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Gesichter der Uhrenindustrie: Kari Voutilainen

Jorg Weppelink
07.02.2019
Gesichter der Uhrenindustrie: Kari Voutilainen

 

In der bewegten Welt der Uhren, versuchen vor allem die großen Marken, die Fans mit ihrer langen Tradition, ihrer technischen Brillanz und immer neuen Modellen zu begeistern. In den vergangenen 10 bis 15 Jahren waren es aber zumeist die kleineren unabhängigen Hersteller, die die Herzen von Uhrenliebhabern erobern konnten. Wie ist ihnen das gelungen? Der Anspruch liegt vor allem darin, mit einzigartigen und ganz neuen technischen Meilensteinen zu faszinieren, statt einfach eine neue Uhr einer bewährten Serie vorzustellen. Hierfür benötigt man klare Visionen und höchste Expertise in der Entwicklung und Fertigung. Einer der größten Namen der unabhängigen Uhrenindustrie ist Kari Voutilainen. Der finnische Uhrmacher ist bekannt dafür, besondere Uhren zu entwickeln und dabei seinem eigenen Weg treu zu bleiben. Tauchen wir ein die Welt des Kari Voutilainen.

 

Wie alles begann

Die Geschichte von Kari Voutilainen beginnt am nördlichen Polarkreis. Genauer in Rovaniemi in Nordfinnland. Nicht unbedingt eine Gegend, die man mit Uhrmacherkunst verbindet. Seine Faszination für Uhren entdeckte Voutilainen, als er im Alter von dreizehn Jahren die Uhrenwerkstatt der Familie eines Schulfreundes besuchte. Einige Jahre später – in den frühen 1980er-Jahren – beginnt er seine Ausbildung an der „Finnish School of Watchmaking“. Trotz der damals herrschenden Quarz-Krise, war es immer die mechanische Uhrmacherei, die Voutilainen am meisten begeisterte.

 

Kari Voutilainen
Foto: Kari Voutilainen

 

Nachdem er einige Jahre als Reparateur in Finnland gearbeitet hatte, machte er den nächsten Schritt: Er ging in die Schweiz und schrieb sich in Neuchâtel am berühmten WOSTEP ein, dem „Watchmakers of Switzerland Training and Educational Program“. Nach dem Abschluss war er neun Jahre für die schweizerische Marke Parmigiani im Bereich Reparaturarbeiten tätig. Zur gleichen Zeit arbeitete er bereits zu Hause an seiner ersten eigenen Tourbillon-Taschenuhr. Nach drei Jahren der Entwicklung war es 1994 dann soweit, er stellte die Uhr der Öffentlichkeit vor und machte sich damit einen Namen als Uhrmacher.

Im Jahr 1999 verließ Voutilainen Parmigiani und konzentrierte sich auf seine Aufgaben als Dozent des WOSTEP, entwickelte in seiner Freizeit aber weiter seine eigenen Uhren. Irgendwann war beides zeitlich nicht mehr zu vereinbaren und Voutilainen musste sich entscheiden. Das Resultat war die Gründung seines eigenen Unternehmens im schweizerischen Môtiers im Jahr 2002. Anfangs entwickelte er vor allem Uhren im Auftrag für andere Marken, das damit verdiente Geld steckte er in Geräte und Werkzeug für die Fertigung seiner eigenen Uhren. Im Jahr 2004 entschied Voutilainen, sich mehr auf seine Marke zu konzentrieren und seine Expertise als Uhrmacher weltweit bekannt zu machen. Es waren vor allem die befreundeten unabhängigen Uhrmacher Philippe Dufour und Vianney Halter, die ihm zu diesem Schritt rieten. Im Jahr 2005 war es dann soweit und Voutilainen stellte erstmals eine Uhr unter seinem Namen auf der Baselworld vor. Von nun an änderte sich einiges.

 

Aufstieg einer Marke

Voutilainen Observatoire
Voutilainen ObservatoireFoto: Kari Voutilainen

 

Voutilainen wurde als außergewöhnlich talentierter Uhrmacher bekannt. Als Basis für seine Arbeit nahm er bestehende Werke und veränderte und verbesserte diese mit verschiedenen Funktionen zu höchstem Standard. Seine Observatoire Limited Edition belegte im Jahr 2007 den ersten Platz in der Kategorie „Best Men’s Watch“ beim Grand Prix d’Horlogerie in Genf. Bis heute hat er bei dem Award insgesamt viermal einen ersten Platz belegt.

Sein Erfolg beflügelte ihn und er wollte bei der Entwicklung nicht länger auf bereits bestehende Werke oder Teile anderer Hersteller zurückgreifen. Der nächste Schritt der Unabhängigkeit folgte und Voutilainen begann, seine Uhren komplett alleine zu entwickeln und zu fertigen. Im Jahr 2007 fing er an, eigene Uhrenkomponenten zu bauen, mit der Arbeit an seinem ersten Manufakturkaliber startete er nur ein Jahr später. Drei Jahre benötigte er für die Entwicklung seines Caliber 28, das erstmals in der Voutilainen Vingt-8 tickte. Das Bemerkenswerteste an diesem Werk ist die Verwendung der Doppelimpuls-Chronometerhemmung statt einer Schweizer Ankerhemmung, die bei dieser Art Werk sonst standardmäßig verbaut wird.

 

Vingt-8
Vingt-8Foto: Kari Voutilainen

 

Fast jede aktuelle Uhr aus dem Hause Voutilainen hat ein Manufakturkaliber mit Doppelimpuls-Chronometerhemmung. Sie hat sich als sehr effizient erwiesen und Voutilainen hat die Möglichkeit, sie im eigenen Hause zu produzieren. Mit einer Schweizer Ankerhemmung ist dies nicht möglich, da ihre Herstellung zu komplex wäre. Voutilainen entwickelt Uhren mit verschiedenen Technologien und Funktionen: Tourbillons, zweite Zeitzone, Gangreserveanzeigen, Chronographenfunktionen und Minutenrepetitionen. Jede einzelne davon ist ein beeindruckender Beweis seiner unglaublichen Handwerkskunst.

 

Ein Auge für Design

Voutilainens Streben nach Unabhängigkeit endete nicht damit, eigene Kaliber zu bauen. Sein Talent für hochwertige Finishs, verbunden mit dem Wunsch, einzigartige Designs zu entwerfen, brachten ihn dazu, eine eigene Fabrik für die Zifferblattherstellung zu kaufen, die Dialtech SA im nahegelegenen Schweizer Saint-Sulpice. Er benannte das Werk um in „Comblémenine“, nach der Straße in Môtiers, in der er seine Werkstatt hat. Nun hatte er noch mehr Freiheit, Uhren ganz nach eigenem Standard und in eigener Ästhetik herzustellen.

Voutilainens Uhren sind eine Verbindung von klassischem Look und klarem Design. Gefertigt werden sie auch nach individuellen Kundenwünschen. Zum Teil sind es außergewöhnliche Modelle, die den typischen Voutilainen-Stil haben und gleichzeitig durch die jeweiligen Auftraggeber in eine bestimmte Richtung modifiziert werden. So entstehen Uhren, die ursprünglich sehr klassisch entworfen wurden, als Versionen mit farbenprächtigem Zifferblatt und einem Lederarmband in Lila. Voutilainens Arbeit ist unverwechselbar und dabei doch sehr variantenreich.

 

Die Prinzipien

Masterpiece chronograph II
Masterpiece chronograph IIFoto: Kari Voutilainen

Voutilainens Uhren sind ein Spiegelbild seiner Grundsätze und seiner Arbeitsweise. Aktuell besteht sein Team aus 20 Mitarbeitern, produziert werden um die 50 Uhren im Jahr. Jeder Schritt der Fertigung liegt dabei ihn ihrer Hand: Das Design und die Herstellung der Uhren, der Zifferblätter und Werke und das Finish. Das Unternehmen arbeitet komplett unabhängig, kann seine Qualitätsstandards also kontrollieren ohne jeglichen Einfluss von Zulieferern. Genau das ist das Geheimnis von Voutilainens Erfolg. Die Art, mit der er sein Ziel verfolgt hat, Uhren von herausragender Güte herzustellen, hat ihn nicht nur zu einem erfolgreichen Uhrmacher gemacht. Voutilainen ist außerdem der Beweis dafür, dass es auch heutzutage in der Uhrenindustrie möglich ist, ein vollständig unabhängiges Unternehmen zum Erfolg zu führen.

 

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