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Rückblick auf die SIHH 2019

Balazs Ferenczi
22.01.2019
Foto: Jaeger LeCoultre

 

Die SIHH 2019 ist vorbei. Es waren spannende Tage, an denen sich Uhrenliebhaber aus aller Welt in Genf getroffen haben. Tage voll von dem, was die gemeinsame Leidenschaft für Uhren ausmacht: Neue Modelle, Neuigkeiten aus der Szene und der Austausch mit Gleichgesinnten. Am Ende der Messe ist man immer auch ein wenig erschöpft. Bis zur Baselworld in zwei Monaten ist aber genügend Zeit, sich ein bisschen zu erholen. Werfen wir einen gemeinsamen Blick auf den Salon International de la Haute Horlogerie 2019.

 

SIHH 2019 Carré
SIHH 2019 Carré

 

Das Carré

Die Stände der unabhängigen Marken waren wie gewohnt in einer Carré des Horlogers (Platz der Uhrmacher) genannten großen Halle zu finden. Unter den 17 Ausstellern waren Namen wie MB&F, RJ, Urwerk und Ressence. Die Stände der anderen 18 Aussteller waren auf die anderen Hallen verteilt. An den Ständen auf dem Carré trafen sich Hersteller und Besucher bei Kaffee und Mittagessen – ein kleines El Dorado für die Freunde der feinen Uhrmacherkunst. Treffen konnte man in dieser entspannten Atmosphäre unter anderem Philippe Dufour oder Laurent Ferrier. Schnell kam man ins Gespräch über neue Modelle und deren besonderer Fertigung. Auch der ein oder andere Promi war zu sehen, z.B der Markenbotschafter von Speake-Marin, Pierce Brosnan.

 

Historic Maisons
Historic Maisons

 

Historic Maisons

Insgesamt 18 große Marken, die „Historic Maisons“ (die „geschichtsträchtigen Häuser“) stellten auf dem restlichen Messegelände außerhalb des Carrés aus. Viele der wichtigsten Schweizer Hersteller zeigten hier ihre neuen Modelle. Dabei waren die Richemont-Marken A. Lange & Söhne, Baume & Mercier, Cartier, IWC, Jaeger-LeCoultre, Montblanc, Panerai, Piaget, Roger Dubuis, Vacheron Constantin sowie andere Größen wie Audemars Piguet, Hermés, Ulysse Nardin und Bovet. Das Konzept war hier ein anderes als im Carré: Die Hersteller präsentierten ihre 2019er Modelle ausgewählten Medienvertretern der jeweiligen Märkte (Benelux, Skandinavien, Großbritannien, Australien und Neuseeland, DACH usw.) in einem straffen Zeitplan. Daneben waren die Neuheiten aber natürlich auch in Schaukästen an den Ständen ausgestellt.

 

Jaeger-LeCoultre Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel
Foto: Jaeger LeCoultre

 

Gesprächsthema Nummer eins

Wie jedes Jahr gab es auch diesmal Uhren, die für besonders viel Aufmerksamkeit sorgten. Dazu gehörte definitiv die Jaeger-LeCoultre Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel. Diese Uhr ist ein Meisterwerk. Wie der Name vermuten lässt, ist sie mit Gyrotourbillon, Ewigem Kalender und einer Minutenrepetition ausgestattet, die an das Schlagwerk von Londons Big Ben angelehnt ist — ein ganz besonders kompliziertes Modell, das JLC hier entwickelt hat. Trotz der vielen Komplikationen hat die Uhr einen Durchmesser von nur 43 mm und ist nur 14 mm hoch. Damit ist sie sehr angenehm zu tragen – wenn man sie sich denn leisten kann. Bei diesen Entwicklungen geht es aber nicht in erster Linie um den Preis. Interessant ist vor allem die feine Uhrmacherkunst, die dahinter steckt. Auch die anderen neuen Modelle von Jaeger-LeCoultre enttäuschten nicht, aber das war von einer Marke mit dieser Geschichte auch nicht anders zu erwarten.

 

Audemars Piguet CODE 11.59
Foto: Audemars Piguet

 

Das meistdiskutierte Modell

Genauer gesagt, war es eine Serie von Audemars Piguet, die in den sozialen Medien wie auch auf der SIHH für reichlich Diskussionen sorgte: die CODE 11.59. Nach der Vielzahl an Variationen der Royal Oak, war es an der Zeit, eine ganz neue Kollektion zu präsentieren. Schließlich wurde die von Gérald Genta entworfene und immer noch sehr erfolgreiche Uhr vor fast 50 Jahren erstmals auf der Baselworld 1972 vorgestellt. In den Wochen vor der SIHH stieg die Spannung und es gab jede Menge vielversprechende Gerüchte zu hören. Womit also würde AP uns alle überraschen? Nach der Vorstellung der CODE 11.59 gingen die Meinungen dann weit auseinander. Das Design des Gehäuses gefällt nicht jedem.

Bei allem Respekt für die Zeit und den Aufwand, den AP in die Entwicklung des Gehäuses der CODE 11.59 gesteckt hat – wichtiger ist den meisten doch der Look des Zifferblatts. Mir gefällt es leider so gar nicht. Und damit bin ich nicht der Einzige, auch wenn die Uhr ihre Freunde finden wird. Auf der SIHH wurde das Modell jedenfalls sehr kontrovers diskutiert. Audemars Piguet zeigte sich davon übrigens nicht sehr beeindruckt. Warten wir es einfach ab, ob sich die CODE 11.59 durchsetzen wird.

 

Weitere wichtige Neuheiten

Andere äußerst interessante Uhren gab es auf der SIHH 2019 von Montblanc, Cartier, IWC, Baume & Mercier und Hermés zu sehen. Außerdem einige beeindruckende Neuheiten der kleineren, unabhängigen Marken, die wie gewohnt sehr teuer, aber dabei technisch brillant sind. Zu erwähnen wären die Ressence Type 1 Slim, die Armin Strom Resonance Dual Time im Saphirgehäuse und die MB&F Medusa. Entwickelt wurde die Medusa in Zusammenarbeit mit L’Epée 1839. Zusammenfassend kann man sagen, dass die vier Tage der SIHH fast schon zu viel an Neuem zu bieten hatten. Es war nicht leicht, den Überblick zu behalten. Ganz abgesehen übrigens von weiteren Modellen, die andere Hersteller zur gleichen Zeit auf ihren eigenen Ausstellungen in Genf präsentierten. LVMH z.B. zeigte Uhren ihrer vier Marken TAG Heuer, Zenith, Hublot und Bvlgari auf einem Boot am Genfer See.

 

SIHH 2019 Recap

 

Die Zukunft der SIHH

Die kommenden ein bis zwei Jahre werden einiges an Veränderung bringen – sowohl für die SIHH als auch für die Uhrenwelt generell. Einige große Marken haben ihren Rückzug von den wichtigen Messen angekündigt. Die Swatch Gruppe wird nicht mehr an der Baselworld teilnehmen und auch die SIHH wird einige herbe Verluste im Teilnehmerfeld hinnehmen müssen: Richard Mille und Audemars Piguet waren in diesem Jahr das letzte Mal dabei.

Auch die Termine werden sich ändern. Ab 2020 werden SIHH und Baselworld direkt nacheinander stattfinden, um es Besuchern und Medienvertretern einfacher zu machen, beide Messen zu besuchen. Die SIHH wird vom 26. bis 29. April stattfinden, die Baselworld vom 30. April bis zum 5. Mai. Eine Veränderung, für die viele dankbar sind. In diesem Jahr aber freuen wir uns mit Spannung zuerst einmal auf die kommende Baselworld. Auch ohne die Marken der Swatch Gruppe wird es hier viel Neues und Interessantes zu sehen geben.

 

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Balazs Ferenczi
Von Balazs Ferenczi
22.01.2019
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