30.08.2017
 4 Minuten

Rolex Milgauss vs. IWC Schaffhausen Ingenieur

Von Bert Buijsrogge
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Rolex Milgauss vs. IWC Schaffhausen Ingenieur

In diesem Artikel werden wir zwei besondere antimagnetische Uhren miteinander vergleichen, wobei wir mit der Rolex Milgauss beginnen und dann den Blick auf die IWC Ingenieur richten. Aber erstmal: Was bedeutet es überhaupt, wenn eine mechanische Uhr antimagnetisch ist?

Magnetische Felder können mechanische Uhren und ihre Genauigkeit ab einem gewissen Stärkegrad durchaus beeinflussen. Da Magnetismus eine Wirkung auf Metalle hat, kann sich dieser bei einer mechanischen Uhr beispielsweise auf die Unruhspirale auswirken, die meist aus Metall besteht. Die Unruhspirale „verklebt” und das führt zu einer kürzeren Feder— die Uhr geht in diesem Fall vor. Deswegen bieten viele Hersteller ein standardisiertes Verfahren an, um eine Uhr einfach zu entmagnetisieren und somit das Problem zu lösen.

Antimagnetische Eigenschaften

Um diese Problematik zu umgehen, arbeiteten verschiedene Uhrmacher an antimagnetischen Zeitmessern. Besonders nützlich ist diese Art von Uhren für Menschen, die oft in der Nähe von starken magnetischen Feldern arbeiten. Heutzutage benutzen Uhrenmarken verschiedenste Methoden, damit ihre Uhren gegenüber Magnetfeldern resistent sind. Aber das war nicht immer der Fall. Es gibt zwei Wege eine Uhr vor Magnetismus zu schützen: entweder durch bestimmte Legierungen oder durch das Abschirmen des Uhrwerks in einen Käfig, der aus einem speziell leitfähigen Material wie beispielsweise Weicheisen gefertigt ist.

Vacheron Constantin hat die erste antimagnetische Taschenuhr produziert und Tissot gilt als Hersteller der ersten antimagnetischen Armbanduhr. Der Wunsch nach Uhren mit einer Resistenz gegenüber Magnetfeldern wuchs jedenfalls, vor allem unter den Menschen, die beruflich oft in der Nähe solcher zu tun hatten.

Rolex Milgauss

Folglich entwickelte Rolex eine hierauf spezialisierte Uhr und stellte diese im Jahr 1956 vor. Die Oyster Perpetual Milgauss war ein antimagnetischer Zeitmesser und speziell entworfen für die Arbeitsbedingungen in Kraftwerken, der Forschung und medizinischen Einrichtungen. Der Name Milgauss leitet sich ab von dem Begriff „mille”, welcher für die 1.000 steht, und dem Begriff gauss, welcher die Stärke von Magnetfeldern beschreibt. Diese Uhrenmodelle können folglich einem Magnetismus von 1.000 Gauss standhalten, ohne dass ihre Gangenauigkeit darunter leidet.

Wie nahezu alle Sportmodelle von Rolex, ähnelt die erste Milgauss hinsichtlich des Gehäusedesigns und dem Oysterband der Rolex Submariner. Natürlich gibt es auch klare Unterschiede, wie die Dauphine-Zeiger für Stunden und Minuten sowie vor allem den blitzförmigen Sekundenzeiger. Spätere Modelle gab es auch mit geradem Sekundenzeiger und glatter Lünette.

Nachdem die Produktion der Uhr 1988 eingestellt wurde, führte Rolex die Milgauss im Jahr 2007 wieder ein: mit der gleichen glatten Lünette und dem wieder eingeführten blitzförmigen Sekundenzeiger. Neu entworfene Zifferblätter wurden später unter demselben Modellnamen eingeführt. Alle diese Modelle haben den inneren Magnetschirm  gemeinsam, welcher das Uhrwerk vor jeder magnetischen Störung behütet.

IWC Schaffhausen Ingenieur

Der Name deutet schon an, dass die IWC Ingenieur mit Blick auf die betreffende Berufsgruppe entwickelt wurde. Mit der modernen Welt und dem Prozess der Industrialisierung entstanden auch mehr und mehr Magnetfelder. Besonders in technischen Berufen profitierten die Arbeiter von ihren antimagnetischen Uhren. Genau wie die Rolex Milgauss hält auch die IWC Ingenieur 666, welche im selben Zeitraum vorgestellt wurde, magnetischen Feldern von 80.000 Ampere pro Meter stand, was ungefähr einer Stärke von ebenfalls 1.000 Gauss entspricht.

Im Vergleich zu den Rolex-Sportmodellen hat sich die IWC Ingenieur über die Jahre hinweg wesentlich verändert – vor allem in den 1970-er Jahren, in denen der legendäre Gérald Genta seine einzigartigen Ideen einbrachte. Genta, der durch seine zeitlosen und einzigartigen Designs bekannt war, änderte die Optik der Ingenieur auf seine eigene unverkennbare Art.

Seite an Seite

Rolex Milgauss vs IWC Ingenieur
Rolex Milgauss vs. IWC Schaffhausen Ingenieur

Die neuesten Rolex-Milgauss-Modelle sind seit 2007 auf dem Markt zu finden und die IWC-Ingenieur-Modelle mit der Referenznummer 3239 gesellten sich 2015 auf den Markt hinzu. Beide Uhren haben ein 40 mm Edelstahlgehäuse. Während die Rolex Milgauss den sportlichen Rolex-Modellen entsprach und diesen auch treu blieb, war die Ingenieur eine von vielen kultigen Uhren, an die Gérald Genta seine schaffende Hand legte. Der größte Unterschied liegt wohl darin, dass in der Rolex ein Manufakturkaliber arbeitet, wohingegen in der IWC ein vom Selita SW200 inspiriertes und modifiziertes ETA 2892 verbaut ist.

Dieses optimierte Uhrwerk hat sich zwar bewährt, aber im direkten Vergleich spricht ein Manufakturkaliber meist für sich. Vielleicht ist das zeitlose Genta-Design aber auch ein gewichtigeres Argument für Sie. Beide Modelle weisen polierte und satinierte Stellen auf. Manch einem werden die orangefarbenen Akzente auf dem Zifferblatt, der blitzförmige Sekundenzeiger oder die fehlende Datumsanzeige an der Rolex nicht gefallen. Ebenfalls fehlt der Milgauss ein Kronenschutz, welcher an der IWC zu finden ist.

Die Auswahl beim Kauf einer Uhr ist am Ende immer eine persönliche Entscheidung, vor allem wenn die Wahl zwischen der Milgauss und der Ingenieur zu treffen ist. Aber eines ist ganz sicher: beide Modelle sind wirklich spezielle Zeitmesser und unterscheiden sich deutlich von den üblichen Verdächtigen wie der Submariner und der Seamaster.

Mehr Artikel über Genta und Rolex:

Géral Genta: Godfather der Uhrendesigner

Drei erschwingliche Uhren von Rolex

IWC Schaffhausen Ingenieur Ref. 666


Über den Autor

Bert Buijsrogge

Ich arbeitete 15 Jahre in der Immobilienbranche. In den letzten Jahren habe ich meine Leidenschaft für Uhren und Fotografie dann zum Beruf gemacht. Ich habe mich …

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