24.03.2022
 3 Minuten

MoonSwatch: genialer Marketingstreich oder Imageschaden?

Von Donato Andrioli
Omega Speedmaster Professional
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Omega und Swatch haben mit der MoonSwatch einen großen Clue gelandet. Und das kurz vor Beginn der Watches and Wonders, an der die Swatch Group nicht teilnimmt. Die Zusammenarbeit bringt die Uhrenwelt zum Staunen – versetzt sie aber auch ein klein wenig in Schockstarre, denn: Bei der neuen Speedy handelt es sich nicht um eine neue Variante der klassischen Omega Speedmaster Moonwatch, sondern um eine Swatch im ikonischen Speedmaster-Design. Aus diesem Grund wird die neue MoonSwatch vorerst nur in ausgewählten Swatch-Boutiquen erhältlich sein. Ist die Quartz-Speedmaster aus Bio-Keramik ein genialer Marketingstreich? Oder ein Image-Schaden für die Marke Omega und die Speedmaster?

Moonwatch oder Swatch? MoonSwatch!

Sage und schreibe elf Varianten der MoonSwatch von Omega und Swatch wird es zum Verkaufsstart am 26.03.22 geben. Jede Variante repräsentiert dabei einen Planeten und eine Mission. Die Farben, die thematisch Himmelskörper unseres Sonnensystems nachempfunden sind, kommen in den meisten Fällen extrem bunt daher. Die „Mission To Uranus“ hat nicht nur ein hellblaues Gehäuse, sondern auch ein hellblaues Zifferblatt, während die „Mission To the Sun“ im knalligen Gelb und Orange daherkommt. Auch weniger bunte Varianten haben es in die Kollektion geschafft: Die an den Saturn oder den Jupiter angelehnten Varianten wissen mit erdigen, sandigen Tönen zu gefallen, während die Grau- und Schwarztöne der „Mission To Mercury“ fast schon an eine echte Omega Speedmaster erinnern. Apropos: Meine zwei persönlichen Highlights sind die „Mission To The Moon“ und die „Mission To Mars“. Diese zwei Varianten sind nämlich an zwei wirklich existierende Speedmaster-Modelle angelehnt: Die originale Moonwatch und die skurrile Alaska Project in Rot-Weiß, die mittlerweile Marktpreise von über 20.000 $ erreicht hat – trotz ihres seltsam und speziell anmutenden Designs. Nicht alle Varianten gefallen mir – was ich allerdings toll finde: Die aus Biokeramik gefertigte Swatch besitzt die Original-Maße der Omega Speedmaster und wird daher so gut wie auf alle Handgelenke passen. Eine Wasserdichtigkeit von gerade mal 30 Meter empfinde ich bei einer Swatch nicht als Nachteil, schließlich hat das Original in dieser Hinsicht auch nicht mehr zu bieten. Die MoonSwatch kommt stilecht am Velcro-Band mit Klettverschluss – das passt hervorragend zur Weltraum-Thematik. Dank Quartzwerk gibt es das Omega Logo auf dem Zifferblatt für gerade mal 260 $ – Jeder Käufer darf zwei verschiedene Modelle kaufen. Eine lange Warteschlange und traurige Gesichter am Release-Tag sind so gut wie sicher: Erhältlich ist die Omega X Swatch MoonSwatch vorerst nämlich nur in ausgewählten Swatch-Stores. Es dürfte allerdings nicht lange dauern, bis die ersten Angebote auf Internetplattformen wie Chrono24 zu sehen sein werden. Mit deutlichem Aufschlag.

Genialer Marketingstreich oder Imageschaden?

Die Meinungen von Uhrenliebhabern könnten nicht unterschiedlicher sein; die Omega X Swatch MoonSwatch ist ein wahrer Spalter. Während die einen die Zusammenarbeit der beiden Uhrenmarken begrüßen, sind vor allem Fans von Omega und der legendären Speedmaster alles andere als angetan. Zu groß ist die Sorge, dass die ikonische Omega Speedmaster mit dieser Marketingentscheidung herabgesetzt wird und die Marke Omega langfristig Schaden nimmt. Ich kann die Kritik und die Bedenken durchaus verstehen; ob diese berechtigt sind, wird sich in Zukunft zeigen. Ich glaube allerdings, dass die Rechnung sowohl für Omega als auch für Swatch mehr als aufgehen wird. Ich finde die Uhrenbranche in manchen Dingen wirklich eingestaubt: Wenn Rolex wieder einmal seine Neuheiten völlig unaufgeregt auf Ihre Homepage online stellt, mag das Uhrenliebhabern zwar reichen, ist jedoch ungefähr so spannend wie eine Fahrstuhlfahrt.

Die Tudor Präsentation 2021 war für mich ein Lichtblick in Sachen Luxusuhren-Marketing; so etwas gibt es in der Gaming-Branche allerdings schon seit 20 Jahren. Nun traut sich Omega mal etwas und kommt mit einer Zusammenarbeit daher, die in der Modebranche schon lange Gang und Gäbe ist. Ich sehe am Ende des Tages nur Gewinner: Swatch und Omega, die schon jetzt eine Menge Aufmerksamkeit erhalten. Den Uhrenliebhaber, der witzige Variationen seiner geliebten Omega Speedmaster sammeln kann und den Neuling, der in die Speedmaster-Welt hineingezogen wird und irgendwann eine echte Moonwatch besitzen möchte. Meiner Meinung nach ist die Omega X Swatch MoonSwatch ein genialer Marketingstreich. Der Schritt ist mutig und wird die Uhrenwelt insgesamt voranbringen. Toll, dass sich in meiner Nähe ein Swatch-Store befindet – ich werde am Release-Tag versuchen, meine beiden Favoriten zu ergattern.


Über den Autor

Donato Andrioli

Als ich mit der Tudor Black Bay 41 meine erste mechanische Uhr kaufte, begann für mich eine neue große Leidenschaft. Besonders begeistern mich ikonische Uhren, die eine interessante Geschichte vorweisen können.

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