02.08.2022
 4 Minuten

Warum ist die Rolex Daytona so teuer?

Von René Herold
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Die Rolex Daytona ist ohne Zweifel eine der gefragtesten Uhren der Genfer Manufaktur. Doch traut so mancher Interessent beim Blick auf die Preise seinen Augen nicht. Unter den angesagten Sportchronographen ist die Daytona das mit Abstand teuerste Modell – und das gilt sowohl für die offiziellen Herstellerpreise als auch für die Preise auf dem freien Markt. Doch warum ist die Daytona so teuer und sind die Preise gerechtfertigt? Versuchen wir einmal, der Sache auf den Grund zu gehen. 

Wie kommen die Preise für die Rolex Daytona zustande? 

Rolex ist ein echtes Industrieunternehmen mit geschätzt mehr als 30.000 Mitarbeitern und riesigen Produktionsanlagen. Ein so großer Apparat verschlingt natürlich eine Menge Geld, was in die Kalkulation des UVP einfließt. Nun könnte man einwenden, dass Rolex-Uhren eigentlich Massenprodukte sind. Immerhin produziert der Uhrenriese bis zu 1 Million Uhren pro Jahr. Doch lautet das Motto hier eher „Masse mit Klasse“, denn Rolex legt trotz des hohen Outputs größten Wert auf gleichbleibend hohe Qualität. Um diesen Standard halten zu können, ist ein ziemlich hoher Aufwand nötig, der den Preis ebenfalls in die Höhe treibt.  

Das allein erklärt die hohen Summen, die für eine Rolex Daytona fällig werden, jedoch noch nicht. So betreibt beispielsweise Omega einen ähnlich hohen Aufwand, um die Speedmaster Professional Moonwatch herzustellen. Trotzdem kostet die aktuelle Moonwatch (310.30.42.50.01.002) mit einem UVP von 7.500 EUR nur knapp die Hälfte von dem, was Sie offiziell für eine Edelstahl-Daytona (116500LN) ausgeben müssen. Betrachten wir die Preise auf dem freien Markt, klafft die Schere noch weiter auseinander. Hier stehen ca. 6.700 EUR für eine Moonwatch gut 36.000 EUR für eine Daytona mit schwarzem Zifferblatt gegenüber.  

Die Erklärung hierfür ist relativ einfach: Rolex ist für viele Menschen gleichbedeutend mit dem Begriff Luxusuhr. Mit dem Prestige einer Rolex können vergleichbare Hersteller wie Omega, Breitling oder Zenith nicht mithalten. Wenn Sie eine Rolex Daytona kaufen, bezahlen Sie zu einem guten Teil schlicht für den Namen. 

The Rolex Daytona ref. 116500LN with a black ceramic bezel.
Rolex Daytona Ref. 116500LN mit schwarzer Keramiklünette

Hohe Nachfrage + geringe Verfügbarkeit = hoher Preis  

Der zweite Preistreiber ist das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Daytona ist eine der beliebtesten Rolex-Uhren überhaupt, entsprechend groß ist die Nachfrage. Rolex kann oder will den Bedarf jedoch nicht decken. Schätzungen gehen davon aus, dass Rolex zwischen 20.000 und 40.000 Daytonas pro Jahr produziert. Diese Zahl umfasst wohlgemerkt alle Daytona-Modelle, egal ob aus Edelstahl, Gold oder Platin. Dass die Stückzahlen so niedrig sind, liegt zu einem bedeutenden Teil daran, dass die Daytona der einzige Chronograph der Genfer Manufaktur ist. Anders als die meisten anderen Werke des Herstellers, die in den unterschiedlichsten Modellen als Taktgeber dienen, kommt das Kaliber 4130 ausschließlich in der Daytona zum Einsatz. Ein Chronographenkaliber ist zudem aufwendiger herzustellen und verschlingt deutlich mehr Produktionskapazitäten. Aus wirtschaftlicher Sicht macht es für Rolex demnach Sinn, sich mehr auf die eher simplen Modelle wie Submariner, GMT-Master oder Datejust zu konzentrieren. 

Die Nachfrage übersteigt die Produktionszahlen also bei Weitem, was bei den Konzessionären ellenlange Wartelisten und Wartezeiten von mehreren Jahren zur Folge hat. Die Daytona hat also einen gewissen Seltenheitswert, was ihr Prestige nur noch weiter steigert – und das lässt sich Rolex durchaus großzügig bezahlen.  

Der Hype um Paul Newmans Daytona  

Wollen Sie eine Daytona ohne lange Wartezeiten Ihr Eigen nennen, werden Sie auf dem freien Markt fündig – allerdings mit satten Preisaufschlägen. So sollten Sie beispielsweise im Juli 2022 für die aktuelle Edelstahlreferenz 116500LN mit weißem Zifferblatt mehr als das Dreifache des offiziellen Listenpreises von 13.550 EUR einplanen. Die Variante mit schwarzem Zifferblatt ist zwar etwas günstiger zu haben, kostet jedoch auch mehr als zweieinhalb Mal so viel wie der UVP.  

Erstaunlich ist, dass die Preise erst seit etwa drei Jahren in so enorme Höhen klettern. Ein Grund hierfür ist sicherlich der Hype um die Daytona von Paul Newman. Der Hollywoodstar und Hobbyrennfahrer gehörte zu den ganz frühen Trägern der Daytona und ist einer der Hauptgründe dafür, dass die Uhr heute ein so angesagter Zeitmesser ist. Man mag es kaum glauben, doch die Daytona war in den ersten Jahren ihrer Existenz ein echter Ladenhüter. Erst als der Chronograph regelmäßig am Handgelenk von Newman zu sehen war, gewann die Uhr zunehmend an Beliebtheit. Ende 2017 wurde dann ein Exemplar aus dem persönlichen Besitz des Schauspielers versteigert – für die Rekordsumme von umgerechnet 15,3 Mio. EUR. Im Anschluss entwickelte sich ein wahrer Run auf die Daytona. Sammler und Spekulanten, die das Potenzial der Uhr als Investment erkannt hatten, machten zunächst Jagd auf Vintage-Daytonas, weiteten ihre Suche jedoch bald auf aktuelle Modelle aus. 

The "Paul Newman" Rolex Daytona ref. 6239 with its "exotic" dial.
Rolex Daytona „Paul Newman“ Ref. 6239 mit Exotic-Dial

Den Gesetzen des Marktes entsprechend zogen die Preise in der Folge immer weiter an. Doch während bei einigen bestimmten Modellen der Preis geradezu explodierte, war die Wertentwicklung bei anderen eher überschaubar. Ein Beispiel ist die Vintage-Referenz 6239. In der Ausführung mit Panda-Zifferblatt (weißer Untergrund und schwarze Hilfszifferblätter) bekommen Sie die Uhr im Juli 2022 auf Chrono24 für ca. 64.500 EUR. Das sind zwar gut 20.000 EUR mehr als noch vor drei Jahren, doch kein Vergleich zur 6239 mit dem sogenannten Exotic-Dial, wie sie Paul Newman einst getragen hat. Sie ist absolut baugleich mit dem Panda-Modell und besitzt ebenfalls ein Blatt in Panda-Optik, allerdings ist die Minuterie am Rand des Zifferblatts schwarz-rot abgesetzt. Zudem sind die Ziffern auf den Hilfszifferblättern im Art-déco-Stil gestaltet und die Indexmarkierungen sind an ihren Enden mit kleinen Vierecken versehen. Da diese Ausführung jedoch als die echte Paul Newman Daytona gilt, sollten Sie für ein gut erhaltenes Exemplar im Sommer 2022 etwa 360.000 EUR einplanen. 

Auch bei der aktuellen Modellreihe ist bei einigen Ausführungen ein deutlich stärkerer Preisanstieg erkennbar als bei anderen. Für die schon erwähnten Edelstahlmodelle mit der Referenz 116500LN müssen Sie zum Beispiel wesentlich tiefer in die Tasche greifen als für die technisch identische Bicolor-Ausführung mit der Referenz 116503. So kostet erstgenannte Ausführung mit weißem Zifferblatt ca. 42.700 EUR, das zweifarbige Modell hingegen „nur“ 23.700 EUR (Stand Juli 2022). 

Fazit

Die Rolex Cosmograph Daytona ist einer der teuersten Sport-Chronographen auf dem Markt. Mit einer Omega Speedmaster, Tudor Black Bay Chrono oder Breitling Navitimer B01 fahren Sie um einiges günstiger. Dafür gehört die Daytona zu den prestigeträchtigsten Zeitmessern, die es gibt. Ob Ihnen das am Ende des Tages jedoch ausreicht, um die teils enormen Preisaufschläge in Kauf zu nehmen, müssen Sie selbst entscheiden. 


Über den Autor

René Herold

Mein Name ist René Herold und ich bin durch eine Stellenausschreibung auf Chrono24 aufmerksam geworden. Ich muss ehrlich zugeben, dass Uhren vor meinem Engagement bei …

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