Jaeger-LeCoultre Reverso vs. Cartier Tank

Jovan Krstevski
13.06.2016

Dieser Vergleich wird alles andere als leicht. Beide Uhren sind rechteckig, elegant und haben eine sehr besondere Geschichte. Ich werde in diesem Artikel versuchen, Ihnen die Qual der Wahl zu erleichtern, und auch meine eigene Meinung einfließen lassen. Egal, wie der Vergleich ausgeht – beide Uhren sind absolute Uhrenikonen und für jeden Anlass geeignet, vom entspannten Wochenendvergnügen bis zu großen internationalen Meetings. Vorab möchte ich noch einen Blick auf die jeweilige Geschichte dieser beiden großartigen Dresswatches werfen.

Die Ursprünge zweier Uhrenlegenden

1918 gab der französische Juwelier und Uhrenhersteller Cartier einem amerikanischen General namens John Joseph Pershing eine kleine, elegante, rechteckige Golduhr. Dieses Stück trug den Namen Tank. Höchstwahrscheinlich standen hierfür die Panzer (engl. tanks) aus dem Ersten Weltkrieg Pate. Die Tank hatte ursprünglich keinerlei Schnickschnack wie einen Sekundenzeiger oder Zusatzfunktionen, sondern bestach durch ihre klare Schlichtheit. Diese wird zum Teil durch das Design „wie aus einem Guss“ erzielt, das auch die heutigen Tank-Modelle auszeichnet. Zum Beispiel war das Armband fast genauso breit wie die Uhr selbst, was eine Einheitlichkeit vermittelte, die es zur damaligen Zeit bei keiner anderen Armband- oder Taschenuhr gab.

Die heutigen Tanks weisen mehr oder weniger dieselben Stilmittel auf, doch je nach Kollektion werden sie um eigene Raffinessen ergänzt. Die Tank Louis Cartier ist die klassischste Kollektion mit der größten Ähnlichkeit zur ersten Tank, während bei Kollektionen wie der Tank Anglaise, Tank Américaine und Tank Française eigene unverkennbare Merkmale hinzukommen. So zeichnet sich die Américaine etwa durch ihre Größe aus und die Anglaise durch ihre in das Gehäuse integrierte Krone.

Der andere Kandidat in diesem kleinen Vergleich hat anglo-indische Wurzeln und gilt inzwischen als eines der sieben Weltwunder der Uhrmacherei – und das zu Recht. Die Reverso von Jaeger-LeCoultre entstand der Legende nach auf Anfrage britischer Offiziere, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Indien stationiert waren. Es heißt, sie hätten darüber geklagt, dass ihre Armbanduhren beim Polospielen durch Stöße Schaden genommen hätten. Also wandten sie sich an Vertreter einer exklusiven Schweizer Uhrenmanufaktur – Jaeger-LeCoultre – mit der Bitte um Behebung dieses Ungemachs.

Dieser kam man nach: Die Uhrmacher hatten die Idee, eine Uhr zu fertigen, die sich umdrehen ließ, sodass der Boden nach oben zeigte und das zerbrechliche Glas geschützt war, und so den Sorgen ein Ende zu bereiten. Zweifellos hätte so mancher dieser Herren eine Cartier-Uhr getragen, bis sie in tausend Teile zertrümmert worden wäre. Doch als sie die Wendeuhren ihrer Freunde sahen, mussten sie natürlich sofort auf den Zug aufspringen. Jaeger-LeCoultre richtet nach wie vor mehrmals im Jahr Events aus, die in irgendeiner Weise mit dem Polo-Sport zusammenhängen. Darüber hinaus gab es eine streng limitierte Reverso in 18 Karat Gelbgold, mit der die Beziehung zum englischen Cowdray Park gewürdigt wurde. Von der Cowdray Park Reverso gibt es gerade mal zwei Exemplare und Jaeger-LeCoultre hat keinerlei Ambitionen, noch weitere anzufertigen.

Ähnlich und doch verschieden

Kommen wir nun also zum Vergleich: Abgesehen vom Material sind beide Uhren ungefähr gleich teuer, wobei sich Gold oder Platin natürlich entsprechend auf den Preis auswirken. Beide Modelle sprechen Uhrenliebhaber an, die auch ein Faible für klare Formen haben. Das Design der Reverso ist vom Art déco inspiriert, während die Tank eher der Edwardischen Epoche entspringt. Das Design der Tank kommt, mit Ausnahme des Cabochons in der Krone, völlig ohne Schnickschnack aus. Bei der Gehäuseform und der Anordnung des Zifferblatts ist sie sich stets treu und in ihrer Ausführung so klar geblieben. Der nächstliegende Grund dafür, dass sie oft mit einem Quarz- statt mit einem mechanischen Werk ausgeführt wird, ist, dass die Uhr sich eher an eine breite Käuferschaft richtet, die einfache Lösungen bevorzugt.

Die Reverso hat hingegen einige, allerdings mit Bedacht gewählte, Schnörkel. Zum Beispiel könnten die drei Linien am oberen und unteren Rand ein Verweis auf einen Architekturstil sein. Ihr Zifferblatt ist dennoch gnadenlos schlicht und verzichtet meist sogar auf eine Datumsanzeige. Das Werk der Reverso ist mechanisch. Man bekommt hier stets robuste, zuverlässige Handaufzug- oder Automatikkaliber.

Ich persönlich würde mich für die Reverso entscheiden. Was soll ich sagen? Ich habe einfach eine Schwäche für Art déco! Mit der Reverso hat man ein wunderbares Stück, das man eines Tages weitervererben kann, und die blanke Rückseite eignet sich hervorragend für eine persönliche Gravur. Für alle, die ein ganz traditionelles Design bevorzugen und nichts gegen Quarzwerke haben, ist vermutlich die Tank die beste Wahl, die es derzeit überhaupt gibt. Falsch machen kann man mit beiden nichts, denn sie gehören zu den größten Uhrenlegenden aller Zeiten.


Jovan Krstevski
Von Jovan Krstevski
13.06.2016
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