24.08.2015
 3 Minuten

Die Kunst der Uhrenherstellung

Von Robert-Jan Broer
Omega Speedmaster Movement 321Image: FratelloWatches

Für manche Menschen ist eine Uhr nur eine Uhr – ein Gegenstand, der Ihnen die Zeit sagt. Für uns Uhrenliebhaber bedeutet eine Uhr jedoch viel mehr als das. Dieser Artikel ist für all die Menschen, für die mechanische Uhren etwas Neues sind und die wissen möchten, warum diese Uhren so besonders sind und wie sich der (oftmals gepfefferte) Preis rechtfertigen lässt.
Zunächst einmal ist eine mechanische Uhr ein Stück sehr hochwertiger Ingenieursarbeit und Handwerkskunst. Die Fertigung eines erlesenen mechanischen Zeitmessers verlangt sowohl von den Maschinen als auch von den Uhrmachern höchstmögliche Präsizion und Konzentration. Bei der Herausforderung mit unglaublich geringen Toleranzen zu arbeiten, die im Grunde mikroskopisch klein sind und gegen Null gehen, gelangt die Uhrenherstellung an die Grenze des Möglichen. Das ist notwendig für die Erschaffung einer mechanischen Uhr, die in der Lage ist, mit geringsten Abweichungen nahezu perfekt die Zeit wiederzugeben. Und das jeden Tag, jede Woche, jeden Monat, selbst für Jahre ohne Wartungsarbeiten

Vergleichen Sie es mit Ihrem Auto, das Sie vermutlich nur ein paar Mal pro Tag benutzen, das jedoch eher früher als später eine Wartung benötigt. Nach einem Zeitraum von nur 5 bis 7 Jahren (durchschnittlich) müssen Sie Ihre Uhr warten lassen, um verschlissene Teile auszutauschen, Teile zu reinigen und sie neu zu ölen. Die mechanischen Beanspruchungen, mit der eine Uhr klar kommen muss – und sei es allein durch Magnetfelder – beschäftigt Uhrenhersteller ständig.

Lassen Sie uns über Langlebigkeit sprechen.

Obwohl die Teile – in den meisten Fällen – gefräst und durch High-End-Maschinen mit sehr geringen Toleranzen hergestellt werden, bearbeiten und montieren viele der schweizerischen und deutschen Uhrenmarken die zahlreichen Teile noch immer von Hand. Dies gilt für kleinste Komponenten des Uhrwerks genauso wie für Teile des Gehäuses und des Armbands.

Behalten Sie im Hinterkopf, dass ich bis jetzt nur den Herstellungsprozess erwähnt habe. Wie sollte man die ursprüngliche Entwicklung und Konstruktion des mechanischen Uhrwerks bewerten? Nicht nur Uhrwerke, die lediglich die Zeit mitteilen und ein Datum anzeigen (was auch schon Kopfzerbrechen bereiten kann), sondern Uhrwerke mit Komplikationen. In der Uhrenherstellung bezieht sich eine „Komplikation“ auf eine spezifische Funktion, die komplex zu gestalten, entwickeln und herzustellen ist. Typische Komplikationen einer mechanischen Uhr mit einem hohen Komplexitätsgrad sind beispielsweise das oft erwähnte Tourbillon oder die Minutenrepetition. Ein Tourbillon ist eine komplexe Lösung gegen die Gravitationskraft, mit der die Uhr zurechtkommen muss. Eine Minutenrepetition ist eine Komplikation, welche die Zeit durch fein geschlagene Töne wiedergibt, nachdem der Träger einen Schieber oder einen Drücker betätigt hat. Drei verschiedene Klänge werden verwendet, um die Stunden, Viertelstunden und Minuten anzuzeigen und zu unterscheiden.

Art of watchmaking
Art of watchmakingImage: FratelloWatches

Diese Arbeit wird hauptsächlich von Meistern ihres Handwerks durchgeführt, die wir Uhrmacher nennen, und die kleine Wunderwerke erschaffen, die ihrem Träger das wohl Kostbarste verdeutlichen: Die Zeit.

Die Anzahl von Stunden, die für die Entwicklung und Fertigung einer Uhr investiert werden, für das Testen einer Uhr, wieder und wieder, bevor Sie die Manufaktur verlässt (wussten Sie, dass Jaeger-LeCoultre für seine Master Control-Serie einen 1000-stündigen Test durchführt?) und vor allem die nötige höchste Konzentration der Uhrmacher an jedem Tag der Woche: All diese Zutaten sind entscheidend für das Preisschild einer mechanischen Uhr, die Sie hier auf Chrono24 finden.


Über den Autor

Robert-Jan Broer

Robert-Jan ist Gründer des Fratello Magazine und schreibt dort seit 2004 über Uhren. Seine Leidenschaft für Uhren entdeckte er allerdings schon viel früher. Für …

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