02.10.2019
 4 Minuten

Weshalb benötigt eine Taucheruhr ein Heliumventil?

Von Mathias Kunz
Rolex Sea-Dweller

Weshalb benötigt eine Taucheruhr ein Heliumventil? Foto: Bert Buijsrogge

Einige Taucheruhren haben es, andere nicht – das Heliumventil. Die wohl prominenteste Uhr mit dieser Vorrichtung ist die Rolex Sea-Dweller. Doch wozu benötigt man dieses Ventil beim Tauchen?

Wie funktioniert ein Heliumventil?

Ein Heliumventil schützt eine Taucheruhr vor Schäden. Es ist also ein Sicherheitsventil, das beim Sättigungstauchen und während der Dekompressionsphase Heliummoleküle entweichen lässt. Bei diesem professionellen Tieftauchen befinden sich die Berufstaucher in Überdruckkammern und atmen ein Gasgemisch aus Helium und Sauerstoff, das sogenannte Heliox. Das Helium ersetzt den in normaler Luft enthaltenen Stickstoff, welcher im Überdruck wie ein Narkosemittel wirkt. Heliummoleküle sind allerdings so klein, dass sie durch die Dichtungen einer Taucheruhr ins Gehäuseinnere eindringen können. Während der Dekompression entweichen sie jedoch nicht schnell genug, sodass das Uhrglas durch den Überdruck herausspringen kann. Deshalb haben Taucheruhren wie die Rolex Sea-Dweller ein Heliumventil. Beim Sporttauchen ist dieses Ventil jedoch nahezu überflüssig.

Rolex Comex Submariner Ref. 5514
Rolex Comex Submariner

Eine kurze Geschichte des Heliumventils

In den Anfängen des Sättigungstauchens beklagten sich Profitaucher oft über herausspringende Uhrgläser während der Dekompression. Also entwickelte Rolex in den 1960er-Jahren zusammen mit dem französischen Tauchunternehmen Comex das Heliumventil. Zu Beginn lieferte die Genfer Uhrenmanufaktur umgerüstete Submariner-Uhren an Comex. Die Rolex-Comex Modelle sind heute äußerst selten, begehrt und dementsprechend teuer.

Die Sea-Dweller kam schließlich 1967 auf den Markt. Das Heliumventil ist in die linke Gehäuseseite integriert. Es ist neben der fehlenden Datumslupe und der verbesserten Wasserdichtheit von 610 m eines der wichtigsten Merkmale der Sea-Dweller. Das erste Modell dieser Taucheruhr für Profis trägt die Referenznummer 1665. Aufgrund des zweizeiligen roten Schriftzugs „SEA-DWELLER SUBMARINER 2000“ erhielt sie den Spitznamen „Double Red“. Diese frühen Tauchzeitmesser für Profis sind heute freilich begehrt und rufen ebenfalls hohe Preise auf.

 Rolex Sea-Dweller Double Red
Rolex Sea-Dweller Double Red

Berühmte Taucheruhr mit Heliumventil – Rolex Sea-Dweller

Die bereits angesprochene Rolex Sea-Dweller ist die erste und wohl auch bekannteste Taucheruhr mit Heliumventil. Das aktuelle Modell mit der Referenznummer 126600 kam 2017 zum 50-jährigen Jubiläum der Taucheruhr auf den Markt. Im Unterschied zur Vorgängerin ist diese nicht mehr 40 mm, sondern 43 mm groß. Das Gehäuse ist weiterhin bis 1220 m (120 bar) wasserdicht. Für kontroverse Diskussionen unter den Rolex-Anhängern sorgte die erstmals bei diesem Modell angebrachte Zyklopenlupe zur Vergrößerung der Datumsanzeige.

Ebenfalls neu ist das Manufakturkaliber 3235 mit patentierter und besonders effizienter Chronergy-Hemmung. Dank des neuen Uhrwerkes beträgt die Gangreserve nun rund 70 Stunden. Selbstverständlich ist diese Sea-Dweller als „Superlative Chronometer“ zertifiziert. Die Gangabweichung liegt also zwischen -2 und +2 Sekunden am Tag.

Omega Seamaster Planet Ocean 600 M

Omega Seamaster Planet Ocean-0933
Omega Seamaster Planet Ocean, Foto: Bert Buijsrogge

Die Seamaster Planet Ocean 600 M ist die Profitaucheruhr von Omega. Allerdings gibt es zahlreiche verschiedene Modelle: von der Drei-Zeiger-Uhr über di  GMT-Version bis hin zum Chronographen hat Omega alles im Repertoire. Die Drei-Zeiger-Variante mit Datumsanzeige bei 3 Uhr ist am ehesten mit der Sea-Dweller von Rolex vergleichbar. Mit einem Durchmesser von 43,5 mm ist sie auch ähnlich groß. Die Wasserdichtheit beträgt 600 m (60 bar). Das Heliumventil der Omega-Uhr sitzt ebenfalls auf der linken Gehäuseseite, allerdings bei 10 statt bei 9 Uhr. Auch die Funktionsweise gestaltet sich anders. Funktioniert das Rolex-Ventil automatisch, so müssen Sie das Heliumventil der Omega Semaster Planet Ocean 600 M während der Dekompressionsphase aufdrehen.

Die Armbanduhr ist als Master Chronometer zertifiziert und deshalb nicht nur besonders ganggenau, sondern auch antimagnetisch bis 15.000 Gauß.

Tudor Pelagos – Titan-Chronometer mit Heliumventil

Tudor Pelagos
Tudor Pelagos, Foto: Bert Buijsrogge

Die Tudor Pelagos ist eine weitere Taucheruhr mit Heliumventil. Wie bei der Rolex Sea-Dweller sitzt das automatische Sicherheitsventil auf der linken Seite bei 9 Uhr und ist in das Gehäuse integriert. Eine Ausnahme ist die Pelagos LHD, bei der die Krone linksseitig positioniert ist. Diese Uhr richtet sich an Taucher und Leute, die ihre Armbanduhr am rechten Handgelenk tragen. Die Abkürzung LHD steht für Left Hand Drive. Das Heliumventil der Pelagos LHD befindet sich folglich auf der rechten Gehäuseseite bei 3 Uhr.

Die Rolex-Tochter Tudor verwendet bei jeder Pelagos Titan als Gehäusematerial. Dieser Werkstoff ist deutlich leichter als Edelstahl, aber ähnlich hart und korrosionsbeständig. Das Gehäuse ist vollständig satiniert und hat einen Durchmesser von 42 mm. Die Drehlünette der Pelagos besteht ebenfalls aus Titan und hat eine Einlage aus Keramik, die besonders kratzfest ist. Das Zifferblatt und die Lünette gibt es in Schwarz oder Blau. Die gesamte Uhr ist bis 500 m (50 bar) wasserdicht.

Das Titanarmband ist ein weiteres Highlight der Tudor Pelagos. Die Sicherheitsfaltschließe besitzt eine patentierte Bandverlängerung, die sich automatisch an den Umgebungsdruck anpasst. Steigt der Druck mit zunehmender Wassertiefe, so wird das Band automatisch enger. Nimmt der Druck beim Auftauchen ab, so wird das Band wieder länger. Es passt sich also dem Umfang des Tauchanzuges am Handgelenk an.

Das automatische Manufakturkaliber MT5612 ist als Chronometer zertifiziert, hat eine Datumsanzeige auf der 3-Uhr-Position und bietet eine Gangreserve von 70 Stunden.

Oris Prodiver Chronograph mit Zeitstopffunktion

Die Oris Prodiver Chronograph bietet zusätzlich zum Heliumventil eine Chronographen-Funktion, mit der Sie Zeitspannen von bis zu 12 Stunden messen können. Im Innern der 51 mm großen Taucheruhr gibt das Kaliber Oris 774 den Takt vor. Es basiert auf dem SW 500 von Sellita und hat eine Gangreserve von etwa 48 Stunden.

Die Keramik-Lünette ist an der Außenseite gummiert und deshalb besonders griffig. Krone und Drücker sind verschraubt, sodass kein Wasser ins Gehäuseinnere eindringen kann. Die Wasserdichtheit des Chronographen beträgt 1000 m (100 bar). Das automatische Heliumventil sitzt auf der linken Gehäuseseite bei 9 Uhr.

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Über den Autor

Mathias Kunz

Ich arbeite seit 2015 als Redakteur für Chrono24 und beschäftige mich tagtäglich mit Uhren. Am meisten fasziniert mich dabei die feine Mechanik, die zum einen für Tradition und zum anderen für …

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