26.05.2020
 4 Minuten

Zur Lage der weltweiten Uhrenbranche II: Vier aufkommende Trends

Von Tom Mulraney
Zur Lage der weltweiten Uhrenbranche II: Vier aufkommende Trends
Zur Lage der weltweiten Uhrenbranche II: Vier aufkommende Trends

Es ist jetzt einen Monat her, seit wir unseren ersten Artikel „Zur Lage der weltweiten Uhrenbranche“ veröffentlicht haben. Der Artikel hatte das Ziel, Antworten auf die fünf meist gestellten Fragen der Chrono24-Community während der COVID-19-Krise zu geben. Seit unserem ersten Update hat sich viel getan und die Situation hat sich sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene gewandelt. Deshalb haben wir unsere Daten aus den Interaktionen der Nutzer auf unserer Webseite noch einmal analysiert.

Als Marktplatz mit über 475.000 Angeboten und 9 Millionen Besuchern monatlich sind wir in der einzigartigen Position, Marktveränderungen ganz genau beobachten zu können. Vor diesem Hintergrund folgt hier nun unser zweites Update „Zur Lage der weltweiten Uhrenbranche“, das die von uns identifizierten Trends aufzeigt und diskutiert.

Trend 1: Weltweite Erholung der Verkaufszahlen

Weltweite Verkaufszahlen auf Chrono24 (wöchentlich)
Weltweite Verkaufszahlen auf Chrono24 (wöchentlich)

Unser erster Bericht „Zur Lage der weltweiten Uhrenbranche“ hatte gezeigt, dass die Aktivitäten auf unserem Marktplatz bis Mitte März um ca. 18 % zurückgegangen waren. Dies geschah direkt nachdem bestätigt wurde, dass das Coronavirus sich auch außerhalb Chinas verbreitet. Als Resultat verringerten sich die wöchentlichen Verkäufe auf unserer Plattform in dieser Zeit im Vergleich zur Zeit vor COVID-19 um 20 – 30 %.

Weltweite Sitzungen auf Chrono24 (täglich)
Weltweite Sitzungen auf Chrono24 (täglich)

Zahl der täglichen Sitzungen ‒ also ein Besuch auf den lokalen Webseiten von Chrono24 oder das Öffnen der App durch einen Chrono24-Nutzer ‒ steigerte sich innerhalb von ein paar Wochen wieder. Der Wert liegt jetzt lediglich 5 % unter dem Vorkrisen-Niveau und die Tendenz zeigt weiterhin in eine positive Richtung. Besonders für unsere Verkäufer ist aber noch wichtiger, dass die Checkouts ‒ also der Beginn einer Transaktion auf unserer Plattform ‒ 14 % über den Zahlen vor Beginn der COVID-19-Krise liegen. Außerdem haben sich auch die wöchentlichen Verkäufe gut erholt und liegen nun 13 % über den Zahlen von vor der Krise. Es gibt allerdings weiterhin Verzögerungen zwischen Checkout und Kaufabschlüssen, da vermehrt verhandelt wird und die Bestände limitiert sind ‒ auf diesen Punkt kommen wir weiter unten noch einmal zu sprechen.

Weltweite Checkouts auf Chrono24 (täglich)
Weltweite Checkouts auf Chrono24 (täglich)

Wie zu erwarten war, variiert die Erholungsrate von Land zu Land und hängt davon ab, wie stark der Rückgang zu Beginn der Krise war. Beispielsweise gab es in Großbritannien einen der stärksten Einbrüche bei den Sitzungen und Checkouts (-21 % und -46 %). Das Land verzeichnet seitdem jedoch auch die signifikantesten Aufschwünge (+30 % und +145 %). Es ist dabei wichtig festzuhalten, dass Länder wie das besonders hart vom Virus getroffene Italien, jetzt Checkout-Raten erleben, die weit über den Zahlen von vor dem Ausbruch der Krise liegen (+24 %).

Trend 2: Verhandlungsanfragen gehen hoch, doch die Erfolgsrate sinkt

Median der Rabattanfrage in Prozent vs. Erfolgsquote bei Preisverhandlungen
Median der Rabattanfrage in Prozent vs. Erfolgsquote bei Preisverhandlungen
Median der Rabattanfrage in Prozent vs. Erfolgsquote bei Preisverhandlungen
Median der Rabattanfrage in Prozent vs. Erfolgsquote bei Preisverhandlungen

Auf unserer Plattform wird derzeit mehr verhandelt. Die Marktbedingungen werden als herausfordernd für die Verkäufer wahrgenommenen und die Nutzer versuchen das für sich zu nutzen. Potentielle Käufer verlangen Preisnachlässe, die durchschnittlich 16 % höher sind als vor Ausbruch des Coronavirus. Das spiegelt sich jedoch nicht notwendigerweise in der tatsächlichen Marktleistung wieder: Die Erfolgsraten bewegen sich deutlich unter denen vor COVID-19, weil die Händler versuchen ihre Preise zu verteidigen. Hier spielt eine Vielzahl an Faktoren eine Rolle:

  • gestiegene Käufernachfrage,
  • Bestandsprobleme wegen eines begrenzten Angebots auf dem Großhandelsmarkt. Händler sind weniger bereit aktuelle Bestände mit Rabatt zu verkaufen, da sie nicht sicher sind, ob sie diese wieder auffüllen können
  • die Tatsache, dass Luxusuhren immer mehr als sichere Vermögenswerte gesehen werden (wir gehen im nächsten Punkt darauf genauer ein)

Als Resultat sind die Preise mehr oder weniger stabil geblieben. Ausnahmen sind einige Ikonen wie die Daytona aus Keramik und die 5711 Nautilus, bei denen es kleinere Veränderungen gab. Wir haben in einem früheren Artikel, den Sie hier lesen können, schon etwas detaillierter über Preisentwicklung gesprochen.

Patek Philippe Nautilus Performance

Royal Oak & Speedmaster

Trend 3: Luxusuhren als sichere Investitionen

Ein weiterer interessanter Trend ist der Anstieg an Nutzern, die ein Interesse an Finanzen, Investitionen und Sachanlagen gezeigt haben. Seit Beginn der Corona-Krise ist die Zahl der Sitzungen solcher Nutzer um 40 % gestiegen. Angesichts dieser unsicheren Zeiten und der daraus resultierenden Schwankungen des Aktienmarktes, kann dies ein Hinweis auf ein gesteigertes Interesse an Luxusuhren als „Safe-Haven“-Geldanlage sein. Man investiert in Vermögenswerte, von denen erwartet wird, dass sie ihren Wert in Zeiten von Unsicherheit oder Marktturbulenzen erhalten oder steigern.

Es gibt allerdings keine ausreichenden Daten, um hier eindeutige Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist durchaus möglich, dass diese Nutzer lediglich mehr Zeit haben, um auf Chrono24 zu stöbern und Transaktionen zu tätigen, da ihre Arbeitszeiten weniger hektisch sind oder sie aus isolationsbedingter Langeweile nach einem neuen Hobby suchen. Auf jeden Fall trägt dieses Publikum zu einem allgemeinen Anstieg der Aktivitäten auf dem Chrono24-Marktplatz bei.

Trend 4: Erfahrene Käufer sind aktiver

Langjährige Chrono24-Nutzer scheinen den momentanen Zeitpunkt für besonders geeignet zu halten, um Luxusuhren auf unserem Marktplatz zu erstehen. Sieht man sich die mittlere Dauer an, die ein Nutzer zum Zeitpunkt eines Kaufs auf Chrono24 registriert ist, wird deutlich, dass der Anteil der Käufe von erfahreneren Uhrenkäufern im Vergleich zu vor COVID-19 deutlich gestiegen ist. Auch dies könnte auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen sein, wie zum Beispiel:

– Erfahrenere und vermutlich sachkundige Käufer glauben, dass derzeit eine gute Zeit wäre, um bessere Deals für eine oder mehrere Uhren auf ihrer Wunschliste auszuhandeln

– Mehr Freizeit, um durch Angebote auf Chrono24 zu stöbern und mit anderen erfahrenen Käufern in den sozialen Netzwerken zu interagieren, was zu einem gesteigerten Kauf-Bedürfnis führt

Auch hier gibt es nicht genug Daten, um endgültige Schlüsse zur Motivation dieser Käuferschicht zu ziehen, für Verkäufer bleibt es trotzdem ein nennenswerter Trend.

Danke, dass Sie auch unser zweites Update zur „Lage der weltweiten Uhrenindustrie“ gelesen haben. Sie können den vollständigen Bericht hier lesen. Wir werden die Situation weiterhin beobachten und diesen Artikel in den kommenden Wochen aktualisieren, sobald relevante Informationen oder neue Trends ans Licht kommen.

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Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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