29.10.2019
 6 Minuten

Was ist eine GMT-Funktion und wie nutze ich sie?

Von Sebastian Swart
Was ist eine GMT-Funktion und wie nutze ich sie?
Was ist eine GMT-Funktion und wie nutze ich sie? Bild: Bert Buijsrogge

Die GMT-Funktion ist vor allem für Vielreisende eine besonders nützliche Komplikation, erlaubt sie doch das schnelle Ablesen der Orts- und Heimatzeit auf einen Blick. Ein Pionier und die wahrscheinlich bekannteste Vertreterin dieser Gattung ist die Rolex GMT-Master. Doch was bedeutet GMT und wie nutzt man diese Funktion?

Was bedeutet GMT-Zeit?

Die Greenwich Mean Time – früher auch Weltzeit genannt – ist eine Zeitzone, die 1884 auf der sogenannten Meridian-Konferenz in Washington festgelegt wurde. Auf dem Nullmeridian der Erde bestimmt, basierte die GMT auf Messungen der Erdrotation. Dieser Meridian verläuft vom Nordpol zum Südpol und durchquert das Old Royal Observatory im Londoner Vorort Greenwich.

Ursprünglich diente die Einführung der GMT als weltweite Standardzeit, an der sich alle Ortszeiten der Welt orientieren sollten. Ziel war unter anderem, die Pünktlichkeit von Zügen zu gewährleisten. Zur damaligen Zeit richteten sich die Bahnhofsuhren nach dem Sonnenstand, der an jedem Ort ein anderer ist. Man kann sich vorstellen, dass dies zu Ungenauigkeiten und somit zu teils sehr großen Verspätungen führte. Von der GMT-Zeit sollten auch die Schifffahrt und der Flugverkehr profitieren. Insbesondere bei transatlantischen Flügen in den 1950er-Jahren spielte die GMT-Funktion eine wichtige Rolle, doch dazu später mehr.

Die GMT richtete sich 88 Jahre lang nach dem Sonnenstand, bis sie 1972 an die UTC (Koordinierte Weltzeit) angepasst wurde. Die UTC wird auf Basis von Atomuhren bestimmt und gilt daher als weitaus genauer. Bei der koordinierten Weltzeit handelt es sich nicht um eine Zeitzone wie bei der GMT, sondern um einen Zeitstandard zur Berechnung von Ortszeiten weltweit. Einige Uhrenhersteller wie IWC und Sinn verwenden die Bezeichnung UTC statt GMT zur Beschreibung ihrer Uhren mit zweiter Zeitzone, beide Funktionen sind jedoch identisch.

Wie nutzt man die GMT-Funktion?

Rolex GMT Master
Rolex GMT Master

Auf dem Zifferblatt einer regulären Armbanduhr wird im Allgemeinen ein Zeitintervall von 12 Stunden gemessen. Das bedeutet, dass der Stundenzeiger innerhalb von 24 Stunden zweimal das Zifferblatt umrundet. Zur Anzeige der GMT verfügt die Uhr über einen weiteren Stundenzeiger, der typischerweise pfeilförmig ist und eine andere Farbe besitzt als der 12-Stunden-Zeiger. Im Gegensatz zum Stundenzeiger umrundet der GMT-Zeiger das Zifferblatt ein Mal innerhalb von 24 Stunden, also nur halb so schnell. Abgelesen wird die GMT-Zeit meistens über die 24-Stunden Lünette oder über den Rehaut.

Neben ihrer besonderen Ästhetik sind Uhren mit GMT-Funktion für all diejenigen besonders praktisch, die international auf Reisen sind. Wenn Sie morgen von Frankfurt nach Sydney fliegen, ist Ihnen sicher bewusst, dass die Zeitverschiebung gegenüber der lokalen mitteleuropäischen Sommerzeit 8 Stunden beträgt. In Australien angekommen, müssten Sie nun immer nachrechnen, wie viel Uhr es in Deutschland ist. Noch komplizierter wird es, wenn Sie außerdem noch Verwandtschaft in New York haben. Eine GMT-Uhr löst dieses Problem auf recht einfache Weise.

So nutzen Sie die GMT-Funktion am Beispiel einer Uhr mit separat verstellbarem Stundenzeiger. Hierzu gehören Modelle wie die Tudor Black Bay GMT mit Manufakturkaliber MT5642 oder die Rolex GMT-Master mit Kaliber 3258: Schon zu Hause oder wenn Sie in Sydney um 20:00 Uhr Ortszeit landen, stellen Sie den GMT-Zeiger über die Indizes auf dem Zifferblatt auf die Heimatzeit (12:00 Uhr). Anschließend stellen Sie den Stundenzeiger auf die lokale Zeit in Sydney (20:00 Uhr). Damit Sie auch wissen, wie viel Uhr es in New York ist, bewegen Sie die 24-Stunden-Lünette analog zum GMT-Zeiger auf die entsprechende Ortszeit (6:00 Uhr). Mit wenigen kleinen Handgriffen haben Sie jetzt drei Zeitzonen gleichzeitig im Blick.

Als die Zeit das Fliegen lernte

Rolex GMT Master
Rolex GMT Master

 

Wie anfangs bereits erwähnt, ist die Rolex GMT-Master die wohl bekannteste und charakteristischste GMT-Uhr. Rolex lancierte die erste Variante im Auftrag der ehemaligen Fluggesellschaft Pan Am im Jahre 1955. Die frühen 1950er-Jahre waren eine Zeit, in der die ersten Transatlantikflüge aufkamen und die Menschen plötzlich in der Lage waren, an einem Tag Ozeane und Zeitzonen zu überqueren. Rolex erhielt von Pan Am den Auftrag, eine neuartige Fliegeruhr für Piloten zu konzipieren. Die Uhr musste nicht nur sehr gut ablesbar sein, sondern auch über eine zusätzliche Zeitzone verfügen. Das Ergebnis war die Rolex GMT-Master mit der Referenznummer 6542. Seit 1955 befindet sich die GMT-Master und später GMT-Master II mit großem Erfolg im Rolex-Katalog. Sie hat über die Jahre immer wieder eine sehr behutsame Modellpflege erfahren und ist genau deshalb so unverwechselbar.

Die GMT-Master ist zwar die berühmteste Uhr mit GMT-Funktion, aber sie ist nicht die erste. Bereits im Jahr 1953 erblickte die Glycine Airman das Licht der Welt. Samuel W. Glur – damaliger Vertriebsmitarbeiter der Glycine SA – unterhielt sich 1953 auf einem seiner vielen Flüge mit Piloten darüber, wie die optimale Pilotenuhr aussehen könnte. Die Antwort war, dass die ideale Uhr über eine zweite Zeitzone verfügen müsse und außerdem wasserdicht sein sollte. Als cleverer Geschäftsmann handelte Glur sofort und leitete die Idee an Glycine in die Schweiz weiter. Den Entwicklern dort gelang noch im selben Jahr das Kunststück, mit der Airman eine der ersten Weltzeituhren überhaupt zu präsentieren – noch vor Rolex. Auch heute ist die Airman unter Uhrenfreunden eines der beliebtesten Modelle mit GMT-Funktion.

Unterschiede und Merkmale der GMT-Funktion

Rolex verwendete für seine erste GMT-Master mit der Referenznummer 6542 das Kaliber 1036, bei dem sich der GMT-Zeiger in Abhängigkeit zum Stundenzeiger bewegt. Das bedeutet, dass die Zeiger bei diesem Werk nicht unabhängig voneinander eingestellt werden können. Die Anzeige der zweiten Zeitzone erfolgt also ausschließlich über die beidseitig drehbare Lünette mit 24-Stunden-Skala. Erst Mitte der 1980er-Jahre stellte Rolex mit dem Kaliber 3085 ein Uhrwerk vor, bei dem sich der Stunden-Zeiger unabhängig vom GMT-Zeiger einstellen ließ. Ein weiterer bekannter Vertreter dieser Konstruktion ist das Omega Kaliber 1128, wie es in der Seamaster 300 GMT zum Einsatz kommt. Auch Seiko bietet mit dem Kaliber 9S86 ein Werk mit dieser Funktion an. Verwendung findet es unter anderem in den Grand Seiko Modellen SBGM227 und SGBJ203.

Omega Seamaster GMT-4787
Omega Seamaster GMT-4787, Bild: Bert Buijsrogge

 

Häufig genutzte GMT-Kaliber

Die Entwicklung und Produktion eigener Manufakturkaliber ist aufwendig und teuer. Nicht alle Uhrenhersteller, die auch GMT-Modelle im Portfolio führen, können oder wollen sich diese Kosten leisten. Daher greifen sie auf bewährte Uhrwerke der Schweizer Zulieferindustrie zurück. Die bekanntesten Vertreter sind das ETA 2893-2und das Sellita SW 330-1, die relativ kostengünstig den Einstieg in die GMT-Welt bieten. Diese Werke erlauben das separate Stellen des GMT-Zeigers, nicht aber des Stundenzeigers. Werke von ETA finden Sie vor allem in den Marken der Swatch Group, zu der das Unternehmen gehört. Bekannte Beispiele sind die Longines Conquest V.H.P. GMToder die Union Glashütte Belisar GMT. Oben erwähnter GMT-Pionier Glycine verwendet heute für die Airman-Modelle Werke von Sellita und gibt Ihnen eigene Bezeichnungen wie z. B. GL293.

Glycine lancierte 2002 einen echten Exoten unter den GMT-Uhren – die Airman 7. Bemerkenswert an dieser Uhr ist, dass sie insgesamt vier Zeitzonen anzeigt. Dies erreicht Glycine mithilfe von drei mechanischen Uhrwerken, die parallel zueinander auf drei verschiedenen Anzeigen laufen. Dieses Modell ist eine technische Innovation und fällt optisch durch ihr prägnantes Äußeres auf.

Eine Auswahl bekannter GMT-Uhren

Neben den oben beschriebenen Werken und Varianten gibt es eine Menge weiterer Hersteller und Modelle, die eine zweite Zeitzone auf unterschiedliche Art und Weise anzeigen. Ein bekannter Vertreter ist Panerai, der bei einigen Uhren die gesamte GMT-Funktion auf dem Zifferblatt unterbringt. Ein Beispiel ist die Panerai Luminor 8 Days GMT Ref. PAM00233mit dem Manufakturkaliber P.2002 und zweiter Zeitzone auf der 9-Uhr-Position des Zifferblatts. Dieses Modell verfügt über eine Gangreserve von bis zu 8 Tagen, hat einen Durchmesser von 44 mm und ist bis zu 10 bar (100 m) wasserdicht.

Omega Seamaster Planet Ocean GMT

Die Omega Seamaster Planet Ocean ist ebenfalls ein prominenter Vertreter unter den Uhren mit GMT-Funktion. In der Dreizeiger-Uhr tickt das Chronometer-zertifizierte Omega Manufakturkaliber 8906mit separat verstellbarem Stundenzeiger. Die GMT-Zeit wird klassisch über die 24-Stunden-Skala der Lünette aus Keramik abgelesen. Mit einem Durchmesser von 43,5 mm gehört die Planet Ocean zu den größeren Vertretern ihrer Zunft und ist entsprechend auffällig. Die Wasserdichtigkeit beträgt bis zu 600 m (60 bar), was sie nicht nur zu einer attraktiven GMT-Uhr macht, sondern auch zu einer waschechten Diver.

Tudor Black Bay GMT
Tudor Black Bay GMT

Tudor Black Bay GMT

Tudor stellte die Black Bay GMT auf der Baselworld 2018 vor und landete mit ihr aus dem Stand einen echten Hit. Die Uhr erschien parallel zur neuen Rolex GMT-Master II „Pepsi“ und weist viele optische Gemeinsamkeiten zu dieser auf. Charakteristisch ist die rot-blaue Lünette und der rote GMT-Zeiger. Verbaut ist das Tudor Manufakturwerk MT5652 mit Chronometer-Zertifizierung. Die Edelstahl-Lünette mit Aluminium-Inlay ist beidseitig drehbar. Das Gehäuse mit einem Durchmesser von 41 mm ist bis zu 200 m (20 bar) wasserdicht. Die Referenz 79830RB ist am Edelstahlarmband erhältlich, daneben bietet Tudor noch zwei weitere Versionen an – wahlweise am Leder- oder Nato-Armband.

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Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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