13.09.2022
 3 Minuten

Rolex: Die Macht der Krone

Von Hyla Bauer
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Ist Rolex wirklich die renommierteste Uhrenmarke der Welt? Und haben die hohen Preise für Rolex-Uhren ihre Berechtigung? Schauen wir uns das einmal genauer an. 

Schon lange ist der Name Rolex weltweit das Synonym für „Luxus“. Vor einigen Monaten wurde Rolex von RepTrak in Boston zur angesehensten Firma der Welt gekürt. RepTrak ist laut eigener Website „weltweit führend in Sachen Reputation und Ansehen.“ Mit Rolex setzte RepTrak zum ersten Mal einen Uhrenhersteller an die Spitze seiner Liste. Noch interessanter ist, dass Rolex die einzige Uhrenmarke ist, die es in diesem Jahr überhaupt auf die RepTrak-Liste der 100 angesehensten Unternehmen geschafft hat – d. h. abgesehen von Chanel, das ebenfalls auf der Liste steht und neben vielen anderen Produkten auch die eine oder andere Uhr herstellt. 

Wir fragen: Ist diese Auszeichnung wirklich verdient? Wie hat es Rolex geschafft, Tausende herausragender Unternehmen rund um den Globus aus dem Feld zu schlagen? Und warum ist Rolex die einzige Uhrenmarke auf der Liste? Warum ist die Marke so berühmt und das auf der ganzen Welt? 

Die Rolex-Basics: Qualität und Design

Natürlich gibt es mehrere Gründe für die Spitzenposition von Rolex. Das Markenzeichen des Herstellers sind konstant hohe Qualität und makelloses Design mit hohem Wiedererkennungswert. Ohne seine herausragende Uhrmacherkunst würde Rolex jedoch nicht an der Spitze stehen. Am wichtigsten für die Reputation von Rolex sind jedoch vielleicht die überaus erfolgreichen Marketingstrategien, vor allem im Sport.  

Rolex tritt als Sponsor bedeutender Sportereignisse in der ganzen Welt sowie einzelner Spitzensportler auf. So trägt beispielsweise der Tennis-Superstar Roger Federer eine Rolex. Vermutlich handelt es sich hier um eine sehr lukrative Partnerschaft. Dazu kommt, dass Rolex auch Autorennen wie das Daytona 500 und andere Sportveranstaltungen wie die Golfmeisterschaft US Open unterstützt – Sie sehen, die Marke ist omnipräsent.  

Rolex: Das Marketing-Genie

Der Gründer von Rolex, Hans Wilsdorf, etablierte diese „Sporthelden“-Marketingstrategie schon früh in seinem Unternehmen. 1927 durchschwamm die Spitzenschwimmerin Mercedes Gleitze als erste Britin den Ärmelkanal. Ihre sportlichen Fähigkeiten wurde in nationalen und internationalen Zeitungen gerühmt. Wilsdorf, der gerade seine wasserdichte Oyster entwickelt hatte, wollte für seine neue Uhr werben und öffentlichkeitswirksam beweisen, dass sie tatsächlich wasserdicht ist. Er schenkte Gleitze eine Oyster, die diese bei ihrer Kanaldurchquerung an einer Kette um ihren Hals trug. Nachdem Gleitze angekommen war, tickte die wasserdichte Rolex Oyster immer noch – und alle Welt konnte sehen, dass Wilsdorf nicht zu viel versprochen hatte. Die Schleusen öffneten sich, und Rolex wurde weltweit zum Medienstar. 

Es war ein marketingtechnischer Geniestreich. Mit einem einzigen Event gelang es Wilsdorf, seine wasserdichte Uhr der ganzen Welt zu präsentieren. Die Oyster und verschiedene Variationen davon sind seitdem ein Grundpfeiler der Marke und fester Bestandteil des Katalogs.  

Rolex: Die Magie der Krone

Im Jahr 1931, einige Jahre nach Gleitzes Schwimmleistungen, führte Wilsdorf die berühmte Krone als Firmenlogo ein. Sie steht für „eine Krone für jeden Erfolg“, so die Marke. Damit sind jedoch nicht nur Erfolge von Weltklasse-Athleten gemeint, sondern auch Leistungen „normaler“ Menschen wie beispielsweise ein Schulabschluss oder ein Jubiläum. Auch die Krone erwies sich als brillantes Marketinginstrument und ist heute weltweit bekannt. Allerdings ist Rolex nicht die einzige Uhrenmarke, die Spitzensportler als Markenbotschafter einsetzt und hochwertige Uhren mit tollen Designs herstellt.  

Da wäre beispielsweise Omega, der wohl stärkste Konkurrent bei den Luxussportuhren. Die Modelle von Omega erfüllen höchste Qualitätsanforderungen und bieten die gleichen Funktionen wie Rolex-Uhren. Und nicht nur das: Mit der einzigen Uhr, die von der NASA für die Apollo-Missionen zugelassen wurde, hat Omega es zu internationalem Ruhm gebracht. Omega-Uhren flogen zum Mond – und tickten dort unbeeindruckt weiter. Natürlich sind die Astronauten, die auf dem Mond waren, internationale Helden und Superstars. 

Omega und Olympia

Seit Jahrzehnten ist Omega offizieller Zeitnehmer bei den Olympischen Spielen, des meistgesehenen Sportwettbewerbs des Planeten. Außerdem sponsert die Marke Sportgrößen wie Olympiasieger Michael Phelps und den Golfspieler Rory McIlroy. Und natürlich ist Omega seit 1995 die Lieblingsuhr von James Bond. Aus diesen und weiteren Gründen spielt Omega definitiv in der gleichen Liga wie Rolex, aber aus irgendeinem Grund ist die Marke nicht genauso begehrt.  

Diese Diskrepanz wird beim Kauf neuer und gebrauchter Uhren sehr deutlich. Für eine Rolex geben Käufer erheblich mehr aus als für ein vergleichbares Omega-Modell, manchmal doppelt so viel oder mehr, Nehmen wir zum Beispiel die Rolex Submariner Date mit schwarzem Zifferblatt und Edelstahlarmband. Ihr Listenpreis liegt bei 9.400 Euro. Eine Omega Seamaster Diver 300M, ebenfalls mit Datumsanzeige, schwarzer Lünette und schwarzem Zifferblatt, kostet dagegen 6.000 Euro. Beide Uhren sind wasserdicht bis 300 m und eignen sich daher hervorragend zum Tauchen. 

Warum also der große Preisunterschied, wenn beide Uhren den Job perfekt machen? Und warum sollte jemand so viel mehr bezahlen, nur damit es eine Rolex wird? Das bleibt nach wie vor ein Rätsel.  


Über den Autor

Hyla Bauer

Hyla Bauers Leidenschaft für Uhren begann, als sie zum ersten Mal in die Schweiz reiste, um die Uhrenmessen in Basel und Genf zu besuchen. Für sie ist eine Uhr einer der intimsten und kostbarsten Gegenstände, den ein Mensch tragen kann. Sie sind von hohem Wert, langlebig und haben für ihre Besitzer einen enormen ideellen Wert.

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