24.02.2022
 6 Minuten

Welcher Seiko-Klassiker sollte neu aufgelegt werden?

Von Jorg Weppelink
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Seiko ist eine dieser enorm geschichtsträchtigen Marken. Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1881, als Kintaro Hattori in Tokio ein Geschäft eröffnete, in dem er Uhren verkaufte und reparierte. Elf Jahre später, im Jahr 1892, gründete er die „Seikosha“-Fabrik. Seiko wuchs in den folgenden Jahrzehnten zu einer erfolgreichen Uhrenmarke heran und entwickelte viele berühmte Uhren, von der ersten japanischen Armbanduhr mit dem Namen Laurel im Jahre 1913 bis zum ersten Modell mit der Markenbezeichnung Seiko im Jahr 1924. Natürlich dürfen wir nicht die Reihe ikonischer Taucheruhren aus den späten 1960er-Jahren vergessen oder die ersten Modelle mit dem berühmten Uhrwerk 6139 – Teil des Rennens um die Produktion des weltweit ersten Automatik-Chronographen. Außerdem brachte Seiko 1969 mit der Quartz Astron die erste Quarzarmbanduhr auf den Markt, was nicht weniger als eine Revolution in der Uhrenbranche bedeutete. Die Liste geht weiter mit der ersten Seiko Kinetic im Jahr 1988 und der ersten Uhr mit Spring Drive-Kaliber 1999. 

Die Masse an großartigen Uhren bringt jedoch ein Problem mit sich: Es gibt buchstäblich Hunderte Modelle, die in Vergessenheit geraten sind, aber definitiv eine Rückkehr ins Rampenlicht verdienen. Seiko ist sich des Potenzials einer Neuauflage oder eines modernen Updates eines ihrer Klassiker vollends bewusst. Doch Seiko-Liebhaber haben immer auch ihre eigenen Lieblings-Modelle, die sie gerne neu aufgelegt sehen würden. Wir haben eine kleine Auswahl von Modellen zusammengestellt, die wir gerne wieder im Seiko-Lineup sehen würden. Einige davon wurden vielleicht bereits in der Vergangenheit als limitierte Editionen neu aufgelegt, andere warten noch auf ein Update. In diesem Artikel stellen wir Ihnen ein paar der größten Erfolge der Unternehmensgeschichte vor. 

1. Die Seiko Referenz 5717 Chronograph aus dem Jahr 1964

Im Jahr 1964 stellte Seiko anlässlich der Olympischen Spiele in Tokio, für die Seiko offizieller Zeitnehmer war, zwei neue Uhren vor, die als erste japanische Zeitmesser über eine Stoppuhrfunktion verfügten. Diese beiden Ein-Drücker-Chronographen genießen unter Seiko-Sammlern Legendenstatus. Die Seiko Crown Chronograph 5719 wurde durch ihre unverwechselbare Ästhetik zur Ikone. Seiko huldigte ihr 2019 mit der SRQ031 in limitierter Auflage und zelebrierte so 55 Jahre Seiko-Chronographen. Ein Jahr später folgten als Hommage an das Design des Crown Chronographen drei automatische Modelle ohne Chronographen-Funktion – ebenfalls in limitierter Auflage. 

Seiko Chronograph Referenz 5717
Seiko Chronograph Referenz 5717

Eine Rückkehr der 5719 wäre zwar großartig, gleichzeitig gab es aber noch nie eine richtige Neuauflage ihres Schwestermodells, der 5717. Diese ist weniger von der Ära ihrer Entwicklung geprägt und sieht somit bis heute sehr frisch aus. Es wäre großartig, wenn Seiko eine moderne Version von ihr auf den Markt brächte und diese mit ihrem brandneuen Chronographen-Kaliber 8R46 ausstatten würde. Natürlich würde der einzelne Drücker durch einen Mechanismus mit zwei Drückern ersetzt – ein logisches Update im Sinne der Funktionalität. Die 5717 bietet einfach die perfekte Vorlage für einen brillanten, modernen Seiko-Chronographen, der tief in der langen Geschichte des Unternehmens verwurzelt ist, ohne zwangsläufig wie eine Vintage-Neuauflage auszusehen. 

2. Die Seiko 6138-8020 „Panda“

Eine der berühmtesten Silhouetten in der Geschichte Seikos gehört der Seiko 6138-8020. Wie bereits erwähnt, stellte Seiko 1969 das automatische Chronographen-Kaliber 6139 vor. Kurz darauf brachte das Unternehmen das 6138A auf den Markt, das erste voll integrierte Automatik-Chronographenwerk mit zwei Hilfszifferblättern, Säulenrad und vertikaler Kupplung. Uhren mit dem 6138-Uhrwerk verfügen über ein unverwechselbares vertikales Layout mit Hilfszifferblättern bei 6 und 12 Uhr – mit Ausnahme der kultigen Bullhead-Ausgaben. Die zwei bekanntesten Modelle aus der 6138-Serie sind die 6138-8000 „Baby Panda“ und die 6138-8020 „Panda“ mit ihren schwarzen Hilfszifferblättern auf weißem Grund. Die etwas größere 6138-8020 ist unter Sammlern das beliebtere Modell. 

Seiko brachte seitdem zwei Uhren auf den Markt, die von den klassischen „Pandas“ inspiriert wurden. Die Erste war 2014 die Seiko Brightz SDGZ013 aus Titan – ein Jubiläumsmodell zum 50-jährigen Jubiläum der Seiko-Chronographen. Dieses Modell war nur in Japan erhältlich (JDM). Fünf Jahre später brachte Seiko den Edelstahl-Chronographen SRQ029 auf den Markt. Die SRQ029 war weltweit erhältlich, aber genau wie die Brightz SDGZ013 nur in limitierter Auflage. Somit waren beide Uhren schnell ausverkauft. Seiko würde mit einer aktualisierten und nicht limitierten Auflage dieser Ikone der 1970er-Jahre viele Menschen sehr glücklich machen. Mit dem Jubiläums-Modell SRQ029 bewies Seiko ja bereits, dass eine moderne Version dieser Uhr atemberaubend aussieht. 

Die Seiko 6138-8020
Die Seiko 6138-8020

3. Die Seiko 6139-6002 „Pogue“

Merkwürdigerweise gab es nie eine Neuauflage der legendären Seiko 6139 „Pogue“, obwohl diese bei Sammlern auf der ganzen Welt sehr beliebt ist. Diese Uhr sticht sowohl technisch als auch optisch aus der Masse hervor. Die Seiko 6139-6002 „Pogue“ gehörte zu den ersten Seiko-Uhren, die mit dem zuvor bereits erwähntem Automatik-Chronographen-Kaliber 6139 ausgestattet waren. Ihr gelbes Zifferblatt bietet einen schönen Kontrast zur blauen und roten Lünette – ein extravaganter Look. Für diese Serie stehen vier verschiedene Farben für das Zifferblatt zur Auswahl. 

Die Version mit blauem Zifferblatt erhielt den Spitznamen „Cevert“ nach dem berühmten französischen Formel-1-Fahrer François Cevert, der das Modell trug. Außerdem gab es eine Version mit gelbem Zifferblatt, die „Pogue“. Ihr Spitzname stammt vom amerikanischen Astronauten William Pogue, der sie während der Skylab-4-Mission 1973 am Handgelenk hatte. Die dritte Version mit silbernem Zifferblatt gefällt mir persönlich sehr gut. Das Zifferblatt der vierten und letzten Version ist petrolfarben und trägt aufgrund der Markierungen rund um das Chronographen-Hilfszifferblatt auf 6 Uhr den Beinamen „Sunrise“. Am beliebtesten ist die Version mit gelbem Zifferblatt, die auch weiterhin zu angemessenen Preisen erhältlich ist. In Anbetracht ihrer geschichtlichen Relevanz sind alle Versionen der 6139 wunderbare Vintage-Ergänzungen Ihrer Sammlung, für die Sie nicht zu tief in Ihre Taschen greifen müssen. Aber wäre es nicht toll, wenn Seiko eine moderne Version der „Pogue“ herausbrächte und ihr somit angemessen huldigte?  

Die Seiko 6139-6002 „Pogue“
Die Seiko 6139-6002 „Pogue“

4. Die Seiko J12082 und 697990 SilverWave

Seiko hat so ziemlich von jeder ihrer wichtigen Taucheruhrikonen Neuauflagen und moderne Interpretationen auf den Markt gebracht. Das reicht von der 62MAS bis zu den 6159er-Modellen, die 2020 in limitierter Auflage als Teil der Feierlichkeiten zum 55. Jubiläum der Seiko-Taucheruhren erschienen. Es gab außerdem auch moderne Neuinterpretationen der berühmten „Captain Willard“. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Seiko seine umfangreichen Taucheruhren-Kollektionen der Vergangenheit als Inspiration für neue Modelle nutzt. Taucheruhren sind die beliebteste Uhrenkategorie und die japanische Uhrenmarke hat schon viele großartige Modelle entwickelt. Zwei berühmte Vorgänger der 62MAS aus dem Jahr 1965 waren die beiden Seiko SilverWaves-Modelle. Diese stellten in den frühen 1960er-Jahren den ersten Versuch des Unternehmens dar, wasserdichte Uhren mit innen liegender Drehlünette zu entwickeln. 

Das erste Modell, die Seiko J12082, kam 1961 heraus. Sie war bis auf 50 m wasserdicht und stellte mehrere Premieren für Seiko dar. Zum einen war sie die erste echte Taucheruhr von Seiko, zum anderen ihre erste Uhr mit innen liegender Drehlünette. Außerdem ging sie als erstes Automatik-Modell mit verschraubtem Gehäuseboden und der berühmten Tsunami-Welle in die Geschichte ein. Die Uhr wurde bis 1964 produziert. Danach folgte die Seiko Referenz 697990 SilverWave, die bis auf 30 m wasserdicht war. Diese Zahlen sind nach heutigen Standards wenig beeindruckend. Allerdings könnte Seiko als Hommage an ihre ersten Taucheruhren ja eine Neuauflage mit modernen Updates entwickeln. Das wäre eine tolle neue Uhr, über die sich Sammler enorm freuen würden. 

Seikos erste Taucheruhr: die J12082.
Seikos erste Taucheruhr: die J12082.

5. Die Seiko SARB033

Das letzte Modell auf meiner Liste ist die berühmte Seiko SARB033. Dieses Modell war offiziell zusammen mit seinem Schwestermodell mit weißem Zifferblatt, der SARB035, von 2008 bis 2018 in Japan erhältlich. Beide Uhren sind auf der ganzen Welt als zwei der budgetfreundlichsten Alltagsuhren mit fantastischem Preis-Leistungs-Verhältnis bekannt. Mein Favorit ist die SARB033 mit schwarzem Zifferblatt. Beide Uhren werden aufgrund ihres Aussehens und ihrer hervorragenden Verarbeitung auch als „Baby“ Grand Seikos bezeichnet – und das für einen Listenpreis von ca. 450 EUR. 

Uhrenliebhaber auf der ganzen Welt erkennen die Brillanz des 38-mm-Gehäuses in Kombination mit dem komfortablen Edelstahl-Armband. Dadurch passt die Uhr hervorragend an Handgelenke verschiedenster Größen. Überdies stattete Seiko die Uhr mit dem Automatik-Kaliber 6R15 aus, ein Uhrwerk, das auch in deutlich teureren Modellen zu finden ist. Durch ihr Saphirglas und ihre Wasserdichtheit bis 100 m (10 bar) ist diese Uhr in puncto Ausstattung, Charme und Qualität kaum zu überbieten. Daher liegt der Verkaufspreis der SARB033 aktuell zwischen 500 und 900 EUR (die meisten Modelle sind in Japan erhältlich). Es wäre toll, wenn Seiko eine neue Version dieser Uhr auf den Markt brächte und diese weltweit verfügbar machen würde. Ich bin mir sicher, sie wäre ein großer Erfolg. 

The Seiko Spirit SARB033
Die Seiko Spirit SARB033

Das sind unsere fünf Seiko-Modelle, die aktuell nicht erhältlich sind, bei denen wir uns aber freuen würden, sie wieder auf dem Markt zu sehen. Wir werden abwarten müssen, ob Seiko uns mit der Veröffentlichung einer Version der Uhren auf dieser Liste überrascht. Mit Sicherheit können wir aber sagen, dass das japanische Unternehmen eine großartige Geschichte mit enormem Potenzial für weitere fantastische Neuerscheinungen hat. Daher empfehle ich Ihnen, sich mit der Geschichte von Seiko und seinen Uhren zu beschäftigen. Viel Spaß bei der Suche! 


Über den Autor

Jorg Weppelink

Hallo, ich bin Jorg und schreibe seit 2016 Artikel für Chrono24. Meine Beziehung zu Chrono24 reicht jedoch deutlich weiter zurück, denn meine Liebe zu Uhren erwachte …

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