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Ein Hersteller, drei Marken: Seiko, Grand Seiko, Credor

Robert-Jan Broer
05.03.2018
Grand-Seiko-Hi-Beat-36000-Professional-600m-Diver-SBGH255 Teaser

 

Ich mag es eigentlich nicht, bestimmte Marken auf Kosten anderer anzupreisen. Seiko und Grand Seiko verleiten mich allerdings manchmal dazu. Wenn ich wählen müsste zwischen einer Uhr eines berühmten Herstellers aus der Schweiz oder einer von Grand Seiko, würde meine Entscheidung heute anders ausfallen als früher. Genauer gesagt änderte sich dies im Jahr 2015: Ein Besuch der Grand Seiko Manufakturen öffnete mir damals die Augen.

Schon vor 2015 gefielen mir die Modelle von Seiko und Grand Seiko (damals noch ein Unternehmen, erst 2017 wurde Grand Seiko eine komplett eigenständige Entität). Meine Reise nach Morioka und Shiojiri und zu den dort ansässigen Produktionsstätten von Grand Seiko und Credor haben mich dann aber sehr nachhaltig beeindruckt. Die Abläufe in den Manufakturen mit eigenen Augen zu sehen war ein prägendes Erlebnis.

 

Seiko

 

Beginnen wir mit Seiko, bekannt für erschwingliche Uhren von guter Qualität. Im Sortiment finden sich in Massen produzierte Zeitmesser unterschiedlichster Varianten. Von relativ einfach gehaltenen Dresswatches bis zu professionellen Taucheruhren mit Werken basierend auf ihrem berühmten mechanischen Kaliber Grand Seiko 9S und so ziemlich allem, was dazwischen liegt. Die meisten Uhren findet man in der ersten Kategorie: sehr populäre Uhren mit Quarzwerken. Ganz klar das Segment, in dem Seiko den größten Umsatz erwirtschaftet.

Für uns Uhrenliebhaber gibt es hier aber so einiges mehr zu entdecken. Sowohl in aktuellen Kollektionen als auch unter den Vintage-Modellen. Letztere sind immer noch erschwinglich und die Auswirkungen sind weit weniger gravierend als bei einigen schweizerischen Herstellern, sollten Sie ein Exemplar gekauft haben und feststellen, dass nicht mehr alle Teile original sind.

Was übrigens nur wenige wissen – Seiko war der erste Hersteller, der einen Chronographen mit automatischem Aufzug verkaufte. Das Kaliber 6139 war bereits 1969 auf dem Markt, also vor der El Primero von Zenith, dem Kaliber 11 von Breitling, Büren und Heuer. Wussten Sie, dass Sie einen Seiko-Chronographen mit diesem speziellen Werk bereits für ein paar Hundert Euro bekommen können? Versuchen Sie das mal bei einem der anderen genannten Hersteller.

 

 

Mit einer klassischen Seiko Presage, mit sehr schön gestaltetem Zifferblatt und mechanischem Werk, sind Sie perfekt ausgestattet für jede Party und jedes Abendessen. Erst seit wenigen Jahren wird die Presage-Kollektion auch außerhalb des japanischen und asiatischen Markts angeboten. Die Seiko-Modelle für Japan tragen übrigens die zusätzliche Bezeichnung „JDM” (Japan Domestic Model). Für unter 1000 EUR bekommt man hier etwas sehr Hochwertiges.

Vielleicht nicht für jeden Uhrenliebhaber das Richtige, aber technisch sehr anspruchsvoll: die Seiko Astron GPS Modelle. Dank der Ausstattung mit GPS sind es die präzisesten Uhren überhaupt. Auch erhältlich als Chronographen in verschieden Designs und Materialien.

 

 

Ausstattung und Werke der Marinemaster der Prospex-Kollektion ähneln stark den Grand Seiko Modellen. Die berühmte Marinemaster 300 SBDX017 verwendet das Seiko Kaliber 8L35B, basierend auf einem Grand Seiko-Werk, das Gehäuse wurde mit der einzigartigen Zaratsu Polierung bearbeitet.

Andere Seiko Modelle kommen mit Spring-Drive-Werken. Bei diesen wird ein mechanisches Werk mit dem sogenannten „Internal Circuit” (IC) kombiniert. Das Gleitrad wird mit Hilfe von elektromagnetischer Energie „gebremst”. Eine weitere firmeneigene Erfindung bestimmt hier die technischen Abläufe: Der Tri-Synchro-Regulator, der das üblicherweise verwendete Gangrad ersetzt. Das Spring-Drive-Werk funktioniert allerdings ohne Batterie, es wird mit einer traditionellen Aufzugsfeder betrieben. Ganze 20 Jahre dauerte übrigens die Entwicklung der Spring Drive Technologie, bis Seiko die erste Uhr auf der Baselworld 1998 vorstellte.

 

Grand Seiko

 

Grand Seiko hat eine lange Geschichte im Seiko Unternehmen. Vorgestellt im Jahr 1960 war es das erklärte Ziel, einzigartig schöne Uhren zu entwickeln, die sich durch höchste Präzision und Langlebigkeit auszeichnen. In den 1960ern und 1970ern kamen viele verschiedene Modelle auf den Markt. Besonderes Augenmerk aber verdient die 167 44GS. Die erste Grand Seiko, die die Regeln des „Grammar of Design” („Grammatik des Designs”) umsetzte. Sie verfügt über eine geschwungene Linie, mit Zaratsu-Technik hochglanzpolierte Flanken, eine eingelassene Krone, aufgesetzte facettierte Stundenmarkierungen, usw. Elemente des Designs der Grand Seiko 44GS wurden und werden in vielen Nachfolgemodellen wieder aufgenommen.

Die Produktion der Grand Seiko-Kollektion wurde zwischenzeitlich für mehr als ein Jahrzehnt eingestellt und 1988 von Seiko zurück ins Leben gerufen. Zuerst mit Quarzwerken und dann ab 1998 mit sehr schönen mechanischen Werken. Alle Werke in den Uhren von Grand Seiko sind aus der 9er-Serie. Das 9S in mechanischen Werken, das 9F in Quarzwerken und das 9R in den zuvor erwähnten Spring-Drive-Werken. Die verschiedenen Varianten und Versionen der Werke sind durch Ziffern gekennzeichnet, die den jeweiligen Bezeichnungen 9F, 9S und 9R folgen. Die Uhren kommen auch mit hochschwingenden Werken wie dem 9S85 beispielsweise, das 36.000 A/h erreicht, um maximale Präzision zu ermöglichen. Beeindruckend sind auch die für die Grand Seiko-Kollektion entwickelten Kaliber 9R01 8-Tage-Werke. Bislang ausschließlich erhältlich in Rotgold- und Platingehäusen.

 

Grand Seiko GMT
Grand Seiko GMT, Bild: Bert Buijsrogge

 

Grand Seiko ist eine Highend-Luxusmarke, weit entfernt von Kollektionen wie der Seiko S5. Daher wurde es oft als etwas schwierig und unpassend empfunden, dass auf dem Zifferblatt beides zu lesen war: Seiko und Grand Seiko. Für Betrachter, die sich nicht so richtig gut auskennen, war eine Seiko eben eine Seiko. Erst bei genauerem Hinsehen ist die höhere Qualität und die perfekte Verarbeitung einer Grand Seiko erkennbar. Geändert wurde dies erst 2017, als aus Grand Seiko eine eigene Entität wurde. Seit letztem Jahr findet man nun nur noch die Bezeichnung „Grand Seiko” auf den Zifferblättern dieser Modelle.

Grand Seiko-Uhren werden in einer Jahresproduktion von ca. 35.000 Stück hergestellt, sehr ähnlich also wie z.B. die Fertigungsmenge von Audemars Piguet. Die meisten davon werden auf dem asiatischen Markt verkauft. Auch im Gebrauchtuhrensektor findet man relativ wenige Angebote, speziell außerhalb Asiens. Begründet dürfte dies damit sein, dass sich Besitzer dieser Uhren eher selten davon trennen. Grand Seiko-Uhren bedienen eine eher kleine und selektierte Nische im Uhrenmarkt. Das geringe Angebot an gebrauchten Modellen bestimmt hier die Preise – diese liegen in der Regel recht nah am ursprünglichen Preis.

Auf alle Fälle ist Grand Seiko eine Marke, der man in den kommenden Jahren verstärkt Beachtung schenken sollte. Sie erfreut sich stetig wachsender Aufmerksamkeit außerhalb Japans, wie auch deutschen und schweizerischen Herstellern bereits aufgefallen sein sollte.


Credor

Credor Eichi II
Credor Eichi II, Foto: Robert-Jan Broer

 

Neben Grand Seiko gehört auch die Marke Credor zu Seiko. Vorgestellt im Jahr 1974 werden vor allem Uhren in Edelmetall produziert. Der Name wird passenderweise abgeleitet vom Französischen „Crête d’Or”, was so viel heißt wie „wertvollstes Gold”.

Das Modell Eichi II wird von vielen in den höchsten Tönen gelobt, es wird sogar verglichen mit Uhren von Philippe Dufour und anderen unabhängigen Uhrenherstellern. Im Jahr 2014 wurde diese Platinuhr vorgestellt, zum 40. Jubiläum von Credor und dem 15. Jahrestag des Spring-Drive-Werks. Betrieben wird sie nämlich von Seikos Spring Drive Kaliber 7R14. Das Werk wird handgefertigt im Micro Artists Studio in Shiojiri. Das kunstvolle Zifferblatt der Eichi II ist aus reinem Porzellan hergestellt und vollendet mit handgemalten Indizes.

 

Credor Eichi II Movement , Image: Robert-Jan Broer
Credor Eichi II Uhrwerk, Foto: Robert-Jan Broer

 

Die Credor Kollektion bietet einige interessante Komplikationen, wie z.B. das Fugaku Tourbillon mit schönen Gravuren und Lackierungen. Außerdem eine Spring Drive Minutenrepetition und die Sonnerie Spring Drive. Alle Uhren werden im Micro Artists Studio gefertigt. Wer eines dieser Credor-Modelle sein eigen nennt, kann sich wahrhaft glücklich schätzen. Über die Auflagen der Credor-Modelle ist nichts bekannt. Wir können davon ausgehen, dass diese sehr, sehr klein ausfallen, vor allem die der sehr komplizierten Uhren.

 

Mehr Sein als Schein

Wir hoffen, dass Sie diese kleine Einführung in die Welt der Uhren von Seiko, Grand Seiko und Credor inspirieren wird, sich mit ihnen etwas näher zu beschäftigen. Ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten sie in jedem Segment. Vielleicht konnten in diesem Artikel selbst Fans von Seiko und Grand Seiko ein paar überraschende Details erfahren.

 

Lesen Sie mehr über Seiko:

Japanische Uhrmacherkunst: Seiko


Robert-Jan Broer
Von Robert-Jan Broer
05.03.2018
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