29.03.2023
 5 Minuten

Watches and Wonders 2023: IWC präsentiert eine neue Ingenieur

Von Barbara Korp
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Watches and Wonders 2023: IWC präsentiert eine neue Ingenieur (Bild: IWC)

Luxussportuhren mit integriertem Stahlband sind eine beliebte Kategorie in der Uhrenwelt, wie uns auch die letzten Jahre gezeigt haben. Doch auch wenn die IWC Ingenieur eine solche ist, darf man sie keineswegs darauf reduzieren. Denn es sind Form und Technik, die sie aus der Masse hervorheben. Sie ist eine Uhr der 1950er Jahre, geboren im Glauben an den Fortschritt. Seit den 1970ern hat sie ihren entsprechend industriellen, beinahe futuristischen Look.

2023 ist nun das Jahr, in dem sie ihre reiche Geschichte in der Gegenwart fortsetzt. Auf der Watches and Wonders 2023 traf nun das ein, worauf viele von uns lange gewartet haben – die Veröffentlichung einer Neuauflage. Diese setzt gekonnt die Tradition von technischer Innovation und legendärem Genta-Design fort. Sie ist keine Uhr, die sich an die Massen richtet, sondern ein echtes Liebhabermodell für alle, die sich Zuverlässigkeit, Stil und Genauigkeit wünschen. Und sie ist meiner Meinung nach die schönste Statement-Uhr für diejenigen unter uns, die um die Bedeutung von Handwerk wissen, ikonisches Design schätzen und sich auf die Zukunft freuen. Sind Sie bereit, die neue IWC Ingenieur und ihre Geschichte zu entdecken?

Die Anfänge der IWC Ingenieur

Magnetfeldschutz für Uhren – bei IWC war dies schon früh ein Thema. So wurde bereits im Jahr 1887 die erste antimagnetische Taschenuhr entworfen. Große Bedeutung erlangte er wieder während des Zweiten Weltkriegs. Denn während dieser Zeit war IWC vor allem für die Herstellung von Pilotenuhren berühmt. Diese mussten nicht nur einfach ablesbar sein, sondern auch den widrigen Bedingungen im Cockpit standhalten. Dazu zählte natürlich auch, dass sie nicht von Magnetfeldern beeinflusst werden durften. Arbeitete man zu Beginn noch mit Legierungen, die diesen Schutz gewährleisten sollten, setzte sich bald ein Weicheisenkäfig durch, welcher das Uhrwerk von Magnetfeldern abschirmt.

In den 1950er Jahren entfachte das Bedürfnis nach Uhren mit Magnetschutz erneut. Doch diesmal war der Kontext kein militärischer. Vielmehr war es der Glaube an den Fortschritt. Man wollte eine Uhr für den Menschen schaffen, der die Gesellschaft aufbaut – für den Homo faber. Für den Ingenieur. Diese Idee führte schließlich zur IWC Ingenieur. Zu der Uhr, die perfekt für den Einsatz in der Industrie war. Als Huldigung an den Fortschritt wurde bereits im ersten Modell, der Ingenieur 666, das erste Automatikwerk von IWC eingesetzt. Das Design entsprach dem damaligen Zeitgeist. Auch wenn es 1967 in Form der 866 leicht modernisiert wurde und dadurch sportlicher wirkte – es war weiterhin das Design einer durchschnittlichen Uhr und hatte keinen industriell-fortschrittlichen Charakter.

IWC Ingenieur 666A (1956)
IWC Ingenieur 666A (1956)

Die IWC Ingenieur erhält ihr bekanntes Design

Somit war schnell klar – die Uhr braucht ein neues Design. Auch die etwas sportlichere Ingenieur 866 entsprach optisch nicht dem Charakter der Uhr. Da sämtliche Versuche einer konservativeren Neugestaltung nicht zum gewünschten Ergebnis führten, suchte man nach einem neuen Designer – und fand diesen in Gérald Genta. Dieser hatte sich bereits mit dem Design der Patek Philippe Nautilus und der Audemars Piguet Royal Oak einen Namen gemacht. Nach zwei Jahren Arbeit an der Neugestaltung wurde die neue Ingenieur 1976 der Öffentlichkeit präsentiert.

Diese war erstaunt, denn die Uhr war nicht wiederzuerkennen. Gentas Entwurf für die Ingenieur wich stark vom ursprünglichen Modell ab. Die Uhr erhielt scharfe Winkel und ein kühnes, industrielles Aussehen, das den Zweck der Uhr widerspiegelte – sie war eine Uhr für Ingenieure. Ikonisch sind bis heute die fünf sichtbaren Schrauben auf der Lünette. Diese wurden zum Markenzeichen der Uhr und symbolisieren ihre Robustheit. Auch wenn diese Designänderungen als riskant angesehen wurden, erwiesen sie sich letztlich als Erfolg. Sie wurden Teil der DNA der IWC Ingenieur, an denen man bis heute festhält.

IWC Ingenieur Jumbo SL 1832 – im unverkennbaren Design von Gérald Genta
IWC Ingenieur Jumbo SL 1832 – im unverkennbaren Design von Gérald Genta

Die Ingenieur schreibt Geschichte

Nach ihrer Erscheinung 1976 musste die Uhr vielen Widrigkeiten trotzen. Luxusuhren aus Stahl stießen damals noch auf wenig Akzeptanz und aufgrund des damals sehr hohen Goldpreises war das Anbieten von Gold- oder Bicolor-Modellen der Ingenieur zu Beginn nicht möglich. Auch erschwerten Währungsschwankungen sowie die Quarzkrise den wirtschaftlichen Erfolg. Doch bei IWC hielt man unbeirrt an ihr fest – war sie doch eine Reflexion ihrer Werte.

1989 folgte die Ingenieur 500.000 A/m, die mit ihrer extrem hohen Widerstandsfähigkeit gegen Magnetfelder einen neuen Weltrekord aufstellte. 2005 wurde dann das 50-jährige Jubiläum der Ingenieur mit der Einführung der Ingenieur Automatic AMG gefeiert. Die Uhr wurde in Zusammenarbeit mit Mercedes-AMG entworfen. Limitiert auf 250 Exemplare, wurde sie aus Titan und Keramik gefertigt. Das Design der Uhr war vom AMG Mercedes-Benz CLK DTM-Rennwagen inspiriert. 2013 wurde die Kollektion erneut überarbeitet und man fügte Komplikationen ein. Highlight war zweifelsohne die Ingenieur Constant-Force Tourbillon. Diese Uhr hat einen patentierten Konstantkraft-Mechanismus in das Tourbillon integriert. Somit war ein extrem präziser Gang gewährleistet.

IWC Ingenieur 500’000 A/m – damalige Weltrekordhalterin hinsichtlich Magnetfeldresistenz
IWC Ingenieur 500.000 A/m – damalige Weltrekordhalterin hinsichtlich Magnetfeldresistenz

Die IWC Ingenieur der Gegenwart und Zukunft auf der Watches and Wonders 2023

Die aktuelle Neuauflage kehrt wieder zu den Wurzeln zurück, indem sie kompromisslos den ursprünglichen Zweck verfolgt: Die Ingenieur ist eine Uhr für die Gestalter unserer Gesellschaft. Und auch wenn sie nicht so bekannt wie andere Kollektionen von IWC ist – sie verkörpert am besten, wofür IWC steht: Ingenieurgeist und progressives Denken. Somit fiel auch die Entscheidung, für die Neuauflage nicht einfach das Genta-Design der Vergangenheit zu kopieren. Stattdessen wurde es der Gegenwart angepasst, um die Uhr fit für die Zukunft zu machen. Ihr Stil kann wohl am besten mit „retro-futuristisch“ beschrieben werden.

IWC Ingenieur mit schwarzem Zifferblatt (Bild: IWC)
IWC Ingenieur mit schwarzem Zifferblatt (Bild: IWC)

Auch wenn die ursprüngliche Design-DNA noch klar erkennbar ist, so hat man einige Änderungen gewagt. Besonders hinsichtlich Ergonomie und Proportionen bietet das aktuelle Modell einen deutlich besseren Tragekomfort. Die Schrauben sind optisch deutlich präsenter und rücken damit den technischen Charakter stärker ins Zentrum. Auch befestigen sie die Lünette am Gehäusering. Somit kommt ihnen eine funktionale Rolle zu und nicht – wie bei früheren Modellen – lediglich eine dekorative. Angenehmer Nebeneffekt davon ist, dass sie somit immer in der gleichen Position sind.

Für den sportlichen Touch sorgt neu ein Kronenschutz. Besonders auffällig ist jedoch das Zifferblatt: Das Grid-Muster ist deutlich feiner als früher und ist mit einem Sonnenschliff kombiniert. Sieht man genau hin, erkennt man, wie perfekt das Muster die Schrift umschließt. Dank neuer Techniken und Polierverfahren ist auch das allgemeine Finish ausgefeilter. Satinierte Oberflächen, polierte Kanten, geschlossene Stege an den Bändern und die klassische IWC-Faltschließe vermitteln ein Gefühl von Luxus.

IWC Ingenieur mit Zifferblatt in aqua-farben (Bild: IWC)
IWC Ingenieur mit Zifferblatt in Aqua-Farbe (Bild: IWC)

Lanciert wurden vier Referenzen – drei davon unterscheiden sich lediglich durch die Zifferblattfarben: Schwarz, Weiß und Aqua. Die vierte Referenz besticht durch ein Titangehäuse und ein Titanarmband. Passend dazu ist das Zifferblatt in Grau gehalten. Somit wird mit diesem Modell der Ingenieursgedanke noch konsequenter gefasst.

IWC Ingenieur in Titan (Bild: IWC)
IWC Ingenieur in Titan (Bild: IWC)

In allen Modellen kommt das fabrikeigene Werk 32111 zum Einsatz. Mit 120 Stunden Gangreserve und Wasserdichte bis 100 Meter lässt es keine Wünsche offen – und zeigt, dass die IWC Ingenieur wirklich allen Herausforderungen gewachsen ist, denen sich die Gestalter der Gegenwart und Zukunft heute stellen.


Über den Autor

Barbara Korp

Als ich entdeckte, dass Uhren viel mehr als nur Schmuckstücke sind, war es um mich geschehen. Ich habe mich in die Schönheit ihrer Technik verliebt. Gleich darauf folgte jedoch eine Enttäuschung: Die meisten Modelle waren viel zu groß für mich. Doch ich gab nicht auf – und entwickelte dadurch ein spezielles Interessenfeld.

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