18.01.2024
 5 Minuten

Im Wandel der Zeit: Audemars Piguets Geschichte

Von Barbara Korp
Audemars Piguets Geschichte

Audemars Piguets Geschichte

Audemars Piguet – bei diesem Namen werden alle Uhrenliebhaber schwach. Denn diese Manufaktur zählt aus guten Gründen neben Patek Philippe und Vacheron Constantin zu den „Big Three“ der Uhrenindustrie. Egal ob sportlich-elegante Zwei-Zeiger-Uhren oder Modelle mit den ausgefallensten und aufwendigsten Komplikationen. AP, wie diese Marke gerne abgekürzt wird, hat einfach alles im Sortiment. Und das Beste? Da die Uhren so kunstvoll und begehrt sind, haben sie einen guten Werterhalt, ja weisen oft sogar eine Wertsteigerung auf.

Beeindruckend ist zudem, dass sich diese Marke noch immer im Besitz der Gründerfamilie befindet. Gleichzeitig scheut man sich nicht vor Neuerungen, gewagten Kooperationen oder Regelbrüchen. Doch woher kommt diese Marke? Wie geht sie mit dem Erbe ihrer Legende, der Royal Oak, um? Und wohin geht sie? All diesen Fragen gehen wir in diesem Artikel auf den Grund.

Gründungszeit von Audemars Piguet

Eigentlich hätte Jules-Louis Audemars Repasseur werden und damit die Endkontrolle von Uhren durchführen sowie mögliche Fehler korrigieren sollen. Die Lehre hatte er sogar schon abgeschlossen – doch dann begann er gemeinsam mit seinem Freund Edward-Auguste Piguet mit der Fertigung eigener Uhren. Zusammen gründeten sie 1881 die Firma Audemars, Piguet & Cie. in der Ortschaft Le Brassus. Diese liegt im Schweizer Jura – genauer gesagt im Vallée de Joux. Dieses Tal ist die Heimat vieler bekannter Uhrenmarken, wie etwa Jaeger-LeCoultre, Breguet oder Blancpain, und auch heute noch ist die Audemars Piguet Produktion teils in jenem Tal beheimatet. Schon damals florierte dort das Uhrenhandwerk und Audemars Piguet war mittendrin – im regen Austausch mit den anderen sowie als Vorreiter im Bereich der Mechanik.

Denn die beiden Jugendfreunde begannen nicht klein und bescheiden, sondern wagten sich gleich an komplizierte Taschenuhren. Innerhalb des ersten Jahres konnten sie schon Modelle mit Ewigem Kalender oder auch Minutenrepetition anbieten. Im Rahmen der Weltausstellung Paris 1889 gewannen sie mit einer ihren Taschenuhren sogar eine Medaille und hatten sich spätestens dann einen Namen als Hersteller hochwertige Taschenuhren gesichert.

Audemars Piguet Perpetual Calendar Pocket Watch
Audemars Piguet Perpetual Calendar Pocket Watch

Der Schritt in die Welt der Armbanduhren

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wandte man sich bei Audemars Piguet den Armbanduhren zu. Es war eine Zeit, in der Taschenuhren noch üblich waren und niemand wusste, ob es sich bei Armbanduhren lediglich um einen kurzlebigen Trend handelte. So schuf man bereits 1891 die erste Armbanduhr mit Minutenrepetition. Der Mut wurde mit Erfolg belohnt. So konnte Audemars Piguet schnell expandieren und erste Filialen in Berlin, London, Paris und New York wurden eröffnet.

Audemars Piguet Jules AudemarsChronograph
Audemars Piguet Jules Audemars Chronograph

Wie beliebt die Armbanduhren von Audemars Piguet waren, zeigte sich auch daran, dass viele führende Juweliere Uhren oder Uhrwerke von Audemars Piguet bestellten, um sie dann unter eigenem Namen weiterverkauften – so auch Tiffany. Aufgrund dieser hohen Beliebtheit überstand man die Weltwirtschaftskrise und auch der Zweite Weltkrieg brachte keinen Einbruch der Nachfrage mit sich. Die Chronographen von Audemars Piguet waren während dieser Zeit vor allem in den USA so beliebt, dass sie zum Verkaufsschlager wurden, den man auch beständig weiterentwickelte.

Die Einführung der Royal Oak

Den größten Erfolg konnte Audemars Piguet aber mit der Royal Oak verbuchen: Noch immer ist sie das begehrteste Modell. Als die erste Royal Oak 1972 auf dem Markt erschien, stellte sie eine Revolution dar. Optisch unterschied sie sich stark von den damals üblichen Uhren. So war dieses Design, das von Gérald Genta geschaffen worden war, nicht nur dank der achteckigen Lünette sowie den acht sichtbaren Schrauben so auffällig. Mit einem Durchmesser von 39 mm zählte sie zu den damals größten Uhren auf dem Markt! Außerdem war diese Stahluhr so teuer wie eine aus Gold. Doch schreckte man damit Käufer ab? Mitnichten! Vielmehr setzte man einen Meilenstein: Eine neue Uhrenkategorie, nämlich Luxussportuhren aus Edelstahl.

Audemars Piguet Royal Oak
Audemars Piguet Royal Oak

Der Umgang mit einer Legende

Die Royal Oak traf nicht nur den Zeitgeist, sie wurde zu einer Legende. Besonders die simplen Drei-Zeiger-Modelle sind immer noch heiß begehrt. Somit stand AP also vor derselben Frage wie Patek Philippe mit der Nautilus: Sollte man als Luxushaus eine relativ simple Sportuhr ohne nennenswerte Komplikationen als begehrtestes Modell dulden?

Während Patek Philippe sich dagegen entschied und das simple Herrenmodell der Nautilus einstellte, ging Audemars Piguet den anderen Weg. Man identifizierte sich noch stärker mit der Royal Oak, stellte sie in den Mittelpunkt der Marke und entwickelte sie ständig weiter. Dadurch hat Audemars Piguet, wie wir im Rückblick sehen, jedoch nicht den Ruf als erstklassiger Uhrmacher verloren. Vielmehr konnten sie eine Reputation als Marke mit erstklassiger, traditioneller Qualität für einen modernen Lifestyle gewinnen, von der sie bis heute stark profitieren.

Audemars Piguet Royal Oak Selfwinding Flying Tourbillon 26534TI.OO.1220TI.01
Audemars Piguet Royal Oak Selfwinding Flying Tourbillon 26534TI.OO.1220TI.01

Der Umgang mit dem Erbe als Traditionshaus

Audemars Piguet ruht sich aber keineswegs auf dem Erfolg der Royal Oak aus, sondern führt auch seine Tradition als Spezialist für Uhren mit aufwändigen Komplikationen weiter. So wurde im Jahr 2019 mit der Code 11.59 eine neu entwickelte Kollektion klassischer Uhrenmodelle vorgestellt, welche die Kollektion Jules Audemars ablöste. Solch ein Wechsel war ein gewagter Schritt in der konservativen Uhrenwelt. Doch auch die skeptischen Uhrenfreunde konnten sich dem Charme der Modelle dieser Kollektion nicht entziehen. Denn diese Kollektion umfasst nicht nur Modelle mit wunderschönen Komplikationen, sondern ist auch ein Sinnbild für den Umgang APs mit Tradition. Während die Uhren auf den ersten Blick mit ihrer runden Form sehr klassisch sind, erinnert der achteckige Mittelteil des Gehäuses an die Royal Oak mit ihrer berühmten oktogonalen Lünette. Die schmalen Zeiger sowie die schlanken Indizes fügen dann noch einen sehr modernen Touch hinzu. Somit verschmelzen in allen Code 11.59 Modellen Haute Horlogerie mit traditionsbewusstem und zugleich modernem Design.

Audemars Piguet Code 11.59 Chronograph
Audemars Piguet Code 11.59 Chronograph

Audemars Piguet heute

Audemars Piguet ist heute vielleicht die modernste Marke der „Big Three“ der Schweizer Uhrenmarken. AP hat es geschafft, gleichermaßen als traditionell und cool wahrgenommen zu werden; als eine Lifestyle-Marke sowie ein Traditionshaus. So genießt die Royal Oak weiterhin den Status einer Legende und ein Ende ihrer Beliebtheit ist nicht abzusehen. Dafür liegt sie einfach zu gut am Handgelenk.

Außerdem überrascht sie uns immer wieder im neuen Design, welches wiederum neue Kaufinteressierte anspricht. Parallel dazu werden weiterhin Uhren mit den ausgefallensten Komplikationen angeboten – und alles verschmilzt in einer wundervollen Harmonie. So wie schon vor über 100 Jahren zeigt der Hersteller großen Innovationsgeist – ein Risiko, das damals wie heute belohnt wird.

Audemars Piguet Royal Oak ConceptGmt Tourbillon White 26580IO
Audemars Piguet Royal Oak Concept GMT Tourbillon White 26580IO

Ausblick

Leider besitzen wir keine magische Kristallkugel. Doch basierend auf den vorliegenden Tatsachen und unseren Hoffnungen wollen wir einen Blick in die Zukunft wagen – und diese sieht vielversprechend aus. Audemars Piguet ist nicht nur in der Gegenwart angekommen – sie gestalten schon die Zukunft mit. Legenden werden nicht konserviert, sondern modernisiert. Man wagt Stilbrüche, geht überraschende Kooperationen ein, doch zugleich vergisst man sein Erbe nicht. Wie ein bekanntes Sprichwort sagt: Tradition ist nicht das Behalten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme. Eben jene Flamme brennt bei Audemars Piguet immer noch. Man fühlt die Leidenschaft für hochwertige Uhrmacherkunst sowie die Leidenschaft für stetigen Fortschritt auf allen Ebenen.

Dass diese Flamme erlöschen könnte, ist nicht abzusehen. Eben daher können wir auch in Zukunft viel von Audemars Piguet erwarten – denn die Leidenschaft der Marke, Neues und Einzigartiges zu erschaffen, ist ganz klar noch immer so lodernd wie am ersten Tag.


Über den Autor

Barbara Korp

Als ich entdeckte, dass Uhren viel mehr als nur Schmuckstücke sind, war es um mich geschehen. Ich habe mich in die Schönheit ihrer Technik verliebt. Gleich darauf folgte jedoch eine Enttäuschung: Die meisten Modelle waren viel zu groß für mich. Doch ich gab nicht auf – und entwickelte dadurch ein spezielles Interessenfeld.

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