19.07.2021
 5 Minuten

In anderen Sphären: Uhren im Weltall

Von Jorg Weppelink
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Der 20. Juli 2021 wird einen besonderen Tag in der Geschichte der Raumfahrt markieren. An diesem Tag wird die New Shepard von Blue Origin an die Grenze des Weltalls reisen. Mit an Bord: der scheidende Amazon-Chef Jeff Bezos, sein Bruder Mark, die 82-jährige Wally Funk, ehemaliges Mercury-13-Mitglied, und der Gewinner der Auktion, der für seinen Platz an Bord die schwindelerregende Summe von 28 Millionen Dollar zahlt. Private Unternehmen wie Blue Origin, SpaceX und Virgin Galactic haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Raumfahrt revolutioniert. Welche Uhr würden Sie tragen, wenn Sie die Gelegenheit hätten, ins Weltall zu fliegen? Wir inspirieren Sie gerne mit ein paar Beispielen aus der Geschichte.

Uhren im Weltraum: jenseits der Moonwatch

Omega Moonwatch
Die Omega Speedmaster „Moonwatch“: die beste Weltraumuhr? Das beste Marketing? Oder beides?

Seit der Mensch zum ersten Mal in den Sternenhimmel blickte, ist er fasziniert von den Weiten des Kosmos. Der Traum von einer Reise in himmlische Sphären wurde Realität, als der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin 1961 als erster Mensch ins All flog. Auf den Weltraummissionen waren Armbanduhren als essenzieller Bestandteil der Ausrüstung immer mit dabei. Die berühmteste Uhr, die den Weltraum bereist hat, ist ohne Zweifel die Omega Speedmaster Professional – besser bekannt als „Moonwatch“. Aber welche Uhren haben Astronauten und Kosmonauten bei ihren Ausflügen ins Weltall sonst noch begleitet?

Die Sturmanskie von Juri Gagarin

Die russische Uhrenfabrik Sturmanskie erhielt den Auftrag, für Gagarins Mission eine Uhr zu bauen. Das Ergebnis war eine einfache, aber zuverlässige Dreizeigeruhr mit 33-mm-Gehäuse und Handaufzug, die an die sowjetischen Luftstreitkräfte ausgeliefert wurde. Sie funktionierte tadellos in der Kälte und Schwerelosigkeit des Weltraums und hielt auch der hohen Wiedereintrittsgeschwindigkeit in die Stratosphäre stand. Heute bietet Sturmanskie eine 40-mm-Gedenkausgabe dieser Uhr an. Trotz des größeren Gehäusedurchmessers hat die Uhr das gleiche schlichte, zuverlässige Design, das Gagarin an seinem Handgelenk trug, als er als erster Mensch in den Weltraum reiste.

Sturmanskie Gagarin Automatic Limited Edition
Sturmanskie Gagarin Automatic Limited Edition: die russische Moonwatch.

Der Strela-Chronograph von Alexei Leonow

Vier Jahre nach Gagarins erfolgreicher Mission führte der russische Kosmonaut Alexei Leonow 1965 den ersten erfolgreichen Weltraumspaziergang durch. Die Zeit maß er dabei mit einem wunderschönen, 37 mm großen Strela-Chronographen, den er über dem Raumanzug trug. Der Weltraumspaziergang verlief allerdings nicht ganz wie geplant. Leonows Raumanzug blähte sich im Vakuum des Weltraums auf, wodurch es ihm unmöglich war, wieder in sein Raumschiff Woschod 2 einzusteigen. Nachdem er ein Ventil geöffnet hatte, um Druck abzulassen, schaffte er es nur mit Mühe und Not ins Innere des Raumschiffs zurück. Die Uhr jedoch funktionierte während der gesamten Unternehmung tadellos und sicherte sich auf diese Weise einen festen Platz in der Raumfahrtgeschichte. Sie ist bis heute in einer aktualisierten Version erhältlich.

Die Breitling Navitimer Cosmonaute von Scott Carpenter

Scott Carpenter war während der Mercury-Atlas-7-Mission 1962 der erste NASA-Astronaut, der im Weltall eine Armbanduhr anhatte. Sein berühmter Kollege John Glenn hatte sich für den ersten US-Weltraumflug in die Erdumlaufbahn noch eine Stoppuhr von Heuer am Handgelenk befestigt. Während seines Fluges mit dem Aurora-7-Raumschiff trug Carpenter eine Breitling Navitimer Cosmonaute, die er persönlich bei Breitling angefordert hatte. Er war der Navitimer zum ersten Mal während seiner Zeit als Pilot bei einer Mission in Australien begegnet und vom Aussehen der Uhr begeistert. Breitling stattete die reguläre Navitimer für Carpenter mit einem speziellen 24-Stunden-Zifferblatt aus. Und warum heißt die Uhr eigentlich „Cosmonaute“? Nun, Breitling ist im französischsprachigen Teil der Schweiz beheimatet, und cosmonaute ist das französische Wort für „Astronaut“.

Breitling Navitimer
Die erste Uhr, die von einem NASA-Astronauten im Weltraum getragen wurde, war eine Breitling Navitimer.

Der Seiko-Chronograph 6139 „Pogue“

Im Jahr 1973 trug der US-Astronaut William Pogue während der Skylab-4-Mission der NASA den farbenfrohen Seiko-Chronographen mit der Referenz 6139. Das 1969 eingeführte Uhrwerk der Seiko 6139 war eines der ersten automatischen Chronographen-Kaliber. Das auffällige gelbe Zifferblatt, die rot-blaue Lünette und die charakteristische Gehäuseform machten diesen Chronographen zu einer Ikone. Dank ihres berühmten Trägers ging die Uhr als Seiko 6139 „Pogue“ in die Geschichte ein. Ein weniger bekanntes Detail: Kommandant Gerald P. Carr trug während der gleichen 84-tägigen Mission einen Movado Datron HS360 Automatik-Chronographen. Gemeinsam wurden die beiden Uhren zum ersten „Automatik-Chronographen-Duo“ im Weltraum.

Der Fortis B-42 Cosmonauts Chronograph

Die Schweizer Uhrenmanufaktur Fortis mag dem breiten Publikum vielleicht weniger bekannt sein, doch unter Piloten und Weltraumuhren-Fans ist sie ziemlich berühmt. Von ihr stammt der Cosmonauts Chronograph, der die russischen Kosmonauten auf ihren Missionen zur Raumstation MIR begleitete. Der ursprüngliche 38-mm-Chronograph sah mit seinem gebürsteten Stahlgehäuse und dem klaren Zifferblattdesign großartig aus und war für seine robuste Verarbeitungsqualität bekannt. Im Jahr 2003 brachte Fortis eine aktualisierte Variante der Uhr unter dem Namen B-42 Cosmonauts Chronograph heraus. Diese wurde von Kosmonauten auf mehreren Missionen zur internationalen Raumstation ISS getragen. Die Uhr wurde in Zusammenarbeit mit russischen Kosmonauten speziell für die Raumfahrt entwickelt und gesellt sich damit in die illustre Gesellschaft der Speedmaster X-33, dem einzigen anderen speziell für den Einsatz im Weltraum konzipierten Zeitmesser.

Die Sinn 140 von Reinhard Furrer

Der deutsche Uhrenhersteller Sinn ist bekannt für seine hervorragenden Zeitmesser. Helmut Sinn, ein ehemaliger Pilot, gründete das Frankfurter Unternehmen im Jahr 1961. Heute hat die Marke eine ganze Reihe brillanter Fliegerchronographen im Programm. Ein ganz besonderes Modell ist die Sinn 140, die der deutsche Astronaut Reinhard Furrer 1985 während der Spacelab-Mission D1 trug. Eine aktualisierte Version dieser Uhr ist auch heute noch in der Kollektion von Sinn anzutreffen. Sowohl das ursprüngliche als auch das aktuelle Modell besitzt ein kissenförmiges Gehäuse mit schwarzer Hartstoffbeschichtung, was der Uhr ein elegantes Aussehen verleiht. Die leuchtend roten Zeiger sorgen für Farbakzente und bieten zusätzliche Funktionalitäten. Ein wissenswertes Detail am Rande: Furrer hat die Uhr nicht von der Mission gestellt bekommen, sondern selbst gekauft.

Reinhard-Furrers-Sinn-140
Reinhard Furrer hat seine Sinn 140 für die Spacelab-Mission D1 aus eigener Tasche bezahlt.

Die Bulova Lunar Pilot von Dave Scott

Die Geschichte der Bulova Lunar Pilot ist eine ganz besondere. Dave Scott, Kommandant der Apollo-15-Mission von 1971, hatte die Reise zum Mond mit einer Speedmaster am Handgelenk angetreten. Während des zweiten Außenbordeinsatzes – also während eines Mondspaziergangs – sprang das Uhrenglas heraus. Seine Ersatzuhr? Ein Bulova-Chronograph, den er von einem Freund bekommen hatte. Scott hatte versprochen, die Uhr zu testen, und tat dies bei seinem nächsten Mondspaziergang. Die Uhr tat einwandfrei ihren Dienst und ist bis heute die einzige Uhr aus Privatbesitz, die jemals auf dem Mond getragen wurde. Mit der Lunar Pilot, einer 45-mm-Quarzuhr, brachte Bulova eine Neuauflage des Chronographen heraus, die Uhrenliebhaber und Weltraumfans heute kaufen können.

Die Omega Speedmaster X-33 für NASA- und ESA-Astronauten

Omega stattet gegenwärtig alle NASA- und ESA-Astronauten mit einer Omega Speedmaster Professional X-33 der zweiten Generation aus. Zusätzlich erhalten alle Astronauten und Kosmonauten, die von Russland aus zur ISS starten, eine Speedmaster Professional Moonwatch und eine Speedmaster Professional X-33 Skywalker der dritten Generation. Alle drei Generationen der X-33 wurden in Zusammenarbeit mit Astronauten entwickelt und verfügen über ein Titangehäuse, wodurch sie sehr leicht und angenehm zu tragen sind. Die Uhren sind außerdem mit einer Reihe praktischer weltraumbezogener Funktionen ausgestattet, darunter eine Timer-, eine Missionszeit- und eine Stoppuhrfunktion. Zudem zeigen sie mehrere Zeitzonen an. Viele sehen die Omega Speedmaster Professional X-33 als die beste Weltraumuhr, die man bekommen kann.

Und damit sind wir am Ende unserer Liste berühmter Weltraumuhren angelangt. Jede dieser Uhren hat ihren ganz besonderen Platz in der Geschichte. Bleibt nur noch die Frage: Welche Uhren werden Jeff Bezos und der Rest der Crew am 20. Juli tragen? Wir sind jedenfalls schon gespannt und freuen uns auf alle Uhren, die in Zukunft die Reise ins All antreten werden.

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Chrono24 Talks – Omega Speedmaster Moonwatch

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Über den Autor

Jorg Weppelink

Hallo, ich bin Jorg und schreibe seit 2016 Artikel für Chrono24. Meine Beziehung zu Chrono24 reicht jedoch deutlich weiter zurück, denn meine Liebe zu Uhren erwachte …

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