesordnung. Daneben gibt es eine Reihe von Panels, Gesprächen und Diskussionsrunden, bei denen es um die Kunst und Kultur der feinen Uhrmacherei geht.

Das ist ganz essentiell für die Philosophie der SIHH. Immer schon ging es hier um die Bewahrung einer Kultur und die Präsentation von Techniken und Expertise der Uhrmacherei. Ein Beispiel, das Schule machte und dem immer mehr internationale Uhrenmessen folgten. Beispiele sind hier die Dubai Watch Week oder der Salon QP in London.

SIHH
Foto: SIHH

Wer organisiert die SIHH?

Wirft man einen Blick auf die Teilnehmer der SIHH, kann man fälschlicherweise den Eindruck gewinnen, dass die Messe ein Produkt der Richemont Gruppe ist. Und in der Tat ist es richtig, dass die Richemont Marken auf der SIHH ausstellen, während die Marken der Swatch Gruppe und die der LVMH auf der Baselworld vertreten sind (die Swatch Gruppe zumindest bis vor kurzem, dazu gleich mehr). Organisiert wird die SIHH aber von der Fondation de la Haute Horlogerie. Dabei handelt es sich um eine unabhängige Organisation, die 2005 gegründet wurde, um die feine Uhrmacherkunst zu erhalten und zu fördern. Dieser Vorsatz wird in Teilen durch die Organisation verschiedener Events realisiert.

Die Herausforderungen

Je nachdem, wie intensiv Sie die Neuigkeiten rund um die Uhrenindustrie verfolgen, haben Sie vielleicht schon davon gehört, dass sich beide großen Messen neuen Herausforderungen stellen müssen. Für das meiste Aufsehen sorgte der unerwartete Rückzug der Swatch Gruppe von der Baselworld. Die bedeutende Gruppe hatte 2018 angekündigt, dass ab 2019 keine ihrer 18 Marken mehr dort ausstellen würden. Dazu gehören große Namen wie Omega, Longines, Tissot, Breguet und Blancpain. Auch andere Marken haben für die Show 2019 abgesagt, dazu gehören unter anderen Raymond Weil und Maurice Lacroix. Die SIHH hat es zwar nicht ganz so schlimm erwischt, hier haben aber bereits Audemars Piguet und Richard Mille angekündigt, dass sie 2019 das letzte Mal teilnehmen werden.

Audemars Piguet SIHH
Foto: SIHH

Die Hauptursache für die Absagen ist vor allem das weit verbreitete Gefühl, dass die großen Messen mit ihren alten Konzepten den Bedürfnissen der Industrie nicht mehr gerecht werden. Die Wünsche der Käufer haben sich ebenso verändert wie die daraus folgenden neuen Herausforderungen, denen sich die Marken heutzutage stellen müssen. Hinzu kommen die Wucherpreise, die an den Messetagen von Hotels und Restaurants in Genf und Basel aufgerufen werden. Von der Menge der Absagen wichtiger Marken aufgeweckt, haben sowohl die Veranstalter der Baselworld als auch der SIHH angekündigt, ihre Konzepte zu überarbeiten und zu verändern. Eine wichtige Änderung wird dabei ab 2020 umgesetzt: Die SIHH wird ab diesem Zeitpunkt an den fünf Tagen direkt vor der Baselworld stattfinden.

Was hat 2019 zu bieten?

Bereits jetzt zeichnen sich einige Trends ab, die auf der SIHH 2019 zu sehen sein werden. Wie so oft in unsicheren Zeiten, besinnen sich die Marken auf ihre Geschichte. IWC stellt ihre beliebte Fliegeruhren-Kollektion überarbeitet vor, mit dabei einige schöne Uhren im Vintage-Design. Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin werden sich verstärkt um ihr gutes Image in exzellenter Handwerkskunst und ihrer Expertise in der Haute Horlogerie kümmern. Cartier und Piaget werden einige Modelle vorstellen, die von der Juwelierskunst inspiriert sind.

Insgesamt verspricht die SIHH auch in diesem Jahr eine spannende Messe zu werden. Sie ist ein Indikator dafür, in welche Richtung sich die Uhrenindustrie entwickelt und welche Trends wir im Jahr 2019 erwarten können.

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Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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