23.07.2019
 6 Minuten

Die Top 5 Tools & Accessoires für Uhren, die jeder haben sollte

Von Tim Breining
Die Top 5 Tools & Accessoires für Uhren, die jeder haben sollte

5 strumenti ed accessori indispensabili per orologi

Band wechseln, Kratzer ausbessern oder eine Uhr unterwegs sicher verstauen: Egal, ob man gerade seine erste Uhr gekauft oder schon eine kleine Sammlung angehäuft hat – hin und wieder stellt sich heraus, dass es die Handhabung und Pflege der Uhr deutlich erleichtert, wenn man über gewisses Zubehör verfügt.

In diesem Artikel stellen wir unsere Auswahl der fünf wichtigsten Tools und Accessoires vor, deren Anschaffung sich für jeden Uhrenbesitzer und -freund lohnt. Hierbei gilt das Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Natürlich kann man Dinge wie einen Bandwechsel auch einfach beim Uhrmacher des Vertrauens durchführen lassen. Aber es kann nie schaden, sich selbst zu helfen zu wissen. Ob man sich an die jeweilige Uhr herantrauen sollte, hängt auch vom Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und nicht zuletzt vom Wert der betroffenen Uhr ab. Auch ich als routinierter Bastler überlege es mir dreimal, selbst einfachste „Arbeiten“ an einer besonders wertvollen Uhr durchzuführen.

Ob es nun ein günstiges oder ein teures Modell ist: Jeder zögert zunächst, wenn es darum geht, Hand an die eigene Uhr zu legen. Sobald man aber das eine oder andere Band gewechselt und ein paar Gläser poliert hat, stellt sich alles als halb so wild heraus. Unsere Auswahl an Pflichtkäufen finden Sie hier.

Federstegwerkzeug

Dürften wir nur ein Produkt nennen, dann fiele unsere Wahl wohl auf das Federstegwerkzeug. Mit ihm lässt sich jedes gängige Uhrenband im Handumdrehen wechseln. Kaufen kann man sie schon für lächerliche zwei Euro, gelegentlich liegen sie beim Kauf eines neuen Uhrenarmbandes sogar gratis bei. Aber Achtung: Unter Uhrenenthusiasten gilt speziell bei diesem Werkzeug das unumstößliche Gesetz, dass auf keinen Fall an der Qualität gespart werden sollte! Für Schweizer Top-Qualität, etwa von Bergeon, legt man um die 20 € auf den Tisch und bekommt dafür ein einwandfrei gefertigtes, stabiles Exemplar. Lassen Sie sich nicht von der identischen Optik billiger Vertreter täuschen. Es ist zwar verlockend, ein paar Euro zu sparen, aber wer will schon seine Lieblingsuhr bei der Nutzung minderwertiger Werkzeuge verkratzen?

Federstegwerkzeug von Bergeon
Federstegwerkzeug von Bergeon

Achten Sie beim Kauf darauf, beide gängigen Gabelgrößen (1 und 3 mm) sowie den 0,8 mm Dorn zu erwerben, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Der Bestseller Bergeon 6767-F wird mit dem Dorn und der kleinen Gabel geliefert. Die 3 mm Gabel lässt sich separat erwerben.

Mit den auswechselbaren Gabeln lässt sich jeder Federsteg am dafür vorgesehen Kragen zusammendrücken und von der Uhr lösen. Gehen sie bedacht und ruhig vor, denn wenn Sie abrutschen, könnten verkratzte Bandanstöße die Folge sein. Bevor Sie es überhaupt auf diese Weise probieren: Prüfen Sie, ob Ihre Uhr durchbohrte Bandanstöße besitzt. Ich betone das nachdrücklich, weil ich mir selbst auf diese Weise schon Kratzer hätte ersparen können. Denn hat die Uhr solche durchbohrten Anstöße, kann der Dorn zum Einsatz kommen. Dieser wird einfach durch eine der Bohrungen geführt, was den Federsteg zusammendrückt. Die Kratzergefahr ist hier minimal.

Der Dorn kann auch genutzt werden, um Gliederbänder aus Metall zu kürzen, wenn man zusätzlich eine kleine Zange zum vorsichtigen Herausziehen der Stege zur Hand nimmt (empfehlenswerter ist es, dafür einen Stiftaustreiber zu kaufen).

Wem das alles zu riskant ist, aber den Bandwechsel trotzdem selbst vornehmen will, dem kann man eine Federstegzange empfehlen. Diese sind nicht gerade günstig, erlauben aber eine kratzerfreie, unkomplizierte Demontage der Federstege.

Polywatch

Ein weiterer unverzichtbarer Klassiker im Arsenal des Uhrenfreunds. Klar, eine generische Überschrift, zum Beispiel „Ein Poliermittel für Plexigläser“ hätte es auch getan. Aber Polywatch ist nun mal die prominenteste Marke und bleibt die gängige Empfehlung in Foren und Communities.

Es ist günstig und effektiv im Entfernen von Kratzern auf Acrylglas. Zwar gibt es auch eine Variante für mineralische Gläser, hier sind die Erfahrungsberichte aber eher durchwachsen. Seine Stärken kann das klassische Polywatch daher vor allem in vintagelastigen Sammlungen ausspielen, wo fast ausschließlich gewölbte Acrylgläser vorzufinden sind.

Uhrenbox (für zu Hause und unterwegs)

Wer seine Uhren gelegentlich von A nach B bewegt, der weiß eine kompakte Uhrenbox zu schätzen, die sich im Gepäck verstauen lässt. Kompakte Modelle sind kaum größer als ein DIN A5-Papier, etwa faustdick und bringen ganze acht Uhren unter. Wer mit etwas geringerer Schutzwirkung auskommt, kann auf eine Uhrenrolle zurückgreifen, die ein wohl unschlagbares Uhren-Platz-Verhältnis bietet.

Uhren aufbewahren

Natürlich eignen sich beide Varianten auch für die Aufbewahrung zu Hause. Wenn es für die stationäre Unterbringung etwas Schickeres sein soll, kann man auf klappbare, verglaste Boxen zurückgreifen. Schon Einsteigermodelle für um die 20 € erfüllen ihren Zweck. Da für Uhrenfreunde die reine „Zweckerfüllung“ aber selten ausreicht, kann man für repräsentative, handwerklich ausgefeilte Aufbewahrungsmöglichkeiten aus edlen Materialien beträchtliche Summen ausgeben.

Messschieber

Wofür sollte man denn einen Messschieber brauchen? Kann es so schwer sein, sich die Maße der eigenen Uhr zu merken (oder diese schnell im Internet nachzuschlagen)? Tatsächlich ist das Haupteinsatzgebiet des Messschiebers die Bestimmung der Breite des Bandanstoßes (Stegbreite) und das Vermessen des Bandes bzw. der Schließe. So lassen sich Fehlkäufe einfach vermeiden.

So mancher Bandanstoß besitzt sogar ungerade Maße, die sich mit einem günstigen Messschieber genau ermitteln lassen. Das erleichtert die Suche nach passenden Bändern und Federstegen in den gängigen Shops ungemein. Das Vermessen von Band und Schließe ist deshalb wichtig, weil sich die meisten Bänder zur Schließe hin verjüngen. So kann der Bandanstoß beispielsweise 20 mm und die Schließenbreite 18 mm betragen. Die Verjüngung kann auch extremer ausfallen – oder gar nicht vorhanden sein. Mit einem Messschieber stellt man sicher, dass man kein unpassendes Zubehör erwirbt.

Messschieber
Ein Messschieber (hier ein digitales Modell) eignet sich hervorragend zur Bestimmung der Stegbreite.

Lupe oder Mikroskop

Eine Lupe wird zwar nicht für einfache Arbeiten wie einen Bandwechsel benötigt, gehört unserer Meinung nach aber trotzdem in jede Uhrensammlung. Wer Zeit und Geld in dieses Hobby steckt, der schätzt auch Details in der Verarbeitung einer hochwertigen Uhr. Eine Lupe erlaubt die Betrachtung der Details, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. Günstigen Lupenmodellen fehlt oft die Randschärfe, und die Haptik lässt zu wünschen übrig. Daher empfiehlt es sich, auf gute Qualität zurückzugreifen.

Uhrmacherlupe und Taschenmikroskop
Unter der Lupe offenbart sich bereits einiges. Mit einem Mikroskop sieht man selbst feinste Bearbeitungsspuren.

Mit einem Mikroskop kann man sich selbst den allerfeinsten Details widmen. Beim Betrachten der Kanten und Oberflächen trennt sich die Spreu vom Weizen und man kann nachvollziehen, wieso sich der Preis einer Uhr von dem einer anderen um einige Nullen vor dem Komma unterscheidet. Zugegeben, die Anschaffung eines Mikroskops, nur um eine Uhr zu bewundern, scheint etwas übertrieben. Aber keine Sorge: Wir denken da eher an ein Taschenmikroskop, das sich schon für um die 20 € erwerben lässt. Ich war erstaunt, wie gut ein solches Gerät funktioniert – und für einen solchen Preis kann man wirklich nichts falsch machen. Filmt man mit dem Handy durch das Objektiv, sind sogar Aufnahmen möglich. Dass auch das erstaunlich gut funktioniert, können sie hier begutachten.

Zeitwaage 2.0

Zeitwaagen erlauben den Gang der Uhr in unterschiedlichen Lagen per Mikrophon zu messen. Professionelle Geräte kosten schnell vierstellige Beträge und sind ganz klar für die Meisterwerkstatt konzipiert. Mittlerweile sind jedoch Geräte aus Fernost für geringe dreistellige Summen zu haben, die für den Hobbygebrauch vollkommen ausreichen.

Eine dritte und für die jüngere Generation wohl komfortablere Variante kommt in Form von Apps daher. Ob sie nun Clocktuner, Tickoprint, WatchCheck oder WatchTuner heißen: Für sowohl Android- als auch iOS-Geräte sind Zeitwaagen-Apps verfügbar. Mit Hilfe eines angeschlossenen Mikrophons ermöglich sie die Ganggenauigkeit einer Uhr zu bestimmen. Tatsächlich kann es auch schon mit dem integrierten Mikrophon eines Smartphones funktionieren, aber die Nutzung eines angeschlossenen Mikrophons garantiert wesentlich zuverlässigere Ergebnisse. Manche dieser Apps sind zunächst gratis, während man für den vollen Funktionsumfang einen fairen Betrag zahlen muss.

Zeitwaage
Zeitwaage

Eine mit etwas über 100 € teurere, aber besonders elegante Lösung bietet Frederique Constant mit „Analytics“. Hier wird zur App ein schicker Clip geliefert, in den das Mikrophon integriert ist, und der sich dank Federspannung an der Uhr befestigen lässt.

Wo wir schon von Apps reden: Wer nicht nur Ganggenauigkeiten per App messen, sondern auch ein digitales Zuhause für seine persönliche Uhrensammlung sucht, dem legen wir die Chrono24 Watch Collection ans Herz. Dort können Sie nicht nur Ihre persönliche Sammlung archivieren, sondern auch die Wertentwicklung jeder einzelnen Uhr detailliert verfolgen. Die Watch Collection ist für alle gängigen Smartphones und natürlich im Desktop-Browser verfügbar.

Das war sie, unsere Auswahl der essenziellen Tools und Accessoires für Uhren. Zugegeben: Diese bildet noch lange nicht alle Gadgets ab, denn je tiefer man in die Materie einsteigt, desto spezifischer und zahlreicher werden auch die Werkzeuge, die man ansammelt. Doch für den Einsteiger dürften unsere fünf Vorschläge mehr als ausreichend sein. Welche Erfahrungen haben Sie schon mit dem Kauf von Zubehör gemacht? Lassen Sie uns wissen, welche Werkzeuge aus unserer Liste Sie besonders schätzen und welche sie noch vermissen.

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Über den Autor

Tim Breining

Etwa 2014, während meines Ingenieurstudiums, begann ich mich für Uhren zu interessieren. Mit der Zeit wurde aus der anfänglichen Neugier eine Leidenschaft. Da …

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