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Einige Marken können neben Schmuck und Mode auch Luxusuhren – oder etwa nicht?

Pascal Gehrlein
06.06.2019
Einige Marken können neben Schmuck und Mode auch Luxusuhren – oder etwa nicht?

 

Wenn Sie an Luxusuhrenmarken denken, welche Marken haben Sie dann als erstes vor Augen? Wahrscheinlich Omega, Rolex, Patek Philippe – doch besonders in den letzten zwei Jahren wird es um Marken wie Hermès, Montblanc, Bulgari und Co. meiner Ansicht nach immer lauter. Durch technische Innovationen, mutige Designs und clevere Platzierung befinden sich diese Marken auf einem guten Weg, um in den Köpfen der Uhrenfans einen Platz in den vordersten Reihen zu erobern. Welche Modelle treiben genau das voran?

 

 

Bulgari – römisches Flair in der Uhrenbranche

Kaum eine Marke ist in der Luxuswelt mit ihrem Schmuck, ihren Accessoires, Hotels und auch Uhren so bekannt wie Bulgari. Die in Rom ansässige Marke wurde bereits 1884 von Sotiro Bulgari gegründet.

Der Mix aus römischen und griechischen Einflüssen machte das damals noch kleine Familienunternehmen für die schönen und reichen Römer zum beliebten Treffpunkt, um sich mit neuen Schmuckstücken auszustatten. Doch es dauerte bis zum Jahr 1940, dass Sotiros Söhne das Sortiment um die bekannte Serpenti Uhr erweiterten. Selbst wenn sSie sich mit Uhren nicht auskennen, so haben Sie diese Uhr bestimmt schon gesehen. Die Uhr windet sich wie eine Schlange um das Handgelenk des Trägers und der Kopf der Schlange, das Gehäuse und Zifferblatt, zeigt letztendlich die Zeit an. Auch heute ist die Schlangenuhr die Wahl vieler Hollywoodstars wie Julianne Moore und Charlize Theron. Ein Meilenstein in der Entwicklung von einer Schmuckmarke hin zur Luxusuhrenmarke war das Jahr 1980, als Bulgari mit der Bulgari Haute Horlogerie SA für sich selbst und andere ein Statement setzte. Zumal sich der Hauptsitz dieser Firma in Neuchatel in der Schweiz befand. Wie unter anderem Rolex arbeitet Bulgari an der vertikalen Integration und stellt heute neben Werken auch Gehäuse, Zifferblätter und Armbänder selbst her. Dabei teilen sich die einzelnen Arbeiten in unterschiedliche Standorte von La-Chaux-de-Fonds über Le Sentier und Neuchatel auf. Insgesamt kommt das Uhrensegment von Bulgari auf etwa 385 Mitarbeiter.

Im Jahr 2004 produzierte Bulgari seine erste Große Komplikation – und zwar komplett in-house und mit einem Tourbillon ausgestattet. Doch erst im Jahr 2012 ist Bulgari so richtig auf dem Radar von Uhrenfans aufgetaucht. Zu diesem Erfolg verhalf ihnen die Octo – eine Uhr mit unverkennbarem, oktogonalem Gehäuse. Die Frage jeder Uhrenmarke ist sicherlich, wie man sich von der Konkurrenz und deren Modellen abheben kann. Das gilt besonders für Marken, die nicht mit Ereignissen wie der ersten Mondlandung, der Besteigung des Mount Everest oder anderen historischen Ereignissen aufwarten können und deren Portfolio sich auf „mehr als nur“ Luxusuhren erstreckt. Bulgari sah diese Herausforderung scheinbar als Motivation, andere Wege zu gehen und ein eigenes Wiedererkennungsmerkmal zu finden. Rückblickend war es sicherlich kein schlechter Einfall mit Gerald Genta, dem Designer der Royal Oak und der Nautilus, zusammenzuarbeiten. Bereits 1999 kauft Bulgari zu diesem Zweck die Marke Gerald Genta. Das „klassische Genta Design“ verschmolz so mit den traditionellen Merkmalen der Bulgari Uhren. Doch was macht die Octo zu einem echten Konkurrenten für andere Luxussportuhren?

Die 2017 vorgestellte Octo Finissimo Automatic ist für viele schon jetzt eine Ikone. Denn diese Uhr beherbergt das dünnste Automatikkaliber der Welt, das Kaliber BVL138. Die Höhe von nur 2,23 mm ist eine technische Meisterleistung. Die komplette Uhr misst lediglich 5,15 mm. Dank des Saphirglasbodens kann der Besitzer einen Blick auf den integrierten Mikro-Rotor werfen. Dieser ist aus 950 und ermöglicht eine Gangreserve von 60 Stunden. Und mit der auf der  Baselworld 2019 vorgestellten Bulgari Octo Finissimo Chronograph GMT Automatic übertrifft Bulgari seine eigene Leistung erneut und stellt mit dem nur 3,30 mm hohen Chonographenwerk BVL318 bereits seinen 5. Weltrekord auf.

Bulgari setzt mit der Octo auf das richtige Pferd und stellt unter Beweis, dass es sich lohnt Risiken einzugehen. Die Octo ist auffällig, laut und anders. Trotz des bereits bei der ersten Version extrovertierten Designs versucht Bulgari weitere Aspekte aus und macht dabei teils größere Veränderungen als die meisten, nennen wir sie „traditionelle“ Uhrenhersteller. Das macht die Octo-Modelle meiner Meinung nach zu einer echten Alternative zur Piaget Polo, Panerai Luminor oder Hublot Big Bang.

 

 

Montblanc – vom Kugelschreiber zum Vintage-Chronographen?

Mit Montblanc verbinde ich besonders zwei Dinge: Winston Churchill und den Hinweis meines Großvaters, der mir, wenn ich als Kind zu Besuch war und meine Hausaufgaben erledigen musste, einen Vortrag darüber hielt, weshalb es sich nicht gehört mit einem abgebrochenen Bleistift zu schreiben. „Mit einem schlechten Stift, kann keine gute Geschichte entstehen.“ Wo er recht hatte… Später schenkte er mir einen Montblanc-Kugelschreiber. Doch als Uhrenmarke hatte ich Montblanc damals absolut nicht auf dem Zettel. Und heute?

Es sollte auch einige Jahre dauern bis die 1906 in München gegründete Marke ihre erste Uhr auf den Markt brachte. Erst 1997, vier Jahre nachdem die Vendome Luxury Group S.A, der heutige Richemont-Konzern, Montblanc übernahm (Zufall oder nicht?) fertigte Montblanc die erste Uhr, die Star. Angelehnt war dieses Modell an den berühmten „Meisterstück“ -Füllfederhalter. Seitdem ist jedoch in Le Locle, dem Sitz der Montblanc-Manufaktur, ebenfalls Sitz von Tissot, Zenith Ulysse Nardin und weiteren Marken, viel geschehen. Während die ersten Designs durch Zifferblattfarbe und weitere Details sehr nahe an den Schreibgeräten der Marke angelehnt waren, findet Montblanc mit den aktuellen Modellen, meiner Meinung nach, zunehmend seinen eigenen „Uhrenstil“. Bei Montblanc würden wir wahrscheinlich zunächst an eine klassische Dresswatch denken, die, gemeinsam mit dem passenden Stift, ihren Einsatz im Business-Umfeld findet. Doch im aktuellen Portfolio stechen vor allem die vintage-inspirierten Chronographen von Montblanc heraus. Ob der Käufer eines klassischen Füllfederhalters auch sofort zum eher sportlichen Chronographen greifen wird, kann dabei durchaus diskutiert werden. Doch meiner Meinung nach haben besonders die jüngsten Entwicklungen von Montblanc einiges für Uhrenliebhaber zu bieten und sind auf dem Weg zu anderen Modellen der Preisklasse, wie der Breitling Navitimer, Tag Heuer Autavia und IWC Pilot’s Chronograph, aufzuschließen.

Mit dieser Kollektion nutzte Montblanc die Vorteile der Konzern-Zugehörigkeit und profitierte von den klassischen Minerva-Designs, der auf Chronographen und Stoppuhren spezialisierten Manufaktur. Diese war von Richemont im Jahr 2006 übernommen worden, um von da ab besonders die Arbeit von Montblanc zu unterstützen. So kaufte man sich quasi über Nacht ein großes Stück Uhrmacher-Tradition und handwerkliches Know-How ein. Das Ergebnis ist heute ein moderner Vintage-Chronograph 1858. Besonders der Look der Bronze-Version hebt sich von anderen Chronographen auf dem Markt ab. Ein cleverer Schritt von Montblanc, um stärker wahrgenommen zu werden. Ausbalanciert wird die Uhr vom Zifferblatt-Layout im klassischen Bicompax-Stil. Patina bestimmt nicht nur die Zeiger, sondern auch das Finish des Zifferblattes. Ein oft diskutierter Punkt ist das Werk, welches dafür sorgt, dass Montblanc bei vielen noch nicht ganz die Flughöhe anderer Marken erreicht hat. Denn angetrieben wird dieses Modell von einem SW500 Chronographenwerk, welches von Sellita bereitgestellt wird. Ein sehr solides und oft (beispielsweise von TAG Heuer und IWC) genutztes Werk.

Auch wenn die Tradition und Geschichte der Marke ganz klar bei hochwertigen Schreibgeräten liegt, so findet Montblanc zunehmend seinen Platz in der Welt der Luxusuhren.

 

Hermès Arceau l’heure de la lune
Hermès Arceau l’heure de la lune

 

Hermès – Armbänder und Komplikationen

Gegründet im Jahr 1801 in Paris von Thierry Hermès, einem jungen Sattler, stattete Hermès die edelsten und besten Pferde mit einem Sattel und Geschirr aus. Bereits 1859, nachdem Thierrys Sohn die Geschäfte übernahm, machte sich die Marke auch international einen Namen. Nach einer USA-Reise wurde beschlossen, die Produktpalette auf Koffer, Taschen und andere Reiseaccessoires auszuweiten. Im Jahr 1928 wagte Hermès schließlich den Schritt in die Welt der Luxusuhren. 50 Jahre später eröffnete Hermès „La Montre Hermès“, nahe Bienne. Zusätzliches Know-How wurde durch die Akquisition des Werke-Herstellers Vaucher im Jahr 2006 und sechs Jahre später durch den Kauf von Natéber SA und Joseph Erard SA hinzugekauft. Somit entstand „Les Ateliers d‘Hermès Horloger“, die nun auch die Produktion der Gehäuse und Zifferblätter unter einem Dach vereinte. Neben eigenen Modellen arbeitete Hermès zudem mit anderen namhaften Größen wie Jaeger LeCoultre, Universal Geneve und Rolex zusammen. Dabei reichte die Tiefe der Zusammenarbeit vom reinen Verkauf der Uhren über die eigenen Boutiquen, bis hin zur gemeinsamen Entwicklung besonderer Modelle wie beispielsweise der Atmos Clock, die 2013 mit JLC vorgestellt wurde.

Eine der stärksten Kompetenzen von Hermès ist bis heute die Lederverarbeitung. Naheliegend, dass Hermès diesen Vorteil nutzt und eigene Armbänder entwickelt – für sich und für andere Marken. Wer eine Uhr von Hermès am Handgelenk hatte, der weiß wovon ich hier spreche. Die Nähte sowie die Geschmeidigkeit des Leders spielen in einer eigenen Liga.

Die Erfahrungen und die Handwerkskunst, die Hermès über die Jahre gesammelt hat, wird in der Hermès L’Heure de la Lune deutlich. Die 2019 auf der SIHH vorgestellte Uhr war für viele Uhrenfans ein Highlight der Messe. Bei dieser Uhr denkt Hermès die Mondphasenanzeige völlig neu. Denn diese ist hier nicht nur eine zusätzliche Anzeige, sondern steht bei der Uhr im Mittelpunkt. Beim Gehäuse setzt Hermès auf Weißgold und eine Größe von 43 mm. Auf dem Zifferblatt befinden sich zwei Monde, jeweils einer für die nördliche und die südliche Hemisphäre. Dass die südliche hierbei oberhalb der nördlichen platziert ist, unterstreicht das außergewöhnliche Design der Uhr. Angetrieben werden die rotierenden Scheiben der L’Heure de la Lune vom Hermès Kaliber H1837, das von Jean-François Mojon, dem Gründer der Chronode SA, entwickelt wurde. Die verfügbaren Versionen mit grauem und blauem Zifferblatt sind auf 100 Stück limitiert und werden passend mit einem Hermès Alligatorband ausgeliefert.

Somit geht auch Hermès seinen eigenen Weg und setzt auf eine eigenwillige Ausgestaltung von bestehenden Komplikationen. Marken wie Bulgari, Montblanc und Hermès werden von Uhrenfans meist erst nach den traditionsreichen Marken genannt. Dabei treiben diese die Uhrenindustrie mit neuen Ideen voran. Die Kompetenzen, die sie aus anderen Bereichen der Fertigung und Entwicklung besitzen, steigern dabei zunehmend die Qualität und Tiefe der Luxusuhrenfertigung.

 

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Pascal Gehrlein
Von Pascal Gehrlein
06.06.2019
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