11.08.2020
 5 Minuten

Unterschätzte Uhrenmodelle großer Marken

Von Tom Mulraney
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Unterschätzte Uhrenmodelle großer Marken

Die meisten Uhrenliebhaber assoziieren eine bestimmte Marke sofort mit einem oder zwei charakteristischen Modellen: Audemars Piguet mit der Royal Oak, Rolex mit der Submariner, Omega mit der Speedmaster … Sie wissen, was ich meine. In Wirklichkeit aber hält jede dieser Marken verschiedene Kollektionen bereit, die dem Kunden unzählige Optionen bieten. Nicht alle davon sind Top-Modelle. Manche dieser Uhren dümpeln in der Bedeutungslosigkeit dahin, weitgehend unbeachtet von den Firmen, die sie herstellen, und der Uhrenszene im Allgemeinen. Und das zu Recht. Andere dagegen stehen völlig unbegründet im Schatten der berühmteren Modelle ihrer Marke. Diese Uhren haben häufig eine passionierte Anhängerschaft, aber sie gehören eindeutig zu den Nischenprodukten. Mit anderen Worten: Diese Uhren verkaufen sich zwar, aber Sie werden sie nicht an jedem zweiten Handgelenk finden.

Besonders für diejenigen, die eine hochwertige gebrauchte Uhr zum guten Preis kaufen möchten, ist dies eine positive Nachricht. Fakt ist, dass Uhrenmarken in Bezug auf die Qualitäts- und Produktionsstandards ihrer Produkte keine Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen machen. Das können sie sich schlichtweg nicht leisten. Manche Modelle weisen vielleicht eine höhere Komplexität oder eine bessere Veredelung auf, aber prinzipiell entsprechen sie alle den gleichen grundlegenden Standards. Das heißt, Sie können bei einer bekannten Marke kaufen und alle damit verbundenen Vorteile erhalten, ohne dafür Ultra-Premium-Preise zu zahlen. Um Ihnen ein paar erste Anhaltspunkte zu geben, möchten wir Ihnen vier Modelle großer Marken vorstellen, die unserer Meinung unterschätzt werden.

IWC Aquatimer Automatic

IWC Aquatimer Automatic
IWC Aquatimer Automatic

Die International Watch Company (IWC) ist vor allem für ihre funktionellen und zugleich stilvollen Fliegeruhren bekannt. Wer es klassisch mag, entscheidet sich am besten für einen eleganten Zeitmesser aus der Portugieser– oder Portofino-Kollektion. IWC bietet jedoch noch ein weiteres, weniger bekanntes Modell für alle Freunde des Wassersports: die IWC Aquatimer Automatic. Die robuste Uhr, die jeden Tauchgang mitmacht, ist seit den 1960er-Jahren Bestandteil des IWC-Programms. Am Handgelenk von Desk Divern ist sie nur selten anzutreffen.

Die Aquatimer präsentiert sich im komfortablen 42-mm-Edelstahlgehäuse mit einer Höhe von 14,2 mm und verfügt über eine Außenlünette mit sanft gerundeten Griffmulden. Ihr Erscheinungsbild ist von der Ocean 2000 inspiriert, die IWC gemeinsam mit Porsche Design in den 1980er-Jahren entwickelte. Kennzeichnendes Merkmal der Aquatimer ist jedoch der innen liegende Drehring mit leuchtendem Markierungsdreieck und Tauchzeitskala. Beim Drehen der Außenlünette bewegt sich der innere Ring dank eines leichtgängigen Kupplungssystems automatisch mit. Es ist eine Neuerung, die mir ganz gut gefällt. Wie von einer IWC-Uhr zu erwarten, ist das Zifferblatt aufgeräumt und gut ablesbar – sogar bei ungünstigen Lichtverhältnissen. Darüber hinaus verfügt die Uhr über eine praktische Datumsanzeige. In ihrem Innern tickt das Kaliber 30120, das über eine Gangreserve von 42 Stunden verfügt. Neuere Versionen sind außerdem mit dem Armband-Schnellwechselsystem von IWC ausgestattet, mit dessen Hilfe Sie ganz leicht und ohne Werkzeug zwischen Kautschuk- und Edelstahlband wechseln können.

Omega Seamaster Aqua Terra 150M

Omega Seamaster Aqua Terra 150M
Omega Seamaster Aqua Terra 150M

Ob es uns gefällt oder nicht: Die Omega Seamaster Aqua Terra 150M wird immer im Schatten ihrer großen Schwester, der legendären Seamaster Professional 300M, stehen. Und das ist wirklich schade, denn die Aqua Terra ist eine fantastische Einsteigeruhr mit hervorragendem Preis-Leistungs-Verhältnis. Omega hat in den letzten Jahren sehr wohl daran gearbeitet, ihre jüngere Seamaster in den Blickpunkt des Interesses zu rücken. Prominente Werbeträger, Design-Updates und der Einbau eines Chronometer-zertifizierten Manufakturkalibers haben dafür gesorgt, dass der Aqua Terra mehr Beachtung geschenkt wird als früher.

Neuere Versionen sind mit einem 38-mm- oder 41-mm-Gehäuse erhältlich (gegenüber 41,5 mm bei älteren Modellen), wobei letzteres eine echte – und wesentlich günstigere – Alternative zur klassischen Rolex Datejust 41 darstellt. Das Gehäuse besteht aus gebürsteten und polierten Elementen, das „Teak Concept”-Zifferblatt mit seinen horizontalen Linien erinnert an die hölzernen Decks von Luxusyachten. Hinter dem Zifferblatt arbeitet das Omega Master-Chronometer-Kaliber 8900 mit zwei seriell geschalteten Federhäusern und 60 Stunden Gangreserve. Mit einer Wasserdichtigkeit bis 150 m (15 bar) eignet sich die Aqua Terra am besten als sportliche Freizeituhr und nicht als professionelle Taucheruhr wie die Seamaster 300M.

Rolex Explorer II

Vintage Rolex Explorer, Image: Watchvice 
Rolex Explorer, Bild: Watchvice

Es ist vielleicht gewagt zu behaupten, es gäbe eine Edelstahl-Sportuhr von Rolex, die nicht genügend Aufmerksamkeit erhält. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Rolex Explorer II noch immer nicht die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Sie bietet mehr oder weniger die gleichen Funktionen wie die Rolex GMT-Master II, und dies – zumindest auf dem Sekundärmarkt – zum deutlich günstigeren Preis. Damit ist sie eine großartige Alternative für diejenigen, die eine weniger allgegenwärtige Uhr bevorzugen.

Zugegeben, die Rolex Explorer II Ref. 216570 hat (bisher) keine Keramiklünette und kein Uhrwerk der neuen Generation, und mit 42 mm ist sie auch etwas weniger vielseitig als kleinere Rolex-Modelle. Dennoch ist die Rolex Explorer II eine Ikone für sich, die seit 1971 zum Rolex-Programm gehört. Sie ist mit weißem oder schwarzem Zifferblatt erhältlich und wird vom Rolex-Automatikkaliber 3187 angetrieben, das als „Superlative Chronometer“ zertifiziert ist. Damit garantiert sie eine Ganggenauigkeit von +/-2 Sekunden pro Tag. Wie die GMT-Master II ermöglicht die Explorer II über einen zentralen orangefarbenen GMT-Zeiger die Anzeige einer zweiten Zeitzone; im Gegensatz zu dieser ist die Lünette bei der Explorer II jedoch feststehend.

Vacheron Constantin Overseas Automatic

Vacheron Constantin Overseas Automatic
Vacheron Constantin Overseas Automatic

Trotz aller Bemühungen von Vacheron Constantin ist es der Overseas Automatic nie gelungen, längere Zeit im Rampenlicht zu bleiben. Fairerweise muss man sagen, dass die Marke vor allem für ihre hochkomplizierten, traditionell designten Zeitmesser bekannt ist. Zwar besteht kein Zweifel daran, dass Vacheron Constantin mehr als fähig ist, eine luxuriöse und hochqualitative Sportuhr aus Stahl herzustellen, aber die Overseas ist nie ganz so erfolgreich gewesen wie ihre Möchtegern-Konkurrenten: die Patek Philippe Nautilus und die Audemars Piguet Royal Oak.

Ironischerweise ist das eine gute Nachricht für all jene, die nicht daran interessiert sind, jahrelang auf Wartelisten zu stehen oder stark überhöhte Preise auf dem Sekundärmarkt zu bezahlen. Tatsache ist, dass die Overseas Automatic immer noch eine ausgezeichnete Luxus-Sportuhr ist, die sich im Vergleich zu ihren Mitstreiterinnen – insbesondere in der Stahl-Version – als recht erschwinglich erweist. Das 41-mm-Gehäuse sitzt komfortabel am Handgelenk und beherbergt ein Manufakturkaliber mit Automatikaufzug, das das Genfer Siegel trägt. Das minimalistische Zifferblatt ist elegant und unaufdringlich und in verschiedenen Farben erhältlich. Ich bevorzuge das schwarze Zifferblatt, aber auch die blaue Version ist recht verlockend. Was auch nicht unerwähnt bleiben sollte, ist das wunderschön verarbeitete Edelstahl-Armband mit raffiniertem Wechsel-System, das ein einfaches Hin- und Herwechseln zwischen dem Edelstahlband und einem der zusätzlich mitgelieferten Armbänder aus Leder und Kautschuk ermöglicht. 

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Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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