03.12.2020
 6 Minuten

Ein Rückblick der Autoren auf das Uhrenjahr 2020

Von Chrono24
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Ein Rückblick der Autoren auf das Uhrenjahr 2020

Wir haben die Autoren unseres Chrono24-Magazins gebeten Revue passieren zu lassen, was das Jahr 2020 für einen Uhrenenthusiasten bereithielt. Welche Veränderungen im Uhrenmarkt konnten sie durch die Pandemie feststellen? Was sind die negativen und auch positiven Folgen dieser Herausforderung und wie hat sich ihre Kollektion über das Jahr hinweg verändert? Es wäre spannend zu erfahren, wie Sie diese Fragen für sich beantworten. Lassen Sie es uns auf Facebook wissen!

Pascal

Dieses Jahr war in jeder Hinsicht seltsam und auf den ersten Blick könnte man es sicher als trist und langweilig bezeichnen. Doch darüber ließe sich nicht viel schreiben. Was bleibt also? Am Ende des Jahres vergeht die Zeit scheinbar immer besonders schnell, doch dieses Jahr kommt es mir fast wie ein „normales Gangverhalten“ vor – gewissermaßen „entschleunigt“. Dies gilt irgendwie auch für die Uhrenindustrie. Nicht, dass diese Branche in der Vergangenheit besonders schnell unterwegs war, aber ohne das Gehetze auf den Messen und die dicht aufeinanderfolgenden Pressemeldungen war das Jahr 2020 etwas gebremst. Auf der anderen Seite wurden die Neuheiten von Rolex, Omega, Tudor und Co. online „präsentiert“, was als Fortschritt gesehen werden könnte. Auf jeden Fall ermöglichte uns der zeitliche Abstand eine intensivere und gelassenere Auseinandersetzung mit Submariner, Black Bay und Co. Oder weshalb gab es unzählige Beiträge zur ganz genauen Vermessung der Submariner? Und Diskussionen, um welchen Blauton es sich genau bei der neuen Black Bay handelt? Dass solche Kontroversen online stattfanden, zeigt einmal mehr, dass die Online-Präsenz für Marken, Händler und Plattformen an Bedeutung gewonnen hat. Spannend wird sein, welche langfristigen Auswirkungen diese Situation auf das Verhalten der Käufer und damit auch auf das der Marken haben wird.

Tudor Blackbay 58

Was meine Kollektion betrifft, so hat mich Tudor mit der Navy-Version tatsächlich auch mit der Online-Präsentation überzeugen können. Zudem habe ich mir im Homeoffice eine Smartwatch zugelegt, was den Effekt hatte, dass ich meine mechanischen Uhren meist zu den raren besonderen Anlässen, in dieser ansonsten eher weniger spektakulären Zeit, getragen habe. Dadurch hatte ich nicht selten das Gefühl, dass ich meine mechanischen Uhren noch mehr zu schätzen gelernt habe. Quasi habe ich für mich die Koexistenz von Fortschritt und Tradition entdeckt.

René

In diesem Jahr ist einiges anders als in den Jahren zuvor. Zum Beispiel habe ich mir bisher keine neue Uhr geleistet. Ist aber gar nicht so schlimm, denn ich bin mit meiner kleinen Uhrensammlung – bei vier Uhren kann man schon von Sammlung sprechen, oder? – vollauf zufrieden. Besonders mein letzter Uhrenkauf, der nun auch schon wieder ein gutes Jahr zurückliegt, hat es mir angetan. Ich entschied mich damals für eine Maen Hudson 42 Mk II – einen schicken Retro-Taucher, der sich trotz seiner 42 mm Durchmesser sehr angenehm trägt. Maen ist eine Micro-Brand mit Sitz in Stockholm, die von zwei Niederländern mit einem Faible für New York gegründet wurde. Produziert werden die Maen-Uhren jedoch in der Schweiz.

Die Hudson hat sich jedenfalls innerhalb kürzester Zeit zu meinem „Daily Driver“ entwickelt. Am besten gefällt mir das Zifferblatt in „Midnight Blue“. Die Farbe lässt sich schwer beschreiben. Es ist eine Art blasses Dunkelblau, das je nach Lichteinfall mal heller oder mal dunkler erscheint. Die aufgesetzten Stabindizes sind im Kontrast dazu mit weißer Leuchtmasse gefüllt. Gleiches gilt für die Zeiger. Auch der Rehaut mit seiner feinen Minuterie ist Weiß gehalten. Das Blatt wirkt auf diese Weise sehr offen, fast schon luftig. Eine Taucherlünette mit schwarzer Aluminiumeinlage sowie ein gewölbtes Saphirglas machen die Uhr komplett.

Maen bietet die Hudson aktuell nur noch mit 38 mm Durchmesser an. Viele meinen ja, das wäre für eine Retro-Taucheruhr genau die richtige Größe. Nun ja … ich bin jedenfalls froh, dass ich noch ein 42-mm-Modell ergattern konnte.

Mathias Kunz

Das zurückliegende Jahr war für mich eines der turbulentesten meines Lebens. Vom persönlichen Schicksalsschlag bis hin zum schönsten Geschenk, das das Leben für einen bereithält, war alles dabei. Wenn ich auf das Uhrenjahr 2020 zurückblicke, fallen mir spontan nur wenige Neuvorstellungen ein, die mich vom Hocker hauen. Klar, Omega hat eine neue Snoopy vorgestellt und Rolex hat bunte Farben für sich entdeckt. Wirklich beeindruckt hat mich all das jedoch nicht, obwohl ich ehrlich zugeben muss, dass mir die neue Snoopy schon gefällt. Auf jeden Fall sagt sie mir mehr zu als James Bonds neue Titan-Seamaster, die wir vermutlich erst 2021 auf der Kinoleinwand in Aktion sehen dürfen.

Laco

Mein ganz persönliches Uhren-Highlight 2020 ist ein gebrauchter, aber hervorragend erhaltener Chronograph der Marke Laco by Lacher. Der auf 200 Exemplare limitierte Zeitstopper ist eine Mischung aus Flieger- und Taucherchrono. Für Letzteres sprechen die einseitig drehbare Lünette mit 60-Minuten-Graduierung und die Wasserdichtheit von 200 m (20 bar). Ein bisschen erinnert er mich an den legendären Bundeswehr-Chronographen von Heuer. Allerdings verfügt der Laco-Zeitmesser dank des Valjoux 7750 über drei statt zwei Totis. Das perlierte Uhrwerk lässt sich zudem durch den Sichtboden betrachten.

Auf der Vorderseite springen die komplett mit Leuchtmasse beschichteten Stunden- und Minutenzeiger ins Auge. Die rote Sekundenskala sorgt für etwas Farbe auf dem überwiegend schwarzen Zifferblatt. Alles in allem also eine tolle Uhr, die mich in diesem Jahr oft begleitet hat.

Jorg

2020 war ein emotionales Jahr. Aufgrund der COVID-19-Pandemie gab es dieses Jahr keine Uhren-Messen. Außer den Geneva Watch Days wurden alle anderen Events abgesagt, die Baselworld findet sogar nie wieder statt. Die meisten Hersteller präsentierten ihre neuen Modelle online und es gab kaum Möglichkeiten, um Markenvertreter oder andere Uhrenliebhaber persönlich zu treffen. Wenn uns 2020 eins gezeigt hat, dann, dass wir Messen und Events brauchen, um den Gemeinschaftssinn zu erhalten und neue Uhren richtig zu erleben.

Auch der ungebrochene Rolex-Hype mit all seinen negativen Auswirkungen ist mir dieses Jahr aufgefallen. Der Rummel, der um die neue Submariner und die neue Oyster Perpetual veranstaltet wurde, waren meiner Meinung nach ziemlich lächerlich. Verstehen Sie mich nicht falsch: Das sind tolle Uhren, aber mittlerweile bekommt man selbst bei zertifizierten Händlern keine Stahl-Rolex mehr und die Preise für gebrauchte Rolex-Modelle explodieren. Das war schon in den letzten Jahren so, aber die Preise werden langsam absurd. Eine neue Rolex war schon länger etwas für einige wenige Glückliche. Aber wenn das so weitergeht, gilt diese Exklusivität bald für alle Rolex-Uhren.

Grand Seiko

Um einen positiven Abschluss zu finden: Dieses Jahr haben wir viele tolle neue Uhren gesehen, sowohl von kleinen, unabhängigen Marken als auch von den großen Namen. Es ist faszinierend, dass uns Uhrenhersteller immer noch überraschen und atemberaubende neue Uhren kreieren können. Meine persönlichen Favoriten sind die Omega Speedmaster Calibre 321, die Czapek Antarctique, die Grand Seiko SBGJ237 GMT, die Aquastar Deepstar Re-Edition, die Laventure Transatlantique GMT und der jüngste Neuzugang für meine Sammlung, die Unimatic Modello Uno U1-FM. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Ich hoffe nur, dass ich mich 2021 wieder mit Menschen treffen kann, um über Uhren zu sprechen.

Tom

Es ist wohl noch untertrieben, 2020 als schwierig zu bezeichnen. Die Herausforderungen waren in diesem Jahr so vielfältig, ich wüsste gar nicht, wo ich mit einer Auflistung beginnen sollte. Deshalb lasse ich es lieber ganz. Ich möchte hier allerdings festhalten, dass das Jahr nicht vollends für die Katz war. Ganz besonders hat mich beeindruckt, wie die Uhren-Branche auf diese beispiellosen Zeiten reagiert hat. Die zur Schau gestellte Vielfältigkeit und Anpassungsfähigkeit hatten ihr viele zuvor gar nicht zugetraut. Ich bin mir sicher, dass viele Geschäftsführer geneigt waren, das Jahr einfach auszusitzen und keine besonderen Neuveröffentlichungen zu präsentieren, sondern diese für ein (hoffentlich) besseres 2021 zurückzuhalten. Anstatt sich jedoch zurückzulehnen, brachte Tudor mit der Veröffentlichung der äußerst coolen Black Bay 58 Blue den Ball ins Rollen. Von da an ging es Schlag auf Schlag: Der große Bruder Rolex legte mit neuen Modellen der Submariner und Oyster Perpetual stark nach und brachte willkommene Farbtupfer und Leichtigkeit ins Spiel. Omega sorgte mit der 50th Anniversary Speedmaster Silver Snoopy Award für Unterhaltung und lieferte dann mit der Calibre 321 Speedy so richtig ab. Was AP mit der 11:59-Kollektion gemacht hat, ist sogar richtig spannend. Derzeit sieht es nicht so aus, als würde das erste Halbjahr 2021 einfacher werden, aber zumindest können wir hoffen, dass die Uhren-Branche uns weiterhin ein paar schöne Ablenkungen beschert.

Omega Speedmaster Snoopy

Balazs

Wo fange ich an? Letzten November waren wir nach dem Ende der Dubai Watch Week auf dem Weg zum Flughafen und sagten noch Sätze wie: „Wir sehen uns in ein paar Monaten in Genf.” Natürlich hatten wir keine Ahnung, dass die DWW für lange Zeit das letzte Uhren-Event sein würde. Jeder weiß, was in der Zwischenzeit in der Welt passiert ist, also müssen wir darauf nicht eingehen. Für die Uhren-Branche führten die Geschehnisse jedoch zur Absage der Watches and Wonders (früher SIHH) und der Baselworld. Nach der anfänglichen Panik fanden die Uhrenhersteller innovative Wege, ihre Neuveröffentlichungen zu präsentieren. Was stach für mich heraus? Mir gefielen zum Beispiel besonders die Doxa SUB 300, die Hamilton PSR und die neue Tissot T-Touch Connect. Es war eine Freude, die neue H. Moser & Cie Streamliner tragen zu dürfen und natürlich dürfen wir die neue Omega Speedmaster 50th Anniversary Silver Snoopy Award nicht vergessen. Allerdings hätte ich diese neuen Uhren gerne auf einer der zuvor erwähnten Messen oder einem Launch Event erlebt. Hoffen wir, dass diese Veranstaltungen 2021 wieder möglich sind, denn sie fehlen einfach. Abschließend will ich Ihnen sagen: Wir sehen uns 2021 wieder — und das persönlich und nicht nur auf Zoom!

Doxa Sub 300 Carbon

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