30.06.2020
 4 Minuten

Markenporträt: Oak & Oscar

Von Balazs Ferenczi
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Markenporträt: Oak & Oscar

Ich begegnete Chase Fancher von Oak & Oscar zum ersten Mal, als ich 2015 oder 2016 die Baselworld besuchte. Im Pressezentrum drängten sich Dutzende elegant gekleideter Journalisten. Inmitten dieser posierenden Menge aber stand ein Mann in Jeans und Flanellhemd – und dem coolsten Bart, den ich je gesehen hatte. Er passte überhaupt nicht ins Bild, doch das machte ihn nur noch interessanter. Er sprach über seine Leidenschaft für Uhren und holte eine speziell angefertigte Uhrentasche hervor, die seine persönliche Sammlung enthielt. Unter den üblichen Verdächtigen befand sich eine Uhr, die meine Aufmerksamkeit erregte: ein Prototyp des ersten Modells seiner neuen Marke. Die Marke hieß Oak & Oscar und bei der Uhr handelte es sich um die sogenannte Burnham. Im Laufe der Jahre habe ich Chase immer wieder bei verschiedenen Uhrenveranstaltungen getroffen. Es ist wie eine Tradition geworden: Immer wenn ich in die Schweiz zur Baselworld oder nach London zum Salon QP gehe, ist Chase ebenfalls da und wir führen ein paar gute Gespräche miteinander.

Chase Fancher, Gründer von Oak & Oscar
Chase Fancher, Gründer von Oak & Oscar

Mit der Zeit ist zwischen uns eine Art Freundschaft entstanden und ich habe immer mehr über Chase und seine Vision für Oak & Oscar erfahren. Chase stammt aus Chicago, wo er einer Karriere in der Unternehmenswelt nachging. Seinen Job, der ihn nicht erfüllte, hängte er an den Nagel, um sein langgehegtes Ziel zu verwirklichen: Er gründete seine eigene Uhrenmarke und startete somit ein Projekt, von dem viele von uns nur träumen können und für das es einen langen Atem brauchte. Doch das konnte Chase nicht abhalten. Oak & Oscar ist eine gelungene Mischung aus urbanem Chic und Individualität. Dies wusste Chase bereits im Markennamen auszudrücken: „Oak“ steht für seine Vorliebe für feinen, im Eichenfass gereiften Whiskey, „Oscar“ ist der Hund der Familie Fancher. Oak & Oscar pflegt seit dem ersten Tag seines Bestehens die Zusammenarbeit mit lokalen handwerklichen Betrieben. Eines seiner Partnerunternehmen ist die weltberühmte Horween Leather Company, die ebenfalls in Chicago ansässig ist und Oak & Oscar mit Uhrenarmbändern versorgt. Die Uhrentaschen, die Oak & Oscar anbietet, stammen von Stock Mfg.

Uhren von Oak & Oscar bei der Windup in New York. Modelle von links nach rechts: Humboldt, Olmsted und Burnham
Uhren von Oak & Oscar bei der Windup in New York. Modelle von links nach rechts: Humboldt, Olmsted und Burnham

Dank seiner wirklich außergewöhnlichen Zeitmesser macht sich Oak & Oscar in der Uhrenszene allmählich einen Namen. Chase ist stolzer Chicagoer und vermittelt dies auch mit seinen Produkten. Einige seiner Uhren tragen die Namen bedeutender Persönlichkeiten aus der Chicagoer Geschichte. So ist zum Beispiel seine erste Uhr, die Burnham – eine einfache Dreizeigeruhr – nach Daniel Burnham, dem Stadtplaner von Chicago, benannt. Die Uhr war für eine Microbrand sehr schnell ausverkauft und eroberte die Branchenmedien im Sturm. Sein zweites Modell, die Sandford, ist mit einer GMT-Komplikation versehen und besticht durch ihre unverwechselbare „Oak & Oscar“-Ästhetik. Die Sandford hat einige Merkmale mit der Burnham gemeinsam, darunter das Sandwich-Zifferblatt, die einzigartige Typografie der Ziffern und das grau-orange Farbschema.

Die Oak & Oscar Olmsted mit marineblauem Zifferblatt
Die Oak & Oscar Olmsted mit marineblauem Zifferblatt

Das nächste Modell, die Jackson, war ein Meilenstein in der Geschichte der Marke. Es war der erste Chronograph von Oak & Oscar – und mit seinem Schaltrad-Handaufzugskaliber mit Flyback-Funktion noch dazu ein ganz besonderer. Oak & Oscar brachte drei Modellvarianten der Jackson heraus, jeweils in stark limitierter Auflage. Auch diese waren rasch ausverkauft. Ein weiteres Modell entstand aus einer Initiative des Chicagoer Sportartikelherstellers Wilson heraus. Dieser wandte sich an Oak & Oscar, um gemeinsam mit dem Unternehmen eine Uhr zu kreieren. Das Ergebnis war die Ashland, ein vom Baseball-Sport inspirierter Zeitmesser mit faszinierendem grünem Zifferblatt. Schließlich kommen wir zu den beiden einzigen Modellen, die noch zum Kauf angeboten werden. Dabei handelt es sich um die Humboldt und die Olmsted – benannt nach Frederick Law Olmsted, der den Jackson Park in Chicago entworfen hat. Beide Uhren sind relativ neu im Programm von Oak & Oscar und unlimitiert. Ihr Erfolg trägt dazu bei, dass Oak & Oscar sich von einer Microbrand hin zu einem wirklich unabhängigen Uhrenunternehmen entwickelt.

Die Oak & Oscar Olmsted mit weißem Zifferblatt
Die Oak & Oscar Olmsted mit weißem Zifferblatt

Es ist immer interessant, sich mit Markeninhabern wie Chase zu unterhalten. Zu erfahren, was diese Menschen antreibt und welche Philosophie hinter ihrem Unternehmen steckt. Wie viele andere unabhängige Marken und Microbands präsentiert auch Oak & Oscar seine Uhren auf Events wie der Windup. „Die Leute kommen nach Chicago, weil sie eine Verbindung zu der Stadt haben. Sie möchten Uhren von Unternehmen kaufen, deren Inhaber sie kennen, und sie möchten die Uhren anprobieren.“ Events wie die Windup sind dafür ideal. Sie ermöglichen es Marken wie Oak & Oscar, ihre Kunden in einer entspannten Atmosphäre zu treffen. „Wir wollen Uhren anbieten, die die Leute in Erstaunen versetzen. Wir haben große Ziele.“ Die kohärente Markenidentität von Oak & Oscar – von den Produkten über die Website und den Social-Media-Auftritt bis hin zur Kommunikation – ist ein weiterer Erfolgsfaktor des Unternehmens. Die Marke verbindet Großstadtflair und Abenteuer, trendigen Style und Einzigartigkeit. Oder wie Chase es ausdrückt: „Das ist unser Job. Unser Ziel ist es, eine starke Community von Leuten aufzubauen, die eine Oak-&-Oscar-Uhr besitzen.“ Ich finde diesen Enthusiasmus einfach großartig und wünsche Chase und dem gesamten Team von Oak & Oscar nur das Beste.

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Balazs Ferenczi

Ich interessiere mich schon so lange ich denken kann für Uhren. Eine schöne Uhr sollte meiner Meinung nach der einzige Schmuck sein, den ein Mann trägt. Die Wahl …

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