08.05.2018
 6 Minuten

Warum ich eines Tages gern eine Omega Seamaster DeVille tragen würde

Von Jorg Weppelink
OMEGA Seamaster De Ville Image Bert Buijsrogge

OMEGA Seamaster De Ville, Foto: Bert Buijsrogge

Einen Artikel über seine Liebe zu Uhren zu schreiben, ist nicht ganz einfach. Es gibt einfach zu viel, worüber man sprechen müsste. Uhren können die Inspirationsquelle für tagelange Gespräche sein, wie also soll man dieses Thema in einem kurzen persönlichen Artikel verpacken, ohne dabei lange Geschichten zu erzählen? Ich werde einfach einmal anfangen und schauen, wo ich am Ende landen werde — genau wie mit meiner Liebe für Uhren.

Wie alles begann

Wie das oftmals so ist, war es mein Vater, der in mir die Liebe für mechanische Uhren weckte. Um genau zu sein, begann er damit bereits elf Jahre bevor ich geboren wurde. Damals, im Jahre 1966, war mein Vater gerade in seinen Zwanzigern und trat seinen ersten richtigen Job im britischen Bedford an. In den drei Monaten, die er dort verbrachte, sparte er etwas Geld an und bei seiner Rückkehr in die Niederlande entschied er sich dafür, sich von seinem ersten Gehaltsscheck eine schöne Uhr zu kaufen.

Er investierte seine 200 Gulden (ungefähr 90 EUR) in eine Omega Seamaster DeVille. Seine Wahl fiel auf die Version mit Handaufzug, weil sie flacher war als die Automatik-Variante und sich somit besser tragen ließ. Und er trug sie ständig. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem mein Vater die Uhr nicht am Handgelenk hatte.

Zurück aus der Schublade

OMEGA Seamaster De Ville Image Bert Buijsrogge
OMEGA Seamaster De Ville, Bild: Bert Buijsrogge

Anfang der 1990er-Jahre hörte mein Vater dann plötzlich auf die Uhr zu tragen, und das, nachdem er sie 25 Jahre lang mit fast religiösem Eifer jeden Tag getragen hatte. Das Problem war, dass mein Vater die Uhr nie zum Service gegeben hatte und sie nun schlicht nicht mehr funktionierte. Und so verschwand die Uhr einige Jahre in einer Schublade seines Nachtschranks. Vor gut zehn Jahren kamen meine Mutter und ich dann auf die Idee, die Uhr wieder herrichten zu lassen und sie ihm gemeinsam mit meinem Bruder zu seiner Ruhestandsfeier zu schenken. Seine Überraschung war groß und er war sichtlich gerührt, dass wir die Mühe auf uns genommen hatte, seine geliebte Uhr wieder zum Leben zu erwecken. Bis zum heutigen Tag trägt mein Vater die Uhr regelmäßig und es würde eine Menge für mich bedeuten, wenn ich die Omega Seamaster meines Vaters auch eines Tages tragen dürfte.

Die Erste

Was meine eigene Wahl in Sachen Uhren betrifft, so kann ich mich lebhaft daran erinnern, dass ich in meinen jungen Jahren einige Modelle der Firma Swatch mein Eigen nannte. Ich weiß noch, dass ich 1989 als Zwölfjähriger eine halbe Ewigkeit gebraucht habe zu entscheiden, welche meine erste Swatch werden sollte. Es gab einfach zu viele und ich wollte auf keinen Fall eine, die schon jemand anderes hatte. Es trieb meine Mutter fast in den Wahnsinn, doch schlussendlich war ich mehr als glücklich mit meiner Swatch Bar Oriental. Ich habe diese Uhr geliebt und es macht im Nachhinein auch Sinn, dass das meine erste Uhr war, denn auf ihrem Band war ein Drummer zu sehen und meine größte Leidenschaft ist Musik. Irgendwie habe ich schon mit zwölf Jahren die Verbindungen hergestellt, die bis heute eine große Rolle in meinem Leben spielen.

Leidenschaft ist ansteckend

Nachdem ich eine Weile Swatch-Uhren getragen hatte, verlor ich für ziemlich lange Zeit das Interesse an Uhren. Andere Dinge, wie Sport und Musik waren in dieser Zeit wichtiger. Erst als ich dem Gründer von Fratello Watches Robert-Jan Broer begegnete, wurde meine Liebe zu Uhren neu entfacht. Robert-Jan und ich lebten damals im selben Haus und wurden während dieser Zeit sehr gute Freunde. Als ich 2003 einzog, fanden wir schnell heraus, dass wir beide Eltern hatten, die Uhren von Omega trugen und so begannen wir uns mehr und mehr über Uhren zu unterhalten. Es ist Robert-Jans Wissen und Leidenschaft rund um das Thema zu verdanken, dass mein Interesse an Uhren wieder aufflammte. Ich begann über Uhren zu lesen und traf dank Robert-Jan viele Leute, deren Herz genauso für Uhren schlug. Langsam sammelte ich auch Wissen über die Hersteller dieser technischen Wunderwerke an, die mit zum Teil großen Emotionen verbunden sind. Das ist es, was die Welt der Uhrmacherei so faszinierend für mich macht.

Die Emotionen und Geschichten hinter den Marken bilden bis heute sehr oft die Grundlage meiner Gespräche mit Robert-Jan. Wir beide haben ein Faible für qualitativ hochwertige Produkte, die mit einer Geschichte verbunden sind. Egal ob diese Geschichten mit dem Werdegang der Marke, außergewöhnlicher Technik, dem Design oder persönlichen Erfahrungen zusammenhängen, es müssen authentische Geschichten sein. Uhren sollten nicht nur Produkte sein, die die Zeit anzeigen und später künstlich mit einer Story versehen werden, um ein bestimmtes Image zu erzeugen. Ich mag das nicht besonders, auch wenn ich weiß, das solch eine Strategie sehr erfolgreich sein kann. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man verschiedene Identitäten für Marken kreieren kann, mit denen sich einen Menge Produkte verkaufen lassen. Doch diese Erfahrung hat mich nur in meiner Überzeugung bestärkt, dass die Menschen keine langfristige Bindung zu einer Marke aufbauen, wenn keine echte Substanz vorhanden ist.

Herzen gewinnen

Für eine Industrie, deren Grundlage exzellente Technik ist und die auf mehrere Hundert Jahre Geschichte zurückblicken kann, sollte es kein Probleme sein, eine echte Verbindung zu Uhrenliebhabern herzustellen. Leider muss ich sagen, dass viele Uhrenhersteller in diesem Punkt starken Nachholbedarf haben. Besonders, da die Verkaufszahlen seit Jahren rückläufig sind und die Menschen sich nicht jeden Tag eine Uhr leisten, ist es unerlässlich eine Verbindung zu den Kunden aufzubauen. Leider versagen viele Marken in diesem Punkt. Die meisten Hersteller begehen den Fehler auf ein Image zu setzen, das von der Überzeugung ausgeht, die Menschen würden einer Marke aufgrund ihrer Autorität treu bleiben. Doch diese Sichtweise ist weder heute noch in Zukunft erfolgversprechend.

Auf der anderen Seite gibt es Firmen, die verstanden haben, wie erstaunlich die Welt der Uhren und die damit verbundene Industrie sein können. Wenig überraschend, gehören einige von ihnen zu den erfolgreichsten Marken mit einer reichen Geschichte. Weil mein Vater eine Omega trug und einer meiner besten Freunde ein großer Fan der Marke ist, fühle ich eine tiefe Verbundenheit zu Omega. Doch Omega versteht es auch, Geschichten um ihre Produkte zu schaffen, die Sinn ergeben und der Vergangenheit Respekt zollen. Gleichzeitig schafft man es bei Omega immer wieder, technologisch voranzuschreiten. Das beste Beispiel ist die kürzlich vorgestellte Omega Seamaster 300M. Sie steht einerseits ganz in der Tradition des Originals, macht technologisch jedoch einen riesigen Sprung ins Heute.

Große und kleine Hersteller

Grand Seiko Hi-Beat 36000 Professional 600m Diver, Image: Bert Buijsrogge
Grand Seiko Hi-Beat 36000 Professional 600m Diver, Foto: Bert Buijsrogge

Ebenfalls sehr großen Respekt empfinde ich für Seiko. Es ist unglaublich, wie viel Zeit, Fachwissen und Leidenschaft in die Uhren der Marke fließen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Uhr 500 EUR oder 10.000 EUR kostet — sie alle werden mit derselben Handwerkskunst und demselben Respekt gefertigt. Diejenigen, die Grand Seiko einfach nur als eine weitere japanische Uhrenmarke abtun, haben das einfach noch nicht verstanden. Und um diese Leute geht es im Grunde auch gar nicht, sondern um jene, die die Entscheidung für eine Grand Seiko zu schätzen wissen und die Geschichte dahinter verstehen.

Auch Rolex gehört zu den Firmen, die ich bewundere. Es ist schon fast lächerlich, wie viele ikonische Uhren sie der Welt über die Jahrzehnte hinweg geschenkt haben. Was ich an Rolex besonders schätze ist, dass sich ihre Uhren von Anfang an wie Klassiker anfühlen. Schaut man sich andere Sportuhren an, findet man immer etwas, das unnatürlich erscheint oder das man nicht mag. Rolex hingegen hat mit Sportuhren wie der Submariner, der GMT-Master, der Sea-Dweller und der Yacht-Master Uhren kreiert, die in meinen Augen genau so aussehen, wie Sportuhren aussehen müssen. Kombiniert mit exzellenter Technik ist es kein Wunder, dass Rolex die unangefochtene Nummer eins unter den Luxusuhrenherstellern ist.

Grönefeld One Hertz, Image: Bert Buijsrogge
Grönefeld One Hertz, Foto: Bert Buijsrogge

Neben den großen Marken sind es auch immer wieder kleinere Firmen, die die Grenzen der Uhrmacherei und des Uhren-Designs verschieben. Ich bin immer wieder gespannt darauf, was kleine High-End-Firmen wie MB&F, HYT und Urwerk als nächstes vorstellen werden. Doch auch Marken wie SevenFriday oder Linde Werdelin sind interessant. Ihr Fokus liegt mehr auf ungewöhnlichem Design, das sich von der Masse abhebt. Zu guter Letzt sei noch die Firma Grönefeld erwähnt, zu der ich ebenfalls eine besondere Beziehung habe. Es ist schön zu sehen, dass sich zwei Jungs aus meiner Heimatstadt Oldenzaal erfolgreich einen Namen in der Uhrenindustrie machen konnten. Es ist dieselbe Stadt, in der meine Eltern noch immer leben und ich hoffe, sie schon bald besuchen zu können und mit meinem Vater über seine Omega Sea-Master Deville und meine jüngste Anschaffung zu diskutieren: eine Swatch Bar Oriental.

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Über den Autor

Jorg Weppelink

Hallo, ich bin Jorg und schreibe seit 2016 Artikel für Chrono24. Meine Beziehung zu Chrono24 reicht jedoch deutlich weiter zurück, denn meine Liebe zu Uhren erwachte …

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