24.04.2024
 4 Minuten

Uhrwerke für Damenuhren

Von Chrono24
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Uhrwerke für Damenuhren

Aus den Annalen der Uhrmachergeschichte entnehmen wir, dass Frauen seit jeher eine besondere Beziehung zu Quarzuhren hatten. Das liegt zum einen an der Kombination aus Größe der Uhr und den schlankeren Handgelenken und zum anderen an der Zweckmäßigkeit. Aber die Geschmäcker haben sich verändert. Wir tragen nicht mehr die Uhren, die unsere Vorfahren trugen oder zu deren Zeit in Mode waren. Heute haben Frauen bei ihren Uhren freie Auswahl. Gehäuse sind größer geworden, es wird mehr Metall verarbeitet und Diamanten sind eher eine Frage der Präferenzen und nicht der Standard.

Heutzutage ist alles erlaubt. Sie können anlegen, was auch immer Ihnen gefällt, sei es eine bescheidene Quarzuhr mit minimalem Durchmesser oder ein stattliches Modell mit Handaufzug. Und obwohl die Vorliebe von Frauen für Quarz ein bekanntes Klischee ist, sollten wir endlich aufhören, Quarz nur negativ zu betrachten und anerkennen, dass Quarzuhren für jeden Sammler von großem Wert sein können und zelebriert werden sollten.

Welche Uhrwerke bevorzugen Frauen?

Die Offenheit des Uhrenmarktes für jedermann spiegelt sich auch in den Zahlen wider: 58 % der Käuferinnen entschieden sich für mechanische Modelle, wohingegen 31,8 % Quarz den Vorzug gaben. Es ließe sich argumentieren, dass es sich dabei um eine Reaktion auf die kulturelle Homogenisierung handelt, aber genauso könnte es sich dabei um den Ausdruck eines sich ändernden Geschmacks und leichterem Zugang handeln. Wir kaufen, was uns gefällt, und uns gefällt, was wir kaufen. Hier lohnt sich der Vergleich zum Laufsteg und der nicht allzu weit entfernten Luxuswelt der Mode: Warum sollte ich Konfektionsware tragen, wenn ich Zugang zu exklusiveren Haut-Couture-Kreationen habe? 

Wir sind schließlich darauf konditioniert zu glauben, dass wir unabhängig vom Geschlecht mit einer mechanischen Uhr die Heiligen Hallen der Uhrmacherei betreten. Mit Zutritt zum Kreis der Auserwählten – nachdem das nötige Kleingeld zusammengespart oder endlich an die Spitze der Warteliste aufgerückt wurde – fällt die Entscheidung naturgemäß auf das Luxusmodell, das einst unerreichbar war. Ein gutes Beispiel dafür ist Rolex. Bei Frauen war Rolex im Jahr 2023 die Uhrenmarke Nummer eins (basierend auf den von Frauen selbst getätigten Uhrenkäufen). Stolze 53,53 % Prozent der Frauen entschieden sich für die Schweizer Luxusmarke, die für ihre erstklassigen mechanischen Uhren bekannt ist, und widersetzten sich damit vehement der stereotypen Verbindung von Damenuhren und Quarzwerken. Besonders häufig fiel dabei die Wahl auf die Rolex Datejust, eine Uhr, die sich wegen ihrer Vielseitigkeit in puncto Armband- und Zifferblattoptionen großer Beliebtheit erfreut. Dies liegt auch daran, dass Rolex seine Türen für die weibliche Kundschaft öffnet und sich damit von seiner traditionellen, auf Männer ausgerichteten Marketingstrategie entfernt, wie sie sich in dem Werbeslogan „Männer, die für die Geschicke der Welt verantwortlich sind, tragen Rolex-Uhren“ von 1958 widerspiegelt.

A Rolex Datejust gives versatility from bracelet design to dial
Mehr als die Hälfte der Käuferinnen entscheidet sich für Rolex und widersetzt sich somit den Quarz-Stereotypen.

Technische Spielereien sind also nicht mehr nur Männern vorbehalten. Uhrenmarken, die vor allem für ihre Funktionsuhren bekannt sind, wie z. B. IWC Schaffhausen und Tudor, stehen bei Frauen ebenfalls hoch im Kurs beim Kauf von Automatikuhren. Auch Marken wie Ulysse Nardin und Hublot, die etwas experimenteller aufgestellt sind, kommen gut an. Für die Käuferinnen darf es also ruhig auch etwas weniger klassisch sein. Kurz gesagt: Automatikuhren stehen bei Frauen hoch im Kurs. Modelle mit Handaufzug hingegen sind sowohl bei Männern als auch bei Frauen weniger gefragt. Sie machen nur 10,2 % der von Frauen getätigten Uhrenkäufe aus (gegenüber 12 % bei den Herren-/Unisex-Modellen). Die Zahlen legen nahe, dass nicht alles Traditionelle im Alltag von heute Bestand haben kann.

Ich will damit sagen, dass die Anforderungen des modernen Lebens und die fortschreitende Digitalisierung den Lebenswandel der Verbraucher beschleunigen. Banale Tätigkeiten, die unseren Tagesrhythmus unterbrechen, wie z. B. das Aufziehen einer Uhr, haben in unserem Leben somit immer weniger Platz. Wir wünschen uns Uhren, die praktisch und funktional sind. Das bedeutet unter anderem, eine Uhr am Freitagabend ablegen und am darauffolgenden Montag problemlos wieder anlegen zu können.

Warum sind Quarzwerke bei Damenuhren nach wie vor so stark vertreten?

Kommen wir noch einmal auf den obigen Vergleich zwischen der Uhrmacherei und Haute Couture zurück. Der Modedesigner Christian Lacroix hat einmal gesagt: „Haute Couture sollte Spaß machen und sowohl unvernünftig als auch untragbar sein.“ Quarzuhren stellen in puncto Tragbarkeit die Antithese zur Handaufzugsuhr dar und genau das könnte der Grund dafür sein, weshalb sie bei Frauen immer noch sehr beliebt sind. Das ist auch vollkommen in Ordnung, auch wenn Tragbarkeit ein unpräziser Begriff ist. Im Grunde bedeutet er Komfort und Langlebigkeit, die naturgemäß auch den größten Reiz der Quarzwerke darstellt: zuverlässige, ununterbrochene Zeitmessung. Aber es geht auch um den Nutzen des Uhrendesigns: Wann und wo kann ich sie tragen?

The top-selling quartz models come from Cartier.
Die meistverkauften Quarzmodelle stammen aus dem Hause Cartier.

Bei den Top-20-Quarzuhren stehen den Verkaufszahlen zufolge die Modelle Panthère und Tank von Cartier ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Dies spiegelt einen aktuellen Trend unter Uhrenliebhabern und -sammlern wider: Design und Schmuckuhren rücken zunehmend in den Fokus, wobei Uhren mit nuancierten Gehäuseformen und bunten Edelsteinzifferblättern bei Käufern besonderen Anklang finden. Vor allem Quarzuhren von Marken wie Piaget, Cartier und Chopard kommen dem Wunsch nach ausdrucksstarken Designs entgegen, da bei den Modellen dieser traditionsreichen Schmuckhersteller die Ästhetik Vorrang vor reiner Technologieentwicklung hat. Quarzuhren bieten Uhrenliebhaberinnen die Möglichkeit, ihre Leidenschaft für Schmuck und ihre Liebe zu Uhren miteinander zu verbinden. Besonders Cartier versteht sich darin, die Übergänge zwischen Schmuck- und Uhrenwelt fließend zu gestalten.

Schließlich ist der Übergang ein fließender und genau das wünschen wir uns Uhrenliebhaberinnen auch für die Zukunft. Wir wollen uns von den althergebrachten Annahmen über Uhrwerktypen und Geschlechter distanzieren und unabhängig von den Präferenzen vorheriger Generationen shoppen. Auf diese Weise können wir mit den Uhren, die wir heute tragen, die Uhren von morgen sowohl herausfordern als auch meistern.


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