18.10.2016
 3 Minuten

Richard Mille & Lamborghini

Von Christopher Beccan

Richard Mille ist für spektakuläre Armbanduhren in Tonneau-Form mit unglaublichen freiliegenden Werken bekannt, bei deren Anblick man den Eindruck hat, man würde unter die Haube eines schnittigen Rennwagens schauen. Falls Sie es noch nicht wussten: Viele der Uhren von Richard Mille werden in Zusammenarbeit mit den renommierten Spezialisten von Audemars Piguet Renaud et Papi entwickelt. Sie werden nach den Vorgaben von Richard Mille gestaltet und verbinden höchste Uhrmacherkunst und eine traditionelle Verarbeitung zu wirklich atemberaubenden Zeitmessern.

Dass Richard Mille sich auf die Fertigung außergewöhnlicher Uhren spezialisiert hat, bedeutet indes nicht, dass diese einfach nur eine kostspielige Zierde für das Handgelenk sein sollen. Mit ihrer Konstruktionsweise sind die modular aufgebauten Uhren, die auch über eine integrierte Stoßdämpfung verfügen, darauf ausgelegt, immer und überall, auch unter extremen Bedingungen, getragen zu werden.

Wir haben schon mehrfach Uhren und Autos miteinander verglichen und das wollen wir auch in diesem Artikel tun. Die Marke Lamborghini ist schon lange ein Begriff. Automobili Lamborghini wurde 1963 von Ferruccio Lamborghini mit der Absicht gegründet, dem etablierten Autobauer Ferrari Konkurrenz zu machen. Ferruccio liebte die Autos von Ferrari und gab nicht wenig Geld für sie aus, doch er glaubte, er könnte ein noch attraktiveres, extravaganteres Auto mit einem aggressiveren Sound bauen. Natürlich wollte er das Rad nicht neu erfinden, sondern es lediglich besser und schicker machen – ein Ansatz, den auch Richard Mille verfolgt.

Anders als Ferrari ist Lamborghini nicht als Rennsport-Marke bekannt, obwohl der Autohersteller sich an der Formel 1 versucht und während der Saisons 1989 und 1993 Teams mit seinem berühmt-berüchtigten V12-Motor ausgerüstet hat. Das hatte sich Lamborghini jedoch gar nicht zum Ziel gesetzt; vielmehr wollte er PS-starke, schnittige Sportwagen bauen, die zwar vom Rennsport inspiriert, aber ausschließlich für die Straße gedacht waren.

Die meisten Uhrenmarken raten ihren Kunden davon ab, eine mechanische Armbanduhr beim Sport zu tragen, da sie heftige Stöße abbekommen könnte – und jetzt stellen Sie sich das mal bei einer Uhr mit Tourbillon vor. Auf Richard Mille trifft das nicht zu. Ihre Uhren haben wir an den Handgelenken von Rafael Nadal und Bubba Watson gesehen, als sie an Weltklasse-Turnieren im Tennis bzw. Golf teilgenommen haben. Felipe Massa trug eine RM 006, als er 2009 beim Qualifying für den Großen Preis von Ungarn mit fast 200 km/h in eine Reifenwand krachte. Er erlitt schwere Kopfverletzungen und wäre fast gestorben, doch seine Uhr blieb unversehrt.

Richard Mille setzt beim Design der Uhren auch auf einen eher sportlich-massiven, kompromisslosen Look. Die Marke legt die Werke ihrer Uhren frei, was ihnen eine gewisse Rohheit verleiht, die ebenfalls nicht allzu weit von Lamborghini entfernt ist. Die Armbanduhren von Richard Mille verbinden höchste Uhrmacherkunst und traditionelle Handfinissage mit dem innovativen Einsatz neuer Materialien und extravaganter Designs. Sie bieten einen atemberaubenden Stil und ein Höchstmaß an Substanz – und genau das macht auch Lamborghini schon seit vielen Jahren. Die Autos, die sie im Laufe der Jahre gebaut haben, wie der Miura, Countach, Murciélago und Aventador, waren beim Einsatz der Materialien und den sehr kühnen Designs nicht minder innovativ.

Diesen Designs ist es zu verdanken, dass Richard Mille die Annahme, Luxusuhren müssten immer schwer sein, mit dem Konzept edler „Leichtigkeit“ widerlegt hat. Das ähnelt der Designphilosophie beim Bau von Rennwagen. Natürlich wirkt sich der Ansatz, mit leichtem Gewicht die Stoßfestigkeit und Präzision zu erhöhen, nicht unerheblich auf den Preis der Uhren von Richard Mille aus – ein Phänomen, das sich auch beim Preis eines Lamborghini zeigt. Es versteht sich von selbst, dass beide Produkte für die Reichen und Berühmten gedacht sind. Zufälligerweise sind viele Liebhaber von Luxusprodukten, wie Oligarchen, Hollywoodstars und Milliardäre aus Nahost, beiden Marken gleichermaßen zugetan.

Doch Preis und, eine vermutlich auch vorhandene, Prahlerei beiseite – es besteht kein Zweifel daran, dass diese beiden Marken von Weltrang in ihren jeweiligen Branchen definiert und vorgemacht haben, was Luxus und Extravaganz bedeuten. Darüber hinaus verdanken sie es ihrer jeweiligen Firmenphilosophie, dass sie beide auch heute noch so gefragt sind. Sicherlich lassen sich auch noch andere Vergleiche ziehen, doch ich denke, man kann durchaus behaupten, dass sich beide Marken ihre eigene Nische geschaffen haben und diese immer noch dominieren.


Über den Autor

Christopher Beccan

Christopher Beccan ist Gründer des Online-Magazins „Bexsonn“ und schreibt dort regelmäßig über seine zwei Leidenschaften: Außergewöhnliche Uhren und Whisky. Weitere …

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