10.09.2020
 6 Minuten

Rückblick: Geneva Watch Days 2020

Von Bert Buijsrogge
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Rückblick: Geneva Watch Days 2020

Dieses Jahr verlief für uns alle, gelinde gesagt, außerordentlich seltsam. Der „unsichtbare Feind″ veränderte das Leben, wie wir es kennen. Letztes Jahr saß ich fast jede Woche in irgendeinem Flugzeug und gegen Jahresende wünschte ich mir wirklich, dass das Jahr 2020 in puncto Reisen etwas weniger intensiv ausfallen möge. Trotz all ihrer Reize sind Reisen sehr anstrengend und wenn man nur für ein oder zwei Arbeitstage um die ganze Welt fliegt, fordert der Jetlag seinen Tribut.  

Bereits zu Beginn war es 2020 ruhiger als in den vorangegangenen Jahren. Normalerweise hätte ich Mitte Januar den SIHH in Genf besucht. Der Uhrensalon wurde jedoch zusammen mit der Baselworld auf Ende April verschoben. Die Zukunft der (bisher) größten Uhren- und Schmuckmesse der Welt bleibt weiter ungewiss, da sich immer mehr Marken zurückziehen. Das Fehlen der Swatch Group machte sich im vergangenen Jahr schon sehr bemerkbar. 

Dann kam der März, und alles stand still. Ich erinnere mich, dass es in den Flughäfen bereits gespenstisch still war, als ich von einem Besuch bei Bulgari zurückkehrte. Nur wenige Tage später verkündete mein Heimatland (die Niederlande) den landesweiten Lockdown. Alle geplanten oder laufenden Projekte mussten entweder verschoben oder gestoppt werden. Wer hätte sich so etwas jemals vorstellen können? Nun reise ich im Jahr 2020 also tatsächlich viel weniger, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt – Man sollte vorsichtiger mit seinen Wünschen sein! 

Impressions of Geneva, Image: Bert Buijsrogge 
Impressionen aus Genf, Bild: Bert Buijsrogge

 

Geneva Watch Days: Die Atmosphäre 

Nach Monaten im Homeoffice schien es, als ob die Geneva Watch Days das erste Event des Jahres werden könnten, an dem man wieder persönlich teilnehmen konnte. Schon im März hatten die Organisatoren die Veranstaltung auf den August verschoben sie als „einziges bedeutendes Treffen der Uhren-Community im Jahr 2020“ beworben. Vorausgegangen war bereits die offizielle Absage der Baselworld und der Watches & Wonders. Letztere fand zwar immerhin noch digital statt, aber das ist einfach nicht dasselbe. Eine endlose Flut von Pressemitteilungen im Mail-Posteingang genügt einfach nicht. Natürlich kann man sich anhand von Uhren, die man kennt, ungefähr vorstellen, wie ein neues Modell mit kleinen Änderungen oder neuen Farbschemata tatsächlich wirkt, aber es ist unmöglich, eine neue Uhr allein mittels hochkarätiger Werbefotos zu beurteilen. Das zeigt, dass man eine Uhr eben selbst in der Hand halten muss, um sich eine Meinung bilden zu können.  

Endlich konnten wir ins Flugzeug steigen und uns auf den Weg in die Schweiz zu den Geneva Watch Days 2020 machen. Ein solches Event hatten wir noch nie erlebt – im positiven Sinne! Die meisten Treffen und Veranstaltungen fanden im Stadtzentrum statt: In Hotels mit Blick auf den berühmten Springbrunnen Jet d’Eau oder in zentral gelegenen Markenboutiquen. Kurz: Es war eine fantastische Erfahrung! Wieder Kollegen und Freunde sowie Vertreter verschiedener Hersteller treffen zu können, war großartig. 

Natürlich erschien es uns seltsam, bei allen großen Veranstaltungen die Temperatur messen zu lassen oder durch einen Wärmescanner gehen zu müssen. Aber das war notwendig, um die Sicherheit aller zu gewährleisten. Die Organisatoren taten ihr Möglichstes, um die Veranstaltung so angenehm wie möglich zu machen und gleichzeitig alle Regeln und Vorgaben einzuhalten. Man musste seine Hände desinfizieren, bevor man ein Geschäft betreten durfte und Mund-Nasen-Masken waren zwingend vorgeschrieben. Zum Glück waren die Masken leicht zu beschaffen und viele Uhrenhersteller verteilten Fläschchen mit Desinfektionsmitteln für die Hände.  

Aber genug davon, wenden wir uns lieber dem zu, was dieses Ereignis so großartig gemacht hat: Bei früheren Events verbrachten die Teilnehmer fast den ganzen Tag an einem einzigen Veranstaltungsort. Hersteller bauten riesige Stände mit kleinen Meetingräumen auf und ich hetzte den ganzen Tag von einem Treffen zum nächsten. Bei den Geneva Watch Days fand ich mich plötzlich in Markenboutiquen oder schönen Hotels wieder, die eine viel stimmungsvollere und persönlichere Atmosphäre erzeugten. Ich hatte genug Zeit und Platz, um mir zwischen den Treffen die Beine zu vertreten und die schöne Aussicht auf die Stadt an der Rhône zu genießen. Allerdings waren nicht alle Teilnehmer begeistert von dem neuen Konzept. Zwei der fast zwanzig Treffen auf unserer Agenda konnten wir nicht zu Fuß erreichen, aber zum Glück waren sämtliche Fahrten im Voraus arrangiert. 

Die Uhren 

Beim Rückblick auf den besonderen Ablauf und die neuen Erfahrungen vergisst man schnell, worum es bei dem Event eigentlich ging. Wir waren schließlich wegen der Uhren dort – und da gab es einiges zu sehen! Wir konnten sogar etliche Stücke bewundern, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Die Hersteller waren meistens sogar eher bereit, uns diese Uhren fotografieren zu lassen, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall gewesen war. Es ist fantastisch, die Zeitmesser aus der Nähe sehen und die Fotos veröffentlichen zu können, sobald die Uhren offiziell auf den Markt kommen, auch wenn die Zeitpunkte dafür noch nicht immer feststehen.  

Da diesmal besonders viele unabhängige Hersteller präsent waren, waren viele der Uhren nur zu sehr stolzen Preisen zu haben. Sie sehen toll aus, aber die meisten Leute werden niemals in der Lage sein, über 100.000 EUR für eine Uhr auszugeben. Trotzdem haben wir es genossen, diese Modelle zu bewundern, darunter einige unglaubliche Kreationen. Es waren jedoch nicht nur exotische Uhren dabei. Wir haben einige unserer Lieblingsmodelle ausgewählt. Wenn man so viele Uhren in so kurzer Zeit angeschaut hat, ist das wirklich nicht einfach, aber hier kommen einige Modelle, die uns besonders begeistert haben. 

 

Bvlgari Octo Finissimo Steel, ref. 103431, Image: Bert Buijsrogge 
Bulgari Octo Finissimo Steel, Referenz 103431, Bild: Bert Buijsrogge  
 

Bulgari Octo Finissimo Steel, Referenz 103431 

Die Octo Finissimo ist einer meiner Favoriten, seit ich sie zum ersten Mal sah. Die Serie existiert erst seit sechs Jahren, dennoch hat Bulgari hier ganze Arbeit geleistet und in sehr kurzer Zeit etwas wirklich Einzigartiges geschaffen. Man kann mit Sicherheit sagen, dass dieses Modell ein zukünftiger Klassiker ist. Ich jedenfalls bin davon absolut überzeugt. Die neue Octo Finissimo aus Stahl besticht durch ihr tiefblaues Zifferblatt mit Sonnenschliff. Eine fantastische Uhr, die ich mir auch gut an meinem Handgelenk vorstellen kann. 

 

Carl F. Bucherer Manero Flyback, ref. 00.10919.08.53.01, Image: Bert Buijsrogge 
Carl F. Bucherer Manero Flyback, Referenz 00.10919.08.53.01, Bild: Bert Buijsrogge  
   

Carl F. Bucherer Manero Flyback, Referenz 00.10919.08.53.01 

Wer wüsste einen guten Chronographen nicht zu schätzen? Die neuen Modelle der Manero Flyback fielen uns bei unserem Besuch bei Bucherer sofort auf, insbesondere die Version am Lederarmband. Ich bin kein großer Freund von Metallarmbändern, da viele von ihnen meiner Meinung nach optisch nicht gut funktionieren, aber das führt an dieser Stell zu weit. Diese Uhr sieht großartig aus und trägt sich gut, obwohl sie recht groß ist. Für mich sind 40 mm die perfekte Größe für eine Uhr. Je weiter ein Gehäuse von diesem Durchmesser abweicht, desto weniger mag ich es. Aber es gibt immer Ausnahmen, und dieses Modell ist definitiv eine davon. 

Louis Moinet Space Revolution, ref. LM.104.50.50.014, Image: Bert Buijsrogge 
Louis Moinet Space Revolution, Referenz LM.104.50.50.014, Bild: Bert Buijsrogge  
   

Louis Moinet Space Revolution, Referenz LM.104.50.50.014 

Es macht immer wieder Freude, bei Louis Moinet vorbeizuschauen. Unter den Neuerscheinungen fand sich diesmal die Space Revolution, eine sehr unorthodoxe Kreation, von der sich die Augen kaum losreißen können. Zwei Raumschiffe „kämpfen″ unter einem riesigen gewölbten Glas. Sie bewegen sich mehrmals pro Stunde in verschiedene Richtungen, während zwei Satelliten-Tourbillon-Raumstationen daneben schweben. All dies spielt sich auf einem ultraschwarzen Zifferblatt ab. 

 

Panerai Luminor Marina Fibratech™, ref. PAM01662, Image: Bert Buijsrogge 
Panerai Luminor Marina Fibratech, Referenz PAM01662, Bild: Bert Buijsrogge  
 

Panerai Luminor Marina Fibratech, Referenz PAM01662 

Ich war nie ein großer Fan von Panerai, aber diesmal war ich wirklich beeindruckt. Die Bandbreite ihrer Modelle ist zwar begrenzt (nicht unbedingt ein Nachteil), aber ihr Schwerpunkt liegt eindeutig im innovativen Bereich. Die Luminor Fibratech ist hierfür ein großartiges Beispiel. Ihr Gehäuse besteht aus mineralischen Basaltfasern, die zu Blättern gestapelt und dann zu Blöcken gepresst werden. Dieser Zeitmesser kombiniert den berühmten Panerai-Look mit modernsten Materialien. Dazu gibt es 156 verschiedene Armbänder, die Kombinationsmöglichkeiten sind endlos! 

Abschließende Gedanken 

Es war wunderbar, wieder persönlich an einer Veranstaltung teilnehmen zu können und ich hoffe sehr, dass wir alle bald wieder zur Normalität zurückkehren können. Alle Uhrenhersteller suchen nach innovativen Wegen, um ihre Neuerscheinungen zu präsentieren und ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass mir das Format dieser Veranstaltung wirklich gefallen hat. Ich würde mich freuen, wenn mehr Veranstaltungen in ähnlicher Art und Weise stattfinden könnten. Soweit wir wissen, betrugen die Kosten der Geneva Watch Days nur einen Bruchteil der Kosten der Baselworld – das klingt für mich nach einer echten Win-win-Situation. 

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Über den Autor

Bert Buijsrogge

Ich arbeitete 15 Jahre in der Immobilienbranche. In den letzten Jahren habe ich meine Leidenschaft für Uhren und Fotografie dann zum Beruf gemacht. Ich habe mich …

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