19.10.2022
 5 Minuten

Die Neuheiten von Tudor 2022 im Überblick

Von Pascal Gehrlein
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Tudor Pelagos 39, Tudor Ranger, Tudor Black Bay Pro – mindestens eines dieser Modelle ist Ihnen kein Begriff? Dann liegt das vielleicht daran, dass die Schwestermarke von Rolex es sich neuerdings angeeignet hat, neue Modelle überraschend und ohne direkten Bezug zu großen Messen zu veröffentlichen. Dabei nutzt Tudor vor allem die Kraft von Social Media und Influencern der Branche. Diese unkonventionelle Einführung neuer Produkte verleiht Tudor ein modernes und im Vergleich zu Rolex fast rebellisches Image. Wenn Ihnen die Vorstellungen etwas zu schnell gingen, dann möchten wir diesen Artikel nutzen und die Neuheiten in Ruhe einordnen.

Tudor Pelagos 39

Tudor Pelagos 39, Ref. M25407N-0001

Starten wir mit dem neusten Mitglied der Tudor Familie: Lange haben sich die Fans der Marke ein Update der professionellen Taucheruhr Pelagos gewünscht. Die Uhr grenzte sich bisher von der ebenfalls als Taucheruhr einzuordnenden Black Bay besonders durch ihre Größe ab: 42 mm statt 39 mm, Titan statt Edelstahl sowie eine bessere Wasserdichtigkeit von 500 m statt 200 m. Nicht zu vergessen das Heliumventil und den Kronenschutz. Die Pelagos war für viele die beste professionelle Taucheruhr auf dem Markt. Der Haken? Wer reizt die Fähigkeiten einer Taucheruhr schon aus?

Ersehnt wurde von vielen Tudor-Liebhabern also vor allem das kompaktere Gehäuse von 39 mm und das weniger „dick auftragende“ Design. Alltagstauglicher und modischer könnte man sie nennen, die neue Tudor Pelagos 39 mm. Weg von der Nische, hin zur breiteren Masse – endlich eine ernstzunehmende Konkurrenz in den eigenen Reihen? Aufgepasst, Black Bay! Die Pelagos 39 kommt jetzt mit einem nur 11,8 mm dicken Gehäuse. Von Bandanstoß zu Bandanstoß misst sie 47 mm und das Gewicht beträgt lediglich 107 g. Die Wasserdichtigkeit wurde auf 200 m geschrumpft und das Heliumventil wurde ebenfalls gestrichen. Die Keramiklünette ist nicht mehr matt, sondern spielt mehr mit dem einfallenden Licht und steht etwas im Kontrast zum tiefschwarzen, aber leicht glänzenden Zifferblatt. Lünette und Zifferblatt sind selbstverständlich mit Leuchtmasse ausgestattet. Erwähnenswert ist der rote Pelagos Schriftzug, der an Vintage-Modelle erinnert und somit etwas Geschichte mitbringt. Die Schnellverstellung des von 21 mm auf 16 mm zulaufenden Armbandes ist ein Feature, das nicht nur Taucher zu schätzen wissen. Beim Werk setzt Tudor auf das MT5400 ohne Datumsanzeige, aber mit COSC Zertifizierung und 70h Gangreserve – das gleiche Werk übrigens wie in den Black Bay Modellen.

Mit der Pelagos 39 erfüllt Tudor vielen Fans also den Traum einer alltagstauglicheren Taucheruhr auf technisch und optisch aktuellstem Niveau – und sich selbst den Traum von potenziell noch mehr Kunden. Win-win? Oder macht sich Tudor durch die Angleichung an die Black Bay zu viel Konkurrenz im eigenen Haus? Die Zeit wird es zeigen.

Tudor Heritage Ranger 79950

Tudor Heritage Ranger 79950

Tudor Heritage Ranger 79950

Die Tudor Ranger ist Teil der Heritage Reihe von Tudor. Dazu gehören auch der Heritage Chronograph sowie die Heritage Black Bay. Das kann etwas verwirrend sein, denn wo genau siedelt sich dann die Heritage Ranger an? Ist die Ranger nun ein Chronograph oder eine Militär-Taucheruhr? Wie grenzt sich die Ranger von den anderen Modellen ab?

Mit ihrem 3-6-9-12-Zifferblatt ist die Ranger eine klassische vom Militär inspirierte Uhr, die recht simpel daherkommt. Kein Datum, nur Zeitanzeige. Im Gegensatz zur Tudor 36 mit ähnlicher Ausrichtung überzeugt die Ranger jedoch mit einem eindeutigen Vintage-Look. Und abgrenzend zur Black Bay Linie nimmt sie die charakteristischen Merkmale der ursprünglichen Ranger und Ranger II aus den 1960ern und 70ern auf und übertragt diese auf einen modernen Zeitmesser. Das gebürstete Edelstahlgehäuse misst jetzt 39 mm und ist nach wie vor bis 100 m wasserdicht. Das mattschwarze Zifferblatt zeigt kein Datum und die Krone kommt ohne Kronenschutz aus. Dafür hat sie einen Sekundenzeiger mit rotem Abschluss und cremefarbenen Indizes, die im Übrigen aufgemalt und nicht aufgesetzt sind. Ein Relikt aus der Vergangenheit? Oder ein charmantes Detail? Sie entscheiden!

Angetrieben wird die Ranger vom Kaliber MT5402 mit 70h Gangreserve. Preislich ist die Tudor Heritage Ranger unter der Back Bay Linie angesiedelt. Alles in allem geht Tudor auch hier seinen Weg und zieht die alltagstauglichere Vintage-Uhr ohne Schnickschnack etwas aus der Nische, ohne den Bezug zum Kern des Modells ganz zu verlieren. Auf dem Feld hat die Ranger jedoch dadurch mehr Konkurrenz – außerhalb und innerhalb des Hauses.

Für viele gilt die Ranger übrigens als indirekter Nachfolger für die ausgeschiedene Tudor North Flag, die durch die Britische Nordgrönland-Expedition ebenfalls einen klaren Abenteurer-Bezug hatte, jedoch von der Ausrichtung wesentlich unkonventioneller daherkam.

Tudor Black Bay Pro

Black Bay Pro, Ref. M79470-0001Als letztes betrachten wir noch die Tudor Black Bay Pro. Wie der Name schon sagt, ein Mitglied der Black-Bay-Familie. Doch was soll uns das Pro im Namen sagen und wie hebt sich die Pro von ihren Geschwistern ab?

Wenn Ihnen die Black Bay Pro optisch bekannt vorkommt, dann kennen Sie die Rolex Explorer II 1655. Sehr gut! Was sagt uns das? Die Black Bay Pro ist eine GMT-Uhr. Eine 39 mm große GMT-Uhr, um genauer zu sein – in Abgrenzung zur Tudor Black Bay GMT. Sie ist mit einer feststehenden, nicht drehbaren GMT-Lünette ausgestattet sowie mit dem MT5652 GMT-Kaliber von Tudor. Das „Pro“ im Namen entpuppt sich also als Hinweis auf eine optisch sehr weit von den anderen Black Bay (GMT) Modellen entfernte Uhr.

Der Vintage-Look und die Größe sprechen sicher eine etwas andere Zielgruppe an, als es die Black Bay GMT tut. Wenngleich die Black Bay Pro technisch natürlich auf dem neusten Stand ist. Die Uhr mit zweiter Zeitzone ist bis zu 200 m wasserdicht, hat 70h Gangreserve und lässt uns die Wahl zwischen einem Tudor-typischen Nato-Band, einem Hybrid Rubber Strap und natürlich einem Edelstahlband. Apropos Hybrid – die Black Bay Pro vereint ziemlich viel, was Tudor-Enthusiasten begehren – nämlich eine Rolex (nur ein kleiner Spaß). Ja, der Explorer II-Look ist unverkennbar, aber auch die etwas härteren Einflüsse der North Flag, selbstverständlich ein Touch der Black-Bay-Reihe und schließlich ein eigener Design-Charakter wurden in der Black Bay Pro vereint. Im Gesamten ist sie jedoch etwas dünner und kompakter von Bandanstoß zu Bandanstoß, was sie für viele potenziellen Kunden attraktiver, weil „tragbarer“ macht als die größere Black Bay GMT. Denn die Proportionen sind in der Community und in vielen Foren der Hauptkritikpunkt gegenüber der GMT-Reihe von Tudor. Auch die Ablesbarkeit, insbesondere bei Dunkelheit, wurde durch stärkere Leuchtmasse und Indizes in Off White verbessert. Alles in Einklang mit dem Vintage-Look der Black Bay Pro. Dennoch verfügt auch diese Tudor über die Tudor T-Fit Schließe mit Schnellverstellung, was den Mix aus moderner Technik und Vintage-Optik perfekt macht. Auch mit dieser Uhr stellt Tudor unter Beweis, dass sie die Zielgruppe und deren Wünsche kennt und erhört.


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Pascal Gehrlein

Hey, ich bin Pascal. Nachdem ich viele Stunden auf Chrono24 verbracht habe, um schließlich meine erste „Luxusuhr“ zu kaufen, entdeckte ich im Impressum, dass der …

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