04.07.2022
 3 Minuten

Rarer Vogel: Audemars Piguet Royal Oak 25572BA – die Eule

Von Sebastian Swart
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Eine Luxus-Sportuhr mit achteckiger Lünette, integriertem Armband – und das alles aus Edelstahl: Als Audemars Piguet die erste Version (Ref. 5402) der Royal Oak im Jahr 1972 vorstellte, staunte die Uhrenszene nicht schlecht. Kostspielige Luxusuhren bestanden vor 50 Jahren praktisch ohne Ausnahme aus Gold oder Platin, Edelstahl galt als billiger Werkstoff. Aufgrund der acht Schrauben, die AP in der kantig konstruierten Lünette platzierte, sprachen Uhrenfans schnell vom Bullaugen-Look. Die für damalige Verhältnisse unglaubliche Größe von 42 mm bescherte der Royal Oak außerdem den Spitznamen „The Beast“.

Dieser Look ist bis heute das Markenzeichen der Royal Oak und war lange Zeit auch ihr Alleinstellungsmerkmal. Wie viele von Ihnen vermutlich wissen, ist der 2011 verstorbene Stardesigner Gérald Genta für das stilprägende Äußere der Royal Oak verantwortlich. Laut eigener Aussage entwarf Genta die Uhr im Auftrag von AP unmittelbar vor der Basler Mustermesse (später Baselworld) im Jahr 1971 über Nacht. Spätere designtechnische Geniestreiche aus der Feder Gérald Gentas sind unter anderem die Patek Philippe Nautilus, die Rolex King Midas und die Ingenieur von IWC. So weit ein kleiner Ausflug in die Geschichte der Royal Oak.

Audemars Piguet hat die Royal Oak im vergangenen halben Jahrhundert in unzähligen Varianten, aus praktisch allen denkbaren Materialien sowie in etlichen Größen hergestellt. Eine eher exotische Referenz ist die Royal Oak 25572BA, auch bekannt als „The Owl“ – die Eule.

AP Royal Oak
APs erste Royal Oak mit Day-Date-Funktion: Ref. 25572BA aka „The Owl“.

Klassische Eleganz mit Day-Date-Funktion

Die Referenz 25572BA „The Owl“ ist verhältnismäßig selten und erschien Anfang der 1980er-Jahre. Es handelt sich um eine recht ungewöhnliche Version der Royal Oak. Auffällig ist zunächst einmal das Zifferblatt mit den Totalisatoren bei 3 und 9 Uhr, welches der Uhr ihren Spitznamen einbrachte. Dass es sich dabei nicht um einen Chronographen handeln kann, bemerkt man aufgrund des fehlenden Zeigers für die Stoppsekunden. Zudem besitzt die 25572BA keine Drücker, mit deren Hilfe ein Chronograph betätigt werden könnte. Bei genauerer Betrachtung ist zu erkennen, dass es sich bei der Eule um eine Royal Oak mit Day-Date-Funktion handelt. Dabei wird der Wochentag bei der 9 dargestellt, während sich das Datum auf der 3-Uhr-Position befindet. Das Zifferblatt selbst ist in einem warmen Cremeton gehalten und mit der bis heute für die Royal Oak typischen Petite Tapisserie versehen.

Das Gehäuse der 25572BA misst lediglich 36 mm, wodurch es im Vergleich zum 42 mm großen Schwestermodell aus Edelstahl geradezu zierlich ausfällt. Dennoch trägt sich die Royal Oak konstruktionsbedingt durch das integrierte Armband größer, als es die Maße vermuten lassen. Die Manufaktur fertigte sowohl das Gehäuse als auch das Armband der Eule aus 18 Karat Gelbgold.

Größe und Material dürften ein Zugeständnis an die konservativere Klientel der 1980er-Jahre gewesen sein, deren Vorstellung einer Luxusuhr nicht mit einem Klotz aus Edelstahl zu vereinbaren war. Mit der Day-Date-Funktion bot Audemars Piguet zudem einen Zeitmesser an, der sich rein funktional gegen die damals wie heute äußerst beliebte Rolex Day-Date positionierte. Die Manufaktur produzierte die Referenz 25572BA bis etwa Mitte der 1990er-Jahre.

Im Innern der „The Owl“ gibt das automatische AP-Kaliber 2124/2810 den Takt vor. Das mit 38 Steinen gelagerte Uhrwerk basiert auf dem Jaeger-LeCoultre 900 und bietet eine Gangreserve von rund 40 Stunden. Highlights dieses Kalibers sind unter anderen ein Rotor aus 21 Karat Gelbgold sowie Verzierungen mit Genfer Streifen.


Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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