31.07.2020
 4 Minuten

Indie-Marken im Porträt: H. Moser & Cie.

Von Balazs Ferenczi
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Indie-Marken im Porträt: H. Moser & Cie.

In diesem Porträt widmen wir uns einer unabhängigen und beeindruckenden Schweizer Uhrenmarke, über deren reiche Geschichte man einen eigenen Artikel schreiben könnte. Ihr Gründer und Namensgeber Heinrich Moser war ein echtes Universalgenie und Unternehmer mit Leib und Seele. Seine Geschäfte führten ihn durch ganz Europa bis ins ferne Sankt Petersburg. Dort gründete er 1828 die Firma H. Moser & Cie. Der damals 24-jährige Uhrmacher lebte zu dieser Zeit in Russland, wo er Unternehmen wie Fabergé mit Uhrwerken belieferte und nebenbei seine eigenen Uhren baute. Ein Jahr nach der Firmengründung in Sankt Petersburg eröffnete Moser eine Uhrenfabrik im schweizerischen Le Locle, um sein Russlandgeschäft zu unterstützen. Die Fabrik produzierte Uhren, die exklusiv für den europäischen und russischen Markt bestimmt waren. Aber dies ist erst der Anfang der Geschichte von H. Moser & Cie.

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Moser kehrte 1848 in seine Schweizer Heimatstadt Schaffhausen zurück. Er war bereits ein wohlhabender Geschäftsmann und wurde zu einer Art Industriepionier. Er eröffnete Werkstätten zur Fertigung von Uhrenteilen und baute am Rhein einen Wehrdamm mit angeschlossenem Wasserkraftwerk zur Unterstützung seiner industriellen Vorhaben. Während der Russischen Revolution wurde H. Moser & Cie. enteignet, doch die Geschäfte in der Schweiz florierten. Dies hielt bis in die späten 1970er Jahre an, als H. Moser & Cie. wie viele andere der Quarzkrise zum Opfer fiel. Im Jahr 2005 wurde die Marke jedoch nach einem über 25-jährigen Winterschlaf in Schaffhausen zu neuem Leben erweckt – dem Kanton, in dem alles begann. Es wurden neue Fertigungsstätten errichtet und die Produktion wieder aufgenommen. Die Uhrmacher von H. Moser & Cie. entwickelten neue Teile und bauten Uhren, die später prestigeträchtige Preise wie den Grand Prix der GPHG gewinnen sollten. Im Jahr 2012 wurde die Marke von der Familie Meylan übernommen und es begann ein neues Kapitel in der fast 200-jährigen Geschichte von H. Moser & Cie.

Auf der Dubai Watch Week im letzten Herbst sprach ich mit Edouard Meylan, dem CEO des Unternehmens. Edouard ist ein junger, charismatischer Unternehmer, der versteht, wie die Uhrenindustrie tickt. Wir wussten damals noch nicht, was uns im Jahr 2020 erwarten würde, und Edouard war sehr optimistisch, was die Zukunft der Marke betraf. Seither ist viel geschehen, aber H. Moser & Cie. hat es trotz allem geschafft, das Interesse mit einigen Neuerscheinungen aufrechtzuerhalten. Das perfekte Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit des Unternehmens mit dem Genfer Uhrengiganten MB&F. Die beiden Uhren, die diese Partnerschaft hervorbrachte, sind die perfekte Mischung aus der DNA beider Unternehmen.

Endeavour Cylindrical Tourbillon, Bild: H. Moser & Cie.
Endeavour Cylindrical Tourbillon, Bild: H. Moser & Cie.

Als ich Edouard nach aktuellen Trends fragte und wohin sich die Uhrenindustrie seiner Meinung nach entwickeln würde, antwortete er prompt: „Ich denke, dass Daten momentan das große Thema sind. Es geht darum, wie wir Daten besser nutzen und mit ihrer Hilfe unsere Kundenbeziehung optimieren können.“ Seiner Ansicht nach ist es von größter Wichtigkeit, den Kunden so direkt wie möglich anzusprechen. Schließlich wirkt nichts so gezielt auf die Meinungsbildung des Endverbrauchers zu einem bestimmten Produkt wie die direkte Kommunikation durch die Marke. Und diese beherrscht Moser hervorragend. Der Social-Media-Auftritt des Unternehmens unterscheidet sich zwar nicht wesentlich von dem anderer Uhrenhersteller, ist aber von einer gleichbleibend hohen Qualität. In der Vergangenheit startete Moser & Cie auch einige kontroverse, jedoch sehr unterhaltsame Kampagnen, um für ihre ausgefalleneren Produkte zu werben. Dazu zählten unter anderem die Mad Watch, deren Gehäuse aus Schweizer Käse hergestellt war, und die Swiss Icons Watch, deren Design die typischen Merkmale verschiedener Schweizer Uhrenmarken aufgriff und in sich vereinte.

H. Moser & Cie. Mad Watch, Bild: Bert Buijsrogge
H. Moser & Cie. Mad Watch, Bild: Bert Buijsrogge

Die zukunftsorientierte Denkweise, die aus Edouards Antwort sprach, brachte mich zu einer weiteren Frage: Wer oder was inspiriert die Männer und Frauen bei H. Moser & Cie.? Was treibt sie an? „Die Automobilindustrie und die Tech-Branche haben einen Einfluss, aber eher im Hinblick auf Kommunikation und Technologie“, antwortete Edouard. Die Luxusuhren, die H. Moser & Cie. produziert, sind in gewisser Weise ihrer Zeit voraus – sie setzen Trends, statt ihnen zu folgen. Und ich muss sagen: Das macht diese Marke richtig gut. Auch die Social-Media-Strategie ist, wie bereits erwähnt, wohldurchdacht. Edouard erklärt es folgendermaßen: „Für uns ist es sehr wichtig, unsere Kunden über die Markenkommunikation und die sozialen Medien anzusprechen.“ Wir leben in einer Zeit, in der die meiste Kommunikation – sei es PR, Werbung oder anderes – über das Internet erfolgt, und Moser hat sich darauf erfolgreich eingestellt.

H. Moser & Cie. Swiss Alp Watch
H. Moser & Cie. Swiss Alp Watch

Zum Schluss müssen wir noch einen Blick auf das Herzstück eines jeden Uhrenunternehmens werfen, nämlich dessen Kollektion. Diese besteht bei H. Moser & Cie. aus fünf Modelllinien. Die Endeavour und die Pioneer sind wahrscheinlich die beiden bekanntesten Modelle. Die Swiss Alp Watch erinnert an ein beliebtes Produkt eines anderen Technikriesen. Sie erinnern sich, was Edouard über Technologieunternehmen als Inspirationsquelle gesagt hat? Die Modelle Venturer und Heritage wurden von den Moser-Taschenuhren aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert inspiriert. Auch wenn sich die Gehäuseformen der verschiedenen Modelle unterscheiden mögen, so haben die meisten Zeitmesser von H. Moser & Cie. doch ein gemeinsames Merkmal: das Fumé-Zifferblatt, das übrigens häufig ohne Markenlogo und anderweitige Beschriftung auskommt. Dadurch sind die Moser-Uhren leicht zu erkennen und lenken darüber hinaus den Fokus auf das eigentliche Produkt – und nicht auf den Markennamen. Ein mutiger Schritt für ein Unternehmen, das Luxusprodukte herstellt, doch für H. Moser & Cie. scheint die Rechnung aufzugehen.

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Balazs Ferenczi

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