08.03.2023
 6 Minuten

Watches & Wonders 2023: Was ich mir von den Marken wünsche

Von Kristian Haagen
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Watches and Wonders 2023: meine Highlights

Es ist wieder so weit: Die einflussreichsten Uhrenmarken kommen zusammen und präsentieren der Welt ihre neuesten Modelle; in diesem Jahr nicht nur vor Pressevertretern aus aller Welt, sondern auch der Öffentlichkeit. Am 1. und 2. April öffnet die Watches & Wonders ihre Tore erstmals für ein breiteres Publikum.

Auf der Messe oder dem Salon, wie es früher hieß, werden nicht weniger als 48 Uhrenmarken zu Gast sein. Aber auch die Stadt Genf wird sich an der Watches & Wonders beteiligen. Einige ausgewählte Uhrmachergeschäfte auf der Rue du Rhône und der Rue Basses werden ebenfalls einen seltenen Einblick in die eigene Handwerkskunst gewähren.

Die Watches & Wonders 2023 ist mehr als nur eine Messe: Sie bietet ein großartiges Rundum-Erlebnis, sowohl vor Ort als auch online über die Plattform watchesandwonders.com. Was können wir dieses Jahr von der Watches & Wonders erwarten?

Mehr Uhren aus Titan

Titan genoss im Jahr 2022 besondere Aufmerksamkeit. Das Material ist in Meerwasser extrem korrosionsbeständig und 30 – 40 % leichter als Edelstahl. Aufgrund der Kombination aus Robustheit und geringem Gewicht wird Titan häufig in der Luftfahrt und für medizinische Geräte verwendet. Im Jahr 2022 stellte nicht nur A. Lange & Söhne eine Titanversion der gefeierten Odysseus in begrenzter Auflage vor, sondern auch Rolex präsentierte mit der massiven 50-mm Deepsea Challenge ein Modell aus Titan RLX. Wir werden also vielleicht mehr Uhren aus diesem leichten und dennoch robusten Material auf dem diesjährigen Salon präsentiert bekommen.

Natürlich spekuliere ich hier nur. Jetzt aber zu den Dingen, die ich wirklich gerne von einigen der ausstellenden Marken sehen würde.

Vacheron Constantin

Viele Uhrenliebhaber, mich eingeschlossen, würden gerne eine reine Edelstahlversion der Vacheron Constantin 222 sehen, die im letzten Jahr in Gold neu veröffentlicht wurde, aber Vacheron Constantin ist so viel mehr als nur die 222 und die Overseas. Während Letztere seit Beginn der Covid-Pandemie sich hoher Nachfrage erfreute und die treibende Kraft für das gestiegene Interesse an diesem angesehen Unternehmen zu sein scheint, fühlt sich die FiftySix-Kollektion unvollständig an. Die Kollektion kam 2018 zu einer schwierigen Zeit auf den Markt und die aktuelle Serie umfasst Uhren, die nur die Zeit anzeigen und Modelle mit Vollkalender, Datums- und Gangreserveanzeige sowie Luxus-Tourbillons, aber noch keine Chronographen. Daher würde ich liebend gern einen FiftySix-Chronographen mit Kaliber 5200, das auch im Overseas Chronograph verbaut ist, sehen. Und wo wir schon dabei sind, sollte er 40 mm groß oder kleiner sein – das würde wahrscheinlich Jubelstürme auslösen.

Vacheron Constantin FiftySix Day Date
Vacheron Constantin FiftySix Day-Date

Panerai

Ich verfolge José Pereztroikas Posts über Uhren seit jeher mit großem Interesse. Er gehört zu den größten Uhrenexperten und sein Artikel über eine seltene Radiomir mit „Punktzifferblatt“ löste in mir das Verlangen nach einer modernen Version dieser Schönheit aus; damit meine ich die 47-mm Radiomir mit dem seltenen „Punktzifferblatt“ von ca. 1938. Panerai hat dieses ungewöhnliche Zifferblatt-Layout bisher noch nicht wieder aufleben lassen und somit finden Sie es bisher nur in Auktionskatalogen und Geschichtsbüchern.

Interessanterweise war eine Radiomir mit Punktzifferblatt vor ein paar Jahren auf Chrono24 zu finden. Ich fragte José nach seiner Meinung zu dieser Panerai Radiomir. Wie viele von Ihnen wissen, stellte Panerai ursprünglich Militäruhren her, sodass viele Informationen für die Zivilbevölkerung nicht zugänglich sind. „Ich denke, dass dieses Zifferblatt mehr Präzision bringen sollte. Das funktionierte allerdings unter Wasser nicht, weil es zu hell und zu überladen war“, sagte Perez, ein Experte für Taucheruhren und Vintage-Panerais im Speziellen. „Es gibt auch eine Luminor-Version des ‘Punktes’ aus den 1960er-Jahren“, führte Perez weiter aus, wodurch sich mein Wunsch nach einer neuen Radiomir mit diesem speziellen Zifferblatt-Layout nur noch verstärkte.

Cartier

Cartier brachte bereits im Januar dieses Jahres eine überarbeitete Version der Tank Française aus dem Jahr 1996 auf den Markt, also erwarte ich keine großen Sprünge aus dieser Serie. Persönlich würde ich gerne eine neue Version der Tank Cintrée sehen. Diese Uhr erschien ursprünglich 1921, aber war bisher nur auf Bestellung oder in begrenzter Auflage erhältlich, womit die Cintrée eine ganz besondere Uhr aus der französischen Maison ist. Cartier brachte 2021 inmitten der COVID-19-Pandemie eine auf 150 Exemplare limitierte Version heraus, um das 100-jährige Jubiläum dieser schlankeren Tank zu feiern. Dieses Modell wurde angeblich nur direkt VIPs oder angesehenen Cartier-Sammlern angeboten.

Mir ist bewusst, dass die Cintrée in diesem Jahr kein Jubiläum feiert, aber ich würde nichtsdestotrotz gerne eine Version dieser ikonischen Tank mit höherer Auflage sehen. Und wo wir schon dabei sind, sollte sie aus Platin gefertigt sein, als sanfte und kostspielige Erinnerung daran, dass die Cartier Cintrée durch und durch eine Luxusuhr ist. Schließlich braucht im Grunde niemand wirklich eine mechanische Uhr, aber wie Oscar Wilde es einst schon so weise sagte: „Man versehe mich mit Luxus, auf alles Notwendige kann ich verzichten.“

Cartier Tank Cintree 100th Anniversary Limited Edition
Cartier Tank Cintrée 100th Anniversary Limited Edition

Tudor

Tudor reitet seit ein paar Jahren auf einer Erfolgswelle. Das Unternehmen hat ein erfolgreiches Modell nach dem anderen auf den Markt gebracht, inklusive der schlanken und dennoch robusten Pelagos FXD aus Titan und in der jüngeren Vergangenheit der beinahe perfekten Pelagos 39. Beide Uhren sind atemberaubend, zum Teil auch, weil sie ohne Datumsfunktion auskommen.

Eine Datumsanzeige ist meistens eine nützliche Komplikation, aber macht ein Zifferblatt-Layout eher selten ansehnlicher. Vor diesem Hintergrund würde ich gerne die Black Bay Ceramic in 39 mm sehen. Ich denke schon länger darüber nach, mir eine Black Bay Ceramic zuzulegen, aber bin weder vom 41-mm-Gehäuse noch von den 14,1 mm Dicke angetan. Die Pelagos 39 verfügt mit 11,8 mm Dicke über das schlankere Profil, womit sie besser für den täglichen Gebrauch geeignet ist.

Im Vergleich zur Schwesternmarke Rolex und ihrer Submariner mit einer Wasserdichtigkeit von bis zu 300 m beträgt diese bei der Tudor „nur“ 200 m, aber das ist mehr als genug für Taucher, die sowieso die meiste Zeit am Schreibtisch verbringen und nur gelegentlich in öffentlichen Schwimmbädern ein paar Bahnen schwimmen.

Tudor Pelagos 39
Tudor Pelagos 39

Chopard

Als großer Titan-Fan freue ich mich darüber, dass die Zahl der neuen Uhren aus diesem leichten Material gestiegen ist. 2021 überraschte Chopard uns mit einer auf 250 Stück limitierten Auflage der 8 HF Hochfrequenz-Uhr Alpine Eagle Cadence aus Titan, einer sowohl aufgrund des Materials als auch des Uhrwerks spannenden Uhr mit sehr ansprechendem Zifferblatt-Layout mit Strichindizes auf 3, 6 und 9 Uhr. Normalerweise ist die Alpine Eagle mit römischen Ziffern auf diesen Positionen und der 12 ausgestattet, wodurch das Zifferblatt (meiner Meinung nach) überfüllt wirkt.

Ich würde sehr gern eine Version der oben genannten Alpine Eagle aus Titan mit schwarzem und bis auf eine römische 12 leeren Zifferblatt sehen. Das Zifferblatt würde außerdem auch ohne das pfeilförmige Logo über der 6 besser aussehen. Ich kann mich mit dem 4-Hz-Uhrwerk im 41-mm-Gehäuse anfreunden, aber wäre wirklich begeistert, wenn Chopard die Alpine Eagle in einem 40-mm-Gehäuse herausbrächte; egal ob mit oder ohne römische Ziffern auf dem Zifferblatt und unabhängig vom Material.

Chopard Alpine Eagle Cadence
Chopard Alpine Eagle Cadence

Jaeger-LeCoultre

Das hochgeschätzte Maison der exquisiten Uhrmacherkunst Jaeger-LeCoultre wird 2023 190 Jahre alt. Natürlich kann das nicht ignoriert werden, da Jaeger-LeCoultre einer der bedeutsamsten Uhrenhersteller der Welt ist. Anfang dieses Jahres stellte JLC die Collectibles vor, eine Reihe kuratierter Uhren aus dem umfassenden JLC-Museum, welche als Teil eines neuen Programms für Sammler und JLC-Liebhaber, die ein Stück Geschichte der La Grande Maison erstehen möchten, als Gebrauchtmodelle verkauft werden. Zu den ersten angebotenen Uhren gehören wunderbare Exemplare einer frühen Reverso, genau wie eine Geophysic, eine Memovox Parking, eine Master Mariner Deep Sea und eine Shark Deep Sea. Jede Uhr wird von den Uhrmachermeistern in der Restaurierungswerkstatt der Manufaktur auseinandergebaut, überprüft und vollständig wieder zusammengebaut.

Jede Collectibles-Uhr wird mit einem Auszug aus den Jaeger-LeCoultre-Archiven, einem neuen Armband und einer Ausgabe des Bildbandes The Collectibles angeboten. Der Trend, gebrauchte Uhren zu verkaufen, ist nichts Neues. Rolex, Longines und Oris hatten bereits Uhren aus zweiter Hand verkauft und Linde Werdelin tut dies bereits seit Jahren, aber kuratierte Gebrauchtmodelle sind etwas komplett Neues.

Mit einem bereits laufenden Programm zum Verkauf von kuratierten Gebrauchtmodellen, was können wir auf der Watches & Wonders von La Grande Maison erwarten? Ich würde gerne mehr Modelle aus der sportlichen Polaris-Kollektion sehen. 2022 wurden der Polaris-Kollektion ein atemberaubendes Modell mit Ewigem Kalender aus Edelstahl und eines in Roségold hinzugefügt, die helle Begeisterung auslösten. Aber was hielten Sie von einer Polaris-Tourbillon? Sexy, oder? Das wäre der Inbegriff einer Uhr aus der Maison – sportlich und dennoch kompliziert, modern und dennoch ein Klassiker, etwas groß im Durchmesser und dennoch perfekt am Handgelenk sitzend.

Jaeger LeCoultre Polaris Perpetual Calendar
Jaeger LeCoultre Polaris Perpetual Calendar

Über den Autor

Kristian Haagen

Ich habe mit etwa 20 Jahren angefangen, Uhren zu sammeln. Am liebsten mag ich Vintage-Uhren. Mit ihnen sind oft faszinierende Geschichten und coole Hintergründe verbunden. Ihre Herkunft kann eine Uhr viel interessanter machen, als es jede noch so tolle neue Uhr ohne Hintergrund-Story je sein könnte.

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