22.09.2016
 4 Minuten

Drei Uhren, deren Design polarisiert

Von Christopher Beccan
Royal Oak Offshore, Luminor 1950 372, Big Pilot

Viele Uhrenliebhaber finden an den meisten Uhren zumindest ein Detail attraktiv. Selbst wenn sie von einem Modell nicht völlig überzeugt sind, werden sie ihm doch zumindest Respekt entgegenbringen. Hin und wieder gibt es jedoch Modelle, bei denen die Meinungen sehr stark auseinandergehen. Mit diesen Uhren verhält es sich so ähnlich wie mit Rosenkohl: Entweder begeistern sie, oder sie schlagen einen in die Flucht. Dazwischen scheint es nichts zu geben und ehrlich gesagt ist das auch nicht weiter schlimm – solange die Zahl der Liebhaber überwiegt. Wir haben drei Uhren ausgesucht, von denen wir glauben, dass sich an ihnen die Geister scheiden.

Audemars Piguet Royal Oak Offshore

Was legendäre, edle Zeitmesser anbelangt, ist Audemars Piguet ganz vorne mit dabei. Doch auch bei ihnen gab es schon den einen oder anderen „Rosenkohl-Moment“. AP fertigt seit 1875 feinste Uhren, doch größere Bekanntheit erlangte die Marke gut hundert Jahre später mit der Einführung einer ganz besonderen Uhr; der Royal Oak Bei dieser handelte es sich um die allererste Sportuhr von AP. Sie war beileibe kein Schnäppchen, dabei bestand sie ganz und gar aus zweckmäßigem Metall, nämlich aus Edelstahl. Diese Royal Oak war von dem geschätzten Uhrendesigner Gérald Genta entworfen worden, den Audemars mit der Entwicklung eines unverkennbaren Designs beauftragt hatte. Dem kam er natürlich nach und obwohl die Uhr zunächst einige Skepsis hervorrief, fand sie doch schon bald viele Freunde.

Nichtsdestotrotz stieß auch die Royal Oak Offshore, die kompromisslose Taucher-Variante, bei ihrer Einführung auf unterschiedliche Meinungen. Anders als bei der Royal Oak hat sich diese Reaktion mit der Zeit jedoch kaum gewandelt und sie ist wirkt nach wie vor hochgradig kontrovers. Die Royal Oak Offshore hat mehr oder weniger denselben Bullaugen-Look wie ihr legendäres Vorbild, wirkt aber so, als wäre bei allen Details noch eine Schippe draufgelegt worden. Ich schätze, in gewisser Weise wird sie als aggressiv und weniger elegant wie die Royal Oak empfunden, aber das macht Taucheruhren ja gerade aus. Nun könnte genau das dazu verleiten, sie nicht zu mögen, weil sie nur noch so wenig mit der Royal Oak gemein hat, oder sie eben gerade dafür zu lieben.

Panerai Luminor 1950 PAM 372

Die Luminor wurde Anfang der 50er-Jahre eingeführt und sollte die ehrwürdige Radiomir ersetzen, die der italienischen Marine gute Dienste geleistet hatte. Bei der Luminor wurden das unverwechselbare Gehäuse und das Zifferblatt der Radiomir beibehalten, aber auch einige gestalterische Neuerungen hinzugefügt. Zu diesen gehörte ein markanter Bügel mit einem einzigartigen Mechanismus zum Schutz der Krone, der so besonders war, dass Panerai ihn sich hat schützen lassen und für den die Marke heute so bekannt ist. 2002 präsentiere Panerai die Luminor 1950, auch bekannt als „Fiddy“, die das Design der Original-Luminor wieder aufgriff und damit voll und ganz den Geist der Marke verkörperte. Diese Version wurde von den Paneristi begeistert aufgenommen und erzielte aufgrund ihrer begrenzten Stückzahl bald enorme Summen, sodass sie bald als eine Art Heiliger Gral unter Sammlern gilt.

2011 stellte Panerai eine neue Luminor 1950 vor, die PAM 372, die nicht nur das gleiche Gehäuse besitzt wie ihre Vorgängerin, sondern auch denselben Durchmesser: 47 mm. Anders als die „Fiddy“ wurde sie jedoch nicht in limitierter Auflage produziert. So konnten sich jetzt zwar alle, die keine PAM 127 ergattert hatten, eine PAM 372 kaufen, doch es bedeutete auch, dass Panerai mittlerweile nicht mehr nur die eingefleischten Fans ansprach, sondern eher die breite Masse. Und genau an diesem Punkt kommt wieder der Rosenkohl ins Spiel. Wer die Marke Panerai nicht versteht, wird auch ihren Reiz nie verstehen, und das gilt insbesondere für die PAM 372. Vermutlich liegt es, ähnlich wie bei den beiden zuvor vorgestellten Modellen, an ihrer Größe und ihrer charakteristischen Form, dass man sie nur lieben oder hassen kann.

IWC Schaffhausen Big Pilot

Lassen Sie im Gespräch mit Uhrenfans die Worte „Große Fliegeruhr“ fallen und sofort wird jemand IWC erwähnen. Die „Big Pilot‘s Watch“ wurde ursprünglich als Beobachtungsuhr für Flugzeugnavigatoren entwickelt. Diese Uhren waren besonders groß, meist um die 55 mm, weil sie ein großes Taschenuhrwerk mit Handaufzug beherbergen mussten, aber natürlich auch, weil sie so viel leichter ablesbar waren. Die Big Pilot hatte ein kompromissloses Design mit einer sehr großen Aufzugskrone, markanten Schwertzeigern und einem von zwei Punkten flankierten Dreieck auf 12 Uhr.

Das Original wurde in den 1940er-Jahren für den militärischen Einsatz eingeführt. 2002 hat IWC das Modell jedoch wieder in die Kollektion aufgenommen. Zwar gab es keinen technischen Grund für die Rückkehr der Big Pilot, doch IWC wollte die nostalgische Ader der Kunden ansprechen. War das ein cleverer Schachzug? Jein, denn genau wie die oben genannte ROO polarisiert sie. Sie ist in der Tat sehr groß und spricht wirklich nur Menschen an, die ein Faible für ihren kompromisslosen Look haben. Sie ist keine Uhr für den Massengeschmack, doch wem sie gefällt, der liebt sie, und wem sie nicht gefällt, der wird sie wohl niemals lieben können.

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Über den Autor

Christopher Beccan

Christopher Beccan ist Gründer des Online-Magazins „Bexsonn“ und schreibt dort regelmäßig über seine zwei Leidenschaften: Außergewöhnliche Uhren und Whisky. Weitere …

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