24.03.2020
 4 Minuten

Rolex vs. Tudor: Kampf der GMT-Uhren

Von Jorg Weppelink
GMT Rolex vs Tudor

Rolex vs. Tudor: Kampf der GMT-Uhren

Rolex ist mit Abstand die berühmteste Uhrenmarke der Welt und wird wohl immer ihre Fans haben. Doch auch Tudor, die Schwesterfirma von Rolex, hat in den vergangenen zehn Jahren an Popularität gewonnen. Früher galten die Uhren von Tudor bei vielen als „Rolex für Arme“, aber diese Zeiten sind längst vorbei. Wir ergreifen die Gelegenheit, um die beiden Marken miteinander zu vergleichen und uns ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede anzusehen. Und was wäre dafür besser geeignet als die kultigen blau-roten GMT-Modelle beider Marken?

Design

Sagen wir es offen heraus: Die Rolex und die Tudor sind sich vom Aussehen her sehr ähnlich. Es ist kein Geheimnis, dass die Tudor Black Bay-Kollektion an den klassischen Look der frühen Rolex Submariner anlehnt. Tudor behauptet dagegen, die Black Bay sei eigentlich von der Tudor Submariner der 50er- und 60er-Jahre inspiriert.

In ihren frühen Tagen war die Marke Tudor eine erschwinglichere Alternative zu Rolex. Im Wesentlichen fertigte Tudor die gleichen Uhren wie Rolex und verwendete dafür Rolex-Komponenten, baute aber Werke anderer Hersteller in die Uhren ein. Soll heißen: Die Designs der frühen Submariner-Modelle von Rolex und Tudor sind im Grunde identisch. Die Inspiration für das moderne Black-Bay-Design kann also letztlich auf Rolex zurückgeführt werden.

Rolex vs Tudor GMT
Tudor Black Bay GMT vs. Rolex GMT-Master II

Bei der aktuellen Black Bay GMT (Ref. M79830RB -0001) fällt einem sofort der optische Bezug zur Submariner auf, der auch bei anderen Black-Bay-Modellen vorhanden ist. Die 41 mm große Retro-Uhr hat eine deutliche Verbindung mit den 1950er-Jahren, in denen sowohl die Rolex Submariner (1953) als auch die GMT-Master (1954) vorgestellt wurden. Ihre Lünette aus Aluminium im matten, blau-roten Pepsi-Look ist sehr ansprechend und entspricht auch eher den klassischen GMT-Uhren als die aktuelle Rolex GMT-Master mit ihrer glänzenden Keramiklünette. Was die Uhr zu einer typischen Tudor macht, sind die drei „Snowflake“-Zeiger für die Anzeige von Stunden, Sekunden und einer zweiten Zeitzone.

Während die Tudor Black Bay GMT noch viele ursprüngliche Designmerkmale aufweist, hat sich die Rolex GMT-Master im Laufe der Jahrzehnte langsam zu der Uhr entwickelt, die sie heute ist. Die 40 mm große GMT-Master II Pepsi aus Edelstahl (Ref. 126710BLRO) wirkt moderner als die Black Bay GMT und ist die erste GMT-Master mit rot-blauer Keramiklünette. Zu einer weiteren großen Veränderung kam es 2018, als das Jubilé-Armband das klassische Oyster-Armband ersetzte. Viele kritisierten diese Entscheidung von Rolex, doch auch frühere Modelle der GMT-Master besaßen bereits ein Jubilé-Band – somit ist dieses neuere Modell eigentlich die historisch korrekte Version. Darüber hinaus verleiht das Jubilé-Armband der aktuellen GMT-Master einen Hauch von Retro, und viele Leute schätzen das komfortable Tragegefühl.

Mechanik

Was die Mechanik anbelangt, war Rolex seiner Schwesterfirma Tudor einst meilenweit voraus. Schließlich fertigte Rolex bereits jahrzehntelang seine eigenen Uhrwerke, während Tudor bis vor Kurzem auf die Kaliber anderer Hersteller zurückgreifen musste. Dies änderte sich, als Tudor im Jahr 2015 seine eigenen Manufakturkaliber präsentierte und sogleich seinen gesamten Katalog damit ausstattete. Heute statten beide Unternehmen ihre GMT-Uhren mit eigenen Uhrwerken aus, wodurch sich die Exklusivitätslücke zwischen Rolex und Tudor verringert.

Rolex vs Tudor GMT Close
Die Tudor Black Bay GMT und die Rolex GMT-Master II im Close-up

Die aktuelle Rolex GMT-Master II wird vom Rolex-Kaliber 3285 angetrieben, einem Automatikwerk mit 70 Stunden Gangreserve. Mithilfe einer 24-Stunden-Graduierung zeigt sie die Zeit in einer zweiten Zeitzone an. Zudem verfügt sie über ein Datumsfenster mit der berühmten Rolex-Zykloplupe.

Den Antrieb der Tudor Black Bay GMT liefert das Tudor-Kaliber MT5652. Das Werk hat ebenfalls 70 Stunden Gangreserve und zeigt die Zeit in zwei verschiedenen Zeitzonen an. Die Black Bay GMT verfügt über eine reguläre Datumsanzeige bei drei Uhr, ohne Vergrößerungsglas.

Die Qual der Wahl

Für welche Uhr würden Sie sich entscheiden? Auf den ersten Blick fällt die Wahl schwer, da beide Uhren mit ähnlichen Designs und den gleichen Features aufwarten. Ein Blick auf das Preisschild könnte die Wahl allerdings erleichtern. Die Tudor Black Bay GMT mit Edelstahlband gibt es für 3.770 EUR. Das ist deutlich günstiger als die 9.000 EUR, die Sie für eine Rolex GMT-Master II aufbringen müssten.

Aus preislicher Sicht liegt es also nahe, sich für die Tudor zu entscheiden. Aber so einfach ist es meistens nicht. Mit dem Kauf einer GMT Master II erwerben Sie nämlich gleichzeitig die fantastische Qualität und den Status, der mit Rolex-Uhren einhergeht. Denn seien wir ehrlich: Die Attraktivität von Rolex besteht unter anderem darin, eine Uhr der berühmtesten Luxusuhrenmarke der Welt tragen zu können. Rolex ist ein universelles Symbol für Erfolg und Status. Darüber hinaus hat die GMT-Master den Grundstein für die Black Bay GMT gelegt. Wenn Sie die originale GMT-Uhr in ihrer neuesten Form besitzen möchten, müssen Sie sich für die Rolex entscheiden.

Wertentwicklung Rolex GMT Master II
Wertentwicklung der Rolex GMT Master II (Ref. 126710BLRO)
Wertentwicklung Back Bay GMT
Wertentwicklung der Tudor Black Bay GMT (Ref. M79830RB)

Für die meisten läuft es letztlich auf die Frage hinaus, wie viel sie für eine Uhr auszugeben bereit sind und ob Status dabei eine Rolle spielt oder nicht. Wer eine Rolex will, der kauft sich eine Rolex und gibt sich nicht mit weniger zufrieden. Zumindest dann, wenn er eine zum Listenpreis findet. Denn wie alle Uhrenliebhaber wissen, ist es nahezu unmöglich, bei einem Vertragshändler eine neue Rolex in Edelstahl zu bekommen. Stattdessen könnten Sie sich auf Chrono24 nach einer neuen GMT-Master II umschauen; die unmittelbare Verfügbarkeit ist allerdings mit einem ordentlichen Preisaufschlag verbunden.

Auf der anderen Seite hat Tudor in den letzten acht Jahren unglaubliche Fortschritte in puncto Design und Technik erzielt. Die Marke ist heute ein ernstzunehmender Spieler in der Uhrenindustrie, mit einer treuen Fangemeinde. Während Rolex seine gewohnte Exklusivität verströmt, ist Tudor auf dem Vormarsch und gewinnt von Tag zu Tag mehr Anerkennung. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich in eine Black Bay GMT investieren. Die Uhr sieht großartig aus und hat ein Manufakturkaliber, sie ist günstiger und – last but not least – innerhalb einer akzeptablen Zeitspanne beim Vertragshändler zu bekommen.

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Über den Autor

Jorg Weppelink

Hallo, ich bin Jorg und schreibe seit 2016 Artikel für Chrono24. Meine Beziehung zu Chrono24 reicht jedoch deutlich weiter zurück, denn meine Liebe zu Uhren erwachte …

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