20.01.2015
 5 Minuten

Legendäre Uhrenmarken: Rolex

Von Chrono24
Rolex GMT Master 'Pepsi'
Rolex GMT Master 'Pepsi'

Die Marke Rolex steht in der Brandung der Uhrmacherei wie ein riesiger Fels, an dem die größten Wellen des Begehrens anlanden und die Gischt so schön in der Sonne glitzert, wie die geriffelte Lünette einer Vintage Oyster Perpetual Datejust mit Jubiléband am Handgelenk einer hinreißenden Frau. Unverrückbar und einem Naturgesetz ähnlich trotzt die Marke allen kurzlebigen Trends und behauptet sich als Inbegriff von Stil im Gegensatz zur Mode, bietet Präzision, die einem Extremsportler Genüge täte und ist schlichtweg der wertstabile Luxusgegenstand par excellence.

Sie ist nicht die teuerste Uhrenmarke, auch verbaut sie nicht die komplexesten Funktionen in ihren Werken, aber sie hat unbestreitbar eine Ausstrahlung, die weit über eingeweihte Kreise hinausgeht. Rolex ist unter den Uhrenmarken, was Picasso unter den Künstlern ist: Man muss kein eingeweihter Connaisseur sein, um diesen Maler und Bildhauer zu kennen und wenn Robbie Williams angeblich bekannter ist als Jesus, ist es Rolex wahrscheinlich auch.

Eine Marke mit Charisma

Rolex Daytona Paul Newman
Rolex Daytona ‚Paul Newman‘, Bild: Auctionata

Welches Geheimnis trägt diese Marke in sich, was hebt ihre Uhren aus der Masse heraus und lässt sie zum Synonym für Luxus, zum primus inter pares, zur Uhr der Uhren werden? Woher kommt ihr unbestreitbares Charisma? Nur gutes Marketing kann es nicht sein. Wir müssen also bei den Uhren selbst nachsehen. Dort finden wir handwerkliche Perfektion und eine bedingungslose Leidenschaft für leistungsstarke Zeitmesser, die höchsten Qualitätsansprüchen genügen müssen, um das Schweizer Rolex-Werk verlassen zu dürfen. Schon 1926 führte Rolex in der ersten wasserdichten Uhr der Welt das bis heute namensgebende patentierte Oyster-Gehäuse ein, bei dem Lünette, Aufzugskrone und Gehäuseboden mit dem Mittelteil für höchste Wasserdichtigkeit hermetisch verschraubt sind.

Typisch Rolex – Form und Funktion werden aufs Eleganteste miteinander vereint, ganz gleich, aus welchem Material sie hergestellt ist: Edelstahl, 18 Gold oder Platin. Wie eine geschlossene Auster ihre Perle im Inneren schützt, bietet das Oyster-Gehäuse einen maximalen Schutz für ihr edelstes Bauteil: Das Werk. Man darf nicht vergessen: Anfang des 20. Jahrhunderts war es besonders schwierig bei einer Armbanduhr eine präzise Zeitmessung zu erreichen. Der Traum einer Uhr am Handgelenk, die dem Träger verlässlich und genau die Zeit verrät, war Anspruch und erstes Ziel von Rolex-Unternehmensgründer Hans Wilsdorf.

Rolex? Klingt gut!

Als der umtriebige und erfindungsreiche Kulmbacher Wilsdorf über die Schweiz nach London zog und 1905 mit 24 Jahren beschloss sich selbstständig zu machen, verfolgte er das Ziel Schweizer Uhren nach Großbritannien zu importieren. Zu dieser Zeit war es üblich, dass Uhren nicht den Namen ihres Herstellers trugen, sondern nach ihrem Verkäufer benannt wurden. Nun hätte Hans Wilsdorf sicherlich auch seinen Namen auf die Schweizer Uhren schreiben können. Doch sein Wunsch war die Gestaltung eines einprägsamen, wohlklingenden Markennamens.

Es zeugt schon von einer beträchtlichen Menge intuitiven Gespürs für Markt und Marke und lässt auch rund 100 Jahre später staunen, was ihm da ganz ohne Naming-Agentur, Branding-Experten und Werbeabteilung gelungen ist. Der Saga nach wurde der Wunsch sich ein wohlklingendes Kunstwort auszudenken erst nach endlosem Buchstaben-Geknobel erhört. Eines Morgens auf dem Oberdeck eines Pferdeomnibusses rollte Wilsdorf durch London und plötzlich war er da: Rolex – der Name der seinen Anspruch an Einfachheit und Unverwechselbarkeit erfüllte und dabei gut klang.

Chronometrische Präzision war damals eine absolute Innovation im Bereich der Armbanduhren und Wilsdorf erreichte 1914 für seine Uhren eine zertifizierte Ganggenauigkeit, die bis dahin nur Marine-Chronometer erreicht hatten. In dieser Zeit wurde die hohe Präzision den Genen der Marke Rolex für immer eingeschrieben.

Rolex GMT Master II
Rolex GMT Master II, Bild: FratelloWatches

Im Jahr 1926 stellte das Unternehmen die weltweit erste patentierte wasserdichte Uhr unter dem Namen Oyster vor. Ein Jahr später hatte Wilsdorf eine zündende Idee die Uhr auf spektakuläre Weise berühmt zu machen. Er stattete die Schwimmerin Mercedes Gleitze mit der revolutionären Uhr aus, die sie beim Versuch den Ärmelkanal schwimmend zu überqueren, begleiten sollte. Die Ärmelkanalüberquerung scheiterte wegen widriger Wetterbedingungen nach zehnstündigem Schwimmen durchs kalte Wasser, die Rolex an ihrem Arm hingegen konnte beweisen, dass sie für absolute Verlässlichkeit und Robustheit auch unter Extrembedingungen steht. Am 24. November 1927 schaltete Wilsdorf in London auf der Titelseite der Daily Mail eine Anzeige, die dieses Ereignis der Öffentlichkeit vorstellte und die innovative Uhr mit einem Schlag in die öffentliche Wahrnehmung katapultierte.

Eine Geschichte aus Greatest Hits

Die Geschichte von Rolex führt in der Folge über eine Reihe von Meilensteinen und Meisterwerken, die allesamt zum Klassiker wurden und die bis heute in ihren Varianten mit hohem Geschichtsbewusstsein weiterentwickelt werden. Die Geschichte der Uhren ist dabei eine Geschichte der Begleitung menschlicher Höchstleistungen. Rolex Uhren waren dabei, als die menschliche Leistungsfähigkeit von Ausnahme-Persönlichkeiten an ihre Grenzen getrieben wurde – zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Diese Historie wird flankiert durch technische Innovationen, die Geist und Anforderungen ihrer jeweiligen Zeit reflektieren und das Maximum dessen bieten, was Uhrmacherkunst in Material und Verarbeitung zu leisten im Stande ist. So kann die 2008 vorgestellte Rolex Deepsea mit 3.900 Metern noch hundertmal tiefer tauchen, als der menschliche Körper es je aushalten würde.

Gebaut für die Extreme: Extrem präzise, extrem elegant

In Biel setzen heute 2.000 hoch qualifizierte Uhrmacher und Uhrentechniker die komplexen Bauteile der Uhrwerke in Mikrometergröße von Hand zusammen. Alle Rolex Uhrwerke entsprechen so den Präzisionskriterien des Schweizer Prüfinstitutes Controle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC). Die Komponenten werden weitgehend an vier Standorten im eigenen Haus gefertigt. Erfüllt ein vorhandenes Material die Standards nicht, wird es von Rolex eigens entwickelt, hergestellt und verarbeitet. So gibt es die extrem kratzfeste Hightechkeramik, aus der robuste Lünetten gefertigt werden, paramagnetische Komponenten zum Schutz des Uhrwerkes vor Magnetfeldern und speziell abgemischte 18 Karat Goldlegierungen nur exklusiv bei Rolex.

Die 1985 eingeführten Edelstahl-Armbänder der Uhren in den Ausführungen Oyster, Jubilé, Pearlmaster und Präsident sind aus extrem korrosionsbeständigem 904L Edelstahl mit Superlegierung gefertigt, der eine unverwechselbar glänzende Politur ermöglicht. Die im Alltag am häufigsten beanspruchte patentierte Oyster-Lock Faltschließe bietet höchsten Tragekomfort, Sicherheit und Schutz für das hochwertige Schmuckstück. Die Faltschließe ermöglicht per Easylink zudem eine unkomplizierte, schnelle Verlängerung des Bandes, wenn ihnen im Eifer des – unter Umständen heißen – Gefechtes einmal die Handgelenke anschwellen. Keine Bedingung ist so extrem, dass ihre Rolex sie nicht parieren könnte.

Geschmack und perfekte Uhrmacherkunst

Rolex Submariner
Rolex Submariner, Bild: Bexsonn

Prominente Markenbotschafter und Rolex Träger zeigen die Uhren immer wieder auf dem gesellschaftlichen Parkett im Einsatz, welches mitunter so anspruchsvoll sein kann wie Tiefseetauchen, wenn auch nicht in Bar und Meter messbar. Roger Federer spielt zum Beispiel ein verdammt präzises Tennis, dass man das Gefühl hat, in ihm selbst arbeitet ein Schweizer Uhrwerk. Wenn Sylvie Meis sich und ihre Kurven im Urlaub auf St. Barth in die Fluten stürzt, trägt auch sie meist nur das Wesentliche bei sich: drei kleine Dreiecke aus Stoff und ihre Rolex. Schon vor Jahrzehnten trug Sean Connery in seiner Rolle als James Bond, sowohl als Connery wie auch als Bond, mit seiner Wahl einer Rolex zum guten Leumund bei. Achten Sie einmal darauf, wo Tom Hanks am liebsten hinschaut, wenn nicht in die Kamera: auf seine wunderschöne Explorer I in der aktuellen 39mm Version. Nicht bemerkt? Dann sind Sie vielleicht noch nicht infiziert vom Uhren-Virus oder befinden sich in der Inkubationszeit. Ob Sie damit nur Ihren Geldbeutel schonen oder auch Ihre Lebensfreude unnötig begrenzen ist Ansichtssache.

Neigen Sie eher zum schlichten Understatement einer Vintage Submariner – vielleicht lässig downgedressed am Nato-Strap-Durchzugsband – oder steht Ihnen rund um die nächste Segel-Regatta eher der Sinn nach einem Brunch im Yachthafen von Saint Tropez und Sie tendieren zur 44mm Yacht-Master II in Stahl und Everose-Gold mit patentierter Ring-Command-Lünette? Dies ist eine Geschmacksfrage, die nur Sie beantworten können. Dass Sie ein gutes Stück Uhrmachereigeschichte am Handgelenk tragen, ist in beiden Fällen sicher. Denn eine Rolex ist eine Rolex oder anders gesagt: Die Quintessenz dessen, was eine Uhr zu sein vermag.


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