20.09.2018 | Überarbeitet am: 12.08.2021
 4 Minuten

Was ist ein Chronograph und wie funktioniert er?

Von Mathias Kunz
Breitling Top Time Chronograph
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Zwei Drücker, drei Hilfszifferblätter, viele Zeiger – so sieht fast jeder Chronograph aus. Doch was hat es mit diesem beliebten Uhrentyp auf sich und wie funktioniert er eigentlich? In diesem Artikel beantworten wir diese Fragen leicht verständlich. 

Was ist ein Chronograph?

Ein Chronograph ist per Definition ein Zeitschreiber und meint für gewöhnlich eine Armbanduhr mit Stoppfunktion. Ein Chronograph lässt sich also wie eine Stoppuhr zum Messen von Zeitspannen nutzen. Zudem zeigt er die Uhrzeit und oft auch das Datum an. 

Außerdem haben viele Chronographen eine zusätzliche Skala zum Berechnen von beispielsweise Geschwindigkeiten. Die Tachymeterskala ist hierfür am besten geeignet und bei zahlreichen Modellen anzutreffen. Telemeter- und Pulsometerskalen sind hingegen deutlich seltener. Ärzte haben letztere früher oft genutzt, um die Pulsfrequenz ihrer Patienten zu ermitteln. Mithilfe einer Telemeterskala können Sie Entfernungen berechnen. Zum Beispiel wie weit ein nahendes Gewitter noch von Ihnen entfernt ist. 

Wie funktioniert ein Chronograph?

Die Bedienung eines Chronographen ist denkbar einfach: Ein Drücker startet und stoppt den Messvorgang, der andere stellt die Stoppzeiger auf null zurück. Meistens sitzen beide Drücker auf der rechten Gehäuseseite – der zum Starten und Stoppen bei 2 Uhr und der zum Zurückstellen der Zeiger bei 4 Uhr. 

Die verstrichenen Stoppsekunden und Sekundenbruchteile zeigt in der Regel ein zentraler Sekundenzeiger an. Dieser bewegt sich nur, wenn Sie den Stoppvorgang starten. Wenn Sie also gerade keine Zeiten stoppen wollen, können Sie die Chronographenfunktion ruhig ausgeschaltet lassen. Ständig mitlaufende Chronographenzeiger belasten das gesamte Uhrwerk unnötig und tragen zum schnelleren Verschleiß der Bauteile bei. 

Chronograph oder Chronometer – was ist der Unterschied?

Die Begriffe Chronograph und Chronometer klingen zwar ähnlich, stehen aber für völlig unterschiedliche Arten von Uhren. So bezeichnet ein Chronometer besonders ganggenaue Uhren, die ihre Präzision in der Regel in umfangreichen Tests unter Beweis stellen mussten. Hierbei geht es allerdings ausschließlich um die Anzeige der Uhrzeit. Das heißt, jede Uhr, die die Uhrzeit anzeigt, kann als Chronometer zertifiziert werden – auch Chronographen. Das Zertifikat ist also ein Ausweis für besonders hochwertige Uhren. 

Was ist ein Tachymeter an einer Uhr?

Mit dem Tachymeter Ihres Chronographen Geschwindigkeiten zu ermitteln ist ganz einfach: Sie müssen lediglich die Zeit stoppen, die ein Objekt für eine bestimmte, vorher definierte Strecke benötigt. Der Stoppsekundenzeiger zeigt Ihnen auf der Skala dann die Durchschnittsgeschwindigkeit an. Ist die Skala ihrer Uhr beispielsweise in Kilometer pro Stunde ausgelegt und sie wollen wissen, wie schnell Sie gerade mit Ihrem Auto unterwegs sind, müssen Sie nur die Zeit stoppen, die Sie für 1 km benötigen. Und schon haben Sie Ihre Durchschnittsgeschwindigkeit in km/h. 

Wozu dienen die Hilfszifferblätter?

Manch einer hat sich vielleicht schon einmal gefragt, was die kleinen Uhren auf dem Zifferblatt eines Chronographen bedeuten können. Dabei handelt es sich um sogenannte Hilfszifferblätter. Da Sie bei ausgeschalteter Stoppfunktion nur schwer erkennen können, ob Ihre Uhr läuft, verfügen die meisten Chronographen nämlich über eine sogenannte kleine oder laufende Sekunde. Diese befindet sich auf genau solch einem Hilfszifferblatt samt kleinem Zeiger. Die meisten Zeitstopper haben noch zwei weitere Hilfszifferblätter oder Totalisatoren, die für „das Zählen“ von Minuten und Stunden gedacht sind. Mit vielen Chronographen können Sie Zeitspannen von bis zu 12 Stunden messen.  

Es gibt aber auch Chronographen mit nur zwei Hilfszifferblättern. Diese dienen oft als kleine Sekunde und Minutenzähler. Meistens lassen sich mit diesen Uhren Zeiten von 30 oder 60 Minuten stoppen. 

Chronographen mit nur einem Drücker werden auch Monopusher genannt und sind eher selten. Der Drücker ist bei diesen Uhren häufig in der Krone untergebracht und übernimmt die drei Schritte Starten, Stoppen und Zurücksetzen. 

Flyback und Rattrapante: die besonderen Chronographen

Flyback- und Rattrapante-Chronographen bieten gegenüber herkömmlichen Stoppuhren entscheidende Vorteile. Der Flyback-Mechanismus stammt ursprünglich aus der militärischen Luftfahrt. Er verkürzt den Stoppvorgang insofern, dass Sie die laufende Messung nicht erst stoppen müssen. Das heißt, Sie können die Zeiger augenblicklich mit dem zweiten Drücker auf null zurückstellen. Sobald Sie diesen wieder loslassen, beginnt eine erneute Messung. Aus drei Drückerbetätigungen werden also zwei bzw. aus vier werden zwei, wenn man den erneuten Start mitzählt. 

A. Lange Söhne 1815 Chronograph
A. Lange Söhne 1815 ChronographFoto: Christopher Beccan

Der Rattrapante-Chronograph – auch Schleppzeiger- oder Doppelchronograph genannt – ist eine weitere Besonderheit. Er ermöglicht das Stoppen von Runden- oder Zwischenzeiten und ist deshalb eher auf der Rennstrecke anzutreffen. Die Bezeichnung Rattrapante stammt vom französischen Wort rattraper und bedeutet so viel wie wieder einholen. Damit ist ein zweiter Stoppsekundenzeiger gemeint, der für das Stoppen der Zwischenzeiten zuständig ist. Wenn Sie einen Rattrapante-Chronographen wie gewohnt starten, laufen die beiden übereinanderliegenden Stoppsekundenzeiger los. Meistens können Sie den zweiten Zeiger mithilfe eines dritten Drückers entkoppeln, sodass nur noch ein Zeiger weiterläuft. Wenn Sie diesen Drücker erneut betätigen, holt der gestoppte Zeiger den noch laufenden wieder ein. 

Die Multifunktionsuhr

Chronographen sind also wahre Multitalente, mit denen Sie die Zeit stoppen und verschiedene Messungen durchführen können. Die Bedienung ist für gewöhnlich kinderleicht. Aufgrund ihres praktischen Nutzens und ihres funktionalen Designs gehören sie zu den beliebtesten Uhren. 

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Über den Autor

Mathias Kunz

Ich arbeite seit 2015 als Redakteur für Chrono24 und beschäftige mich tagtäglich mit Uhren. Am meisten fasziniert mich dabei die feine Mechanik, die zum einen für Tradition und zum anderen für …

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