Rolex Daytona vs. Omega Speedmaster vs. TAG Heuer Carrera

Christopher Beccan
07.07.2016

 

Da wir große Chronographen-Fans sind, haben wir beschlossen, drei der legendärsten Sport-Chronographen aller Zeiten gegeneinander antreten zu lassen. Ich glaube, es wird oft vergessen, wie nützlich Armbandchronographen im Alltag sein können. Zudem sind sie eine der schwierigsten Uhren-Komplikationen überhaupt – mehr dazu erfahren Sie in unserem Chronographen-Artikel. Sie sehen nicht nur sportlich aus, sondern, meiner Meinung nach, auch verdammt lässig. Die drei hier ausgewählten Chronographen haben alle etwas gemeinsam, doch vor allem sind sie sofort als wahre Ikonen der Uhrmacherkunst erkennbar.

 

TAG Heuer Carrera

Die 1963 eingeführte Carrera war die erste Uhrenlinie von Heuer unter eigenem Namen. Optisch war die Carrera für Heuer ein großer Sprung und auch von den übrigen in den 40er- und 50er-Jahren verbreiteten Chronographen unterschied sie sich deutlich. Jack Heuer, der damalige Geschäftsführer, wünschte eine Uhr, die sich leicht ablesen ließ. Er war nicht gerade ein Fan der unnötigen Skalen, die sich auf anderen Chronographen jener Zeit fanden, und so ließ er die 1/5-Sekundenskala auf den schmalen inneren Ring der Uhr drucken. Dadurch wirkte das Zifferblatt schlichter und klarer, aber auch größer. Letztlich entstand so einer der wohl schönsten Chronographen aller Zeiten.

 

 

Da das Design Rennfahrer und Motorsportfans ansprechen sollte, musste ein Name gefunden werden, der einen Bezug zum Rennsport herstellte. Der Name Carrera geht auf das legendäre Straßenrennen Carrera Panamericana zurück, das in den 50er-Jahren stattfand. An diesem anspruchsvollen und oftmals tödlichen Rennen durch Mexiko nahmen einige der weltbesten Fahrer teil. Jack Heuer, der Motorsport liebte, hörte davon und war von dem Namen Carrera, der auf Spanisch sowohl „Karriere“ als auch „Rennen“ bedeutet, begeistert. Also ließ er sich diese Bezeichnung für seine neue Uhr registrieren.

Heuer hatte eine klare Vision für die Carrera, daher passte der leicht auszusprechende und international geläufige Name perfekt, um die Abkehr von den bisherigen Chronographen zu markieren, die Heuer in den Jahrzehnten zuvor produziert hatte. Die ersten beiden Modelle der neuen Carrera-Linie waren die 36 mm große Carrera 12 Ref. 2447 mit drei Hilfszifferblättern für Stundenzähler, Minutenzähler und Sekunde und die Carrera 45 Ref. 3647, die nur einen 45-Minuten-Zähler und eine laufende Sekunde hatte. In der Carrera 12 steckte das allseits verehrte Valjoux 72, das auch in anderen namhaften Uhren aus dieser Zeit, wie z. B. der Rolex Daytona verbaut war. Der große Erfolg der Heuer Carrera führte zur Entwicklung weiterer Varianten.

Das Design des berühmt-berüchtigten Chronographen von TAG Heuer hat sich im Laufe der Jahre zwar etwas verändert, ist aber immer noch unverkennbar. Auch heute noch ist die Carrera mit ihren vielfältigen Varianten eines der Flaggschiffe von TAG Heuer. Dabei ist eines sicher: Ob neu oder Vintage, eine Carrera ist stets unverwechselbar.

 

Omega Speedmaster Professional

 

Von den drei Uhren, die wir hier vorstellen, hat die Omega Speedmaster Professional vermutlich die interessanteste Geschichte. Die Speedmaster mit der Referenz CK2915 war ursprünglich als Uhr für Rennfahrer, Sportler und Ingenieure gedacht, die einen Chronographen benötigten. Es ist schon etwas paradox, denn berühmt wurde sie aus Gründen, die so gar nichts mit Asphalt, Sport oder gar dem Planeten Erde zu tun hatten. Als Claude Bailod von Omega die Speedmaster entwarf und Pierre Moinat und sein Team sie entwickelten, hätten sie sich wohl niemals träumen lassen, was sie auslösen und welchen Kultstatus sie einst erreichen würde.

Wie Sie vielleicht wissen, trägt die Speedmaster den Spitznamen „Moonwatch“. Bevor sie diesen erhielt, musste sie jedoch einige Prüfungen überstehen. 1962 testete die NASA fünf Armbanduhren: eine Bulova, eine Longines-Wittnauer, eine Rolex, eine Waltham und natürlich eine Omega. An dieser Stelle müssen Sie kein Genie sein, um herauszufinden, welches Modell die NASA mit den Astronauten von Apollo 11 zum Mond schickte. So wurde die Speedmaster weithin als „Moonwatch“ bekannt.

Von den drei Uhren in diesem Vergleich ist die Omega Speedmaster der einzige Sportchronograph, der noch genauso aussieht wie das Original, das auf dem Mond war. Sicherlich gab es hier und da ein paar Änderungen, doch das Endergebnis ist gleich geblieben – ein Beispiel für großartiges Design, bei dem man sich fragt: „Warum etwas reparieren, was nicht kaputt ist?

 

Rolex Daytona

 

Die Rolex Daytona ist wohl der berühmteste Chronograph in diesem Artikel, oder doch zumindest auf einer Stufe mit der Speedmaster, und wird von vielen aus unerfindlichen Gründen vergöttert, aber auch von vielen aus sehr guten Gründen geliebt. Sie wurde 1963 als Cosmograph Referenz 6239 eingeführt und war, wie die beiden anderen legendären Chronographen auch, vom Motorsport inspiriert. Tatsächlich hieß die Daytona ursprünglich „Le Mans“, doch dieser Name hat sich ganz offensichtlich nicht durchgesetzt.

Als die Cosmograph den großen Teich überquerte, wünschte Rolex USA, dass das Zifferblatt der Modelle für den amerikanischen Markt den Schriftzug „Daytona“ trägt, da Rolex der offizielle Sponsor des 24-Stunden-Rennens von Daytona war. Die eigentliche Namensänderung erfolgte jedoch erst 1964. Seither erhält jeder Gewinner des extremen 24-Stunden-Rennens eine Uhr als Teil seiner Siegprämie.

Es gibt wohl keine Sportuhr, die sich besser zum Sammeln eignet als die Rolex Daytona, die nach wie vor der beliebteste moderne Chronograph der Welt ist. Wie bereits erwähnt war die 6239 die erste Daytona auf dem Markt und wie die Speedmaster hatte sie eine Lünette mit Tachymeter. Daran und am Zifferblatt wurden in den ersten Jahren noch kleine Anpassungen vorgenommen. Das Herzstück der frühen Daytonas ist das berühmte Valjoux 72 (das gleiche Werk wie bei der oben beschriebenen Carrera), das Rolex in 72B umbenannte.

Die nächste große Änderung erfolgte 1965, also ein Jahr später. Rolex hat sich immer mit seinen wasserdichten Gehäusen gebrüstet, daher konnte man mit einer Armbanduhr, die den Schriftzug „Oyster“ auf dem Zifferblatt nicht voll und ganz verdiente, nicht zufrieden sein. Also wurden die einfachen Chronographendrücker durch neue verschraubte Drücker ersetzt (bekannt unter der Referenz 6240) und es entstand eine echte Rolex Oyster, die auch heute noch als Vorbild für aktuelle Modelle dient.

Die Daytona ist und bleibt ein Chronograph, der selbst diejenigen anspricht, die nur wenig über das Modell wissen. Das Design ist zeitlos und gerade dieses Jahr hat Rolex die neuste Weiterentwicklung vorgestellt, die für großes Aufsehen sorgte.

 

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Christopher Beccan
Von Christopher Beccan
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