12.02.2024
 5 Minuten

Universal Genève – ein neuer alter Name in der Uhrenwelt

Von Barbara Korp
Universal Genève

Universal Genève

Vintage-Uhrenmarken gibt es viele. Doch dass das Interesse an einer so sehr steigt, wie in den letzten Wochen an Universal Genève, ist nur selten der Fall. Durch den Kauf dieser Marke durch Breitling wurde sie vielen Uhrenliebhabern quasi schlagartig wieder in Erinnerung gerufen – und all die Modelle von Universal Genève, die Geschichte geschrieben haben, standen plötzlich im Mittelpunkt des Interesses einiger Sammler und Liebhaber. Doch was steckt wirklich hinter dieser Marke? Und welche Modelle sind es wert, sich mit ihnen auseinanderzusetzen? Diesen und noch weiteren Fragen gehen wir in diesem Artikel nach.

Geschichte der Marke

Die Geschichte von Universal Genève geht zurück bis ins Jahr 1894. Damals gründeten die beiden Uhrmacher Numa-Emile Descombes und Ulysse Georges Perret ein Unternehmen zur Herstellung von komplizierten Uhren. Zu Beginn produzierten sie vor allem Werke und andere Uhrenbestandteile für größere Uhrenfirmen – doch bald wagte sich die Firma auch an die Produktion fertiger Uhren. Diese stießen auf großen Erfolg – und Universal Genève schrieb die Uhrengeschichte aktiv mit. Neue Patente, neue Designs, immer war Universal Genève dabei.

Doch leider schrieb Universal Genève auch den nächsten Teil der Uhrengeschichte mit – die Quarzkrise. In dieser brachen die Umsatzzahlen drastisch ein und die Marke war am Ende. Was folgte, waren einige Versuche, die Marke wiederzubeleben. Doch diese scheiterten noch bevor sie wirklich gestartet wurden. Somit findet man heute Universal Genève nicht mehr in den Schaufenstern von Uhrengeschäften, sondern lediglich auf Sammlerbörsen und in Vintage-Shops. Doch soll die Geschichte einer großen Marke wirklich so enden? Soll es ein Name bleiben, der den Erfolg und dann den tragischen Sturz erzählt?

Universal Genève Compax Chronograph Ref. 22409
Universal Genève Compax Chronograph Ref. 22409

Nein – so dachte man sich zumindest bei Breitling und übernahm Universal Genève im Jahr 2023. Warum dieser Versuch der Wiederbelebung von Universal Genève gelingen kann? Nun, bei Breitling verfügt man eindeutig über das nötige Wissen, wie man eine Marke neu positioniert und sie zu einem Big Player macht. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Breitling dazu fähig ist, sich ständig neu zu erfinden, laufend attraktiver zu werden und Vergangenheit sowie Zukunftsausrichtung perfekt auszubalancieren. Auch teilt man die Liebe zu Chronographen und eine generell eher sportliche Ausrichtung des Sortiments, welche durch elegante Modelle ergänzt wird. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie die Geschichte von Universal Genève weitergehen wird – aber wir vermuten, sie wird eine positive Entwicklung nehmen. Denn wir sehen keinen Grund, warum Neuauflagen der folgenden klassischen Modelle von Universal Genève nicht zu Bestsellern werden sollten.

Universal Genève Chronographen

Chronographen – keine Marke ist so eng mit ihnen verbunden wie Universal Genève. Egal, ob die Compax-Linie oder auch die Tri-Compax-Kollektion. Universal Genève lieferte nicht nur fortschrittliche Chronographenwerke. Nein, diese Firma prägte das Erscheinungsbild von Chronographen mit. Die Anordnung der Totalisatoren? Der Name „Tri-Compax-Chronograph“? All dies verdanken wir Universal Genève! Ja, die Tri-Compax war so beliebt, dass sie es sogar ins Oval Office schaffte. Der amerikanische Präsident Truman besaß eine Tri-Compax aus 18 Karat Gelbgold und trug diese oft zu wichtigen Anlässen, wie etwa Fotos von der Potsdamer Konferenz 1945 bestätigen.

Universal Genève Compax Tri Compax Ref. 22297-1
Universal Genève Compax Tri-Compax Ref. 22297-1

Universal Genève und der Mikrorotor

Mikrorotoren gewinnen unter Uhrenliebhabern zunehmend an Beliebtheit. Doch wussten Sie, dass der Mikrorotor bereits im Jahr 1955 von Universal Genève patentiert wurde? Die Idee, den Rotor nicht auf das Werk zu legen, sondern ihn zu integrieren, kam damals zum ersten Mal auf. Dadurch war es möglich, noch flachere Werke zu bauen, eben da der Rotor keine zusätzliche Höhe benötigte, sondern mit der des Werks verschmolz. Doch ein Mikrorotor war nicht nur technisch ansprechend, sondern auch ästhetisch. Da der Rotor meist nicht mittig ins Werk eingegliedert wird, ergibt sich eine Asymmetrie des Gesamteindrucks, die jedem Kaliber mit Mikrorotor das gewisse Etwas verleiht.

Universal Genève Microtor White Shadow Ultra Thin Automatic Ref. 566101
Universal Genève Microtor White Shadow Ultra Thin Automatic Ref. 566101

Unter dem Namen „Microtor“ wurden dann Uhren mit Mikrorotoren verkauft. Diese besitzen häufig eine Größe von 34 mm bis 36 mm und sind daher heute nicht nur für Vintage-Liebhaber, sondern auch für Damen gut geeignet. Denn alle Microtor-Uhren verbinden Understatement mit klassischer Eleganz und sind daher „Daily Beater“ der anderen Art.

Universal Genève Dresswatches

Nicht nur die Erfindung des Mikrorotors, sondern eine Exzellenz auf allen Ebenen der Uhrmacherkunst führte dazu, dass Universal Genève sehr flache Uhrwerke produzieren konnte. Dieses Streben führte dazu, dass man im Jahr 1966 das damals flachste Uhrwerk der Welt vorstellen konnte – verbaut in einer Golden Shadow. Die Golden Shadow Kollektion ist, wie auch die White Shadow-Kollektion, die wohl berühmteste Dresswatch-Linie von Universal Genève. Ob auch diese Linie neu aufgelegt werden könnte? Wir hoffen es sehr! Denn flache Dresswatches sind eine sehr begehrte Kategorie und eignen sich vor allem als Business-Uhren. Wie flach es werden kann? Wir wissen es nicht – aber da Universal Genève schon einmal den Weltrekord für das flachste Werk gehalten hat, sind wir bereits sehr gespannt, ob sie diesen wieder erlangen können.

Universal Genève Microtor Golden Shadow
Universal Genève Microtor Golden Shadow

Universal Genève Polerouter

Zuletzt noch mein persönlicher Favorit – die Polerouter. Diese wurde von niemand geringerem als Gérald Genta – dem Designer von Ikonen wie der Nautilus oder der Royal Oak – entworfen. Als sie in den 1950ern auf den Markt kam, wurde sie gleich zu einem großen Erfolg. Dazu trug sicherlich auch die Geschichte des Modells bei, welche viele Käufer anziehen konnte: Die Uhr sollte an die Polarflüge der Scandinavian Airlines System (SAS) von New York beziehungsweise Los Angeles direkt nach Europa erinnern. Bei diesen konnte man zum ersten Mal mit einer Passagierfluglinie über den Nordpol fliegen. Dies stellte damals einen Meilenstein in der Luftfahrt dar!

Universal Genève Polerouter Date Ref 869102/11
Universal Genève Polerouter Date Ref 869102/11

Doch auch wenn der Flug über den Nordpol viel Zeit einsparte, brachte er auch technische Herausforderungen mit sich. Die starken Magnetfelder des Pols belasteten alle Elemente zusätzlich – und auch die Uhren. Doch glücklicherweise war Universal Genève was antimagnetische Technik angeht so fortschrittlich, dass sie problemlos eine neue Dienstuhr für die Piloten der SAS entwerfen konnten – die Polerouter. Eine Legende, die noch heute lebt und hoffentlich bald wieder in neuer Gestalt auferstehen wird.

Fazit

Auch wenn wir noch nicht wissen, was die Zukunft bringt, eines können wir mit Sicherheit sagen: Bei Breitling ist diese alte Marke in guten Händen und wird sicher für die Zukunft fit gemacht werden. Träumen dürfen wir natürlich auch und daher wünsche ich mir vor allem eine zeitgemäße, aber klassische Reihe an Chronographen mit verschiedenen Komplikationen, mehr Dresswatches mit Mikrorotoren – und vor allem eine Neuauflage der Polerouter als Pilotenuhr mit ausgezeichnetem Magnetschutz. Bis es aber zu jenen Neuauflagen kommen wird, ist es sinnvoll, sich mit den Vintage-Uhren von Universal Genève zu beschäftigen. Denn egal, ob Sie einen Chronographen mit Vergangenheit oder eines der ersten Designs von Genta suchen, bei Universal Genève werden Sie fündig. Das Sortiment ist so abwechslungsreich wie beeindruckend. Ja, es macht einfach Spaß, auf die Jagd nach der eigenen Vintage-Uhr zu gehen, deren Geschichte man dann weiterschreiben kann.


Über den Autor

Barbara Korp

Als ich entdeckte, dass Uhren viel mehr als nur Schmuckstücke sind, war es um mich geschehen. Ich habe mich in die Schönheit ihrer Technik verliebt. Gleich darauf folgte jedoch eine Enttäuschung: Die meisten Modelle waren viel zu groß für mich. Doch ich gab nicht auf – und entwickelte dadurch ein spezielles Interessenfeld.

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