25.07.2023
 7 Minuten

Tudor Pelagos 39, Seiko & Co.: 3 Diver Kaufempfehlungen für jedes Budget

Von Christoph Odenthal
2-1-Tudor-Pelagos

Wenn es um die erste „richtige“ Uhr geht, erkundigen sich Personen in meinem direkten Umfeld zuweilen nach einem Ratschlag. Dabei sind die geschilderten Anforderungen an das Objekt der Begierde meist übereinstimmend: Robust, wartungsresistent, in wandlungsfähigem und ansprechendem Design. Da eine bestimmte Uhrenkategorie all diese Eigenschaften für sich beansprucht, verdichtet sich das Interesse in den meisten Fällen bei klassischen Diver Modellen.

Im weiteren Gesprächsverlauf offenbare ich für gewöhnlich meine Rolex-Leidenschaft und hebe die qualitativen Eigenschaften der renommierten Rolex Submariner hervor. Meine jeweiligen Gesprächspartner bemängeln daraufhin nicht selten die eingeschränkte Verfügbarkeit und das korrelierende Preisniveau. Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn ja, dann haben Sie sich sicher auch schon die anschließende Frage gestellt: Gibt es günstigere Diver-Alternativen, welche die zuvor genannten Attribute ebenfalls vereinen und gleichermaßen salonfähig sind?

Rolex Submariner 14060
Rolex Submariner 14060

Ja, die gibt es! Meine Top-3 Kaufempfehlungen sind allesamt Taucheruhren welche die oben beschriebenen Attribute in ihrer jeweiligen Preiskategorie bestmöglich erfüllen und in Fachkreisen uneingeschränkt anerkannt sind. Die Uhren sind mit 50%, 8% und 3% vom Listenpreis der Rolex Submariner zum Teil deutlich günstiger als die Ikone selbst. Wie bitte – 8% und 3%? Ja, Sie haben richtig gelesen! Auch wenn diese preiswerten Alternativen nicht in der Rolex-Liga spielen, eignen sich die Referenzen sowohl als 1-Watch-Collection als auch als Teil einer durchaus hochpreisigen Uhrensammlung. Und ich bin mir sicher, dass Sie die beiden budgetfreundlichen Exemplare so nicht auf dem Schirm hatten.

Tudor Pelagos 39 Referenz M25407N-0001

Fangen wir zunächst mit der 50%-Alternative an. Ich muss zugeben ich bin kein sonderlich großer Tudor-Fan. Zu verwirrend ist die Struktur des Portfolios. Zu vorhersehbar sind die Protagonisten. Die Entwicklung einer ernsthaften eigenen Modelllinie bleibt nach wie vor aus. Das ist ein bisschen wenig. Bei den aktuellen Modellen fallen zudem meiner Meinung nach im Detail viele Gehäuse zu wuchtig aus.

Dennoch schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Denn Produktdiversifikation ist bei Tudor stets ideenreich. Die sogenannte Repackaging-Exercise beherrscht die Rolex-Tochter wie kein anderer in der Branche. Die Marke steht objektiv gesehen nicht nur für das beste Preis-Leistungsverhältnis. Tudor traut sich etwas, ist neugierig, experimentell, pünktlich, replizierend. Und am Ende des Tages eben auch verfügbar. All das, was die mächtige Mutter in letzter Zeit vermissen lässt.

Tudor Pelagos M25407N-0001

Die Tudor Pelagos 39 ist dabei mein Favorit aus dem Portfolio der Taucheruhren. Es ist bereits viel über diese Referenz M25407N-0001 berichtet worden. Die Schlüsselindikatoren zur Kaufentscheidung seien im Folgenden zusammengefasst.

Der Diver hat einen alltagstauglichen Durchmesser von 39 mm sowie eine zuträgliche Gehäusehöhe von 11,8 mm und präsentiert sich im satinierten Titan Grad 2 Gehäuse. Was sofort ins Auge fällt, sind die sandgestrahlt-anglierten Kanten des Gehäuses. Zusammen mit dem spitz zulaufenden Kronenschutz wirkt die Uhr maximal „toolig“ und maskulin. Dabei belässt Tudor die Referenz M25407N-0001 ohne Datumsanzeige und verleiht der Uhr somit eine spannende Simplizität. Die Keramiklünette ist wie gewohnt in eine Richtung drehbar, besitzt keine Perle auf der 12-Uhr-Position und ist rundherum mit Leuchtmasse versehen. Der Lumeshot präsentiert sich in einem leuchtenden Blau und sucht unter den Taucheruhren seinesgleichen. Hut ab!

Das Zifferblatt der Tudor Pelagos 39 ist schwarz satiniert und hält bei genauerer Betrachtung ein akkurates Detail bereit: bei wechselndem Tageslicht erkennt man den feinen Sonnenschliff. Auf diesem Hintergrund kommen die leuchtenden Monoblock-Keramik-Indizes besonders gut zur Geltung. Der rote Schriftzug der Modellbezeichnung erinnert dabei an die berüchtigte Rolex Red Submariner Generation bzw. die aktuelle Jubiläums-Huldigung, die Rolex Sea-Dweller 43 Referenz 126600. Das Rot verleiht der Uhr einen nostalgischen Charakter. Es gibt zwei Dinge, die mir besonders gut gefallen: Der akzentuierte Sonnenschliff der schwarzen Keramiklünette und deren Kombination mit der tooligen Ausdruckskraft des Zifferblatts. Bei letzterem verzeiht man selbst den klobigen Snowflake-Zeiger, da er umgeben von eckigen Stundenindizes verträglich harmonisiert. Das Zifferblatt wirkt insgesamt sehr aufgeräumt, alle Bestandteile komplementieren in ihrer Gesamtheit äußerst ausgeglichen.

Angestoßen wird die Taucheruhr mittels 22 mm wahlweise über ein Fake-Nieten freies Titanarmband mit Tudor „T-fit“-Sicherheitsfaltschließe oder einem zusätzlichen schwarzen Kautschukband mit Stiftschließe. Da ich Taucheruhren standesgemäß gerne am Kautschukband trage, das Tudor-Armband jedoch nicht direkt ans Gehäuse sondern an ein vorgelagertes Endglied stößt, fällt meine Wahl zweifelsohne auf die Drittanbieter-Alternative von Everest oder Rubber B. Angetrieben wird der Diver über das COSC-zertifizierte Manufakturwerk Kaliber MT5400, ein mechanisches Werk mit Selbstaufzug und einer Gangreserve von ca. 70 Stunden. Das ist beachtlich!

Es bleibt festzuhalten, dass der robuste Daily-Rocker eine hohe Verarbeitungsqualität aufweist. Ausmaße, Schliff und Politur lassen die Uhr hinsichtlich Fit und Finish äußerst wertig wirken. Dazu erstrahlt die Uhr in einem bemerkenswert zuträglichen Design und präsentiert sich im Alltag facettenreich. Die Diver-Alternative kostet 4.510 EUR und liegt somit preislich bei rund der Hälfte des großen Bruders, der Rolex Submariner Referenz 124060.

SEIKO SKX007

Seiko SKX007

Auf der Basis eines breitgefächerten Uhrenportfolios bedient Seiko gekonnt über sämtliche Preisklassen hinweg bis ins oberste Regal der mechanischen Luxusuhren. Zurückblickend auf eine langjährige Linie von Taucheruhren, welche 1965 mit der Seiko Referenz 6217 begann, wird im Jahr 1996 die Seiko Referenz SKX007 vorgestellt. Bis heute ist die SKX007 die am längsten produzierte Taucheruhr von Seiko. Die Herstellung wurde erst 2019 eingestellt. Was ist an diesem Diver so besonders? Wie schafft es ein Zeitanzeiger aus dieser Preiskategorie zu so viel Ruhm und Ehre? Wir schauen uns die Uhr gemeinsam etwas genauer an.

Das ISO6425 Zertifikat attestiert einen echten Diver in den Ausmaßen von 42 mm Durchmesser. Wochentag und Datum sind klassisch auf 3 Uhr positioniert und kontrastieren gekonnt mit schwarz auf weiß. Die massive Krone mit einem Durchmesser von 7,2 mm ist tatsächlich auf der 4-Uhr-Position angesiedelt. Das hat was! Auf dem abgerundeten Gehäuse sitzt eine unidirektionale Lünette mit halbminütiger 120er Rastvorrichtung. Dabei ist das Gehäuse etwas breiter verarbeitet, um die Lünette entsprechend stoßsicher zu machen. Gleichzeitig ist der äußere Lünettenring leicht überstehend, wodurch das Glas und auch das Alu-Inlay samt Skalierung und Nummerierung durchdacht geschützt werden.

Das aufgeräumte Zifferblatt ist in matt Schwarz gehalten und hat reinweiße Indizes ohne Chromumrandung. Genau dieses Detail unterstreicht den anmutenden Vintage-Charakter der Uhr. Bei näherer Betrachtung erkennt man sogar die dezente Erhöhung der Leuchtmasse. Pfeil- und Schwertzeiger dienen zweckorientiert der Anzeige von Stunden und Minuten. Der heimliche Star der Show ist der Sekundenzeiger. Im vorderen Bereich weiß akzentuiert verbleibt er im hinteren Bereich in schwarz. Anders als bei herkömmlichen Designs ist dabei der mit Leuchtmasse ausgegossene Ball des Zeigers auf dem hinteren, schwarzen Teil des Zeigers angesiedelt. Bei der Vorgänger Referenz Seiko 7548-7000, einem Quarz Diver, hatte die rückseitige Unterbringung des Leuchtballs zum zweckorientierten Austarieren noch eine funktionale Relevanz. Obwohl dies nun nicht mehr nötig ist, hat sich Seiko dieses Identifikationsmerkmal jedoch beibehalten. Das ist wirklich speziell und findet Anklang!

Das Gehäuse wird wahlweise mit 22 mm über ein mitgeliefertes 5-gliedriges Edelstahlarmband im Jubilee-Stil oder ein schwarzes Kautschukband angestoßen. Da das Edelstahlarmband wie so oft in dieser Preiskategorie in Haptik und Optik ausbaufähig ist, fällt hier meine Wahl auf das Gummiband.

Angetrieben wird die Taucheruhr von einem stets zuverlässigen Arbeitstier, dem 7S26 Manufakturwerk. Das Kaliber hat keinen Handaufzug und keinen Sekundenstopp. Dafür ist es äußerst wartungsresistent. Laut Hersteller liegen die Gangreserve bei 45 Stunden und die Ganggenauigkeit bei -15 bis +25 Sekunden. Preislich hat die SKX007 seit Produktionsstopp eine beachtliche Wertentwicklung erfahren. Angebote sind ab 700 EUR aufwärts zu finden.

CITIZEN Promaster NY0040

Citizen Promaster Referenz NY0040

Citizen Watch Co. Ltd. ist ebenfalls ein japanisches Unternehmen, welches seit den 1920er Jahren Uhren produziert. Das Traditionshaus hat die Entwicklung von Armband-Taucheruhren mit elektronischem Tiefenmesser maßgeblich vorangetrieben und nachhaltig geprägt. Heute ist Citizen der weltweit größte Uhren- und Uhrwerkhersteller.

Das Flaggschiff der Japaner ist ein 1997 erstmals vorgestelltes Modell, die Citizen Promaster Referenz NY0040. Ein ISO-Norm zertifizierter Diver mit Wochentags- und Datumskomplikation. Den Ritterschlag bekam das Modell gleich im Geburtsjahr, da die Referenz von 1997 bis 2007 offiziell vom italienischen Militär genutzt wurde. Die handelsübliche 200 m Wasserresistenz wurde auf zweckorientierte 500 m gesteigert, indem die Armee-Variante bei gleichem Gehäuse ein Dichtungs-Upgrade erfahren hat.

Das verbaute Miyota 8203 Manufakturwerk samt Handaufzug gilt zwar als wenig aufregend aber zugleich als zuverlässig und wartungsresistent. Dabei kann die Uhr gut und gerne mehr als 25 Jahre ohne Service durchlaufen. Das ist wirklich beeindruckend! Die 40-stündige Gangreserve ermöglicht eine erfreuliche Praktikabilität, die Uhr bei bestimmten Alltagsaktivitäten oder auch über Nacht ablegen zu können. Mit einer Ganggenauigkeit von +/- 10 Sekunden liegt der Zeitanzeiger sicherlich im soliden Bereich.

Das Geheimnis dieser Uhr entfaltet sich letztlich am Handgelenk. Der Durchmesser von 41,5 mm mag sich zunächst etwas dominant anhören, doch die 12,5 mm Gehäusehöhe und die 47 mm Horn-zu-Horn Abstand bescheren einen ausgeglichenen Tragekomfort. Dabei hat das Case eine rundlich zulaufende und schmal geschnittene Form, welche sich unaufdringlich ans Handgelenk anschmiegt. Die unidirektionale Lünette verfügt über eine satte 60er-Rastung und infolgedessen über einen hochwertig anmutenden Drehwiderstand. Der seitliche Rand des Drehrings ist dabei partiell wechselnd geriffelt und geglättet. Das tut der funktionalen Drehbetätigung keinen Abbruch und verleiht der Uhr ein eigenes Design. Das fällt sofort ins Auge! Ebenso eigen ist die Positionierung der stattlichen Krone. Als Linksträger ist sie mit 5,9 mm Durchmesser auf der 8-Uhr-Platzierung gut tragbar. Das Zifferblatt ist in einem hochglänzenden Schwarz gefertigt und hat die Datumsanzeige klassisch auf der 3-Uhr-Position. Mit der hellgrünen Leuchtmasse bewirken die chromeingefassten Indizes einen stimulierenden Kontrast und bilden auf dem schwarzen Hintergrund eine vorbildliche Ablesbarkeit.

Die Citizen Promaster Referenz NY0040 wird mit 20 mm angestoßen und kommt wahlweise am Edelstahlarmband im Oyster-Look. Dabei hat das Armband einen passend zu den Hörnern mattierten Edelstahlschliff und verjüngt sich zur Schließe hin auf wohltuende 18 mm. In Anbetracht seiner Preisklasse trägt sich das Metall-Uhrband insgesamt angenehm, auch wenn die einzelnen Glieder nicht massiv, sondern aus gefaltetem Edelstahl gefertigt sind. Dafür verfügt die gepresste Schließe über einen doppelten Sicherheitsverschluss und eine praktische Schnellverstellung. Auch hier fällt meine Wahl jedoch auf die klassische Option samt schwarzem Kautschuk-Uhrband. Das Material ist robust und lässt sich auch im Sommer gut tragen. Wem beide Uhrband-Alternativen nicht zusagen, dem sei an dieser Stelle attestiert, dass die Taucheruhr eine Strapqueen ist und sich sämtliche Drittanbieter-Alternativen als passend erweisen. Unabhängig von der Wahl des Uhrbands ist der Diver auch für kleinere Handgelenke durchaus machbar.

Am Edelstahluhrband ist die Uhr für rund 250 EUR erhältlich. Am Kautschuk-Uhrband findet man nicht selten Angebote unter 200 EUR. Das ist eine ganze Menge Uhr für diese Preiskategorie. Finden Sie nicht auch? Allerdings verdichten sich die Gerüchte, dass die Uhr bald eingestellt werden soll. Das Nachfolgemodell mit der Referenz NY0082 samt farblicher Lünetten Auswahl ist schon veröffentlicht und in den USA ist die klassische Variante schon nicht mehr erhältlich.

Fazit: Tudor Pelagos 39 vs. SEIKO SKX007 vs. CITIZEN Promaster

Wenn die Wahl auf einen klassischen Diver fällt, kann das Assortiment durchaus vielgestaltig sein. Dabei findet man für jedes Budget jeweils authentische Lösungsansätze. Zwar sind die jeweiligen Verarbeitungsqualitäten und Uhrwerke nicht vergleichbar. Jedoch verbleiben die einzelnen Modelle innerhalb ihrer Preiskategorie stets prägnant und eindrucksvoll. Eines haben alle Uhren gemeinsam. Aufgrund besonnener Evolutionszyklen haben die Zeitanzeiger einen hohen Wiedererkennungswert und zählen in Fachkreisen mit zu den verlesenen ikonischen Uhrenklassikern.


Über den Autor

Christoph Odenthal

Christoph Odenthal ist in Düsseldorf in einer Familie von Uhrenliebhabern aufgewachsen. Seinen ersten Zeitanzeiger hat ihm 1985 sein Großvater geschenkt: eine Citizen Promaster Aqualand mit elektronischem Tiefenmesser. Daraufhin wechselten weitere Uhren – vorwiegend von Rolex – den Besitzer innerhalb der Familie.

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