14.10.2022
 4 Minuten

MoonSwatch Review: Überbewerteter Hype oder tatsächliches Must-Have?

Von Donato Emilio Andrioli
MoonSwatch-Review-2-1

Die MoonSwatch: Auch 6 Monate nach ihrer Veröffentlichung sorgt die Swatch X Omega noch für Furore in der Uhrenwelt und lange Schlangen vor den Swatch-Boutiquen. Nach monatelangem Warten konnte ich auch endlich ein Exemplar der begehrten MoonSwatch ergattern und habe es auf Herz und Nieren getestet. Ich verrate Ihnen, was es mit der Swatch im Omega-Speedmaster-Design wirklich auf sich hat: Ist die MoonSwatch eine waschechte Konkurrenz zur Omega Speedmaster? Wie fallen die Qualität und Verarbeitung der bunten Uhr aus? Sollten Sie über ein Kauf nachdenken oder lieber einen großen Bogen um die polarisierende MoonSwatch machen? 

Design: Ist die MoonSwatch eine waschechte Speedmaster?

Optisch bleibt die Swatch X Omega MoonSwatch dem legendären Original ungewöhnlich treu. Ikonische Designmerkmale wie die asymmetrische Gehäuseform und die unverkennbare Tachymeterlünette sind nicht zu übersehen, selbst die markante Krone und die Chronographendrücker sind identisch zur echten Omega Speedmaster Moonwatch. Der Durchmesser von 42 mm wurde ebenso vom Omega-Original übernommen wie der Lug To Lug von 47,2 mm. Die Dicke ist so gut wie identisch mit der Hesalit-Version des Vorbilds. Trotz der frappierenden Ähnlichkeit liefert das Design nicht ganz so auf den Punkt ab wie das Original. Das verbaute Mineralglas bietet nicht solche atemberaubenden Effekte wie das Hesalitglas der Moonwatch und weiß deshalb nicht ganz so gut zu gefallen. Das gilt auch für die Totalisatoren, die durch das Quarzwerk der Swatch längst nicht so stimmig angeordnet sind wie beim Original. Ein kleines, aber liebevolles Detail bietet Ihnen hingegen die eher einfach gestaltete Gehäuserückseite: Auf dem Batteriedeckel befindet sich eine ziemlich genaue Nachbildung des Himmelskörpers, welcher das jeweilige MoonSwatch-Modell repräsentiert. Alle 11 erhältlichen Versionen der MoonSwatch sind thematisch toll umgesetzt, zu den beliebtesten Varianten zählen die „Mission To The Moon“ sowie die „Mission To Mercury“. Ich wünschte, Swatch hätte insbesondere diese zwei Varianten etwas anders umgesetzt: Sie sind zwar extrem gelungen, jedoch zu nah am Original. Die bunten Varianten passen meiner Meinung nach besser zum witzigen MoonSwatch-Konzept und kommen deutlich eigenständiger daher. Die Swatch X Omega MoonSwatch ist zumindest optisch eine waschechte Omega Speedmaster, allerdings mit Abstrichen in der B-Note. 

Die Swatch X Omega MoonSwatch ist optisch eine waschechte Omega Speedmaster Professional, jedoch mit Abstrichen in der B-Note
Die Swatch X Omega MoonSwatch ist optisch eine waschechte Omega Speedmaster Professional, jedoch mit Abstrichen in der B-Note

Qualität: Hot oder Schrott?

Qualitativ hat die Swatch X Omega MoonSwatch nichts mit dem Original gemeinsam, denn die generelle Qualität der Quarzuhr weiß nicht durchgehend zu überzeugen. Geht die generelle Haptik beim Betätigen der Chronographendrücker noch absolut in Ordnung, erweist sich vor allem das Stellen der Uhr als eine extrem friemelige Angelegenheit – bei der aktuellen Original-Moonwatch ist gerade das die reinste Freude. Die Leuchtmasse macht einen zufriedenstellenden Job, mit dem Original kann sie jedoch nicht im Geringsten mithalten. Beim Material des Gehäuses gibt es eine angenehme Überraschung, denn die Swatch-exklusive Mischung aus Keramik und Biokunststoff weiß zu begeistern. Die Uhr fühlt sich erstaunlich gut an, wer allerdings gerne etwas Gewicht am Handgelenk spürt, wird enttäuscht sein: Die MoonSwatch bringt gerade einmal 29 Gramm auf die Waage und ist vor allem im Vergleich zum Stahl-Vorbild extrem leicht. Das Velcro-Band ist durchweg gelungen und passt thematisch wie die Faust aufs Auge. Ich könnte mir kein besseres Band für die MoonSwatch vorstellen, damit versprüht die witzige Uhr eine Menge Weltraum-Charme. Qualitativ hat mich das Velcro-Band positiv überrascht. Ich besitze für meine Omega Speedmaster Professional ein ganz ähnliches Band, welches ich für sage und schreibe 150 EUR separat erwerben musste. Aus diesem Grund konnte ich es mir nicht nehmen lassen, beide Bänder einmal miteinander zu vergleichen. Überraschung: Das Band der Omega ist zwar etwas dünner, weicher und biegsamer als das etwas steife MoonSwatch-Band, einen deutlichen Qualitätsunterschied konnte ich jedoch nicht feststellen. Sollte Ihnen das mitgelieferte Band trotzdem nicht gefallen, können Sie es dank 20 mm Bandanstoß problemlos wechseln, doch Vorsicht: Der Weltraum-Charme geht dadurch etwas verloren. Qualitativ kann die MoonSwatch nicht im Geringsten mit dem Omega-Original mithalten, bei einem Listenpreis von 260 EUR sollte das jedoch niemanden überraschen. Auch wenn es in dieser Preiskategorie weitaus besser Uhren gibt, geht die Qualität für dieses Geld absolut in Ordnung, immerhin erhalten Sie hier ein originales Speedmaster-Design. Das ist definitiv das größte Kaufargument für die Swatch X Omega MoonSwatch. 

Qualitativ weiß die Swatch X Omega MoonSwatch nicht durchgehend zu überzeugen
Qualitativ weiß die Swatch X Omega MoonSwatch nicht durchgehend zu überzeugen

Fazit MoonSwatch: kaufen auf eigene Gefahr

Die Swatch X Omega MoonSwatch ist und bleibt ein Spalter. Nach mehrmonatiger Tragezeit kann ich Ihnen eines mit ziemlicher Sicherheit sagen: Die MoonSwatch ist weder eine hochwertige Luxusuhr, noch ein vollwertiger Omega-Speedmaster-Ersatz, möchte es aber auch überhaupt nicht sein. Sie ist eine witzige, verspielte Hommage an die legendäre Moonwatch, die das Thema Speedmaster einfach mal auf den Kopf stellt. Nicht mehr, nicht weniger. Suchen Sie eine Uhr, die modisch ist, Spaß macht und sich nicht allzu ernst nimmt? Dann werden Sie an der Swatch X Omega Ihre wahre Freude haben. Sie möchten sich die Omega Speedmaster Professional zumindest auf symbolische Art und Weise in die Vitrine stellen, ohne das Original kaufen zu müssen? Dann ist die polarisierende Swatch im Speedmaster-Design Ihre Uhr. Auch Neulinge und Mode-Fans können hier zugreifen. Wer sich hingegen nicht mit dem Kunststoffgehäuse, dem Quarzwerk und der bunten Farbpalette anfreunden kann, wird mit der Uhr nicht glücklich werden. Auch alle, die der Zusammenarbeit zwischen Swatch und Omega skeptisch gegenüber stehen, sollten lieber einen großen Bogen um die MoonSwatch machen: Kritiker wird die Uhr nicht umstimmen können. Nur wer sich völlig auf das Konzept einlässt und bereit ist, über die kleinen Schwächen hinweg zu sehen, wird mit der Swatch X Omega MoonSwatch uneingeschränkt Spaß haben. 


Über den Autor

Donato Emilio Andrioli

Als ich mit der Tudor Black Bay 41 meine erste mechanische Uhr kaufte, begann für mich eine neue große Leidenschaft. Besonders begeistern mich ikonische Uhren, die eine interessante Geschichte vorweisen können.

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