19.02.2020
 5 Minuten

Uhren-Highlights & (Welt-)Premieren auf der Inhorgenta 2020 – inkl. Live-Fotos

Von Theodossios Theodoridis
Inhorgenta 2020 – Citizen-5159

Uhren-Highlights & (Welt-)Premieren auf der Inhorgenta 2020 – inkl. Live-Fotos

Sie ist die größte Uhren- und Schmuckmesse innerhalb der EU und die zweitgrößte Europas. Dennoch dürfte die jährlich im Februar stattfindende Inhorgenta in München dem Großteil der internationalen Uhren-Community kaum ein Begriff sein. Im Gegensatz zu der weltweit größten Uhrenmesse – der Baselworld.

Doch das könnte sich schon bald ändern. Denn während die Baselworld zunehmend Aussteller und Big Player wie die Swatch Group (Omega, Glashütte Original, Breguet, Longines etc.), Breitling, Seiko, Bulgari und weitere verloren hat, darf sich die seit 1973 (!) stattfindende Inhorgenta über wachsenden Zulauf aus der Uhrenbranche freuen.

Und das, obwohl der bisherige Schwerpunkt dieser Fachmesse eher im Schmuck-Bereich anzusiedeln sein dürfte. Doch wie gesagt, die Landschaft der Uhrenmessen verändert sich gerade massiv. Sie werden verschoben, umbenannt, umgestaltet oder ganz abgesagt.

Die Inhorgenta könnte als deutsche und europäische Messe in den kommenden Jahren davon profitieren. Erst recht, wenn Lifestyle- und Fach-Medien sowie Uhren-Blogger (wie ich) bereits im Februar – also gut zwei Monate vor der Baselworld – die ersten Neuheiten deutscher und Schweizer Uhrenmarken zu sehen bekommen und darüber berichten können.

Grund genug also, sich diese Messe, die Aussteller und deren neue Modelle vor Ort und live anzuschauen.

Inhorgenta 2020 Impressions

In diesem Artikel mit dabei sind: Sinn aus Frankfurt, Mühle aus Glashütte, Maurice Lacroix aus der Schweiz (Offizielles Partnerland 2020) und die Citizen Group aus Japan. Letztere kann man mit den mittlerweile hauseigenen Marken Frederique Constant, Alpina und Bulova guten Gewissens als Big Player und wohl größten Aussteller der Messe bezeichnen.

Inhorgenta 2020 – zwischen Microbrands, Modeuhren und Global Playern

Bevor wir uns den Neuheiten zuwenden, ein allgemeiner Eindruck vorab: Die Inhorgenta ist definitiv nicht mit der Baselworld zu vergleichen – zu unterschiedlich sind die Ansätze. Die Baselworld ist in erster Linie als Luxusuhren-Messe ausgelegt – erschwingliche Uhren sind hier gewissermaßen Beiwerk. Auf der Inhorgenta verhält es sich genau umgekehrt.

Oder anders formuliert: Während in Basel fünf- bis sechsstellige Uhrenpreise gang und gäbe sind, findet man in München bis auf wenige Ausnahmen, Uhren im drei- bis vierstelligen Preisbereich. Das Motto scheint zu sein: Uhren für den Normalbürger – weniger für den Yachtbesitzer.

So trifft man auf junge Microbrands, Modeuhren-Marken, kleine und mittelgroße Hersteller mit Historie, darunter einige deutsche und Schweizer Traditionsmarken – und eben internationale Größen wie Citizen und Casio.

Inhorgenta 2020 Impressions

Beginnen wollen wir aber zunächst mit zwei deutschen Herstellern, die ihre neuen Uhren erstmals live auf der Münchner Messe präsentiert haben. Es sind gewissermaßen Weltpremieren und gehören aus meiner Sicht zu den Highlights der diesjährigen Inhorgenta:

 

Made in Germany: Neuauflage des „Bund-Chronos“ – Sinn Fliegerchronograph 158

Sinn Pilot Chronograph 158
Sinn Pilot Chronograph 158

Der neue Sinn Fliegerchronograph 158 ist eine auf 500 Stück limitierte Neuauflage der legendären Sinn 155. Die Geschichte dahinter: Firmengründer Helmut Sinn (1916-2018) erwarb in den 80er/90er Jahren ausgemusterte Uhren der Bundeswehr, arbeitete sie auf und verkaufte die ursprünglichen Heuer-Chronographen (Heuer-Leonidas SA 1550 SG bzw. Heuer 1550 SG) mit neuem Zifferblatt und unter seinem Namen als „Bundeswehr-Chronograph für Piloten”. Diese Uhren sind heute übrigens gesuchte Sammlerstücke.

Weitere und hieran angelehnte Modellvarianten aus dem Hause Sinn waren die 156 und die 256. Zudem gab es Sondereditionen der 155 für den japanischen Markt, für das Handelsunternehmen Manufactum und in Kooperation mit den beiden (Online-)Magazinen The Rake & Revolution (Sinn 155 „Dark Star“). All diese Uhren sind mittlerweile nicht mehr erhältlich – und werden entsprechend gehandelt. Umso mehr dürfte es Fans dieser Fliegeruhren freuen, dass Sinn den Bund-Chrono nun ein weiteres Mal auflegt.

Die wichtigsten Daten im Überblick: Der Durchmesser des perlgestrahlten Edelstahlgehäuses liegt bei 43 mm und die Uhr ist wasserdicht bis 10 bar (100 Meter). Das automatische Chronographenwerk (Bi-Compax) ist von Sellita – ein SW 510. Die Auflage liegt bei 500 Stück, der Preis bei 2.690 EUR.

Mehr über den „Ur“-Bund-Chronographen von Heuer/Leonidas – in diesem Chrono24-Artikel: Besondere Vintage-Uhren: Heuer „Bund“ Flyback Chronograph.

Made in Germany: Mühle Glashütte – Panova Grau

Wristshot Panova
Wristshot Panova Glashütte

Ebenfalls eine (Welt-)Premiere feierte die Panova in Grau von Mühle Glashütte. Sie ist eine recht moderat bepreiste Einsteigeruhr – zumindest im Vergleich mit anderen Uhrenmarken aus Glashütte. Während die in der Regel bei mehreren tausend Euro liegen, setzt Mühle den Preis dieses Modells gezielt auf 1.000 EUR.

Dafür bekommt man eine Dreizeigeruhr mit 40 mm Stahlgehäuse, veredeltem Sellita-Automatikwerk (SW 200-1), einem hauseigenen Rotor sowie einer patentierten und besonders stoßsicheren Spechthals-Regulierung. Mühle prüft seine Uhren übrigens in sechs Lagen und erreicht dank der hauseigenen Regulierung eine Gangabweichung zwischen 0 und +8 Sekunden/Tag. Laut eigenen Angaben orientiert man sich hier an der Chronometer-Norm. Auf jeden Fall sind das beachtliche Gangwerte.

Wer mit dem grauen Zifferblatt und den orangen Akzenten nichts anfangen kann, für den hat Mühle zwei weitere Farb-Varianten im Programm: Die Panova in Blau aus 2018 und die Panova in Grün – erstmals auf der Inhorgenta 2019 präsentiert.

Swiss Made: Maurice Lacroix – Aikon Venturer GMT, Bronze, Bicolor & Chronograph Skeleton

Und weitere (Welt-)Premieren – rund zwei Monate vor der Baselworld: Der Schweizer Uhrenhersteller Maurice Lacroix zeigte gleich mehrere neue Modelle „behind closed doors“. Was auffällt: Maurice Lacroix baut die, laut eigenen Angaben, gut laufende Aikon-Reihe unermüdlich aus. So kommen in diesem Jahr unter anderem eine GMT-Version der Aikon Venturer, ein skelettierter Chronograph, eine Bronze- und eine Bicolor-Variante auf den Markt:

AIKON venturer gmt
AIKON Venturer GMT

Für Vielflieger: Aikon Venturer GMT – Modellerweiterung mit zweiter Zeit-Zone und 24-Stunden-Keramiklünette. Durchmesser: 43 mm, Preis: 2.490 EUR

AIKON Venturer Skeleton
AIKON Venturer Skeleton

Durchschaubar: Der Aikon-Chronograph Skeleton gewährt Einblicke ins mechanische Innere. Durchmesser: 44 mm, Preis: 6.900 EUR

AIKON Venturer Bronze Green
AIKON Venturer Bronze Green

Bronzezeit: Aikon Venturer mit grünem Zifferblatt, grünem Kautschukband und Bronzegehäuse. Durchmesser: 43 mm, Preis: 2.490 EUR.

Two-Tone AIKON Venturer
Two-Tone AIKON Venturer

Gewagt: Aikon Venturer in Stahl/Gold und mit blauem Zifferblatt. Durchmesser: 43 mm, Preis: 2.690 EUR.

Made in Japan meets Swiss Made: Citizen Group – Alpina, Bulova und Frederique Constant

Citizen Booth
Citizen Booth

Kommen wir zu Citizen. Genauer: zur Citizen Group. Einem Global Player, der dennoch ein wenig „unter dem Radar“ läuft. Obwohl er eine über 100-jährige Historie hat, seine eigenen Werke (Miyota) produziert, sie an unzählige andere Hersteller verkauft sowie einige sehr interessante Schweizer Uhrenmarken im Portfolio hat.

Und so findet man auf der Inhorgenta bei Citizen einen sogenannten „Multi-Marken“-Stand vor, der neben den eigenen Uhren auch Modelle von Alpina, Frederique Constant und Bulova beherbergt. Leider gab es bei keiner dieser Marke Neuheiten oder Premieren zu sehen – zumindest nicht offiziell. Man zeigte am Stand vorwiegend bereits bekannte Modelle:

Citizen display window

Die großen Neuheiten und Premieren spart man sich offenbar für die Baselworld auf. Dennoch war es interessant zu sehen, welche Spannbreite – vor allem in Sachen Technologie und Preisen – Citizen mittlerweile abdeckt.

Von der erschwinglichen und gelungenen Retro-Uhr um 200 EUR…

Citizen Eco Drive
Citizen Eco Drive

…bis hin zur ultimativen Hightech-Uhr mit der Bezeichnung „0100“ und einer Gangabweichung von nur einer Sekunde – pro Jahr:

Citizen display window

Dieses Nonplusultra an Ganggenauigkeit basiert auf einem Inhouse-Quarzwerk und kostet, je nach Modell und Limitierung, zwischen 6.500 und 15.000 EUR. Eine Preiskategorie, in der man Citizen-Uhren bislang eher nicht vermutet hätte.

Und es scheint so, dass Citizen seinem japanischen Mitbewerber Seiko bzw. dessen mittlerweile recht erfolgreichen Luxusmarke Grand Seiko etwas entgegensetzen möchte. Hier wird es spannend sein, zu sehen, welche Entwicklungen es in diesem gehobenen Preissegment in den kommenden Jahren noch geben wird.

Soweit also meine persönlichen Highlights und Impressionen von der diesjährigen Inhorgenta.

Bleibt nur noch zu sagen, dass es in Gesprächen mit den diversen Ausstellern durchgehend positives Feedback zur Inhorgenta gab. Die Messegesellschaft sei äußerst engagiert und bemüht, den Ausstellern Lösungen anzubieten, um sich und ihre Marken optimal hier präsentieren zu können. Vor allem für deutsche Uhrenhersteller, die den Großteil ihrer Zeitmesser im eigenen Land verkaufen, scheint die Inhorgenta stark an Bedeutung gewonnen zu haben. So sehr, dass so mancher die Baselworld aus dem Terminkalender gestrichen hat – zumindest vorerst.

Ob und inwiefern die Inhorgenta international an Bedeutung gewinnt, wird sich noch zeigen müssen. Ein erster Schritt scheint aber gemacht zu sein.


Über den Autor

Theodossios Theodoridis

Seit den 80er und 90er Jahren ist Theo von Uhren begeistert und besitzt heute ca. 40 Stück – darunter Zeitmesser von Omega, Sinn oder Heuer. Über die neuesten Fundstücke …

Zum Autor

Featured

ETA-Republish-Magazin-2-1
Uhren & Technik
 6 Minuten

ETA Uhrwerke – zuverlässige Arbeitstiere oder Massenprodukte ohne Seele?

Von Robert-Jan Broer
Rolex GMT Master II Pepsi 126710BLRO, Image: Bert Buijsrogge
Uhren Ratgeber
 5 Minuten

Sind Uhren wirklich ein gutes Investment?

Von Jorg Weppelink
2
Uhrenmodelle
 4 Minuten

Neuzugang in der Prospex-Familie: Die brandneue Seiko Prospex LX Serie

Von Jorg Weppelink
Rolex GMT Master II Pepsi 126710BLRO, Image: Bert Buijsrogge
Uhren Ratgeber
 5 Minuten

Sind Uhren wirklich ein gutes Investment?

Von Jorg Weppelink

Aktuellste Artikel

Rolex-Explorer-Alternativen-2-1
18.01.2022
Uhren Ratgeber
 6 Minuten

5 Uhren, die günstiger und besser sind als die Rolex Explorer

Von Jorg Weppelink
03-Seiko-v01-Magazin-2-1
17.01.2022
Buyers Guide
 2 Minuten

Seiko: Die erschwinglichste Einsteiger-Uhrenmarke?

Von Thomas Hendricks
Trio-of-Steel-Sports-Watches-2-1
14.01.2022
Uhrenmodelle
 6 Minuten

Die neue Trilogie der modernen Luxussportuhren

Von Jorg Weppelink