14.01.2022
 6 Minuten

Die neue Trilogie der modernen Luxussportuhren

Von Jorg Weppelink
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Wie Sie wahrscheinlich wissen, haben die Preise für die Audemars Piguet Royal Oak und die Patek Philippe Nautilus in den letzten Jahren schwindelerregende Höhen erreicht. Es handelt sich bei diesen Uhren um Kreationen des großen Gérald Genta, der in den 1970er-Jahren die berühmte Trilogie der modernen Luxussportuhren schuf, zu der auch die IWC Ingenieur gehört. Die drei Zeitmesser setzten den Maßstab für das moderne Uhrendesign, wie wir es heute kennen. 

Genta hatte bei seiner Arbeit ein klares Ziel vor Augen: Er wollte moderne Luxussportuhren entwickeln, die sich durch ein bahnbrechendes Gestaltungskonzept, ein integriertes Armband und ein sehr schlankes Profil auszeichneten. Das flache Gehäuse bildete den Ausgangspunkt für seine Trilogie und konnte nur durch die Konstruktion innovativer, ultraflacher Uhrwerke realisiert werden. Die drei charakteristischen Designmerkmale avancierten zum Standard, dem viele Uhrenhersteller nacheiferten. Den Meister zu übertreffen, erwies sich jedoch als keine leichte Aufgabe. In den letzten Jahren allerdings haben viele Marken es geschafft, getreu den Designprinzipien Gérald Gentas ihre eigenen modernen Sportuhren zu entwickeln. Und erfreulicherweise sind diese potenziellen Klassiker der Zukunft wesentlich erschwinglicher als die Royal Oak und die Nautilus. Bühne frei für die Moser & Cie Streamliner, die Bulgari Octo Finissimo und die Czapek Antarctique!  

Die Patek Philippe Nautilus: Zeit für eine neue Sportuhren-Trilogie?
Die Patek Philippe Nautilus: Zeit für eine neue Sportuhren-Trilogie?

Bvlgari Octo Finissimo

Beginnen wir mit einem Namen, den die meisten von Ihnen wahrscheinlich kennen. Bulgari ist eine Luxusmarke, die seit 1884 existiert. Der Uhrenverkauf gehört zwar bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Geschäft von Bulgari, aber in die Welt der Uhrmacherei wagte sich das Unternehmen erst in den 1970er-Jahren vor. Die berühmte „Bulgari Bulgari“-Kollektion feierte ihr Debüt in den späten 70er-Jahren und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Ihr Design erinnert an antike römische Münzen und stammt von keinem Geringeren als Gérald Genta. Es überraschte daher niemanden, als Bulgari im Jahr 2000 die Marke Gérald Genta, unter der dieser in den 80er- und 90er-Jahren seine Uhren herausgebracht hatte, übernahm. 

Es erklärt ebenfalls, warum Bulgari schließlich eine Uhr kreierte, die auf Gentas ursprünglichem Designstandard basierte. Die Bulgari Octo Finissimo Tourbillon war im Jahr 2014 das erste der Octo-Finissimo-Modelle – eine Reihe außergewöhnlicher Uhren, die in der Welt der Uhrmacherei mehrere Weltrekorde aufstellten. Der bedeutendste Zeitmesser, der sich an ein breiteres Publikum richtete, war die 2017 vorgestellte Octo Finissimo Automatic. Sie war nicht nur die bis dahin flachste Automatikuhr, sondern zeigte auch, wie brillant das Design der Bulgari Octo Finissimo war. Sie bewies, dass es Bulgari gelungen war, eine eigene Uhr nach den Prinzipien von Genta zu kreieren, ohne dessen Design zu kopieren. 

The Bvlgari Octo Finissimo
Bvlgari Octo Finissimo

Die wichtigsten Merkmale der Bulgari Octo Finissimo sind ihr kantiges, facettiertes 40-mm-Gehäuse mit einer Höhe von nur 5,25 mm, das ikonische Zifferblatt mit den atemberaubenden durchbrochenen Zeigern, das ultraflache hauseigene Kaliber BVL 138, das durch den Gehäuseboden sichtbar ist, und das äußerst bequeme, integrierte Armband, das sich wunderbar ans Handgelenk anschmiegt. Bulgari bietet diesen Zeitmesser in unterschiedlichen Materialien mit exzellenter, aber dezenter Verarbeitung an.  

Die erste Bulgari Octo Finissimo Automatic war aus sandgestrahltem Titan gefertigt. Schon bald folgten Varianten in sandgestrahlter schwarzer Keramik und satiniertem Edelstahl. Letztere hat das Potenzial, zu einem Klassiker der Uhrenbranche zu werden. Die Edelstahlvariante ist mit einem Zifferblatt in Blau, Schwarz oder Silber erhältlich. Mit dem silbernen Zifferblatt entscheiden Sie sich für den ultimativen monochromen Look, den auch das ursprüngliche Titanmodell aufweist. Die Bulgari Octo Finissimo hat einen Listenpreis von 12.300 EUR, wobei die Preise auf Chrono24 bei etwa 8.000 EUR beginnen, was die Uhr wesentlich erschwinglicher macht als die Ikonen der Genta-Trilogie. 

Die Bulgari Octo Finissimo – ein modernes und einzigartiges monochromes Design.

H. Moser & Cie. Streamliner

Die zweite Uhr auf unserer Liste ist die H. Moser & Cie. Streamliner. Wer H. Moser & Cie. kennt, weiß, dass diese Marke seit ihrer Einführung einige bemerkenswerte Uhren hervorgebracht hat. Oder vielleicht sollte ich besser „Wiedereinführung“ sagen, denn die 1828 von Heinrich Moser gegründete Firma H. Moser & Cie. fiel in den 1970er-Jahren der Quarzkrise zum Opfer. Im Jahr 2005 wurde sie zu neuem Leben erweckt. 

Seither veröffentlicht die Marke großartige Uhren im „traditionellen“ Look mit erstaunlichen Uhrwerken, die nicht selten mit besonderen Details überraschen. Dazu gehören zum Beispiel auffällige Zifferblattfarben in feinster handwerklicher Ausführung. Oder umgekehrt eine Uhr mit komplett schwarzem Zifferblatt. Aber nicht einfach irgendein Schwarz: Das Zifferblatt der H. Moser & Cie. Venturer ist aus dem dunkelsten Material hergestellt, das die Menschheit kennt. Oder sehen Sie sich die Swiss Alp Watch Final Upgrade an, eine mechanische Uhr, die sich mit einem Augenzwinkern in Richtung Ihrer Smartwatch-Geschwister im digitalen Look präsentiert. All diese Uhren sind aus edlen Materialien gefertigt, exzellent verarbeitet und mit erstklassigen Uhrwerken bestückt.  

The H. Moser & Cie. Streamliner Flyback Chronograph
H. Moser & Cie. Streamliner Flyback Chronograph

Ende 2019 durften wir zum ersten Mal eine moderne Edelstahl-Sportuhr von H. Moser & Cie. bewundern: die Streamliner Flyback Chronograph. Sie wurde von der Uhrenwelt lobend aufgenommen und besticht durch ihr atemberaubendes Aussehen und das fantastische Kaliber HMC 902, das in Zusammenarbeit mit AGENHOR SA entwickelt wurde. Das Design ist von den 1970er-Jahren inspiriert und verströmt einen Hauch von Retro, vermittelt am Handgelenk aber das Gefühl einer modernen Uhr. 

Rund ein Jahr später brachte H. Moser & Cie. die Streamliner Centre Seconds auf den Markt. Sie ist im Grunde die simple Variante der Streamliner, die sich bei der Funktion auf die Zeitanzeige beschränkt. Dennoch ist diese Uhr alles andere als einfach. Die Streamliner ist ein wahres Kunstwerk, das interessanterweise mit der Entwicklung des Armbands begann. Dann folgten das 40-mm-Gehäuse (das nur knapp 12 mm hoch ist) und das Zifferblatt. Das Armband ist wirklich etwas Besonderes, mit vielen Details und einer hervorragenden Verarbeitung. Zusammen mit dem „Matrix Green Fumé“-Zifferblatt und dem beeindruckenden Kaliber HMC 200 ergibt sich eine echte Gewinnerkombination. Die Streamliner Centre Seconds hatte bei ihrer Einführung einen Preis von umgerechnet ca. 19.200 EUR, war aber schnell ausverkauft. Derzeit beginnen die Preise auf dem Chrono24-Marktplatz bei etwa 35.000 EUR. 

Ausgangspunkt bei der Entwicklung der H. Moser & Cie. Streamliner war das Armband.
Ausgangspunkt bei der Entwicklung der H. Moser & Cie. Streamliner war das Armband.

Czapek Genève Antarctique

Die letzte Uhr in dieser neuen Trilogie moderner Luxussportuhren ist die Czapek Genève Antarctique. Das junge Unternehmen wurde 2015 neu lanciert und hat eine lange Geschichte, die eng mit der Entstehungsgeschichte von Patek Philippe verknüpft ist. François Czapek und Antoine Norbert de Patek, zwei polnische Emigranten, gründeten am 1. Mai 1839 die Uhrenmanufaktur Patek, Czapek & Cie. Obwohl ihre Partnerschaft nur sechs Jahre dauerte, machte sich Czapek einen Namen als einer der besten Uhrmacher der Welt. Doch sein Unternehmen sollte das Licht der Neuzeit nicht erblicken … 

… bis 2015 die Marke Czapek Genève neu aufgelegt wurde. Wie H. Moser & Cie. konzentrierte sich die Marke zunächst eher auf traditionell gestaltete Zeitmesser als auf Sportuhren. Doch als Czapek seine erste moderne Luxussportuhr aus Stahl vorstellte, war die Uhrenwelt hellauf begeistert. Die Czapek Antarctique ist eindeutig vom Design der 70er-Jahre inspiriert, steht aber gleichzeitig mit beiden Beinen fest in der Gegenwart. Das schlanke, scheinbar schlichte Gehäuse hat mit seinen scharf gezeichneten Linien viel Charakter und bildet die perfekte Kulisse für die atemberaubenden Zifferblätter. Die erste Serie, die im Jahr 2020 auf den Markt kam, war die Terre Adélie mit vier unglaublichen Zifferblattfarben. Ein Kunstwerk ist auch das integrierte Armband, das gebürstete und polierte Elemente miteinander kombiniert. 

Eine weitere Besonderheit ist das grandiose Kaliber SXH5, das sich durch den transparenten Gehäuseboden beobachten lässt. Es verbindet traditionelle Uhrmacherkunst mit einer modernen Ausführung. Kurz nachdem die ersten 200 Exemplare – 50 Stück von jeder Zifferblattfarbe – ausverkauft waren, lancierte Czapek die Antarctique Passage de Drake. Dieses Modell hat ein anderes Zifferblatt mit einem wunderschönen Muster und einer aktualisierten Gestaltung. Es ist mit einem schwarzen, blauen oder weißen Zifferblatt erhältlich und sieht in allen drei Farben traumhaft aus. Gehäusedesign und Armband hat Czapek von der Terre Adélie übernommen und so eine zweite Version mit einem etwas anderen, aber nicht weniger eindrucksvollen Look geschaffen. Eine Czapek Antarctique Passage de Drake ist für 22.000 EUR zu haben, während Sie die ausverkaufte Terre Adélie auf Chrono24 für rund 30.000 EUR bekommen. Das ist sicherlich eine beträchtliche Summe, aber was Sie dafür bekommen, ist einfach brillant. 

The Czapek Antarctique Terre Adélie
Czapek Antarctique Terre Adélie

Sind dies die neuen Uhrenikonen der Zukunft? Die Zeit wird es zeigen. In jedem Fall bilden sie ein tolles Trio moderner Luxussportuhren, die das Erbe der Genta-Trilogie fortsetzen. Sie alle zeichnen sich durch ein einzigartiges, herausragendes Design, brillant gestaltete integrierte Armbänder und atemberaubende Uhrwerke aus und sehen an jedem Handgelenk fantastisch aus. Zwei der drei Uhren werden auf Chrono24 für mehr als ihren ursprünglichen Listenpreis verkauft, was ein ziemlich guter Indikator für ihre Beliebtheit ist. Aber überlegen Sie mal: Was wäre, wenn Sie für alle drei Uhren zusammen weniger bezahlen müssten als für eine einzige Royal Oak oder Nautilus? Wie würde Ihre Wahl ausfallen? Ich jedenfalls weiß genau, was ich tun würde! 


Über den Autor

Jorg Weppelink

Hallo, ich bin Jorg und schreibe seit 2016 Artikel für Chrono24. Meine Beziehung zu Chrono24 reicht jedoch deutlich weiter zurück, denn meine Liebe zu Uhren erwachte …

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