28.09.2020
 4 Minuten

Indie-Marken im Porträt: Armin Strom

Von Balazs Ferenczi
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Indie-Marken im Porträt: Armin Strom

Es ist recht unwahrscheinlich, dass eine Uhrenmarke nach gelebter Erfolgsgeschichte und bittersüßem Ende noch einmal zu neuem Leben erwacht. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass sie nach dem Neuanfang wieder richtig aufblüht. Aber genau das ist die Geschichte von Armin Strom. Sie nimmt uns mit auf eine inspirierende Reise durch Jahrzehnte Schweizer Uhrmacherkunst, die auch heute noch nicht zu Ende ist. Armin Strom ist heute lebendiger denn je. Das verdankt die Marke ihrem jungen, dynamischen Team, das sich einer Legende angenommen und diese zu neuen Gipfeln geführt hat. Dabei haben sie es jedoch auch irgendwie geschafft, die grundlegenden Werte von Armin Strom zu bewahren. Nur wenige kennen die Ursprünge dieser Indie-Marke aus Biel/Bienne in der Schweiz. Von diesen möchte ich Ihnen gern erzählen, bevor wir einen genaueren Blick auf die Marke Armin Strom werfen, wie wir sie heute kennen.

Die Gründer von Armin Strom: Serge Michel und Claude Greisler, Bild: Armin Strom
Die Gründer von Armin Strom: Serge Michel und Claude Greisler, Bild: Armin Strom

Armin Strom eröffnete 1967 als selbständiger Uhrmachermeister sein Geschäft in Burgdorf in der Schweiz. Sein Unternehmen hatte zwei Geschäftszweige: Ein normales Uhrengeschäft und ein Kommissionsgeschäft für Restaurationen und Handskelettierung. Letztere sollte später zum Markenzeichen von Armin Strom werden. Tatsächlich stellte er 1990 den Guinness-Weltrekord für die kleinste handskelettierte Damenuhr der Welt auf. Aber eins nach dem anderen. Im Jahr 1984 nahm Armin Strom zum ersten Mal an der heute nicht mehr stattfindenden Baselworld teil. Sein Name war innerhalb der Uhrenbranche schnell in aller Munde und viele renommierte Uhrenhersteller beauftragten ihn als Fachmann mit der Skelettierung ihrer Uhren. Er arbeitete unter anderem für Omega und kreierte 1992 die allererste skelettierte Speedmaster. Diese Uhr aus Gelbgold wird vom berühmten 27 CHRO C12-Kaliber (dem Vorgänger des Kalibers 321 von Omega) angetrieben und die Auflage umfasste lediglich 50 Exemplare.

Im Jahr 2006 stieg die Familie Michel in das Unternehmen ein und übernahm das Zepter von Armin Strom. Serge Michel holte seinen Freund, den Uhrmachermeister Claude Greisler, mit ins Boot. Gemeinsam erfanden sie Armin Strom neu und verlegten 2009 den Firmensitz an den heutigen Standort. Das Team besteht aus einer kleinen, aber leidenschaftlichen Gruppe von Menschen, die Armin Strom einzigartige Impulse verleihen und dabei die Kernideale des Firmengründers respektieren. Alle Uhren werden bei Ihnen mit viel Liebe zum Detail skelettiert. Armin Strom ist heute eine neue Marke mit frischen Ideen, die jedoch auch das Erbe und die Tradition bewahrt. Dort sagt man: „(Indie-)Marken versuchen, ihren eigenen Weg zu finden. Wir konkurrieren nicht miteinander, wie die meisten großen Marken. Wir machen unser eigenes Ding.“

Minute Repeater Resonance, Image: Armin Strom
Minute Repeater Resonance, Bild: Armin Strom

Die Kollektion von Armin Strom besteht im Wesentlichen aus drei Linien. Mit der Masterpiece-Kollektion stellt das Team des Herstellers vollendetes uhrmacherisches Können unter Beweis. Diese Uhren spiegeln wahre Haute Horlogerie in höchster Vollendung wider. Im Moment beinhaltet diese Linie zwei Modelle: Die Minute Repeater Resonance und die Dual Time Resonance. Beide sind atemberaubende Uhren, die man gesehen haben muss. Mit der Resonance-Kollektion präsentiert der Hersteller eine weitere Serie. Hier werden keine Experimente gemacht – im Gegenteil, das von Armin Strom entwickelte Resonanzsystem ist legendär. Vereinfacht kann man es so ausdrücken: Diese Uhren verfügen über zwei Uhrwerke, die durch eine patentierte Resonanz-Kupplungsfeder verbunden sind. Die Uhrwerke arbeiten zusammen (oder „resonieren“) und übertragen ihre „Informationen“ auf das Zifferblatt, das die Zeit anzeigt. Das Ergebnis ist eine wesentlich genauere Zeitmessung.

Mirrored Force Resonance, Bild: Armin Strom
Mirrored Force Resonance, Bild: Armin Strom

Die Idee ist nicht wirklich neu. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts baute Abraham-Louis Breguet eine Taschenuhr mit Resonanz. Heute jedoch ist Armin Strom einer der wenigen Hersteller, die noch Resonanzuhren konstruieren. Die Resonance-Kollektion umfasst zwei Modelle: die Pure Resonance und die megacoole Mirrored Force Resonance. Zu guter Letzt bietet Armin Strom mit seiner dritten und jüngsten Serie namens System 78 Uhren für Einsteiger. Diese Serie wurde erst Ende 2019 eingeführt. Auf der Dubai Watch Week bezeichnete Claude Greisler System 78 als „DNA der Marke“. Serge und Claude wurden beide im Jahr 1978 geboren, daher der Name. Das ist allerdings noch nicht die ganze Geschichte. Um es mit Greislers Worten auszudrücken: „Als Serge und ich die Marke von Armin Strom übernahmen, hatten wir das klare Ziel, eine sehr hochwertige Einsteigerkollektion in unser Angebot aufzunehmen.“ Das erste Modell dieser neuen Serie ist die Gravity Equal Force.

Gravity Equal Force, Bild: Armin Strom
Gravity Equal Force, Bild: Armin Strom

Als ich Claude fragte, wie er die Branche heute sieht, antwortete er: „Beim Design gibt es viele Neuerscheinungen, die alle mehr oder weniger gleich aussehen. Die größeren Marken haben Angst davor, Risiken einzugehen. Im Luxussegment muss man nicht auf die Nachfrage reagieren, sondern sie schaffen. Wir müssen die Leute durch Designs, Kaliber oder Partnerschaften überraschen. Uhren vermitteln Emotionen.“ Die Leute hinter Armin Strom haben eine klare Vision für ihre Marke und sie wissen, wohin sie wollen. Dank der Inspiration ihrer Designer sind ihre Uhren unverwechselbar. Claude sagt: „Design entsteht aus Funktionalität, und Design muss ehrlich sein.“ Er fragt sich, ob Armin Strom etwas „anders“ ist, weil die Marke – im Gegensatz zu den meisten Schweizer Uhrenmarken – die deutsche Kultur des Landes repräsentiert, die sich durch einen etwas anderen Stil und eine andere Mentalität auszeichnet. Worin auch immer das Geheimnis bestehen mag, Armin Strom kreiert einige beeindruckende, einzigartige Beispiele für Haute Horlogerie, respektiert jedoch gleichzeitig das Erbe der Marke. Zudem ist man dort freundlich und bodenständig – ein seltenes Gut in unserer Zeit.

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Balazs Ferenczi

Ich interessiere mich schon so lange ich denken kann für Uhren. Eine schöne Uhr sollte meiner Meinung nach der einzige Schmuck sein, den ein Mann trägt. Die Wahl …

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