05.08.2019
 4 Minuten

So bleibt Ihre Uhr genau und zuverlässig

Von René Herold
So bleibt Ihre Uhr genau und zuverlässig

So bleibt Ihre Uhr genau und zuverlässig

Fangen wir bei der Unruh an: Sie ist der Taktgeber einer Uhr. Ihr kommt in Sachen Ganggenauigkeit also eine besondere Verantwortung zu. Kurz gesagt: Je gleichmäßiger sie hin und herschwingt, desto genauer geht die Uhr. Der Weg, den die Unruh bei einer Halbschwingung zurücklegt, wird in Grad gemessen und als Amplitude bezeichnet. Diese sollte sich bei einer intakten Uhr zwischen 260 und 290 Grad bewegen. Idealerweise braucht die Unruh für den Weg in die eine Richtung genauso lange wie für den Weg zurück. In der Realität ist es aber so, dass sie für einen der Wege einige Millisekunden länger benötigt. Diese Zeit wird von Fachleuten als Abfall bezeichnet und sollte maximal 0,3 ms betragen.

Ähnlich ist es mit der Energieübertragung von der Aufzugsfeder auf das Hemm- und Schwingsystem. Im Idealfall ist die Kraft immer konstant, egal ob die Uhr voll aufgezogen ist oder sich die Energiereserve langsam dem Ende entgegen neigt. Die Kraft sollte zudem möglichst ohne Verlust übertragen werden. Gut geschmierte Lager und perfekt aufeinander abgestimmte Bauteile sind daher unabdingbar.

Gefahren für den präzisen Gang

Sind all diese Voraussetzungen erfüllt, sollte die Uhr präzise die Zeit anzeigen. Doch die Gefahren sind vielfältig. Magnetfelder stellen beispielsweise ein häufig unterschätztes Risiko dar. In unserer modernen Welt sind wir von Magneten quasi umzingelt – sie stecken in Smartphones und Tablets, Kühlschranktüren und Lautsprechern. Auch Induktionskochfelder und elektrische Zahnbürsten erzeugen Magnetfelder. Ist eine Uhr einem solchen Feld zu lange ausgesetzt, kann es passieren, dass die Unruhspirale magnetisiert wird. Das kann wiederum den Gleichlauf der Unruh stören. Die Folge: Gangabweichungen.

Foto: Bert Buijsrogge
Foto: Bert Buijsrogge

Erschütterungen und extreme Temperaturen können eine Uhr ebenfalls aus dem Takt bringen. So können sich bei großer Hitze oder Kälte zum Beispiel die Eigenschaften der verwendeten Schmiermittel ändern oder sich Bauteile ausdehnen oder zusammenziehen.

Auch die Schwerkraft hat eine Auswirkung auf das Gangverhalten einer Uhr: Liegt sie beispielsweise flach auf einem Tisch, wirkt die Gravitation anders auf die Bauteile als wenn die Krone Richtung Boden zeigt. Solange Sie die Uhr tragen, gleichen sich die verschiedenen Kräfteverhältnisse über den Tag hinweg aus. Tragen Sie die Uhr längere Zeit nicht, sollten Sie darauf achten, die Uhr regelmäßig zu bewegen und in einer anderen Position abzulegen. Besonders hilfreich sind hierbei Uhrenbeweger, die Ihnen genau diese Arbeit abnehmen. Praktischer Nebeneffekt: Uhren mit Automatikkaliber werden auf diese Weise auch regelmäßig aufgezogen.

Wie wird die Genauigkeit gemessen?

Sie haben mehrere Möglichkeiten, um herauszufinden, wie akkurat Ihre Uhr läuft. Die professionellste Lösung ist die Analyse auf einer sogenannten Zeitwaage. Dieses Präzisionsinstrument „hört“ mittels eines Kontaktmikrofons in die Uhr hinein und misst Amplitude, Abfall und Gangabweichung. Die Daten werden protokolliert und können anschließend von einem Uhrmacher genutzt werden, um die Uhr optimal einzustellen oder zu regulieren, wie es in der Fachsprache heißt.

Eine Profi-Zeitwaage hat allerdings ihren Preis und kann mehrere Tausend Euro kosten. Einfache Ausführungen mit eingeschränktem Funktionsumfang für den Hausgebrauch bekommen Sie hingegen schon für wenige Hundert Euro. Noch günstiger sind App-basierte Lösungen, mit denen Sie Ihr Smartphone in eine Zeitwaage verwandeln können. Wenn Sie jedoch nur einen groben Überblick darüber bekommen möchten, wie groß die Gangabweichung Ihrer Uhr ist, können Sie die Zeitanzeige auch einfach regelmäßig mit einer Referenzzeit vergleichen. Atomuhren aus dem Internet leisten hier gute Dienste.

Wie wird eine Uhr reguliert?

Haben Sie festgestellt, dass ihre Uhr eine ungewöhnlich große Gangabweichung aufweist, hilft meist nur der Weg zum Uhrmacher. Dieser wird die Unruhspirale zunächst – falls nötig – entmagnetisieren und den Gang über die Feinregulierung einstellen.

Bei älteren Uhren kann auch eine komplette Revision nötig sein. Dabei prüft der Uhrmacher, ob noch alle Teile intakt sind oder ob Zapfen, Wellen und Lager nachgearbeitet werden müssen. Die Uhr wird zudem gereinigt und altes, verharztes Schmiermittel durch frisches ersetzt.

Welche Uhren sind besonders genau?

Wenn Sie eine besonders präzise Uhr Ihr Eigen nennen wollen, sollten Sie zu einem Modell mit Chronometer-Zertifikat greifen. Um die Bezeichnung Chronometer tragen zu dürfen, mussten sich diese Uhren einem ausgiebigen Test unterziehen. 15 Tage lang beweisen sie, dass ihr mittlerer täglicher Gang bei drei verschiedenen Temperaturen (8°C, 23°C, 38°C) und in fünf Lagen (Zifferblatt oben, Zifferblatt unten, Krone links, Krone oben, Krone unten) maximal -4 bis +6 Sekunden pro Tag abweicht.

Uhren aus Schweizer Fabrikation bekommen ihr Zertifikat von der Contrôle officiel suisse des chronomètres (COSC). Die Prüfstelle wurde 1973 gegründet, um die Uhrenindustrie des Alpenlandes zu stärken. Deutsche Hersteller können ihre Uhren in der Deutschen Prüfstelle für Chronometer in der Sternwarte Glashütte prüfen lassen. Ins Leben gerufen wurde die Stelle im Jahr 2006 von der Wempe KG und den Landesämtern für Mess- und Eichwesen aus Sachsen und Thüringen. Die Anforderungen an die Uhren sind dabei weitgehend identisch mit denen der COSC. Anders ist jedoch, dass in Glashütte die fertige Uhr getestet wird und nicht nur das Werk.

Rolex Daytona

Firmen wie Rolex oder Omega geht der normale Chronometer-Standard nicht weit genug. Zusätzlich zur COSC-Prüfung haben sie eigene Standards entwickelt, die neben strengeren Gangwerten auch antimagnetische Eigenschaften und Wasserdichtheit berücksichtigen. Rolex garantiert bei seinen „Chronometern der Superlative“ beispielsweise einen mittleren täglichen Gang von -2 bis +2 Sekunden. Die „Master Chronometer“ von Omega bekommen ihr Gütesiegel vom Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS. Sie widerstehen Magnetfeldern bis zu 15.000 Gauß und haben einen mittleren täglichen Gang von 0 bis +5 Sekunden.

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Über den Autor

René Herold

Mein Name ist René Herold und durch eine Stellenausschreibung auf Chrono24 aufmerksam geworden. Ich muss ehrlich zugeben, dass Uhren vor meinem Engagement bei …

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