09.02.2016
 3 Minuten

Große Komplikationen: Repetitionen, Rattrapante-Chronographen, Ewige Kalender und Uhren mit Tourbillon

Von Christopher Beccan

Es gibt viele Arten von Uhren mit sogenannten großen Komplikationen. Aber was genau bedeutet dieser Begriff? Die meisten Uhrenliebhaber werden wissen, dass Patek Philippe hauptsächlich diese Bezeichnung verwendet, um ihre hochklassigen Armbanduhren mit mehreren Komplikationen zu beschreiben, und das ist so auch korrekt. Bedeutet das aber, dass eine Armbanduhr mit Chronograph und Datumsfunktion automatisch als Zeitmesser mit einer großen Komplikation betrachtet wird? Nein! Es ist – verzeihen Sie das Wortspiel – etwas komplizierter. Sehen wir uns einige Beispiele für Komplikationen an und was sie groß macht.

Nehmen wir den Rattrapante-Chronographen, oder für diejenigen von Ihnen, die kein Französisch sprechen, Schleppzeiger. Diese Chronographen-Komplikation lässt sich am sinnvollsten dafür einsetzen, Runden-Zwischenzeiten oder Ähnliches zu messen. Es mag auf den ersten Blick so wirken, es sei nur ein Chronograph mit zusätzlichem Zeiger, tatsächlich wird es aber als große Komplikation betrachtet, da es äußerst schwierig ist, solche Uhrwerke herzustellen. Den Rattrapante oder Doppelchronograph gibt es in verschiedenen Formen. Zu meinen Favoriten zählt der „Eindrücker“-Rattrapante wie die Patek Philippe 5950A, die über einen auf 2 Uhr positionierten Drücker gesteuert wird, der nur die Start-, Stopp- und Reset-Funktion bietet. Der zusätzliche Schleppzeiger wird über einen in der Krone integrierten Drücker aktiviert.

Dann gibt es ewige Kalender, die mit Hilfe zahlreicher Zahnräder, Federn und Hebel immer korrekt Tag, Datum, Monat und in manchen Fällen auch das Jahr anzeigen. Eine mechanische Uhr, welche die komplette Datumsmathematik einbeziehen kann, ist einfach nur erstaunlich. Noch interessanter ist, dass es Armbanduhren mit ewigen Kalendern gibt, die über Hunderte von Jahren genau gehen und, wenn eine Korrektur nötig wird, nur eine minimale Anpassung benötigen. Denken Sie nur einen Moment darüber nach: eine Uhr, die Tag, Datum, Monat und Jahr einbindet und die unterschiedliche Länge der Monate sowie auch Schaltjahre berücksichtigen muss. Lassen Sie sich nicht täuschen, dies wird nur durch eine Unmenge von kleinsten Teilen und Zahnrädern möglich, von denen sich manche mehrmals pro Sekunde bewegen, und andere nur einmal alle vier Jahre oder noch seltener. Der ewige Kalender ist die Quintessenz einer großen Komplikation.

Abgesehen von den beiden bereits von mir erwähnten gibt es noch das Tourbillon als kontroverseste Komplikation. Weshalb? Viele Experten betrachten das Tourbillon nicht als Komplikation, sondern als einen Fortschritt in der Uhrenherstellung. Ganz zu schweigen davon, dass zahlreiche Uhrenhersteller das Tourbillon in erster Linie dazu nutzen, den Wert Ihrer Uhren zu steigern. Gleichwohl – wozu dient es eigentlich? Erfunden von Louis Abraham Breguet im späten 18. Jahrhundert ist das Tourbillon ein Mechanismus, der die Unruh, das Ankerrad und den Anker stetig rotiert, während das Uhrwerk in vollem Gange ist. Dies dient dazu, die Auswirkungen der Schwerkraft auszugleichen. Ist das heute noch sinnvoll? Das ist fragwürdig, aber es dient größtenteils dazu, die technischen Fähigkeiten eines Uhrmachers oder Herstellers aufzuzeigen. Kombiniert man ein Tourbillon mit einer anderen Komplikationen, wird der Zeitmesser ohne Zweifel zu einem aufwendigen Meisterwerk .

Breguet Tourbillon
Breguet Tourbillon, Bild: Auctionata

Von den aufgezählten großen Komplikationen ist die Repetition wahrscheinlich die archaischste. Der ursprüngliche Zweck des Repetitionsschlagwerks bestand darin, dem Besitzer im Dunklen die Zeit mitzuteilen, indem es die Stunden und oft auch Minuten akustisch signalisierte. Diese Komplikation wurde vor der Erfindung der Elektrizität entwickelt und zu dieser Zeit war diese Funktion durchaus sinnvoll. Es gibt unterschiedliche Arten von Repetitionen, wie beispielsweise die Minutenrepetition und die „Grande Sonnerie“ (die seltenste und spektakulärste Form). Nur sehr wenige Uhrmacher können solche Kunstwerke herstellen.

Die beschriebenen Komplikationen sind im uhrmacherischen Sinne eindeutig sehr groß, bedenken Sie aber: Diese Beispiele werden für sich allein bereits als große Komplikationen betrachtet. Kombinieren Uhrenhersteller jedoch zwei oder sogar mehr, entstehen die ultimativen Meisterwerke der Uhrmacherkunst.


Über den Autor

Christopher Beccan

Christopher Beccan ist Gründer des Online-Magazins „Bexsonn“ und schreibt dort regelmäßig über seine zwei Leidenschaften: Außergewöhnliche Uhren und Whisky. Weitere …

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